Neuerscheinungen Sachbuch

26.06.21
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Peter Bescherer/Anne Burckhardt/Robert Feustel/Gisela Mackenroth/Luzia Sievi: Urbane Konflikte und die Krise der Demokratie. Stadtentwicklung, Rechtsruck und Soziale Bewegungen, Westfälisches Dampfboot, Münster 2021, ISBN: 978-3-89691-056-1, 28 EURO (D)

Der Gegensatz zwischen kosmopolitischen, akademisierten, städtischen Eliten und xenophoben, ungebildeten Modernisierungsverlierern auf dem Land ist zu einem beliebten Klischee und Muster politischer Analyse geworden. Dieser Band ist das Ergebnis des Forschungsprojekts PODESTA (Populismus und Demokratie in der Stadt). Dort sind zwei Forschungsteams einerseits mit politisch-soziologischen und einem ethisch-sozialwissenschaftlichen Schwerpunkt in den Städten Stuttgart und Leipzig der Frage nachgegangen, wie sich die rechten Vorstöße und Haltungen, die sich für die Stadt beobachten lassen, erklären lassen und inwiefern genuin städtische Probleme zum Rechtsdrift der letzten Jahre beigetragen haben. Dazu wurden problembestimmende Kontexte, die Problemsituationen bestimmter Stadtteile erschlossen, politische Texte analysiert, mit Beteiligten gesprochen und Mikrokonflikte verfolgt.

Im ersten Beitrag werden Grundüberlegungen erläutert, die die Forschungsperspektive auf den gegenwärtigen Rechtsruck geprägt haben. Dabei werden auch Argumentationsstrategien, Politikangebote und Gesellschaftsbilder rechten Akteure zu Stadt und Urbanität herausgearbeitet: Dort ist eine „Idealisierung und Romantisierung einer verlorenen, aber zurückzuerobernden deutschen Urwelt“ zu beobachten, Heterogenität als Feindbild gesehen und dagegen Segregation und Ordnung postuliert. (S. 28) Außerdem werden Inhalt und Struktur des Buches vorgestellt.

Anne Burckhardt und Robert Feustel gehen der Frage nach, wie rechte Akteure Städte in ihrer Weltsicht bzw. in die Muster ihrer Wirklichkeitsbeschreibungen eingliedern. Sie analysieren, wie sich bekannte, typisch rechte Narrative im Hinblick auf die Stadt ausdifferenzieren.

Danach folgen Expert*inneninterviews und deren Auswertung. Peter Bescherer führte diese in Leipzig mit lokalen Vertreter*innen zum Rechtspopulismus im urbanen Umfeld. Die hier verfolgte Fragestellung lautete, ob sich im Diskurs der Expert*innen Muster des Redens über den lokalen Rechtspopulismus beobachten lassen und wie diese zu beurteilen sind. Robert Feustel analysiert das Material im Hinblick auf drei wiederkehrende Muster: der Skepsis, ob die Entwicklung in Leipzig überhaupt einen relevanten Einfluss auf rechte Einstellungen und rechten Wahlchancen haben, die Entortung (der Einfluss des Sozialraumes sticht nicht hervor) und die Sorge, dass Problemfelder von rechts besetzt werden könnten.

In den folgenden Kapiteln werden lokale Konfliktsituationen, sozialräumliche Mikrokonflikte und kleinräumige Erscheinungsformen rechter Konjunkturen untersucht. Peter Bescherer und Robert Feustel stellen ein konkretes Engagement der AfD im Konflikt um den Abriss eines Leipziger Garagenhofs für den Ausbaus eines angrenzenden Schulgebäudes vor Danach skizzieren Anne Burkhardt und Luzia Sievi die Proteste von Autofahrer*innen bevorzugt mit Dieselfahrzeug gegen die in Stuttgart durchgesetzte Praxis des Fahrverbotes im Lufteinhalteplan der Stadt, die inhaltliche Synergien mit der bundesweiten Kampagne der AfD für den Diesel hatten.

