Neuerscheinungen Pädagogik und Psychologie

10.04.22
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Reinhard Stähling/Barbara Wenders: Worin unsere Stärke besteht. Eine inklusive Modellschule im sozialen Brennpunkt, Psychosozial, Gießen 2021, ISBN: 978-3-8379-3122-8, 54, 90 EURO (D)

Trotz aller Bemühungen um Teilhabe ist die schulische Realität immer noch stark dominiert von Benachteiligung und Ausgrenzung. Insbesondere bei Kindern mit Armutserfahrung und Migrationsvorgeschichte geraten häufig eigene Stärken und die Lernmotivation aus dem Blickfeld. Wie die individuellen Potenziale und der Gemeinsinn der Schüler*innen aktiviert werden können und vermeintlich »anregungsarme« Schulen im sozialen Brennpunkt zu Orten gelebter Vielfalt werden, zeigen Reinhard Stähling und Barbara Wenders. Dabei beziehen sie sich auf ihre Arbeit in der PRIMUS-Schule Berg Fidel-Geist Münster. In enger Verzahnung von Theorie und Erfahrungen aus der schulischen Praxis skizzieren sie ihre Vision einer solidarischen Schule für alle.

Der Titel des Buches leitet sich ab von einer Liedzeile des „Solidaritätsliedes“ von Brecht und Eisler.

Im ersten Teil wird alltägliche Schulpraxis in der PRIMUS-Schule Berg Fidel-Geist Münster beschrieben. Zuerst werden Geschichten von Schüler*innen, viele aus geflüchteten Roma-Familien erzählt, danach werden an Beispielen der eigenen Schulpraxis gezeigt, welche konkreten solidarischen Bausteine in einer „Schule für alle“ nötig sind. Dies sind der Tagesablauf im gebundenen Ganztag, der Freie Forscher Club, die Freie Arbeit, das Freie Schreiben und Entlastung für alle sowie der Umgang mit der Corona-Krise.

Danach folgt ein Blick auf genutzte Theorien: Georg Feusers „Kooperation am Gemeinsamen Gegenstand“ und die „Zone der nächsten Entwicklung“ von Lew Vygotsky sowie der Theorie des defensiven Lernens von Klaus Holzkamp.

Im zweiten Teil geht es um die soziale Ungleichheit in der Schule. Dort werden zunächst Fakten zur sozialen Herkunft und zur „Lähmung des Bildungswillens“ aufgezeigt. Die vom französischen Soziologen Pierre Bourdieu herausgearbeitete Analyse der sozialen Ungleichheit und Schule folgen danach. Anschließend werden diejenigen kritisch hinterfragt, die in den Schulklassen eine „gute Mischung“ fordern. Und es wird die These widerlegt, dass eine Schule mit Kindern aus dem sozialen Brennpunkt ein „anregungsarmes“ Lernmilieu darstellt.

Aus Erfahrungen wird das Bild einer Schule der Solidarität entwickelt. Wie diese aussehen könnte, wird dann erläutert. Die solidarische Stärke der Kinder aus Armutsverhältnissen stützt sich auf die „Pädagogik der Befreiung“ nach Freire und die „Pädagogik der Unterdrückten“ nach Dussel.

In einer Tabelle werden die vorhandenen Ansätze zusammengefasst. Sie will dabei helfen, die einzelnen Entscheidungen im praktischen Alltag auf ihren Nutzen und ihre Zielsetzung zu überprüfen. In der rechten Spalte wird die Perspektive einer inklusiven und solidarischen Schule beschrieben, in der linken dagegen die Tendenzen in der Schulpraxis, die dazu führen können, dass die anhaltende soziale Ungleichheit bestehen bleibt, dagegen.

Zum Abschluss gibt es ein Interview mit Georg Feuser, ehemaliger Sonderschulrektor und Integrationsforscher, der in Bremen versucht hat, die Schulen im Sinne der Benachteiligten zu ändern.

Im Anhang findet sich noch ein Quellenverzeichnis.

Pädagog*innen und Verantwortliche bei Behörden können aus diesen positiven Erfahrungen sicherlich viel mitnehmen, die ernsthaft an einer Demokratisierung von Schule interessiert sind. Der häufige Vorwurf, dass Visionen einer neuen Schule realitätsfremd sind, trifft hier nur marginal zu. Die Tabelle in Kapitel 9 zeigt eine Konstrastierung des Bestehenden und des Wünschenswerten in Form von Stichpunkten, die auch als Handlungsempfehlungen zur Diskussion stehen. Dies bietet eine gute Orientierungshilfe.


