Neuerscheinungen Bildung und Sachbuch

09.02.22
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Onur Suzan Nobrega/Matthias Quent/ Jonas Zipf (Hrsg.): Rassismus. Macht. Vergessen, Von München über den NSU bis Hanau: Symbolische und materielle Kämpfe entlang rechten Terrors, transcript, Bielefeld 2021, ISBN: 978-3-8379-5863-7, 19,90 EURO (D)

Dieser Sammelband beschäftigt sich mit symbolischen und materiellen Kämpfen entlang rechten Terrors angefangen von der Entpolitisierung des Oktoberfestattentats 1980 über die Verdächtigungen der Opferangehörigen des sogenannten NSU in den 2000ern bis hin zur öffentlichen Wahrnehmung der Familien der Getöteten des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau 2020. Erst jetzt scheint sich eine längst überfällige gesamtgesellschaftliche Debatte in Bewegung zu setzen: über mangelnde Repräsentation, mahnende Erinnerung und sich verändernde Gedenkkultur, über strukturellen Rassismus und Behördenblindheit gegenüber Menschen, die sich längst nicht mehr als Teil einer Gesellschaft fühlen. „Der (Nicht-Umgang) mit rechtem Terror und rassistischer Gewalt durch Behörden, Medien, Politik, Polizei, Justiz, Stadt- und Zivilgesellschaften sowie Wissenschaft belegt die rassistischen Macht- und Exklusionsverhältnisse, in denen es möglich ist, das Leid der betroffenen Menschen als Angriff auf die gesamte Gesellschaft zu verstehen.“ (S. 17)

Die Beitragenden des Bandes setzen sich mit Rassismus, Rechtsextremismus und Erinnerungskultur auseinander und gehen vor allem der Frage nach, wo der Kampf gegen rechten Terror und seinen gesellschaftlichen Nährboden heute steht.

Dieser Sammelband vereint unterschiedliche gesellschaftliche Positionierungen, Erfahrungen und Perspektiven. Statt eines Schlussstriches sollen Weiterentwicklungen, Perspektiverweiterungen, Sichtbarkeit und Gerechtigkeit vorangebracht und diskutiert werden. „Dieses Projekt der Weiterentwicklung und Infragestellung bisheriger gedenkkultureller Praktiken ruft alle Beteiligten, d.h. staatliche, aktivistische und künstlerische Akteur*innen dazu auf, etablierte und zumeist staatlich bestimmte Rahmenbedingungen, Rituale und Protokolle zu verändern und partizipative Strukturen zuzulassen, neu zu entwickeln, auf Augenhöhe miteinander auszuhandeln und zu verwirklichen.“ (S. 20)

Dabei wird deutlich gemacht, dass dieses Buch nur einen Ausschnitt von Erfahrungen, Perspektiven und Themen bieten kann.

Aus den zahlreichen Beiträgen sind drei besonders interessant. Der Aufsatz von Robert Andreasch über das neonazistische Münchener Oktoberfestattentat 1980, dem 41 Jahre dauernde Einsatz gegen das Vergessen und der Kampf um Aufklärung. Erst 2020 gab es den ersten sichtbaren Erfolg, der mit fünfjähriger Vorlaufzeit zusammen von Stadtverwaltung, Hinterbliebenen, Betroffenen und Akteur*innen der jahrzehntelangen Erinnerungsarbeit erarbeitet wurde. In der Nähe des damaligen Tatorts an der Theresienwiese wurde ein Ort geschaffen, an dem „Überlebende, Angehörige und Augenzeug*innen zu Wort kommen und die Hintergründe des rechten Terroranschlages ebenso erläutert werden wie der gesellschaftliche Umgang mit dem Anschlag in den 40 Jahren danach.“ (S. 197)

