Neuerscheinungen Kunst und Kreativität

17.06.22
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Christian Rapp/Ursula Schwarz (Hrsg.): Wider die Macht. Die Kunstsammlung des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Residenz Verlag, Wien/Salzburg 2022, ISBN: 9783701735594, 28 EURO (D)

Über 150 Grafiken, Zeichnungen und Ölgemälde aus der Kunstsammlung des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) erzählen von Verfolgung, Krieg und Widerstand zwischen 1934 und 1945. Die Kunstsammlung ist die einzige österreichische Sammlung von Kunstwerken von Opfern nationalsozialistischer Verfolgung und als solche ein Zeugnis der antifaschistischen Haltung breiter Teile der politischen und gesellschaftlichen Eliten der ersten Nachkriegsjahrzehnte.

Erstmals wird die einzigartige Kunstsammlung umfassend präsentiert. Die Sammlung des DÖW wird hier fast vollständig gezeigt: Der Band enthält Beiträge zur Geschichte des österreichischen Widerstands und beleuchtet die Werke aus biographischer, kunsthistorischer und zeitgeschichtlicher Sicht. Sie ist vom 26.02.2022 bis zum 15.01.2023 im Haus der Geschichte Niederösterreich in St. Pölten zu sehen.

Der Band wird von Essays eingeleitet. Im ersten geht es um die Konzeption der Ausstellung und deren verschiedenen Kategorien. Die Ausstellung unterscheidet sich von einer klassischen Kunstschau, das die Entstehungsbedingungen der Werke in besonderem Maß zu vermitteln sind. Dies bezieht sich zum einen auf die deutlich stärkere biografische Verankerung der Werke, da Leben und Werk der Kunstschaffenden viel stärker miteinander verflochten sind, zum anderen einer zeitlichen Zweiteilung der Sammlung in Arbeiten aus der Zeit vor und nach 1945.

Danach wird die Entstehungsgeschichte der Kunstsammlung des DÖW, die Sammlung selbst und die systematische Aufarbeitung ab dem Jahre 2011 beschrieben. Widerstand und Verfolgung und eine Perspektive darauf, wie Menschen die Erfahrung von Leid, Gefahr und Grauen verarbeiteten, werden danach analysiert. Kunstgeschichtliche Einblicke in die Sammlung werden dann vorgestellt, bevor die in der unmittelbaren Nachkriegszeit begonnene Aufklärungskampagne „Niemals vergessen!“ und die damit verbundene Ausstellung 1946 im Wiener Künstlerhaus thematisiert wird.

Der beschwerliche soziale und künstlerische Aufstieg der österreichischen Roma-Familie Stojka zu einer der bekanntesten Künstlerfamilien des Landes wird danach präsentiert. Zum Abschluss der Essays geht ein Beitrag auf die Macht und die Kraft der Bilder sowie auf die heilsame Wirkung kreativen Arbeitens ein.

Im zweiten Teil wird die Ausstellung im Einzelnen vorgestellt.

Die Ausstellung gliedert sich in einen chronologischen und in einen thematischen Teil. Im ersten Teil wird anhand beispielhafter Biografien und Kunstwerken von den verschiedenen Formen des Widerstandes berichtet: Vom Bürgerkrieg in Spanien über die Résistance in Frankreich, in der zahlreiche Österreicher*innen aktiv waren, bis zum militärischen Widerstand am Ende des Zweiten Weltkrieges.

Im zweiten Teil zeigt die Ausstellung, wie Verfolgte, Menschen im Widerstand, aber auch unfreiwillige Kriegsteilnehmer*innen nach 1945 ihre Erinnerungen auf unterschiedliche künstlerische Weise zu verarbeiten versuchten.

Die Aufarbeitung gegen das Vergessen und für eine Erinnerungskultur leitet dies ein. Danach werden der sozialdemokratische und kommunistische Widerstand und Flucht nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 bis zum Ausreiseverbot 1941 und Verfolgung thematisiert. Nach dem bürgerlichen und katholischem Widerstand werden die Internierungslager in Frankreich und nach der deutschen Besetzung die Deportationen in die Vernichtungslager angesprochen. Terror und Verfolgung in der NS-Diktatur nehmen danach einen großen Raum ein.

