Neuerscheinungen Natur

04.01.20
KulturKultur, Umwelt, TopNews 

 

Buchtippsvon Michael Lausberg

Buch 1

Michael Martin/Sabine Wünsch: Das Wesen der Wüste. Wie der Sand in die Wüste kommt und weshalb die Dünen singen – die Entdeckung einer faszinierenden Welt, Ludwig Verlag, München 2019, ISBN: 978-3-453-28121-9, 22 EURO (D)

Seit 35 Jahren bereist der weltweit renommierteste Wüstenfotograf, Abenteurer und Geograph Michael Martin die Wüsten der Erde. In diesem Buch stellt er die Geheimnisse, Entstehungszusammenhänge und unendlichen Weiten dieses Lebensraumes mitsamt 60 Farbbildern vor. Dies sind neben den Trockenwüsten auch die Kälte- und Eiswüsten der Arktis und Antarktis, die er auf seinen Entdeckungsreisen besucht hat. Das dort existierende menschliche, tierische und pflanzliche Leben stehen neben der Ästhetik dieser Naturräume im Mittelpunkt. Dieses Buch entstand zusammen mit der freien Lektorin Sabine Wünsch.

Geschichte und Geschichten der Eiswüsten Grönlands oder Trockenwüsten wie der Sahara, Gobi, Namib, Kalahari oder Atacama dokumentieren die gesamte Vielfalt dieses Lebensraumes und korrigieren die weit verbreitete Vorstellung von eintöniger Einöde. Nomaden, die Bewohner der Namib aber auch tierische Wüstenbewohner werden so den Lesern auf unterhaltsame Weise näher gebracht.

Die eindrucksvollen Bilder zeigen unter anderen Impressionen des Farbenspiels in der nächtlichen Namib, die Dünen von Demi in der Sahara im Tschad, einen Geysir im westlichen Pamir in Tadschikistan, ein Kloster in der Badein-Jaran-Wüste in China oder Kakteen im Saguaro-Nationalpark in Arizona, Felsformationen oder farbenprächtige Sanddünen. Neben den Stationen seiner Abenteuerreisen weist aber auch auf die vermehrte Ausbeutung der Wüste durch menschliche Eingriffe, die Teile des Naturparadieses bedrohen und für Raubbau an der Natur sorgen. Seine neuen Projekte, das Fotografieren aller anderen Landschaftszonen der Erde, wird im letzten Kapitel Bezug genommen. Im Anhang findet man noch ein Glossar der wichtigsten Fachbegriffe und die Anmerkungen zum Text.

Michael Martin erzählt hier aus seinem 30jähigen Abenteuerleben als Wüstenfotograf und Naturfreund. Was auffällt: Martin entwickelt enormen Respekt für alles, was ihm begegnet, Mensch und Tier. Die Abenteuer sind nicht nur spannend zu lesen, seine Bilder können die Schönheit der wilden Welt genauso fesselnd vermitteln.

 

Buch 2

Bernd Dörries: Der lachende Kontinent. Expeditionen ins unbekannte Afrika, Terra Mater, Wals bei Salzburg 2019, ISBN: 978-3-99055-020-5, 24 EURO (D)

Bernd Dörries berichtet seit 2017 für die Süddeutsche Zeitung über Subsahara-Afrika und lebt in Südafrika. Stück für Stück nähert er sich durch seine Reisen den Leuten und dem riesigen Kontinent. Dabei bedauert er, dass in den Köpfen vieler Menschen und Medienvertreter Afrika kollektiv als Kontinent der Krise, Gefahr, Hungersnöte, hoffnungsloser Migration  oder Armut wahrgenommen wird: „Wenn man sich einen großen Teil der Afrika-Berichterstattung der vergangenen Jahre anschaut, dann geht es immer darum, warum es den Kontinent so schlecht geht oder wie es ihm besser gehen könnte. (…) Was jedoch fehlt, ist, dass es in vielen Ländern auch viel Normalität gibt. Es wird in Afrika mehr gelacht als geschossen.“ (S. 12) Dies ist es auch, was er auf seinen Reisen bei Menschen mit unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen immer wieder antrifft: Fröhlichkeit und Optimismus trotz vieler Probleme, Normalität, Gastfreundschaft und die Kunst der Improvisation. Er möchte die Vielschichtigkeit Afrikas jenseits aller Klischees darstellen.

