Neuerscheinungen Tiere

20.09.20
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Buchtipps von Michael Lausberg

Richard Smith: Koralle & Co. Warum die Unterwasserwelt für unser Überleben so wichtig ist, Delius Klasing, Bielefeld 2020, ISBN: 978-3-667-11898-1, 34,90 EURO (D)

In diesem Buch stellt Richard Smith den Lebensraum der Korallenriffe mit einer enormen Biodiversität vor. Schätzungen der Gesamtzahl der an Korallenriffen weltweit lebenden Arten reichen von 600.000 bis zu 9 Millionen, die für das Funktionieren des Ökosystems wichtig sind. Es wird aber auch auf die zunehmende Bedrohung dieser Ökosysteme durch den vom Menschen gemachte Klimawandel hingewiesen.

Korallenriffe sind komplexe marine Ökosysteme, was im einleitenden Kapitel verdeutlicht wird. Sie sind das Biotop für ein wechselseitiges abhängiges Leben von Pflanzen und Tieren, beispielsweise Würmer, Weichtiere, Schwämme, Stachelhäuter und Krebstiere. Es folgt die Vorstellung des „Korallendreiecks“ mit der weltweit höchsten marinen Vielfalt. Dort leben ca. 60 % aller Rifffischarten des Indischen Ozeans und westlichen Indopazifiks, gleichbedeutend mit 37 % der Riffarten weltweit. Anschließend gibt es einen Exkurs in die Forschungsgeschichte, wo neu entdeckte Lebewesen porträtiert werden. Die Beziehungen unter den Arten, die überlebenswichtig sind, und die Biodiversität werden ebenfalls beschrieben, bevor dann einzelne Fischarten detailliert gezeigt werden. Dass die Habitate von Parasiten und vor allem vom Menschen bedroht sind, verdeutlicht der letzte Abschnitt, wo unter anderem viele absterbende Korallen illustriert werden. Dies ist nicht nur das Problem vom Sterben zahlreicher Arten, sondern hat auch Auswirkungen für das Leben der Menschen, es besteht also eine wechselseitige Abhängigkeit.

Hier werden mehr als 300 detailreiche Abbildungen der Schönheiten der Unterwasserwelt gezeigt, ein faszinierendes Ökosystem. Es wird über Riffe, der Bewohner und die Bedrohung der Vielfalt informiert. Es ist für Biologen, Interessenten an Meerestieren, Riffen und Ozeanen sowie für Unterwasserfotografen interessant, die sich auf außergewöhnliche und seltene Abbildungen freuen können.

Solvin Zankl/Maike Nicolai: Tiefseewesen. Einblicke in eine kaum erforschte Welt, Edition Delius, Bielefeld 2020, ISBN: 978-3-677-11957-5, 39,90 EURO (D)

Die Tiefsee beherbergt eine erstaunliche Anzahl von Meerestieren, die sich an die extremen Lebensbedingungen angepasst haben und bislang kaum erforscht sind. Zwei Drittel der dort lebenden Arten sind bislang unbekannt und die in der Anpassung an Dunkelheit, Weite, Kälte und hohen Druck ungewöhnliche Eigenarten ausgebildet haben.

In diesem Band werden Aufnahmen des Naturfotografen und Biologen Solvin Zankl aus der Tiefsee präsentiert, die von Texten über das Ökosystem Tiefsee und die Fortbewegung, Ernährung, Fortpflanzung und Kommunikation ihrer Bewohner von der Meeresbiologin Maike Nicolai flankiert werden: „Dieses Buch durchstreift den grenzenlosen offenen Ozean, besucht Seeberge und andere Gesteinsformationen am Grund des Atlantiks, eine japanische Meeresschlucht und die kühlen Gefilde norwegischer Fjorde.“ (S. 16)

In der Einleitung wird das Phänomen Tiefsee vorgestellt. Die Tiefsee beginnt dort, wo das Licht endet, etwa 200 Meter unterhalb des Meeresspiegels. Die Tiefsee macht fast 90 Prozent des Ozeans aus und beherbergt mehr Arten als alle anderen Lebensräume auf unserem Planeten zusammengenommen. Die Fähigkeit, durch eine körpereigene chemische Reaktion oder mithilfe von Bakterien natürliches Licht zu erzeugen, hat sich bei den Arten als Überlebensmethode durchgesetzt. Neben diesen Fakten wird die bisherige Geschichte der Entdeckung der Tiefsee skizziert.