Anschließend geht es um das Thema des Erinnerns an Gewalt und Verfolgung, wobei auch spätere Deutungen und Ergänzungen eingeschlossen sind. Danach werden Werke vorgestellt, die Mitgefühl hervorrufen und Betrachter*innen zum Handeln bewegen wollen. Wie Schmerz, Trauer, Wut und die Erfahrung von Gewalt künstlerisch in vertraute Sinnbilder oder abstrakte Formen umgewandelt werden, steht dann im Vordergrund. Der letzte Schwerpunkt behandelt die Frage nach Gründen, wie die Verbrechen des Nationalsozialismus geschehen konnten und wie daraus ein politischer Auftrag für die Zukunft abgeleitet werden kann.

Im Anhang gibt es noch einen Index der Künstler*innen.

Dies ist eine besondere Kunstausstellung mit antifaschistischem Anspruch, die 150 Künstler*innen umfasst, die mit Ausgrenzung, Repression und Verfolgung konfrontiert waren, aber auch Kunst als Waffe im Widerstand benutzten. Außerdem war für sie Kunst eine Form des Ausdrucks, um ihre individuellen Erlebnisse zu verarbeiten. Die Werke evozieren Emotionen und werden gut in diesem Band kontextualisiert. Diese unmittelbaren Zeugnisse geben unterschiedliche Zugänge zu der dunkelsten Epoche Österreichs und der Weltgeschichte und sind es wert unmittelbar durch eigene Anschauung erfahren zu werden.


Buch 2

Theresa Holler: Jenseitsbilder. Dantes Commedia und ihr Weiterleben im Weltgericht bis 1500, Deutscher Kunstverlag, Berlin 2020, ISBN: 978-3-422-98121-7, 48 EURO (D)

Die in Hölle, Fegefeuer und Paradies aufgeteilte Divina Commedia gilt als bedeutendste Dichtung der italienischen Literatur.

Dies ist die leicht überarbeitete Fassung der im Fach Kunst- und Bildgeschichte an der Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin eingereichten Dissertation von Theresa Holler, die erstmals die Bezugnahme von Dantes Divina Commedia in italienischen Jenseitsbildern bis 1500 untersucht. Die zentrale Frage lautet: Wie reagieren die Künstler auf Dantes imaginäre Bilderwelt für ihre visuelle Konstruktion des Weltgerichtes und inwieweit verändert such dadurch die räumliche Beschaffenheit des Jenseits?

Im Mittelpunkt der Studie steht das polyvalente Verhältnis von Malerei und Dichtkunst im Zusammenspiel mit dem jeweiligen theologischen-historischen Kontext. Text und Bild werden sowohl parallel als auch voneinander unabhängig betrachtet. In den einzelnen Kapiteln von Wandbildzyklen werden jeweils unterschiedliche Spielformen der Text-Bild-Relation angewandt, um das Verhältnis von Malerei und Dichtkunst auf einer Metaebene zu beleuchten.

Den Ausgangspunkt der Studie bildet die synoptische Betrachtung von Giottos Weltgericht in der Scrovegni-Kapelle in Padua und Dantes Divina Commedia. Die jeweilige künstlerische Auseinandersetzung mit dem Jenseits steht im Vordergrund der Betrachtung. Text und Bild werden dicht nebeneinandergelegt, aber unabhängig voneinander untersucht, wodurch sich zeigt, dass das Jenseits etwa zeitgleich zum Experimentierfeld über die Möglichkeiten von Malerei und Dichtkunst wird.

Im zweiten Kapitel steht der in des dreißiger Jahren des Trecento datierte und Buonanamico Buffalmacco zugeschriebene Wandzyklus von Thebais, Gericht-Hölle und Todesallegorie im Camposanto in Pisa im Mittelpunkt. Dieser weist eine Pluralität von Bildneuerung auf, die zum Teil auf die direkte und indirekte Rezeption von Dantes Werk in einem dominikanisch geprägten Bildprogramm zurückgeführt werden kann.

Das Kernstück des Buches bildet die Fallstudie zur Capella Strozzi di Mantova in der Florentiner Dominikanerkirche Santa Maria Novella. Anhand mehrerer Teilaspekte wird die bildimmanente Auseinandersetzung mit Dantes Inferno und der Kommentarliteratur sowie andersherum eine textimmanente Analyse der geologischen und hydrografischen Beschaffenheit der Unterwelt Dantes vor dem Hintergrund des Bildes durchgeführt.