Seine Eindrücke der verschiedenen Länder hat er in 34 Episoden zusammengefasst, die je nach alphabetisch nach Ländern geordnet sind. In subjektiven und mit etwas Humor und Skurrilem will er die Vielsichtigkeit in Subsahara-Afrika zeigen. So kann man zum Beispiel nachlesen, wie in Äthiopien Wein gekeltert wird und das Spitzenprodukt eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot, Jahrgang 2014, ist. Oder die größte Kirche der Welt in der Elfenbeinküste, die Basilika Notre-Dame-de-la-Paix, die den Petersdom um 25 Meter überragt. Man erfährt vieles über Mara Phone aus Ruanda, das erste Mobiltelefon, das auf dem Kontinent hergestellt wird. Farmen in Namibia, die Paderborn oder Abendruhe heißen und über den Apfelkuchen in Swakopmund im Café Anton und den Rassismus mancher Deutschnamibier stellt Dörries ebenso vor. Oder berichtet von dem Stelldichein von Jugendlichen in Khartum im Sudan nahe an der Stelle, an dem weißer und blauer Nil zusammenkommen und den Sonnenuntergang ansehen.

Zu Anfang jedes Länderporträts geben es neben einer geografischen Karte in tabellarischer Form Informationen über Einwohner, Wirtschaftswachstum, eventuelle Unabhängigkeit, das Nationalgericht, die beste Sehenswürdigkeit, der wichtigste Fakt und die Rubrik „Darüber spricht das Land“. Die Anzahl chinesischer Restaurants im Land klingt skurril, hat aber den Hintergrund, dass China Macht und Einflusssphären auf dem afrikanischen Kontinent gewinnen will. Übrigens genauso wie der Neokolonialismus der Europäer.

Das Buch selbst ist kurzweilig, sehr unterhaltsam, hat Humor und gibt einen kleinen Einblick in Länder und deren Menschen, die nicht so bekannt sind. Zur weiteren Information über die Länder oder Regionen wäre ein Literaturverzeichnis am Ende des Buches wünschenswert gewesen. Clemens Tönnies und seine Brüder und Schwestern im Geiste könnten sich dann umfassend informieren.

Hier wird ein anderes Bild von Subsahara-Afrika gezeichnet, ein viel positiveres als in den Massenmedien. Trotz allem kann es die Kriege, Hungertoten, die schlimmen Folgen des Klimawandels, die Ausbeutung durch westliche Konzerne und Staaten usw. nicht negieren. Das Buch zeigt aber auch, dass Glück oder Lebensfreude wenig mit dem Besitz oder Geld zu tun hat. Und vom Schreibstil her ein hervorragendes Stück Journalismus.

 

Buch 3

Andreas Tjernshaugen: Von Walen und Menschen. Eine Reise durch die Jahrhunderte, Residenz Verlag, Salzburg/Wien 2019, ISBN: 978-3-7017-3491-7, 22 EURO (D)

Andreas Tjernshaugens Buch „Das verborgene Leben der Meisen“ wurde in der BRD ein Bestseller. Das neueste Buch des Autors erzählt von Begegnungen zwischen den Menschen und Walen. Darin beschreibt er die jährliche Wanderung der Wale vom Eis in die wärmeren Ozeane, die gefährlichen Expeditionen der ersten norwegischen Walfänger in den Polarmeeren und den heutigen Kampf um die Rettung der letzten Blauwale. Das Buch handelt auch von Walfängern, Reedern, Zoologen und Staatsmännern, die beim Walfang eine Rolle gespielt haben. Es wurde von Martin Bayer aus dem Norwegischen übersetzt.

In der Mitte des Buches gibt es einige farbige Abbildungen: historische Zeichnungen, Walfänger in Norwegen, Walfangschiffe, Blauwalkadaver und Aufnahmen von Walen aus verschiedenen Teilen der Welt.

Im Mittelalter waren die Gründe für den Walfang die enormen Mengen Fleisch, der als Brennstoff verwertbare Waltran und die Kieferknochen, die man im Hausbau verwendete. Am Ende des Mittelalters fuhren bereits ganze Flotten aus, um die großen Wale, mehrheitlich Glattwale wie den Grönlandwal, zu jagen.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurden vor allem Bartenwale bejagt, um den Bedarf der Korsett- und Reifrockhersteller an Fischbein zu decken. Außerdem diente das Spermaceti der Pottwale als Schmiermittel für Maschinen und das Ambra als Grundstoff für die Pharmaindustrie und zur Parfumherstellung.