Heike Kleffner stellt drei in der Öffentlichkeit nicht so bekannte Fälle von Todesopfer rechter Gewalt und das Gedenken daran in den Mittelpunkt. Die Morde an dem schwulen Busfahrer Klaus-Peter Boer aus dem bayerischen Amberg, an dem jugendlichen Punk Patrick Thürmer aus dem sächsischen Oberlungwitz und dem Asysuchenden Samuel Kofi Yeboah aus Saarlouis und vor allem der Gedenkinitiativen von Freund*innen, Hinterbliebenen und antifaschistischen und antirassistischen Gruppen. Sie würdigt den „langen Atem und Mut (…) gegen viele Widerstände über Jahrzehnte hinweg beharrlich für Aufklärung und ein würdiges Gedenken zu kämpfen.“ (S. 258)

Oder das abschließende Gespräch des Mitherausgebers Jonas Zipf mit der Kuratorin und Aktivistin Ayse Gülec und dem langjährigen Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge. Darin geht es unter anderem um ein neues Kapitel der Gedenkkultur weg von verordneten staatlichen Formen und Monumenten hin demokratischeren Übergang von Entscheidungswegen und neuen Formaten des Erinnerns in der Zivilgesellschaft. Dort geht es auch um die verweigerte Aufklärung des Rechtsstaates aus Opfersicht und die zweite und dritte Traumatisierung der Angehörigen der Opfer des NSU.

Das Buch greift viele Elemente auf, die sonst wenig Beachtung finden: reale Machtverhältnisse, Kategorien entlang von Geschlecht, Hautfarbe, sozialer Stellung, institutioneller Rassismus, Mehrheitsperspektive, Critical Whiteness usw. Das homogenisierende Verständnis von Nation, das exklusiven Charakter trägt, wird zwar immer wieder mal thematisiert, aber dessen ausgrenzender Charakter und die Sortierung von Menschen nach In- und Ausländer*innen wird nicht deutlich genug. Sonst ist das Buch eine gelungene Diskussionsgrundlage und bietet viele Anregungen, weist eine gute Mischung von Theorie, Kritik und Praxis auf und spricht nicht nur über Opfer, sondern lässt sie selbst zu Wort kommen.


Buch 2

Leipner/ Stall: Moderne Rattenfänger, Redline, München 2021, ISBN: 978-386881-860-4, 20 EURO (D)

Corona-Leugner, Weltraum-Fantasten und Businessblender – falsche Propheten haben auch dank Social Media Hochkonjunktur. Alles im Besitz einer vermeintlichen Wahrheit, die für viele so verführerisch ist, dass Tatsachen schlicht bedeutungslos werden.
Ingo Leipner und Joachim Stall beschreiben, warum man auf diese modernen Rattenfängern in Wirtschaft, Politik und Internet viel zu oft hereinfällt und was Boris Johnson, Elon Musk und Attila Hildmann gemeinsam haben. Sie erläutern, wie die Manipulierer vorgehen, welche psychologischen Tricks dabei wirken und warum das für den Einzelnen und die Gesellschaft so gefährlich ist.

Im ersten Kapitel geht es um die Psychologie der Täuschung. Wie Manipulationen im Alltag funktionieren und wie sie erkannt werden können, sind Schwerpunkte. Die Strategie des Wirecard-Betruges steht dann im Mittelpunkt. Der „Biologe“ Stefan Lanka, der die Existenz von Viren negiert, und die so genannten Querdenker werden dann thematisiert. Nach einem kleinen Wissenschaftskrimi geht es um die Person Bill Gates und Social-Media-Helden, besonders so genannte Influencer, die geschickt Werbung für Produkte für Kinder und Jugendliche verstreuen. Größenwahn und Geschäftsmodell von Elon Musk, das zur Veränderung des Menschen durch KI beitragen kann, werden dann vorgestellt.

Im letzten Kapitel wird dann ein Ausblick gewagt, wie diesen falschen Propheten begegnet werden kann, um deren Einfluss zu schwächen.

Im Anhang finden sich noch ein Quellenverzeichnis und ein Stichwortregister.