In den zwei folgenden Kapiteln geht es um wohnungspolitische Fragen, bei denen sowohl in Stuttgart als auch in Leipzig in einem Stadtteil je ein Konflikt beschrieben wird. In Stuttgart untersuchte Gisela Mackenrodt einen durch das Projekt Soziale Stadt begleiteten Aufwertungs- und Sanierungsprozess kommunaler und ehemals betrieblicher Wohnungsbestände. Peter Bescherer analysiert in Modus aktivistischer Forschung bzw. beobachtender Teilnahm in einem ehemals genossenschaftlichen Wohnungsbestand die Gründung einer Mieter*inneninitiative, wo „ressentimentgeladene Umdeutungen mietenpolitischer Fragen“ erkennbar waren. (S. 34) Bescherer arbeitet die Ursachen heraus und reflektiert ihre Folgen für eine linke mietenpolitische Praxis.

Zum Schluss werden die Befunde von Robert Feustel und Luzia Sievi zusammengeführt und ausgewertet. Außerdem werden aus den Beobachtungen und Befunden praktische Einsichten zur Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus gezogen: „Eine Demokratisierung der Stadt würde helfen, rechte Potentiale einzufangen und demokratisierende Praktiken in urbanen Kontexten zu stärken. Genauer würde dies bedeuten, politische Teilhabe auszubauen, das Primat des Marktes zurückzudrängen (um eine soziale Teilhabe zu ermöglichen, die politischer Teilhabe vorausgeht) und eine lebendige Stadtgesellschaft ideell und finanziell zu fördern.“ (S. 224)

Insgesamt gesehen bietet das Buch einige Einblicke in die rechten Praktiken in Städten und urbanen Zentren und Möglichkeiten der Gegensteuerung. Eine kurze Vorstellung von rechten Strukturen, Wahlverhalten nach Stadtteilen oder Bezirken, Organisationsgrad von rechten Parteien oder Gruppen, am Anfang sowohl für Stuttgart als auch für Leipzig wäre für einen allgemeinen Überblick wünschenswert gewesen. Die Verniedlichung der vielfach extrem rechten Einstellungspotentialen und Praktiken der AfD durch „Rechtspopulismus“ ist ärgerlich.

Das Buch lässt sich gut mit folgendem kombinieren: Lynn Berg/Jan Üblacker (Hrsg.): Rechtes Denken, rechte Räume?. Demokratiefeindliche Entwicklungen und ihre räumlichen Kontexte, transcript, Bielefeld 2020, ISBN: 978-3-8376-5108-9, 29 EURO (D)

Und auch noch fortführen mit der Untersuchung extrem rechter Stadtpolitik in Bezug auf linke Zentren, besetzte Häuser und linke hegemoniale Viertel in Berlin und Hamburg.


Buch 2

Bernd Vetter/Frank Vetter: AWACS-Boeing E-3, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2018, ISBN: 978-3-613-04041-0, 29, 90 EURO(D)

Die Boeing E-3A ist das Prestigeobjekt der AWACS-Flugzeuge. In diesem Band geben die Autoren in die Entwicklung seit dem 1970er Jahren bis heute, stellen die einzelnen Typen mitsamt Technik vor und gehen auf den europäischen AWACS-Verband der NATO bei Geilenkirchen/NRW ein. Weiterhin werden Aufgaben, Fähigkeiten, Einsatzprofile und der Betrieb der E-R-Modelle beschrieben.

Es wird ein breites Bild der Vorgeschichte der luftgestützten Frühwarnung im Kalten Krieg, die Entwicklung der Boeing E-3 und die Anfänge des AWACS-Programm der NATO und des Control-Systems gezeichnet. Organisation, Einheiten und Aufgaben der NAEW&C Force kommen dann zur Sprache. Die technischen Entwicklungen mit den mechanischen Systemen, den Triebwerken, dem äußeren Erscheinungsbild, der Avionik werden ebenfalls breiten Raum gegeben. Das Missionssystem mit dem Hochleistungsradar mit hoher ECM-Festigkeit, das an eine moderne Datenverarbeitungsanlage angeschlossen ist, und die verschiedenen Betriebsarten folgen danach.

