H.R.Giger lebt: Graphic Novell „Alien - Dead Orbit“

18.09.20
KulturKultur, TopNews 

 

Rezension von Hannes Sies

Man würde es sich zu leicht machen, täte man die ALIEN-Filmreihe als puren Eskapismus ab. Filmregie-Genie Ridley Scott hat mit Alien 1 stilbildend Filmgeschichte geschrieben. Sigourney Weaver wurde als taffe Alien-Jägerin Ripley erste Frau im Actionfilm/SF/Horror-Genre, praktisch als US-Version von Emma Peel (also. der jüngst verstorbenen Diana Rigg). Das berühmte Alien-Wesen, den „Xenomorph“, schuf der dafür mit einem Oscar geehrte Schweizer Künstler H.R.Giger, dessen „Biomechanische Landschaften“ vor einer Entmenschlichung unserer technologischen Zivilisation warnen -in monströsen Bildern und Skulpturen.

Der kanadische Graphic Novellist James Stokoe (Text und Zeichnungen) übersetzt in „Alien - Dead Orbit“ auf überzeugende Weise H.R.Gigers düstere Horror-Kunst in seinen morbiden Comic-Strichelstil. Der utopische bzw. dystopische Gehalt des „Alien-Universums“ ist leider etwas unterentwickelt, kritisiert aber wacker eine von bösartigen Großkonzernen beherrschte Plutokratie (fast muss man sagen: nach Vorbild der heutigen US-Gesellschaft). Die Menschen müssen auch bei der Eroberung des Weltalls ihre Arbeitskraft bitter verkaufen und dabei ihre Haut für den Profit skrupelloser Bosse riskieren. Die Alien-Filme prangern dabei zynische Militärs und ihre Wissenschaftler an, die in der tödlichen Alienbrut vor allem eine neue Biowaffe sehen. An diesen Erzählstrang knüpft der vorliegende Band zwar nicht an, ergänzt das „Alien-Universum“ aber um eine für sich selbst stehende, im Plot etwas an Carpenters SF-Horror „The Thing“ angelehnte, kleine Story:

Nach einem schrecklichen Unfall auf der Raumstation Sphacteria muss sich die Crew mit den wenigen, ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Angriff einer der tödlichsten Kreaturen des Universums wehren. Allen voran ist der Ingenieur der Station, Wascylewski, der sich in bester Ripley-Manier dem Ungeheuer stellt.“ crosscult-Verlagstext

An Bord der abgelegenen Raumstation, die drei Monate von der nächsten menschlichen Siedlung entfernt einen Gasriesen umkreist, befinden sich vier Männer und eine Frau namens Rook. Rook bringt zwar bei ihrem Auftritt zuerst dem Chef seinen Kaffee, entpuppt sich aber schnell als taffe Raumheldin -die zudem ohne genretypische Ballonbusen auskommt. Man entdeckt ein abgewracktes Schrottsammler-Schiff mit drei gerade noch lebenden Menschen in Kryoschlafkapseln und holt sie an Bord. Das hätte man besser nicht getan.

James Stokoe erweckt in seinen Zeichnungen H.R.Gigers Kreatur zum Leben, schafft es sogar, die Schockeffekte der SF-Horrorfilme ins Comic zu übertragen. Das Titelbild zeigt den Xenomorph in einer Gigers Biomechanische Landschaften Ehre machenden Pose als Teil der zu Schrott zerfallenden Hochtechnologie, zugleich als in Verwesung übergehendes Fleisch. Neben Action bietet Stokoe auch versteckten Humor. So liest man z.B. auf dem Kaffeebecher, den Rook anfangs bringt, „Eat the Apple -fuck the Corps“ (Iss den Apfel, fick die Konzerne), dazu ein Apfel-Logo, das etwas an den Apple-Konzern erinnert, aber mit US-Flaggen-Farben „Stars&Stripes“ -und das noch in angedeuteter Form eines Star-Trek-Logos.

Fazit: Bei der Eroberung des Weltaums (oder in Technologie überhaupt) lauern mehr Gefahren als hippe Silikon-Valley-Gurus wie Elon Musk uns weismachen wollen. Ihnen und ihren von Innovations-PR-Gewäsch besoffenen Fans wäre etwas düstere Horror-SF wirklich zu empfehlen. Musk, der seinen Kunden und Aktionären technologisch mehr als das Blaue vom Himmel verspricht, Urlaub auf dem Mond, Besiedlung des Mars usw., bricht mit der Privat-Raumfahrtfirma SpaceX gerade wieder Börsenrekorde. Ist aber eine plutokratische Konzern-beherrschte Zukunft aber wirklich die Utopie, die sich jeder wünschen kann? Oder sind Musk & Co eher das Problem, für dessen Lösung sie sich halten?

James Stokoe: Aliens Dead Orbit, Ludwigsburg: crosscult 2020, 17x26cm, 104 S., 15,00-Euro

https://www.cross-cult.de/titel/aliens-dead-orbit.html?titel_medium=9

Zu Hansrüdi Giger:

http://www.hrgigermuseum.com/index2.php?option=bio&act=l&pg=11&lang=en

...und Alien:

«The Scariest movie ever made», der «grusligste Film, der je gemacht wurde» – so wurde «Alien» von Ridley Scott 1979 beworben. Dass er so gruslig war, das lag vor allem an ihm und seinen düsteren Phantasien: HR Giger. Der Schweizer Künstler, schuf nicht nur den Look des Films, sondern auch die Figur des Alien, ein Monster, irgendetwas zwischen einem Tyrannosaurus Rex und einem Teufel mit langgezogenem Kopf, fürchterlichem Gebiss und langen Krallen. HR Gigers Ausstattung für den Film war wegbereitend für die Science Fiction, seine Alptraumwelten, immer eine Mischung aus Organischen und mechanischen Formen wurden ikonographisch und oft zitiert, kopiert und weiter entwickelt. Und sie brachten ihm, dem Schweizer, 1980 einen Oscar für die beste Filmausstattung. SRF-HRGiger-Nachruf (Schweizer Rundfunk) 13.5.2014

https://www.srf.ch/kultur/kunst/die-kunst-von-hr-giger-praegt-bis-heute-den-science-fiction-film







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