Gegenstrategien werden nicht ganz deutlich: Wie oder ob überhaupt mit den angesprochenen Leuten wie „Querdenkern“ diskutiert werden kann oder ob es Zeitverschwendung ist. Sonst ist das Buch ein überfälliges, gut strukturiertes und aussagekräftiges Werk, wie man solche Leute erkennen kann und wie man es verhindert, ihnen in die Falle zu gehen. Die Logik der verstandesmäßigen Denkens, das Sammeln von Fakten und des kritischen Hinterfragens ist dabei Voraussetzung. Eine gute Ergänzung bietet auch das Buch:

Bergermann/ter Haseborg: Die Wirecard Story. Die Geschichte einer Milliarden-Lüge, FBV, 2020, ISBN: 978-3-95972-415-9, 19,99 Euro (D)


Buch 3

Rico Behrens/Anja Besand/Stefan Breuer: Politische Bildung in reaktionären Zeiten. Plädoyer für eine standhafte Schule, Wochenschau Verlag, Frankfurt/Main 2021, ISBN: 978-3-7344-1135-9, 28,90 EURO (D)

Dieses Buch liefert Einblicke in die Schwierigkeiten, die sich im Umgang mit menschenfeindlichen Herausforderungen im schulischen Kontext ergeben. Es will Pädagog*innen in und außerhalb der Schule unterstützen, um Handlungssicherheit in solchen Situationen entwickeln.

Die Autor*innen des Bandes sind Wissenschafler*innen und hauptsächlich im Bereich der Lehramtsausbildung und fachdidaktischen Unterrichtsfachforschung an verschiedenen Universitäten tätig, außerdem in der pädagogischen Weiterbildung von Lehrerinnen und im Bereich demokratischer Schulentwicklung. An 32 Fallsituationen werden Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt und diskutiert. Sie sind allesamt authentisch und verweisen auf reale Vorkommnisse zwischen 2016 und 2019.

Der erste Teil liefert die Ausgangspunkte des Buches. Zuerst gibt es eine kurze Skizzierung der gesellschaftlichen Problemlagen, danach die persönliche Motivation der Autor*innen, der Zugang zum Themenfeld und die Fallauswahl und die Vorstellung der einzelnen Teile des Buches. Zum Abschluss werden grundlegende Begriffe erläutert und danach das Verständnis von Demokratie und politischer Bildung der Autor*innen behandelt.

Im zweiten Teil gibt es die oben schon angesprochenen Fallbeschreibungen. Sie liefern meist in einem komprimierten Abschnitt eine Beschreibung eines konkreten Falles und skizzieren damit jeweils eine komplexe Ausgangssituation, die von pädagogischen Akteur*innen bewältigt werden soll. Danach wird der jeweilige Fall auf seinen Problemgehalt verdichtet und im Hinblick auf relevante Fragen strukturiert sowie aus der Perspektive der politischen Bildung zugänglich gemacht. Jedes Fallbeispiel wird durch eine kurze Skizzierung von Handlungsmöglichkeiten geschlossen.

Der nächste Abschnitt schließt an die Fallbeschreibungen an, komprimiert diese und analysiert pointiert die immer wiederkehrenden Grundherausforderungen, die in den Fällen sichtbar werden. Diese werden systematisiert und stärker theoretisch eingebunden. Außerdem werden in komprimierter Form Stolpersteine beschrieben, die sich bei der Arbeit und dem Themenfeld ergeben könnten. Als Vertiefung werden ausgewählte Literaturverweise angeboten, mit denen sich die Leser*innen bei Bedarf an Konzepten und Begriffen sowie Diskursverschiebungen oder Wortergreifungsstrategien weiter informieren können.

Der vierte Abschnitt beschäftigt sich mit professionellen Lösungsansätzen. Er wird eröffnet mit einer grundlegenden Handlungsperspektive als Ausgangspunkt: Haltung zeigen – Betroffene schützen – Auseinandersetzung führen. Dabei werden Methoden angewandt, die individuell oder im Gruppenkontext helfen. Es gibt weiterhin Hinweise auf Handreichungen und Unterrichtsmaterialien, die entweder im Sinne der engeren Vorbereitung oder als Unterrichtsmaterial einsetzen kann.