Buch 2

Carsten Püttmann/Elmar Wortmann: Handbuch Pädagogikunterricht, UTB, 2022, ISBN: 978-3-8252-5620-3, 39,90 EURO (D)

Dieses Buch gibt erstmalig einen umfassenden Überblick zu Theorie und Praxis des Pädagogikunterrichts. Als Einführung gibt es Beiträge zu fachdidaktischen Konzeptionen, zu den grundlegenden Inhalten und Methoden sowie zur Diagnostik des Pädagogikunterrichts. Außerdem liegt der Schwerpunkt auf den Einsatz von digitalen Medien und zur kompetenzorientierten Unterrichtsplanung. Der Sammelband kann sowohl zur Einführung als auch als Nachschlagewerk genutzt werden und soll Studierenden und Lehrenden eine umfassende Orientierung anbieten und zugleich die fachdidaktische Diskussion abbilden und anregen.

Im ersten Kapitel geht es um die pädagogische Fächergruppe in der BRD und im deutschsprachigen Ausland. Anschließend werden fachdidaktische Konzeptionen für den Pädagogikunterricht dargelegt. Dies wird noch mit einem Kapitel zur empirischen Forschung zur Didaktik des Unterrichtsfaches Pädagogik unterfüttert. Es folgen Ziele und didaktische Prinzipien des Pädagogikunterrichtes.

Danach werden verschiedene Inhalte (Grundbegriffe, Bildung, Erziehung, psychologische und soziologische Ansätze, historische Themen, pädagogische Professionalisierung) skizziert.

Die verschiedenen Methoden werden dann in einem längeren Kapitel dargeboten. Das Leben und Lernen mit (digitalen) Medien wird anschließend besprochen. Ein Modell der Unterrichtsplanung im kompetenzorientierten Pädagogikunterricht wird dann thematisiert. Den Abschluss bildet ein Beitrag zur pädagogischen Diagnostik im Pädagogikunterricht und Leistungsbeurteilung.

Hinter den einzelnen Beiträgen gibt es ein Literaturverzeichnis und Online-Quellen.

Der Anhang wird eingeleitet durch eine kurze Bibliografie zur Fachdidaktik Pädagogik, Lehrbücher und Unterrichtsmaterialien. Wichtige Vereine und Verbände werden ebenso dargelegt wie Studienstandorte. Ein Verzeichnis der Autor*innen rundet den Anhang ab.

Es wird deutlich, dass der Pädagogikunterricht neben dem Grundstoff vielerlei Handlungsfelder betrifft: Kommunikationskompetenz, Teamfähigkeit, Erforschung von Schwächen und Stärken, Finden von Lösungen bei Konflikten usw., also Schlüsselkompetenzen der beruflichen Praxis. Hier werden auch die aktuellsten didaktischen Konzeptionen und ihre Ziele ausführlich behandelt. Dazu gibt es auch vielerlei Anregungen zu Kernfragen pädagogischen Unterrichts. Hervorzuheben ist der umfangreiche und informative Anhang.

 

Buch 3

Marjan Alemzadeh (Hrsg.): Wahrnehmendes Beobachten in Krippe und Kindertagespflege. Partizipatorische Didaktik, Herder, 2021, ISBN: 978-3-451-38789-0, 28 EURO (D)

Marjan Alemzadeh, Professorin für an der Hochschule Rhein-Waal im Studiengang Kindheitspädagogik, hat für den Krippenbereich ein Partizipatorisches Eingewöhnungsmodell und für den Kitabereich pädagogische Handlungsweisen einer Partizipatorischen Didaktik entwickelt. Sie stellt in diesem Buch das praxisorientierte Beobachtungsverfahren als zentrales Element einer Partizipatorischen Didaktik vor und gibt zahlreiche Beispiele im U3-Bereich an die Hand.

Im ersten Teil des Buches werden die Entstehung des Wahrnehmendes Beobachtens und der theoretischen Grundlagen vorgestellt. Beim Verfahren geht es zum einen um das alltägliche Erleben frühkindlicher Lern- und Bildungsprozesse, indem sich pädagogisches Fachpersonal mit den Kindern mit ihren Vorstellungen- und Denkweise nähert und ihre Absichten und Interessen erfasst. Das Ziel liegt darin, auf der Grundlage der Beobachtungen die pädagogische Arbeit an den individuellen Möglichkeiten und Ressourcen der Kinder auszurichten. Andererseits geht es darum, als Fachkraft das eigene Verhalten durch Reflexion verstehen zu lernen und dem pädagogischen Handeln zugänglich zu machen. Außerdem wird erklärt, wie es in einer Kultur des Lernens eingebettet ist und wie anregende Bildungsräume für Kinder geschaffen werden können.