Danach folgen fünf Kapitel, die alle von mit einer kurzen Einleitung versehen sind, aber hauptsächlich die detaillierten Aufnahmen der Tiefseebewohner präsentieren. Zunächst werden Aufnahmen an der Grenze des Lichts in der Sargassosee, einer der produktivsten Meeresregionen der Erde, gezeigt. Es folgen Bilder von der Expedition ANT-XXIV/1 des Forschungseisbrechers Polarstern durch den Atlantik unterhalb des Lichts. Aufnahmen von den Sankt-Peter- und Sankt-Pauls-Felsen, fast 1000 Kilometer von der brasilianischen Küste entfernt Die Erhebungen locken wie Oasen in der Tiefsee-Ebene ein artenreiches Leben an, was dann gezeigt wird.

Danach werden Illustrationen von der Bucht von Toyama im Japanischen Meer Leuchtkalmare und andere Lebewesen gezeigt. Korallenriffe am Grund von Fjorden, die Unterschlupf für zahlreiche Arten bieten, runden den Bildband ab.

Die jeweiligen Arten werden entweder auf einer Doppelseite oder auf einer Seite im Bild gezeigt. Außerdem gibt es Informationen zum wissenschaftlichen Namen, eine kurze Beschreibung und Angaben zur Wassertiefe der Aufnahme und Körpergröße der Art.

Anschließend gibt es noch ein Interview, das Maike Nicolai mit Solvin Zankl über seine Tauchgänge, Unterwasserfotografie und die Faszination der Tiefsee.

Im Anhang findet man noch ein Glossar der wichtigsten Fachausdrücke, ein Literaturverzeichnis fehlt.

Das Buch zeigt seltene wunderbare, detaillierte Aufnahmen der Meeresbewohner. Es zeigt jedoch nicht nur die Faszination der verschiedenen Arten der Tiefsee, sondern will auch ein Beitrag sein für den Schutz der Ozeane im eigenen menschlichen Interesse und der Artenvielfalt. Wissenschaftler. Für Biologen und interessierte Laien ein tiefgehender Einblick in das Leben der Tiefsee.

 

Vollrath Wiese: Die Landschnecken Deutschlands. Finden – Erkennen – Bestimmen, 2. Auflage, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2016, ISBN: 978-3-494-01686-3, 24,95 EURO (D)

In diesem Bestimmungswerkes über heimische Landschnecken werden alle in der BRD vorkommenden Arten farbig abgebildet und in Form eines Feldführers vorgestellt.

Im ersten Teil geht es um die Lebensräumen der Landschnecken, Beobachtung und Haltung, sowie Merkmalen von Gehäusen. Grundlagen der Forschung werden ebenso erläutert wie die Bestimmungsmethodik. Außerdem werden die Fallstricke einer allgemein gültigen Systematik analysiert und ungeklärte Fragen aufgeworfen.

Anschließend geht es über zum Hauptteil, den Artenprofile. Diese sind systematisch nach den Familien gegliedert. In einer Übersichtstafel mit Bildern werden die Familien mit einer kurzen textlichen Erläuterung mit Angaben über die familientypischen Kennzeichen und Lebensweisen, Lebensräume und Nahrung vorgestellt.

Dann folgen die einzelnen Artkapitel, die auf einer Seite mit Text und mehreren Bildern dargestellt werden. Die Texte gehen auf die Merkmale, die Kennzeichen des Gehäuses und des Weichkörpers ein und beschreiben Unterschiede zu verwandten oder ähnlichen Arten. Lebensraum und der Status der Gefährdung auf nationaler und internationaler Basis, die Verbreitung in Deutschland kommen ebenfalls zur Sprache. Hinweise zu weiterführender Literatur runden den Text ab. Die Bilder zeigen detailliert das Gehäuse von verschiedenen Perspektiven aus, um Unterscheidungsmerkmale zu illustrieren.

Am Ende findet man noch ein Literaturverzeichnis, das eine selbstständige weiterführende Lektüre möglich macht. Es ist bewusst ausführlich gewählt mit allen relevanten Forschungswerken.

Dies ist ein Standardwerk über Landschnecken, das sicher in manchen Teilen noch verbesserungswürdig ist (Schutzmaßnahmen, Verbreitungskarten). Das Fehlen eines Bestimmungsschlüssels ist für ein solches Buch ungewöhnlich, wird aber überzeugend begründet. Die einzelnen Artprofile sind aber ausführlich, mit vielen sehr genauen Bildern versehen, so dass es möglich sein dürfte, die der jeweiligen Bestimmung der Art vorzunehmen. Vor allem bei Laien lässt sich eine Verwechslung bei der Bestimmung niemals ausschließen, Fachleute dürften keine Probleme haben. Vielleicht wäre eine Erweiterung des Buches auf in Mitteleuropa vorkommende Landschnecken eine Option für einen Folgeband, so dass der Fokus nicht zu sehr auf willkürliche Grenzen der BRD festgelegt wäre.