Ferner gibt es Tools und Ansätze für systemisches Handeln und zur Initiierung demokratischer Schulentwicklungsprozesse. Diese Instrumente beziehen sich auf das Kollegium selbst, können aber auch in erweiterten Kontexten eingesetzt werden.

Da im Alltag pädagogischer Arbeit die Zeitreserven oft knapp sind, werden danach noch administrative Hilfen für unterschiedliche Situationen präsentiert (Leitbildentwicklung, Hausordnungen usw.).

Im Anhang gibt es noch ein Literaturverzeichnis und die Vita der Autor*innen.

Die zum Teil erschreckenden Fallbeispiele sind ein Indikator für die Erstarkung von extrem rechten Ideologien, der natürlich auch vor Schulen nicht haltmacht. Hier werden Theorie und Praxis gut miteinander kombiniert dargelegt und neben fundiertem Wissen Transfers auf die eigene Arbeit generiert. Die Tools und Ansätze im letzten Teil können neben Pädagog*innen auch teilweise auf außerschulische Lernorte (Gedenkstätten usw.) übertragen werden. Sie können jedoch Fortbildungen, Workshops oder Basiswissen über rechte Inhalte, Parolen und Strategien zur Gegenargumentation nicht ersetzen. Die Lehrer*innenausbildung müsste auch schon dort stärker aufklären und dies zu einem wichtigeren Bestandteil machen.


Buch 4

Wolfgang Sander/Kerstin Pohl (Hrsg.): Handbuch Politische Bildung, Wochenschau Verlag, 5., völlig überarbeitete Auflage, Frankfurt/Main 2022, ISBN: 978-3-7344-1380-3, 64,80 EURO (D)

In diesem Handbuch bereiten fast 60 Expert*innen das Wissen der Disziplin in kompakter Form auf und wollen damit eine Grundlage für Studium, Weiterbildung und Berufspraxis schaffen. Die Konzeption des Handbuches geht dabei von einem weit gefassten Verständnis von politischer Bildung aus, das alle Formen pädagogischer Einwirkung auf Prozesse der politischen Sozialisation umfasst.

In der fünften Auflage wurde das Handbuch komplett neu überarbeitet. Alle früheren Beiträge wurden aktualisiert. Es wurden eine ganze Reihe von Beiträgen neu aufgenommen, die aktuellen Entwicklungen in Wissenschaft und Praxis Rechnung tragen.

Das Buch beginnt mit den wissenschaftlichen Grundlagen der politischen Bildung und einer ausführlichen Darstellung der Historie in der BRD.

Weiter geht es mit Institutionen und Praxisfeldern wie Vorschule, politische Bildung als schulisches Unterrichtsfach, als fächerübergreifende Agenda, Lehrerbildung, Erwachsenenbildung, außerschulischen Jugendbildung, in der Sozialen Arbeit, Bundeszentrale und Landeszentralen für politische Bildung und unterstützende Strukturen wie Verbände, Materialien und Onlineangebote.

Didaktische Prinzipien wie Adressatenorientierung, Problemorientierung, Kontroversität, exemplarisches Prinzip, Handlungsorientierung und Wissenschaftsorientierung folgen danach. Ein ausführliches Kapitel über Aufgabenfelder wie Institutionenkundliches Lernen, politische Prozesse, ökonomisches Lernen, Gesellschaft, Rechtserziehung, historisches Lernen, Demokratielernen, Fach- und Bildungssprache, Emotionen, Prävention von extremistischen Einstellungen, moralisches Lernen, gesellschaftliche Diversität, Medienbildung, Umweltbildung und globales Lernen, Frieden, Europa und Global Citizenship Education wird danach präsentiert.