Da die Systemkonfiguration der E-3A-Maschinen überwiegend auf der Technologie der 1970er Jahre basierte, waren verschiedene Modernisierungsprogramme notwendig. Dabei nimmt das Mid-Term-Program einen besonderen Stellenwert ein. Die 17 E-3A wurden im Rahmen des NATO-Mid-Term-Programms für 1,6 Mrd. Dollar von Boeing und EADS modernisiert. Das Rechnersystem zur Verarbeitung der vom Radar aufgezeichneten Daten wurde hierbei komplett durch COTS -Rechner und einem auf Unix basierenden Server-Client-Netzwerk ersetzt. Auch die Programme nach 2010 werden eingehend beschrieben.

Auch internationale Betreiber wie die US-Air Force, die französische Luftwaffe und die saudische Luftwaffe werden im letzten Kapitel angesprochen. Dabei geht es um Geschichte, Einsatz und aktueller Ausrüstungsstand bei diesen Nutzern.

Im Anhang findet man noch eine historische Übersicht von bedeutenden Entwicklungsschritten, Informationen über den Verbleibt der gebauten E-3, ein Abkürzungsverzeichnis und benutzte Literaturquellen.

Das Buch entstand in enger Kooperation mit dem NATO-E-3A-Verband in Geilenkirchen. Dies hat den Vorteil, dass dadurch viele Quellen erst zugänglich gemacht worden sind, auch viele der spektakulären Luftaufnahmen der Maschinen und Detailaufnahmen. Der Nachteil ist, dass das Buch sich viel zu sehr an der NATO-Linie als Erfolgsgeschichte besonders bei den Einsätzen orientiert und nicht mit der kritisch notwendigen Distanz berichtet wird. Technikfreaks wird hier auf jeden Fall viel geboten, um hinter die Kulissen zu schauen.


Buch 3

John-Dylan Haynes/Matthias Eckoldt: Fenster im Gehirn. Wie unsere Gedanken entstehen und wie man sie lesen kann, Ullstein, Berlin 2021, ISBN: 978-3-550-20003-8, 24 EURO (D)

In diesem Buch geben die beiden Autoren Einblicke in die Möglichkeiten und Grenzen der Hirnforschung. Die beiden Forscher haben Fortschritte bei Probanden in unterschiedlichen Feldern erzielt: verborgener Aktivitäten, unterschwelligen Wahrnehmungen, romantischer Gefühle und Lügen. Dies betrifft im engeren Sinne das Gebiet des so genannten Gehirnlesen (Brain-Reading).

Zunächst geben sie in einem historischen Überblick über den Zusammenhang zwischen Geist und Gehirn Einblicke in philosophische und geistesgeschichtliche bedeutende Vertreter wie Platon, Descartes oder Leibniz bis zu den Fortschritten bei der Analyse von Hirntätigkeiten durch moderne Hirnscanner in der jüngeren Gegenwart. Bei letzterem kann man bis zu einem gewissen Grad die Erlebniswelt des Bewusstseins aus Hirnaktivitätsmustern herauslesen. Die meisten Anwendungen sind noch von begrenzter Aussagekraft.

Zum Abschluss stehen ethische Fragen wie: Was dürfen die Menschen mit solchen neuen Techniken anstreben? im Mittelpunkt. Dabei werden viele abstoßende Methoden veranschaulicht, die in der Geschichte der Menschheit dazu benutzt wurden, um in die geheime Gedankenwelt einzudringen.

Weiterhin werden die Vor- und Nachteile der Brain-Reading-Technik an verschiedenen Beispielen festgemacht. So können einerseits Verfahren wichtige Hilfestellungen für Patienten leisten, wie etwa Gehirn-Computer-Schnittstellen, mit denen gelähmte Menschen ihre Gliedmaßen wieder bewegen können oder Briefe per Gedankenkraft schreiben können. Die Gefahren lauern andererseits beim Herauslesen vertraulicher Informationen gegen das Interesse des Patienten oder eine Manipulation von Gedanken. Dieses Dilemma wird vor allem in der Forderung nach rechtlicher Regulierungen zur Nutzung von Brain-Reading-Techniken und der heraus hervorgehenden Daten versucht zu beantworten.

Hier werden die neuesten Forschungsergebnisse zum menschlichen Gehirn in populärwissenschaftlicher Weise referiert, die Grenzen aufgezeigt, ethische Fragen diskutiert und zukünftige Desiderata der Forschung genannt.