 

Andreas Roloff (Hrsg.): Die starken Bäume Deutschlands. 111 faszinierende Naturerben und ihre Geschichten, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2020, ISBN: 978-3-494-01814-0, 29,95 EURO (D)

Jeder Baum hat eine Geschichte, ist einzigartig und wertvoll. Dieses Buch stellt 111 besonders eindrucksvolle und starke Bäume und 70 Baumarten vor, die in allen Teilen der BRD stehen. Die Idee zu diesem Buch entsprang aus dem seit einigen Jahren durch die Deutsche Dendrologische Gesellschaft (DDG) erstellten Kalender „Starke Bäume“, in dem Mitglieder der Gesellschaft bemerkenswerte Bäume in Wort und Bild festhalten. Die Auswahl traf der Herausgeber Andreas Roloff, Baumbiologie-Professor an der TU Dresden. Die Autoren sind allesamt Dendrologen oder Baumkundler, die mit den Bäumen eine individuelle Geschichte verbindet. Zusammen mit großen Porträtfotos ist dies das Alleinstellungsmerkmal des Buches. Das Ziel des Buches liegt darin, die Eigenarten der Baumarten und die Ästhetik vorzustellen, die emotionale Bindung zu Bäumen und mehr Wissen über ihre Biologie und Ökologie zu fördern. Mehr Menschen sollen Verantwortung für diese Naturmonumente übernehmen, um sie nachfolgenden Generationen zu erhalten.

In der ausführlichen Einführung definiert Andreas Roloff den Terminus starke Bäume, geht auf Rindenbilder, Körpersprache, Baumdiagnostik, Baumalterung und den Umgang mit alten Bäumen ein und skizziert die Ziele des Buches.

Anschließend folgt der Hauptteil mit den Baumporträts: Dieser wird eingeleitet von einer Übersichtskarte mit deutschem und wissenschaftlichen Baumnamen und dem Standort. Dann werden die vorgestellten Bäume in die Kapitel Norden, Mitte und Süden sortiert und einzeln proträtiert. Neben der textlichen Beschreibung gibt es ein oder zwei Farbbilder. In tabellarischer Form findet man Angaben über den Standort, Alter, Stammumfang, Höhe und GPS-Daten.

Im Anhang findet man noch ein Literaturverzeichnis, jeweils ein Register mit den deutschen Baumgattungen, den wissenschaftlichen Baumarten und den Ortsnamen.

Der Text und die wunderbaren Bilder in Farbe veranschaulichen vor allem den Charakter der Baumriesen und die Bedeutung des Baumes für die Menschen. Das Buch dient dazu, die individuelle Verbundenheit zu den Bäumen dem Leser näher zu bringen. Aber es ist auch eine Warnung vor der Klimakatastrophe und einem nicht durchdachtem Abholzen von Wäldern oder einzelnen Bäumen.

 

Faszinierende Vogelmomente. Der Falke Bildband, Aula Verlag, Wiebelsheim 2020, ISBN: 978-3-89104-829-0, 29,95 EURO (D)

Bereits seit 1954 erscheint das Monatsjournal „Der Falke-Journal für Vogelbeobachter“ für alle, die an den Vögeln, ihrer Schönheit, ihrer Ökologie und ihrem Schutz interessiert sind. Dieser Bildband fasst die schönsten Momente daraus in 16 Bildsequenzen wie Balz, Paarung, Tarnung, Nahrungssuche usw. zusammen. Verschiedene Fotografen stellen hier ihre besten Momentaufnahmen vor und vermitteln Wissen für gelungene Vogelbilder.

Die Aufnahmen sind nach unterschiedlichen Momenten der Beobachtung unterteilt: Gesang, Akrobatik, Im Flug, Badefreuden, Auf Nahrungssuche, Balz und Paare, Jungvögel, Tarnung, Jagd und Streit. Dabei nehmen Aufnahmen im Flug sowie bei Balz und Paare einen Schwerpunkt ein. Die Aufnahmen decken alle Jahreszeiten ab. Vor jedem Kapitel gibt es eine kurze Einleitung, dann folgen die Aufnahmen. Darunter findet man die deutschen und wissenschaftlichen Namen des Vogels und den Zeitpunkt der Aufnahme. Meistens sind zwei Farbbilder auf einer Seite zu sehen, manchmal auch ein großformatiges auf einer Seite. Am Ende findet man noch einen Bildquellennachweis mit dem Namen des Fotographen und ein Register geordnet nach Vogelarten.

Herausgekommen ist ein gelungener Bildband, der das Herz jedes Ornithologen und interessierten Laien höher schlagen lässt. Es sind durchgängig tolle Bilder, die detailliert Vögel in ihrem Lebensraum zu verschiedenen Gelegenheiten zeigen. Vor allem manche Aufnahmen der Vögel im Flug sind gelungen. Es hätte am Anfang allerdings ein kurzes Kapitel über die Grundlagen der Tierfotografie eingefügt werden können.

 







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