Methoden und Medien werden dann behandelt. Methoden der Diagnostik, des Beginnens und der Differenzierung, Gesprächsformen, Textquellen und Textanalyse, Fotos und TV-Serien, normative Medien, digitale Medien, Verbindung von analogen und digitalen Medien, Spielformen, Forschung, außerschulische politische Lernorte, Makromethoden für komplexe Lernvorhaben, Gestaltung von Anforderungsdiagnosen und kognitiv skizzierenden Lernaufgaben und Methoden der Evaluation und Leistungsbewertung.

Danach wird die politische Bildung im internationalen Vergleich beleuchtet: Dazu gibt es Beiträge zur politischen Bildung in Österreich, der Schweiz, in Luxemburg, in der EU, Civic Education in Asien und den USA.

Alle Beiträge sind am Ende mit einem Literaturverzeichnis versehen und haben am Seitenrand Schwerpunktüberschriften.

Im Anhang gibt es ein Stichwortverzeichnis und die Biografien der Autor*innen.

Die jeweiligen Beiträge sind von hoher Qualität und bieten einen guten Einstieg in die jeweilige Thematik. Das Handbuch deckt fast alle Teilbereiche des aktuellen Diskurses ab. Bei den inhaltsbezogenen Aufgabenfeldern fehlt jedoch ein Beitrag zur antirassistischen/antifaschistischen Bildung, wo Othering, Ambuguitätstoleranz und Empathie gelernt werden können, wobei Global Citizenship Education nur einen Teilbereich abdeckt. Digitale Medien werden hier umfassend behandelt, auch das Zusammenspiel mit analogen Medien.

 

Buch 5

Günther Hoppe: Handbuch Quereinsteiger. Das komplette Know-how für den erfolgreichen Start in den Lehrerberuf, Debus Pädagogik, Frankfurt/Main 2021, ISBN: 978-3-95414-162-3, 29,90 EURO (D)

Dieses Arbeits- und Übungsbuch bietet einen Handlungsleitfaden für Quer- und Seiteneinsteiger für den Einstieg in den neuen Beruf erfolgreich zu gestalten. In diesem Buch erfahren man, welche Herausforderungen in der Schule begegnet, man Sie diese gut bewältigen kann und praktische Tipps sowie bewährte Instrumente für den Unterricht.

Das Buch beginnt mit den bildungspolitischen Herausforderungen, Beweggründe für einen Quereinstieg und drei Erfahrungsberichten. Kompetenzen für den Lehrerberuf, Belastungen und Ressourcen sowie Gesundheitsvorsorge kommen dann an die Reihe. Danach geht es um formale und „natürliche“ Autorität und Beziehungsgestaltungen. Die Grundlagen der Didaktik und Methodik, die Frage nach „gutem“ Unterricht und das Planen des Unterrichts folgen danach. Die Phasen der Unterrichtsgestaltung, das Lehrerverhalten, der präventive Umgang mit Unterrichtsstörungen und Tipps werden danach ausführlich ausgebreitet. Die Nachbearbeitung des Unterrichts, der erste Tag an die neuen Schule, Heterogenität im Unterricht und die Struktur des kooperativen Lernens sowie der lehrergeleitete Unterricht kommen dann zur Sprache.

Merkmale einer effizienten Klassenführung, Regeln für erfolgreiche Kommunikation, das Implementieren von Regeln und Ritualen, Beratungsgespräche mit Eltern und Schülern und kompetenzorientierte Leistungsbeurteilung werden dann vorgestellt. Weiter geht es mit Lernaufgaben, Leistungsaufgaben und Arbeitsaufträgen, Korrekturen, Feedback und Evaluation. Die Selbsteinschätzung und Reflexion für Schüler, die Selbstreflexion für Lehrer, Stressfaktoren und Maßnahmen zur Stressbewältigung und der Umgang mit Zeit folgen anschließend.

Ein Kanon für junge Lehrer mit einem Augenzwinkern rundet das Buch ab.