Er konzentriert sich stark auf den Blauwal, des größten Wales der Welt. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Sprengharpune erfunden und eingesetzt wurde, kam es zu einem massiven Ansteigen der erlegten Wale. 

Der Blauwal war auch ein internationales Politikum zwischen Norwegen, Großbritannien, Nazideutschland, Japan und der Sowjetunion, die alle in den Kampf um den Reichtum des Südlichen Ozeans eintraten. Der Blauwal war aufgrund des modernen Walfangs mit schnellen Booten, explosiven Granaten und Harpunenkanonen vom Aussterben bedroht. Vestfold in Norwegen bildete lange Zeit das Walfangzentrum der Welt, viele norwegische Männer verließen ihre Familien und gingen ins Ausland, um Walfang zu betreiben. Ungefähr in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten Wale eine sehr große Bedeutung als Rohstofflieferant für die Industrie. In dieser Zeit wurde intensiv gejagt, in den 1930er Jahren wurden jedes Jahr über 30.000 Wale getötet.

Von Anfang an wurde gewarnt, dass die Wale ausgerottet werden könnten. Es kam auch fast so Die größten Unterarten der Antarktis sind immer noch vom Aussterben bedroht. der Blauwalbestand beträgt wahrscheinlich maximal 14.000 Tiere.

1946 wurde die Internationale Walfangkommission gegründet, die die Bestände der Wale kontrollieren und sichern sollte. Das Töten von Walen zu kommerziellen Zwecken wurde durch diese Organisation 1985 weltweit bis zum Jahr 2005 verboten. Allerdings werden auch heute noch Wale gejagt. Vor allem japanische Walfangschiffe jagen Wale verschiedener Arten zu vorgeblich wissenschaftlichen Zwecken. Jedes Jahr gibt die norwegische Regierung eine selbstgesetzte Fangquote bekannt, das den einheimischen Walfängern erlaubt, Großwale zu jagen und zu töten. Länder wie Norwegen und Japan setzen sich für eine Beendigung des Moratoriums ein.

Die zunehmende Meeresverschmutzung stellt auch für die Meeressäuger ein ernst zu nehmendes Problem dar. Schwermetalle, Reste vieler Pflanzen- und Insektengifte sowie Plastikmüll-Treibgut sind biologisch nicht abbaubar. Bei der Nahrungsaufnahme direkt oder über die Meerespflanzen und Beutetiere gelangen sie dann in den Körper der Wale. In der Folge werden die Tiere anfälliger gegenüber Krankheiten und bekommen weniger Nachwuchs. Außerdem geht er auf die Übersäuerung der Meere ein und warnt eindringlich vor den Folgen des Klimawandels für die Wale: „Wie alle Lebewesen auf dem Planeten sind der Krill und der Blauwal Versuchskaninchen im gigantischen Klimaexperiment, das wir Menschen in Gang gesetzt haben.“ (S. 220)

 

Buch 4

Sebastian Jutzi: Als ein Virus Napoleon besiegte. Wie Natur Geschichte macht, Hirzel Verlag, Stuttgart 2019, ISBN: 978-3-7776-2798-4, 19,80 EURO (D)

In diesem Buch zeigt der Biologe und Journalist Sebastian Jutzi, wie die Natur oder Naturereignisse die Geschichte der Menschheit in der Vergangenheit geprägt haben. Er schildert darin 53 historische Geschichten, wo Wetter und Klima, Gestirne, Meteoriten, Vulkane, Mikroorganismen, Tiere und Pflanzen den Verlauf historischer Ereignisse beeinflusst haben. Außerdem präsentiert er technische Erfindungen, denen eine Naturbeobachtung zu Grunde lag. Die Papyruspflanze ermöglichte schon den alten Ägyptern neben dem Herstellen von Tauen, Textilien und sogar Schiffen den kulturellen Fortschritt des beschreibbaren Materials und damit der Schriftkultur.