Hoffentlich wird es niemals Wirklichkeit, die Gedanken von anderen Menschen lesen zu können. Das Wissen würde in zwischenmenschlicher Hinsicht bei negativen Gedanken über andere zu Spannungen, Vertrauenskrisen, Eingriffen in private Gefühle und sogar zu Kriegen führen. Grenzen der Hirnforschung sind manchmal mehr Segen als Fluch.


Buch 4

Hilary L. Doyle/Thomas Jentz: Enzyklopädie deutscher Panzer. Alle Modelle, alle Ausführungen 1939-1945, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-613-04275-9, 39,90 EURO (D)

In dieser umfassenden Enzyklopädie deutscher Panzerkraftfahrzeuge werden alle deutschen Panzertypen des Zweiten Weltkrieges mitsamt Varianten mit ihrer Baugeschichte, ihrer zeitlichen Einordnungen, technischen Eigenarten und ihrem Einsatz beschrieben.

Die einzelnen Panzertypen werden in folgende Bereiche eingeteilt: Panzerkampfwagen I und Varianten, Panzerkampfwagen II und Varianten, Panzerkampfwagen 35t, 38t und Varianten, Panzerkampfwagen III und Varianten, Panzerkampfwagen IV und Varianten, Panzerkampfwagen V (Panther) und Varianten, Panzerkampfwagen VI (Tiger) und Varianten, verschiedene Kettenfahrzeuge, Halbkettenfahrzeuge, Panzerwagen und gepanzerte Radfahrzeuge, französische Beutefahrzeuge, italienische Panzerfahrzeuge im Dienst der Wehrmacht, erbeutete Panzerfahrzeuge im Dienst der Wehrmacht aus Großbritannien und der UdSSR und verschiedene Beutefahrzeuge.

Diese werden in einzelnen Kapiteln präsentiert, die folgende Systematik haben: In einer Tabelle werden zunächst andere Bezeichnungen, Hersteller, Fahrgestellnummer und Stückzahl genannt. Danach folgen textliche Einordnungen zur Geschichte, Besonderheiten und Einsatz. Dazu gibt es immer ein oder mehrere Bilder und einige Bilderstrecken. Abschließend gibt es eine Tabelle mit technischen Daten und ggf. zur Panzierung.

Im Anhang gibt es noch Hintergrundtexte und dazugehörige Bilderstrecken. Die fortwährenden Steigerungen des Kalibers, des Geschossgewichtes und der Rohrlänge bei der Bewaffnung zwischen 1935 und 1945 machen den Anfang. Danach geht es um die Weiterentwicklung der Munition, bevor drei Tabellen jeweils zur Funkgeräteausstattung, Ziel- und Beobachtungsmittel und Motoren folgen. Die verschiedenen Methoden des zusätzlichen Schutzes gegen Panzergranaten, die Produktionszahlen aller Typen gepanzerter Fahrzeuge, die für die Wehrmacht gebaut wurden, eine Auflistung der Sonderkraftfahrzeug-Nummern, Verfahren, um alle bekannte Einzelheiten über fremde Waffen und Gerät aufzulisten in einer Mischform von Text und Tabellen und eine tabellarische Übersicht der Fahrzeugtypen kommen dann zur Sprache. Abgerundet wird der Anhang mit einem kurzen Glossar und einem Abkürzungsverzeichnis.


Dies ist ein gründlich zusammengestellter Überblick über deutsche Panzer des 2. Weltkrieges, wobei natürlich die technischen Entwicklungen eine Rolle spielen. Hier werden alle Modelle Es präsentiert alle Modelle und deren Varianten mit kurzen technischen und betrieblichen Hintergrundtexten sowie zahlreichen Archivfotos. Natürlich haben Archivbilder nicht gerade die beste Qualität, mit zur Verfügung stehenden Bearbeitungsprogrammen hätten dennoch mehr Details sichtbar gemacht werden können. Es fehlt auch seltsamerweise eine Literaturliste.

Als Einführungs- und Überblicksband ist es dennoch ein gewinnbringendes Buch für militärgeschichtlich Interessierte.


Buch 5

Wolfram Elsner: Die Zeitenwende. China, USA und Europa „nach Corona“, Papyrossa, Köln 2021, ISBN: 978-3-894-38750-1, 22 EURO (D)

Wolfram Elsner, ehemaliger Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bremen, beschäftigt sich in diesem Buch mit der außenpolitischen Konstellation und der globalen Ordnung in der Gegenwart und gibt Prognosen für die Zeit nach dem Ende der Pandemie ab.