Im zweiten Teil des Buches werden in drei Unterkapiteln zahlreiche praktische Beispiele aus dem Krippen- und Tagespflegebereich vorgestellt. Dies sind erstens Wahrnehmende Beobachtungen mit dem Fokus auf frühkindliche Bildungsprozesse, zweitens Wahrnehmendes Beobachten in Alltagssituationen mit dem Fokus auf Interaktionsprozesse und drittens Wahrnehmendes Beobachten in schwierigen Situationen.
Die Beispiele sind in den letzten acht Jahren in verschiedenen Kontexten entstanden. Dies sind zum Teil die Videoaufnahmen der Herausgeberin, die sie in Einrichtungen gemacht und zu Übungszwecken in ihren Seminaren eingesetzt hat. Einige Arbeiten von Studierenden sind ebenso enthalten wie Ausarbeitungen von Fachkräften im Beruf. Andere Wissenschaftler konnten ebenso für die Analyse der Beobachtungssequenzen und der Qualität der Auswertung gewonnen werden.
Bei den Beispielen wird die Ausgangslage und Spielform genannt. In einer Tabelle gibt es Informationen zu Datum, Namen und Alter des Kindes, Beobachter, Dauer und Ort. Danach werden die Schritte des Wahrnehmenden Beobachtens in Textform, Bilderserien oder einzelnen Bilder beschrieben. Weiterhin gibt es einen Reflexionsbogen mit den Schwerpunkten „Die Situation und Ich“, „Das Kind in der Situation“ und „Schlüsse und Anregungen für die Praxis“ mit Unterpunkten. Ergänzt wird dies manchmal mit zusätzlichen Empfehlungen und Tipps.
In den meisten Fällen gibt es zusätzlich eine Videobeobachtung, die hinter dem Titel mit einem Videosymbol gekennzeichnet ist.

Am Ende jeden Kapitels gibt es ein Literaturverzeichnis.

Im Anhang werden noch die Autor*innen und der Bildnachweis präsentiert.

Eine kindgerechte auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten eingehende Haltung ist die Grundlage dieses spannenden Ansatzes. In diesem Buch werden Ziele, Aufgaben und Praxis ausführlich vermittelt. Die Bedürfnisse und Neigungen des Kindes stehen hier klar im Vordergrund, die Bewusstwerdung der doppelten Perspektive wird verständlich dargelegt. Voraussetzung für dieses Beobachtungsverfahren ist allerdings eine möglichst gut ausgebildete Fachkraft und eine vollständige Stellenbesetzung in der jeweiligen Einrichtung.


Buch 4

Alexander Preisinger: Digitale Spiele in der historisch-politischen Bildung, Wochenschau Verlag, 2021, 978-3-7344-1323-0 16,90 EURO (D)

Digitale Spiele sind ein wichtiger Teil der Jugendkultur. Dieses Buch will Anregungen geben, wie ihre Möglichkeiten und die mit ihnen verbundenen Potentiale im schulischen Kontext der historisch/politischen Bildung genutzt werden können.

Es beginnt mit einem Kapitel, wo dargestellt wird, welche Besonderheiten digitale Spiele als historisches Lernmedium aufweisen. Danach wird im Rahmen einer verdichteten Darstellungen in zentrale Begrifflichkeiten und Konzepte eingeführt. Es folgt eine Einführung in die Game Studies, die Forschung zu digitalen Spielen, und ein Darstellung eines allgemeinen Schemas für die Computerspielanalyse.

Danach systematisiert ein längeres Kapitel die Verwendungsarten von Geschichte in digitalen Spielen und zeigt auf, welche Strategien in Computerspielen verwendet werden und als authentisch zu inszenieren. Außerdem wird ein Analyseschema vorgestellt, das sich zur historischen Analyse digitaler Spiele eignet und auch im Geschichtsunterricht verwendet werden kann.

Danach wird das historische Lernen und Lernen mit digitalen Spielen behandelt. Zunächst wird das Konzept des Digital Game-Based Learning vorgestellt genauso wie das Transfermodell von Jürgen Fritz. Danach werden die theoretischen Überlegungen in geschichtsdidaktische Modell, Verlaufs- und Unterrichtskonzepte überführt.

Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der praktischen Umsetzung. Es werden Unterrichtsentwürfe präsentiert, die auf einer Metaebene zwischen kleinteiliger und konzeptioneller Unterrichtsplanung angesiedelt sind. Sie sind konkret genug, um Umsetzungsideen zu liefern, aber flexibel genug, damit sie jeweils individuell im Unterricht eingebunden und methodisch umgesetzt werden können. Schwerpunkte sind zum Beispiel Geschichte der Stadt, der Zweite Weltkrieg und die digitale Erinnerungskultur, alternative Darstellung von Krieg oder Flucht und Migration.

Im Anhang findet sich noch ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Spieleverzeichnis mit dazugehörigen Seitenzahlen im Buch.

Dieser Band zeigt auf Grundlage von theoretischen Konzepten zahlreiche methodische Zugänge und viele erprobte Beispiele, mit deren Hilfe historisches Lernen befördert werden kann. Zudem finden die Herausforderungen, die die Kompetenzorientierung an den Geschichtsunterricht stellt, durchgängig Berücksichtigung. Dabei wird empfohlen, digitale Spiele im Verbund mit anderen Medien und Methoden zu verbinden.

Es gilt zu bedenken: Lernen aus Computerspielen hat einerseits einen aktuellen Bezug zur Lebenswelt von Schülern, was die Lernbereitschaft erhöhen kann, fungiert aber ungefragt auch als „Belohnung“ für meist zu langen PC-Konsum.

 

Buch 5

Susanne Viernickel/Petra Völkel: Beobachten und Dokumentieren im pädagogischen Alltag, Herder, 2022, ISBN: 978-3-451-38932-0, 24 EURO (D)

Um die Bildungs- und Entwicklungsprozesse jedes Kindes optimal unterstützen zu können, ist die Beobachtung und Dokumentation kindlicher Bildungsprozesse hilfreich. Dieses Buch will Anregungen und Hinweise geben, wie durch systematische Beobachtung und Dokumentation der Kinder/bzw. der Gruppe besser kennengelernt werden kann.

Das erste Kapitel geht über die Einlassung auf die kindliche „Weltsicht“ und wie dies gelingen kann. Dort wird gezeigt, wie man sich in die kindliche Perspektive versetzen kann, wie die subjektiven Absichten des Kindes erforscht werden können und wie man darauf aufbauend Angebote macht und Impulse setzt. Das zweite Kapitel beschäftigt sich damit, welche Kompetenzen in Bildungsplänen von pädagogischen Fachkräften in Bezug auf die Beobachtung und Dokumentation erwartet werden, Weiterhin werden Hinweise darauf gegeben, wo die Einrichtung in dieser Hinsicht im Augenblick steht, was sie leisten sollte und was sie leisten will. Daraus wird ein Beobachtungssystem abgeleitet, das ebenfalls vorgestellt wird.

Wie dies in die alltägliche Praxis integriert werden kann, wird danach erläutert. Es werden die Chancen für die Weiterentwicklung für die pädagogische Arbeit ebenso wie die zeitliche und personelle Planung dargelegt. Es werden weiterhin Erfahrungen zweier Kindestageseinrichtungen illustriert und es gibt Informationen über mögliche Beobachtungsfehler und wie sie vermieden werden können.

Kernstück des Buches ist das vierte Kapitel, wo beobachtungsbasierte Bildungskonzepte und Verfahren zur systematischen Beobachtung und Dokumentation unterschiedlicher Aspekte kindlicher Entwicklungs- und Bildungsprozesse präsentiert werden. Dazu werden zuerst Bildungskonzepte vorgestellt, die maßgeblich auf Beobachtungen zurückgreifen. Danach werden Verfahren wie die Kuno-Beller-Entwicklungstabelle, das Verfahren Monday, Spracherwerbsverfahren wie BaSiK, perik für die sozial-emotionale Entwicklung und ein Soziogramm zu Gruppenstrukturen von Kindern. Zur Früherkennung und Entwicklungsrisiken werden dann noch diagnostisch orientierte Verfahren vorgestellt.

Für jedes Verfahren gibt es Hinweise darauf, welche Erkenntnisse gewonnen werden können, worauf der Fokus liegt, wie die Beobachtung dokumentiert und ausgewertet wird, wie die Erkenntnisse eingesetzt werden können, welche Voraussetzungen notwendig sind und wo es weitere Anregungen und Informationen gibt. Dazu gibt es Hilfen in Form von Beobachtungs- und Einschätzungsbögen.

Das fünfte Kapitel behandelt, warum und wie auch spontane Beobachtungen dokumentiert und analysiert werden sollen, welche Möglichkeiten durch Fotografien und Filmaufnahmen sich bieten und welche Vorteile ein Portfolio hat.

Im letzten Kapitel werden die wesentlichen Aussagen nochmals zusammengefasst.