Er nennt mehrere Beispiel, wie wo das Wetter oder ein Krankheitserreger, wie schon auf dem Titelmotiv mit Napoleon zu sehen, den Ausgang von Kriegen mit beeinflusst haben. So haben besondere Windverhältnisse dazu geführt, dass der der spanische Admiral Alonso Pérez de Guzmán verlor 1588 den Großteil der spanischen Flotte gegen die Engländer verlor. Die Natur, in welcher Erscheinungsform auch immer, konnte auch den Ausgang von Wahlen prägen, wie die Deutschen es 2002 erlebten. Dort sorgte das Elbehochwasser für einen Wendepunkt kurz vor der Bundestagswahl, bei dem Gerhard Schröder so viele Pluspunkte sammelte, so dass er kurze Zeit wieder hauchdünn die Wahl gewann. Weltgeschichte prägte. Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche sorgten ebenfalls für Einschnitte im Leben von Menschen. Krankheiten und Epidemien wie die Pest sorgten im Mittelalter für ein Massensterben und antisemitische Pogrome, da den Juden dafür die Schuld eingeräumt wurde. Ein Pottwal versenkte 1820 das Walfangschiff Essex, was den Schriftsteller Hermann Melville zu einem Werk über den Walfang und dem wohl bekanntesten Wal der Geschichte, Moby Dick, inspirierte.

Die jeweiligen Geschichten umfassen zwei bis vier Seiten, manche enthalten noch eine Abbildung. Im Anhang findet man noch ein Literaturverzeichnis, ein Bildnachweis und ein Register.

Wie Wetterphänomene, Flora und Fauna sowie Krankheitserreger den Lauf der Geschichte beeinflusst und menschliches Handeln als Reaktion davon erzwangen, wird hier mit Sachverstand und Humor in verschiedenen Episoden durch die Weltgeschichte erfahrbar. Eine Fortsetzung dieser Episoden über die Macht der Natur ist auch in der Gegenwart zu beobachten, der Klimawandel und seine Folgen für die Menschheit. Das Wirken der Natur wird allerdings dort zu weit gefasst, wo es im Buch um die Entdeckung von Naturgesetzen geht.

 

Buch 5

Julia Kruse: Faszinierende Pflanzenpilze. Erkennen und Bestimmen, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2019, ISBN: 978-3-494-01780-8, 39,95 EURO (D)

In der BRD gibt es mehrere tausend Arten von Pflanzenpilzen. Dieses Bestimmungsbuch stellt ca. 500 der wichtigsten und häufigsten Pflanzenpilzarten vor und gibt weiterhin Informationen zur Biologie, Verbreitung und Ökologie dieser Arten.

Das Buch beginnt mit der Biologie der Pflanzenpilze, danach wird eine Charakteristik der Pilzgruppen vorgenommen und die parasitischen Pflanzenpilze sowie deren Befallsbild beschrieben. Anschließend geht es um die wirtschaftliche Bedeutung von Pflanzenpilzen, deren Bestimmung, das Sammeln und Aufbewahren sowie um Kleinpilze im Garten. Danach folgen der Schlüssel zu den Hauptgruppen und der Bestimmungsteil, der den Großteil des Buches ausmacht.

Dieser Bestimmungsteil ist alphabetisch nach den verschiedenen Pflanzengattungen sortiert. Die wissenschaftlichen und deutschen Namen werden dabei genannt und sind auch im Register abrufbar. Danach folgen kurze Texte zur Beschreibung der Symptomatik, Vorkommen und falls erforderlich Anmerkungen. Angaben zu jahreszeitlichen Vorkommen basieren auf persönlichen Erfahrungen und dem Vergleich mit der benutzten Literatur. Darüber hinaus werden ein oder mehrere detaillierte Bilder der Pflanzenpilze zur Erleichterung der Bestimmung gezeigt. Innerhalb der Texte finden sich immer wieder Bildverweise und Querverweise zu anderen im Buch abgebildeten Arten, die die bestimmungsrelevanten Merkmale zeigen.

Danach wird die benutzte Literatur aufgelistet und eine Phänologie-Tabelle abgebildet. Bildtafeln vor dem Glossar am Ende des Buches geben einen ersten Eindruck über die optische Vielfältigkeit der jeweiligen Pflanzengruppe. Danach findet man noch ein Register der deutschen sowie der wissenschaftlichen Namen sowie Informationen zur Autorin.

Hier werden ca. 500 500 der wichtigsten und häufigsten Pflanzenpilzarten in der BRD umfassend vorgestellt. Das Buch richtet sich an alle Pilz- und Pflanzenfreunde, Gärtner, Land- und Forstwirte, Biologen sowie Naturschützer. Der systematische Aufbau ist verständlich und gliedert das Nachschlagewerk so, dass eine gute Bestimmung auch aufgrund der detaillierten Farbbilder problemlos möglich ist.

 







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz