Wir brauchen viele linke Buchmessen


17.12.07
TopNewsTopNews, Kultur 

 

Von Dieter  Braeg

Schon zum 12. mal wurde in Nürnberg die Linke Literaturmesse  von Metroproletan und dem Gostenhofer Literatur- und Kulturverein Libresso veranstaltet.
Teilnehmende Verlage waren u.a. Pahl-Rugenstein Verlag, Bonn  gemeinsam mit VSA, Hamburg, Konkret Literatur Verlag, Hamburg Dietz Verlag, und  Eulenspiegelverlag beide aus Berlin. Der Aurora Buchversand repräsentierte auch die Ed. Nautilus, Hamburg und Schwarze Risse, Berlin. Neben dem  Ca-ira Verlag, Freiburg i.B., dem Verlag Edition AV, Frankfurt a.M. fand man auch Bücherstände des PapyRossa Verlag, Köln und des Dagyeli Verlag, Berlin dazu noch Neuer ISP Verlag, Köln, Schmetterling Verlag, Stuttgart,  und Unrast Verlag, Münster.
Mit 1500 Besucherinnen und Besuchern war die Messe ein Erfolg, den auch im jahre 2006 waren ähnlich viele Besucherinnen und Besucher zu verzeichnen.

Auffällig war die Präsenz vieler Antiquariate und Zeitschriften ( "Marxistische Blätter" und "Unsere Zeit","Arbeiterstimme", "Rote Fahne" "Hinterland-Magazin", "Positionen", "Kontra", "Trotz Alledem", "Bolschewik Partisan",  "Gegenstandpunkt", "Internationale Revue") auch der Schallplattenversand "Jump Up" aus Bremen präsentierte linkes Musikkulturgut und Verlag und Zeitung "Junge Welt" waren  ebenfalls im Nürnberger K4 vertreten. Während sich auf der Königsstraße die Massen zu den Glühweinschwaden  des Christkindlesmarktes bewegten, gab es am dritten Adventswochenende mehr als 40 Veranstaltungen auf dieser Literaturmesse.  Dabei wurde nicht nur vorgelesen, wie etwa bei der Eröffnungsveranstaltung von Jutta Ditfurth,  mit ihrer großartigen Biografie von Ulrike Meinhof die Frage beantwortete, wie Ulrike Meinhof wirklich lebte und war.   Beeindruckend war für mich auch die Lesung  des Übersetzers Dieter Reger, aus dem Gedichtband "Außenseiter Gedichte" von David Kessel.
Es zeichnet die Veranstalter der Messe aus, dass sie zwar den Schwerpunkt auf Sachbücher legen,  die auch den aktuellen Stand der Diskussionen in der Linken wiedergeben. Das dabei auf engem Raum viele unterschiedliche Positionen vertreten werden  ist die Stärke dieser Messe. Bedauerlich allerdings, dass Lyrik und Romane meistens nicht aus dem deutschsprachigen Raum kamen.
Es fällt auf, dass linke Kultur vor allem im Bereich der Diskussionsprozesse stattfindet. Die waren manchmal doch ziemlich wild. Vom ça ira Verlag war der Titel "Rote Armee Fiktion" angekündigt, zwar war "solidarische Kritik" versprochen worden, doch Referent Joachim Bruhn bezeichnete Ulrike Meinhof als "halbgebildete Marxistin -Leninistin" und meinte  der Marxismus-Leninismus sei latent antisemitisch.
Informativ und wichtig auch die Lesung des ehemaligen RAF-Mitglied Karl-Heinz-Dellwo aus seinem Buch "Das Projektil sind wir" (Edition Nautilus) bei der er feststellte,  der Tod von Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe  im Jahre 1977 in  Stammheim, sei ein "Selbstmord unter staatlicher Aufsicht" gewesen.

Weder Romane, Theaterstücke oder Lyrik waren auf dieser Messe in größerem Umfang präsent. Es scheint ein Risiko zu sein, sich darauf einzulassen. Wobei der Nautilus Verlag da ganz sicher eine Ausnahme ist und auch mit Romanen, etwa denen von  Andrea Maria Schenkel, literarisch und kommerziellen Erfolg feiern konnte.
Bedauerlich war, trotz eines Vortrag von Lutz Schulenburg mit dem Titel "Guerilla Monologe", dass der dritte Band der AKTION der sich abschließend mit der Geschichte des bewaffneten Kampfes beschäftigen sollte, noch immer nicht erschienen ist.

In den Anfängen der Linken Literaturmesse war geplant, diese an möglichst vielen Orten zu veranstalten. Das sie nur in Nürnberg stattfindet, ist bedauerlich. Wir bräuchten in möglichst vielen Städten das Jahr über eine ähnliche Möglichkeit linke Inhalte der interessierten Öffentlichkeit vorzustellen, samt begleitenden Veranstaltungen. Besucherinteresse dürfte es sicherlich genügend geben.

Dieter Braeg

 

 


VON: DIETER BRAEG

db@scharf-links.de




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