Das der Hölle der Strozzi-Kapelle gegenüberliegende Paradies wird bezüglich der vom Künstler gedachten Klanglandschaft und die hierarchische Anordnung der Engel und Heiligen unter dem Aspekt der spezifisch dominikanischen Konzeption befragt. Danach werden die Wandbilder in das spannungsreiche Verhältnis von Poesie und Theologie eingereiht.

Im nächsten Schritt werden zwei Kapellen aus dem Quattrocento und dem beginnenden Cinquecento untersucht, in denen das Purgatorium Teil des Weltgerichtes wird und für dessen Visualisierung sich die Künstler auf jeweils unterschiedliche Art an Dante anlehnen. Dies sind die von Bartholomeo di Tommasso geschaffenen Wandbilder der Cappella Paradisi in San Francesco in Torni aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Andererseits die Cappella Nuova im Dom von Orvieto, die von Signorelli um die Wende des 16. Jh. gestaltet wurde.

Folgende Ergebnisse ergab die Studie:

Im Eingangskapitel zeigte sich, dass es das Thema des Jenseits ist, das Maler und Dichter unabhängig voneinander dazu veranlasst hat, in neuer Weise über ihr jeweiliges Medium und seine Grenzen nachzudenken. Die Frage nach dem Weiterleben von Dantes Divina Commedia im Weltgericht führte zu teils sehr komplexen Lösungen der Künstler. Sie changierten zwischen Bewunderung und Ablehnung gegenüber dem literarischen Stoff. Im Kontext der Cappella Paradisi erfuhr Dante Anerkennung, während die Fallstudien zum Pisaner Camposanto und zur Strozzi-Kapelle ein eher ambivalentes Verhältnis aufwiesen. Buffalmacco überführt das Inferno in ein natürliches Ordnungssystem, das aus einem in sieben Kammer unterteiltem Berg besteht und in ähnlicher Form in vielen Wandbildern, aber auch der Tafelmalerei und der Reproduktionsgrafik rezipiert worden ist.

Wie sehr Dantes Jenseitstopografie die Bildkünste mitgeprägt hat und zugleich davon eigene, neue Formen der Visualisierung geschaffen hat, ist durch di Tommassos Bildzyklus in der Cappella Paradisi hervorgetreten. Die sieben Hauptsünden dienen der visuellen Konstruktion der Hölle und des Purgatoriums, das damit zum Spiegelbild des Infernos wird.

Insgesamt diente Dantes Divina Commedia den Künstlern als vielschichtige Folie, um neue Formen von ästhetischen Werken und inhaltlichen Erzählräumen im Medium der Malerei auszuprobieren. Dabei kreierten sie neue Bilder des Jenseits, die in das Thema des Weltgerichts dringen und die Vorstellungswelt des Betrachters maßgeblich mitbestimmten.

Die Untersuchung zeichnet sich durch Stringenz und eine umfangreiche Beschäftigung mit der Sekundärliteratur aus. Die in dem Text zu findenden Abbildungen, Zeichnungen und Schemata sind leider nur in schwarz-weiß gehalten, dafür gibt es im Anhang 30 detaillierte Farbtafeln. An diese Studie könnte eine eingehende Untersuchung von Michelangalos Weltgericht angeschlossen werden, wobei Entwicklungslinien, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede herausgefiltert werden können.


Buch 3

Colette Baron-Reid: Das Orakel der 7 Energien. 49 Karten mit Anleitungsbuch, Knaur, München 2022, ISBN: 978-3-426-65892-5, 22,99 EURO (D)

Die 7 Energien, die unser ganzes Leben beeinflussen, sind Erde, Wasser, Feuer, Liebe, Geräusch, Licht und Gedanken. Ihre Weisheit zeigt sich darin, wie wir denken, wie wir Entscheidungen treffen und welche äußeren Bedingungen in unserer Welt wir vorfinden.