Der Anhang bietet ein Literaturverzeichnis, ein Kontaktsoziogramm, ein Spielesoziogramm Spielpartnerschaften und eines über Spielorte.

Es ist eine große Hilfe nicht nur für die Anfänger, sondern auch für alle Fachkräfte, die schon Erfahrung im Beruf haben. Die Kapitel bauen aufeinander auf und sind eine gelungene Mischung zwischen Grundinformationen, Analyse und die Folgen der sich ergebenden Beobachtungen. Die Arbeit mit den Bögen erfordert nicht viel Übung, interessant ist die Erstellung des Portfolios. Das Buch eignet sich besonders für Kitas mit ausreichend zeitlichen und personellen Ressourcen.


Buch 6

Alvaro Bilbao: Kluge Köpfchen. Die erstaunliche Entwicklung des kindlichen Gehirns, Herder, 2022, ISBN: 978-3-451-60777-6, 24 EURO (D)

Der spanische Neuropsychologe Alvaro Bilbao zeigt in diesem Buch, dass und wie man die Entwicklung des Kindes im Bereich des Gehirns positiv unterstützen kann. Studien beweisen, dass das kindliche Gehirn eine Formbarkeit besitzt und Eltern mit geeigneten Strategien besser in der Lage sind, ihre Kinder bei einer ausgewogenen zelebralen Entwicklung zu unterstützen.

Im ersten Teil des Buches werden die Grundprinzipien der Entwicklung des kindlichen Gehirns vorgestellt. Dies sind vier grobe Leitlinien.

Auch die Entwicklungsphasen des Gehirns werden beschrieben, d.h. das Wachstum und die Vernetzung des kindlichen Gehirns. Mit drei bis vier Jahren beginnen Kinder ihr Gedächtnis aktiv zu nutzen und auf Erfahrungen zurückzugreifen.Ab einem Alter von vier Jahren kann ein Kind sein Gefühl und seinen Verstand verbinden. Zu diesem Zeitpunkt fangen die Gehirnhälften an zu kommunizieren.

Ab dem sechsten Lebensjahr etwa sechs Jahren setzen die Selbstkontrolle und die Fähigkeit, Bedürfnisse aufzuschieben und das logische Denken wird ausgeprägter. Im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren werden die sprachlichen Fähigkeiten und das räumliche Vorstellungsvermögen erweitert.

Mit etwa 10 Jahren hat das Hirn seinen Wachstumshöhepunkt erreicht. Kinder lernen nicht mehr ganz so mühelos lernen, das Denken verläuft in mehr oder weniger festgelegten Bahnen.

Dazu werden einige Werkzeuge und Techniken präsentiert, die den bestmöglichen Einfluss auf die intellektuelle und emotionale Entwicklung nehmen und Entwicklungsschwierigkeiten wie Verhaltensauffälligkeiten oder Aufmerksamkeitsdefizitstörungen vorzubeugen.

Kleine Kinder lernen in erster Linie durch Erleben, Nachahmen und Experimentieren. Dementsprechend bildet sich das Gehirn umso vielfältiger aus, je mehr Anregungen es in den ersten Lebensjahren bekommt. Zusätzlich sorgt eine liebevolle und verlässliche Bindung an die Eltern für eine ungestörte Entwicklung im Gehirn. Denn Angst, unbefriedigte Bedürfnisse oder negative Behandlung sorgt für Stresshormone und blockiert die Entwicklung des Gehirns, insbesondere die Bildung der Synapsen. Eltern können durch Verzicht auf Rauschmittel schon vor der Geburt für gute Rahmenbedingungen sorgen. Eine gute Versorgung mit Nährstoffen in den ersten Lebensjahren, ausreichend Zuwendung, viel körperliche Bewegung und genügend Anregungen fördern ferner die Vernetzung des Gehirns. Fördermethoden zur Gehirnentwicklung. mit denen bestimmte Fähigkeiten eines Kindes aktiviert werden, werden ebenfalls genannt.

Im Anhang gibt es neben einem Quellenverzeichnis eine kleine Auswahl an Büchern, die einige zentrale Thesen des Buches vertiefen.

Hier werden die aktuellsten Ergebnisse der Neurowissenschaften verständlich dargelegt. Dieses Wissen kann von unterschiedlicher Seite mit Gewinn gelesen werden: Das Buch richtet sich primär an Eltern, kann aber auch als Ratgeber für alle Fachkräfte genutzt werden, die sich mit kindlicher Entwicklung befassen. Ein Glossar zu den wichtigsten Fachbegriffen hätte allerdings noch ergänzt werden können.












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