Seine wichtigsten Thesen sind: Die Pandemie hat der Welt eine Zeitenwende vor Augen geführt: „Führungs- und Kernländer des hochentwickelten Westens, die „in existentielle Unfähigkeit und Hilfsbedürftigkeit verfallen“. (S. 192). Während die USA als globale Weltmacht im Sinkflug begriffen ist, eine Re-Nationalisierung betreibt und sich zunehmend von der internationalen Wirtschaftsbeziehungen abkoppelt, zeigt sich China als neue wirtschaftspolitische, außenpolitische Nummer 1 auch in anderen Feldern.

Die alte Globalisierung sei gescheitert: „die alte Globalisierung, die seit längerem, spätestens seit den 2010er Jahren, aus inneren Widersprüchen heraus auch quantitativ messbar bereits zurückgegangen war, unter Washingtons ‚America-First!“‘-Strategie politisch proaktiv weiter zerstört wurde und deren Wertschöpfungsketten sich unter Corona als hochgradig fragil, nicht nachhaltig und in vielerlei Hinsicht nicht funktional erwiesen haben. Für diese alte Globalisierung kann ‚Corona‘ der Sargnagel sein.“ (S. 101)

China werde aus der Krise gestärkt hervorgehen und einen weiteren Zivilisierungs- und Modernisierungsschub in vieler Hinsicht vollziehen.

Eine neuartige Re-Globalisierung wird unter Initiative Chinas stattfinden und Eurasien dabei eine weltpolitische Führungsrolle übernehmen: „Das ‚China-Modell‘ der internationalen Beziehungen ist in der Tat eine bereits praktizierte, umfassende Alternative zum westlichen neoliberalen Hegemoniemodell. China wird vielmehr die Regeln des globalen Systems rekonfigurieren, ein ‚Game Changer‘ und zwar durch Förderung kollektiver Handlungsfähigkeit nach innen und außen.“ (S. 248)

Die EU, gespalten und irritiert im Umgang mit der wachsenden Entfremdung zum früheren transatlantischen Partner USA, sowie Russlands sind weitere Akteure, die in globalen Fragen mitbestimmend seien.

Der Autor sieht ein militärisches „Gleichgewicht des Schreckens 2.0“, ähnlichen dem ersten globalen zwischen den USA und der Sowjetunion, für die Zukunft voraus.

Ob es zu einem solchen Szenario tatsächlich kommen wird, wird die Zukunft zeigen. Der Handelskrieg zwischen den USA und China und die Biden-Richtlinien lassen jedenfalls nichts Gutes erahnen.

Die zukunftsweisende Bedeutung Chinas macht der Autor gut an dem Mammutprojekt der „Neuen Seidenstraße“ fest. Chinas Ziele der „Neuen Seidenstraße“ als Landweg, als Seeweg und als Luftweg, die Projekte in den einzelnen Kontinenten sowie die Ausbreitung von Chinas Macht in der weltpolitischen Ordnung. Die Initiative "Neue Seidenstraße" bedeutet Investitionen von mindestens 900 Milliarden Dollar. Damit baut China Straßen, Bahngleise, Pipelines, Kraftwerke, Telekommunikationsnetze, Häfen und Flughäfen von Asien bis nach Europa und Afrika. Chinas Staatsführung feiert die "Neue Seidenstraße" als zukunftsweisend und hat das Großprojekt in der Verfassung der Kommunistischen Partei festgeschrieben. 2049 wolle man weltweit größte Industrienation sein - zum 100. Geburtstag der Volksrepublik. Die Vorhersage von Eurasien als neuen führenden globalen Wirtschaftsraum von Elsner hat durchaus seine Berechtigung.

Dabei behandelt er Chinas Erfolge in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Einkommensverbesserungen für Viele, die Entwicklung zu einer der führendsten Staaten in den Zukunftstechnologien. Einen anderen Ansatz von Mobilitätsinnovationen; öffentliche Infrastrukturinvestitionen statt Konzernlösungen und die Entwicklung Chinas in der Ökopolitik. Dies ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.