Die Orakel-Expertin Colette Baron-Reid hat ein Anleitungsbuch sowie 49 Karten zusammengestellt, die uns Warnungen, Weissagungen und Ratschläge für alle Lebensbereiche bieten. Jede der Karten wird einer Energie zugeordnet und hat ihre eigene Bedeutung. Die 7 Energien zeigen, wie wir als Individuen unser Leben erfahren, und geben uns einen Rahmen, mithilfe dessen wir bessere Lebensentscheidungen treffen können.

Das Material des Decks ist matt, die Karten selbst sind groß, aber liegen gut in der Hand und eignen sich zum Mischen.

Die Karten sind kleine Kunstwerke, ihre Bilder vertiefen Intuition, sind detailreich und besitzen hohe Symbolkraft. Die Karten liefern eine ruhige, friedvolle und ausgeglichene Atmosphäre. Die Botschaften auf den Karten sind positiv, inspirierend und aussagekräftig. Die Botschaften lassen auch den notwendigen Raum für eigenes Denken und Interpretieren in der eigenen Lebenswirklichkeit.

Der Vorteil ist, dass die Karten überall hin mitgenommen werden können und sie so bei jeder Gelegenheit benutzt werden können

Das Begleitbuch liefert die Schlüsselbedeutung der Karte auf, ist aber nicht sehr mühevoll gestaltet und auch zu wenig ausführlich. Es fällt von der tollen Gestaltung der Karten deutlich ab.

Unterbewusstes oder vielfach Verdrängtes wieder sichtbar zu machen, innere Weisheit und Heilung und die Verfeinerung der eigenen Intuition können mit dem Orakel erreicht werden. Eine gute Mischung aus Spiritualität, Lebensweisheit und Selbsttherapie.


Buch 4

Martin Quedenbaum: Das Premiere Pro CC Buch. Praxisleitfaden und Referenz für die professionelle Videobearbeitung, dpunkt, Heidelberg 2022, ISBN: 978-3-86490-827-9, 44,90 EURO (D)

Premiere Pro ist die führende Software für professionelle Videoproduktion für Film, TV und Web. Es bietet Kreativwerkzeuge, die Integration mit anderen Applikationen und Diensten von Adobe und die Adobe Sensei bieten einen lückenlosen Workflow zur professionellen Videobearbeitung.

In diesem Buch wird Einsteiger*innen die Handhabung bis zur Ausgabe von eigenen Filmprojekten für Web, Social Media, Fernsehen und mobile Endgeräte veranschaulicht.

Das Buch beginnt mit einem kurzen Handware-Check und Tipps zur Aufrüstung. Danach geht es um die Programmoberfläche, den Import von Rohmaterial, das Sichten und Sortieren im Quellmonitor und das Erstellen von professionellen Roh- und Feinschnitttechniken von Filmsequenzen. Dazugehörige Texte und Titel, das Erstellen von Videoüberblendungen und Effekten und die Optimierung des Filmmaterials mit Tonwert und Farbkorrekturen kommen danach zur Sprache.

Die Bearbeitung der Audio-Spuren von der Aussteuerung über das Mischen bis hin zum Einsatz von Audioeffekten wird danach behandelt. Der Export des fertigen Films mit dem Media-Encoder und die Projektarchivierung bildet den Abschluss des Workflows.

Zur Übung gibt es 10 Workshops, die oft auftretende Videoschnitt-Aufgaben beinhalten. So zum Beispiel verwackelte, zittrige Aufnahmen nachträglich zu verbessern. Oder das Unkenntlichmachen des Gesichtes einer abgebildeten Person sowie das Projekt Bewegungsunschärfe bei schnelle ablaufenden Transformationsanimationen. Zu den Workshops gibt es immer vom Autor auf einer Webseite zusammengestelltes Online-Material.

Einen Index zum Nachschlagen gibt es im Anhang.

Das Buch stellt jeden einzelnen Schritt und die dazugehörigen Funktionen im Text und mit vielen Abbildungen passend zum Menü detailliert dar. Zusätzlich gibt es viele Hinweise, Tipps und Online-Material. Einstellungen und Menüpunkte und deren Bedeutung werden in Tabellen verständlich erläutert. Nur eine Zusammenfassung am Ende jedes Kapitels fehlt. Für Einsteiger*innen, die noch unsicher sind, ist das Buch als Baukastenprinzip aufgebaut und zu empfehlen.







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