Am Ende jedes Kapitels gibt es Reflexionsaufgaben zur Selbstüberprüfung. Das Buch enthält Diagramme, Zeichnungen, Tabellen und viele Beispiele und Checklisten.

Im Anhang gibt es noch ausgewählte Quellen zur weiteren Lektüre.

Das Buch konzentriert sich auf grundlegende Fragen und Probleme des pädagogischen Alltagshandels.

Wie Quer-und Seiteneinsteiger ggf. ihre schon erworbene Berufserfahrung oder andere Skills und Qualifikationen gezielt in den Unterricht oder die Planung einbringen können, wird leider nicht explizit erwähnt. Sonst ist das Buch gut strukturiert, kompakt mit wesentlichen Informationen und spricht wesentliche Bereiche des Berufsbildes bis auf die Zusammenarbeit mit Kollegen in fächerübergreifenden Fragen an.


Buch 6

Burkhard Benecken/Hans Reinhardt: Inside Strafverfolgung. Advokaten des Bösen, Benevento, Wals bei Salzburg 2021, ISBN: 978-3- 71090136-2, 22 EURO (D)

Die beiden Autoren sind zwei der bekanntesten Strafverteidiger der BRD mit einer gemeinsamen Kanzlei im Ruhrgebiet tätig. Die beiden standen in der jüngeren Vergangenheit stehen regelmäßig mit besonders medienwirksamen Fällen mit besonderen kriminellen Klienten oder Prominenten im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Bedingt durch die Übernahme solcher Fälle wurden die Autoren selbst und andere Strafverteidiger auch in der Öffentlichkeit mit dem diffamierenden Etikett „Advokaten des Bösen“ versehen.

Sie versuchen vielmehr, einen realistischen Blick in den Arbeitsalltag, die ethischen Grundsätze von Strafverteidigern und einige Strategien zu geben und mit vorhandenen Ressentiments aufzuräumen. Sie schildern auch dabei auch Ausschnitte aus bekannten, tatsächlich passierten Fällen, so dass das Buch zum Teil auch ein True Crime-Thriller ist.

Nach einem theoretischen Teil wird auch die Arbeit und Herangehensweise von Strafverteidigern verdeutlicht. Neben allgemeinen Grundsätzen wie die Unschuldsvermutung und das Recht auf eine Verteidigung eines jeden Beschuldigten für einen normal ablaufenden Prozess werden auch die Ambivalenzen deutlich, vor allem die persönliche Haltung zum Angeklagten und die professionelle Arbeit.

Dann stehen die realen Fälle der beiden Autoren im Vordergrund. Die Vorbereitung auf einen Prozess, das Entwickeln einer Strategie, der Ablauf eines Strafprozesses, die handelnden Personen, die Gerichtsverhandlung selbst und die Handlungen nach der Verkündung des Urteils werden ausführlich vermittelt.

Es wird auch gezeigt, wie der Alltag eines Strafverteidigers aussieht und welche Aspekte dabei berücksichtigt werden müssen. Darunter gehören neben Akten vor allem Eloquenz vor Gericht und auch viel Reisen.

Zwischendurch gibt es immer wieder Hinweise in Form von Fußnoten zu den Gesetzen und Verordnungen, auf sie sich beziehen.

Es wird aus professioneller Anschauung das reale Wirken von Strafverteidigern sichtbar gemacht, was mit spannenden Fällen kombiniert wird. Dies ist aber sicherlich nicht auf jeden Strafverteidiger übertragbar.

Die Argumentation ihrer Rechtfertigung, bekannte medial diabolisch aufgeladene Personen zu verteidigen, hat natürlich einen wahren Kern. Was hier ein wenig untergeht, ist die Aussicht auf eine hohe Geldsumme für ihre Verteidigung und die mediale Aufmerksamkeit für sie selbst und ihre Kanzlei. Nur der argumentativen Strategie des Buches zu glauben, wäre naiv und undifferenziert.









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