Dennoch hat das Buch einige Schwächen: Genauso wie die westlichen Staaten und Russland verfolgt China imperialistische Interessen, hat auch innenpolitische Probleme wie der demografische Faktor, soziale-regionale Unterschiede und auch Spannungen mit Minderheiten von Sprengkraft. In der Betrachtung fehlt aber Indien, das das Potenzial zur Weltmacht hat. Indien ist neben China in Asien ein neuer Global Player, der künftig das Weltgeschehen mitbestimmen wird - ökonomisch wie politisch, und als Atom- und Raketenmacht notfalls auch militärisch. Ob wirtschaftlich insgesamt aufstrebende Regionen wie Südamerika auch eine gewisse Rolle spielen werden, ist unsicher.

Politik ist längst kosmopolitisch und Probleme wie der Klimawandel oder die Folgen von Migration nur gemeinsam und international zu lösen. Dieser Logik werden sich China, die USA, Russland, die EU oder auch andere Global Player nicht entziehen können, was Hoffnung für kooperierende Politik statt Machtpolitik und militärische Abschreckung macht.


Buch 6

Wolfgang Gebhardt: Deutsche Traktoren seit 1907. Die große Enzyklopädie aller Marken, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2017, ISBN: 978-3-613-04006-9, 39,90 EURO (D)

Dies ist die überarbeitete Neuauflage des früheren Buches von Wolfgang Gebhardt über deutsche Traktoren von 1907 bis in die Gegenwart. Diese Enzyklopädie beschreibt alle bisher bekannten Firmen, die Tragpflüge, Traktoren und Raupenschlepper in Deutschland gefertigt haben und noch immer fertigen. Dabei wird die Zeit des Deutschen Kaiserreiches, der Weimarer Republik, des NS-Staates, der BRD und der DDR abgedeckt.

Für die Gesamtübersicht über die Traktorenhersteller und ihrer Produkte werden Einzeldarstellungen, Motor-Zeitschriftenreihen, Firmen- und Messekataloge, Auskünfte von bestimmten Firmen, von Industrie- und Handelskammern sowie von Fachleuten und Einzelpersonen herangezogen.

In einer Einführung wird zunächst die Geschichte des deutschen Schlepperbaus in Grundzügen beschrieben. Die folgende Darstellung ist alphabetisch nach Namen der Traktorenhersteller und ihrer Produkte geordnet. Dies sind über 320 einzelne Darstellungen, die die Geschichte der Firmen, ihrer Produkte, ihre Besonderheiten, ihre Bedeutung in der Industrie und ihr weiteres Schicksal beinhalten. In den Beschreibungen sind die Produzenten mit ihrem ersten oder bekannteren Firmennamen aufgeführt. Danach folgen eventuelle Änderungen des Namens, der Adresse oder der Rechtsform.

Baureihen werden chronologisch nach ihrem Erscheinen in Unterkapiteln behandelt. Die Länge der Beschreibungen variiert stark: manchmal gibt es nur ein oder zwei Sätze, andere sind mehr als 20 Seiten lang wie zum Beispiel das Kapitel über Lanz (John Deere). Wenn möglich, gibt es zu jeder Beschreibung ein oder mehrere Abbildungen.

Danach folgt ein ausführlicher Tabellenteil von 140 Seiten über die technischen Daten jedes einzelnen Herstellers. Die alphabetische Sortierung wird beibehalten.

Im Anhang findet man noch ein Literaturverzeichnis, das nach Zeitschriften und Jahrbüchern und Büchern geordnet ist. Landwirtschaftliche oder Maschinenbauverbände, Museen zu dem Themenbereich oder Messen bzw. Nostalgieveranstaltungen sind hier nicht aufgeführt.

Der Titel verspricht nicht zu viel: Die deutschen Traktoren werden hier seit dem Jahr 1907 bis zur Gegenwart für jede Marke und Modell bzw. Baureihe umfangreich nach dem enormen Wissenstand des Autors dargestellt und auch visualisiert. Phänomenal ist die akribische Zusammenstellung aller technischen Daten. Das einzige kleine Manko ist das schlecht zu lesende Literaturverzeichnis, das eine zu kleine Schriftgröße hat.











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