Wir sind Kirche zur Segnung homosexueller Paare

12.01.18
KulturKultur, News 

 

Von Wir sind Kirche

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche unterstützt die Bestrebungen, homosexuelle Ehepaare zu segnen, wenn sie einander vor Gott in bedingungsloser Treue ein gemeinsames Leben versprechen, und fordert theologisch überzeugende Lösungen, die weiterführen.

Kirchliche Segnung

Wir sind Kirche begrüßt, dass sich Bischof Dr. Franz-Josef Bode von Osnabrück, der auch stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, für eine neue Debatte über die Segnung homosexueller Paare einsetzt. Die Beziehung zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen müsse differenziert bewertet werden. Er fragt: „Ist da nicht so viel Positives, Gutes und Richtiges, dass wir dem gerechter werden müssen?“ (Interview 10.1.2018 in der Neuen Osnabrücker Zeitung)

Bei dieser Neuorientierung kirchlicher Praxis ist aber nicht nur menschlicher Respekt gefordert. Der oft gehörte Hinweis, dass die Kirche z.B. Autos und Tiere segne, sie damit unter den Schutz Gottes stelle und deshalb gleichgeschlechtlichen Paaren den Segen nicht verweigern dürfe, ist zwar richtig, aber er greift zu kurz. Zu fragen ist, wie die christliche Botschaft das Menschenrecht auf eine homosexuelle Partnerschaft stützt. Pastorale Nachsicht ist kein ausreichendes Motiv; sie weist die Menschen darauf hin, dass ihr Tun eigentlich nicht in Ordnung ist. Eine kirchliche Segenshandlung muss aus sich heraus glaubwürdig sein. Es ist höchste Aufgabe der Menschen, füreinander zum Segen da zu sein; so wie der Herr den Mose beauftragt, das Volk und jeden einzelnen zu segnen und zu behüten (in Num 6,22-27).

Die prinzipielle Bewertung der Homosexualität als schwere Sünde muss aufgehoben werden. Denn diese Sicht wird mit biblischen Argumenten gestützt, die aber keineswegs stichhaltig sind und die einer exegetischen Überprüfung nicht standhalten (vgl. Katholischer Katechismus 2357 - 2359). Erst wenn auch die homosexuelle Ausrichtung als von Gott gegeben anerkannt ist, wird sich die Bewertung gleichgeschlechtlicher Paare ändern und eine Segnung als selbstverständlich erscheinen lassen. Erste Ansätze sind bereits zu erkennen.

Kirchliche Eheschließung homosexueller Paare?

Nach römisch-katholischer Lehre ist die Ehe ein Sakrament, also ein Zeichen, in dem Gott den sich Trauenden seine Liebe und Hilfe für das gemeinsame Leben zusagt. Sie ist Abbild des Bundes zwischen Christus und der Kirche. Wie selbstverständlich wird nur die Verbindung von Mann und Frau als „Sakrament“ bezeichnet. Es ist jedoch zu fragen, warum denn nicht auch die Liebesgemeinschaft zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren als „Abbild des Bundes zwischen Christus und der Kirche“ zu sehen ist. Als „erster Zweck der Ehe“ wird ja nicht mehr die Erzeugung von Nachkommen angesehen, vielmehr steht die liebende Verbindung zwischen zwei Menschen im Vordergrund. Generationenübergreifende Fürsorge zeigt sich in der Wertschätzung des Kindes – nicht nur des selbst gezeugten.

Die grundsätzliche Frage, inwiefern die Ehe ein Sakrament ist, ist bislang ungeklärt. Der sakramentale Charakter der Ehe sowie Bedeutung und Grenzen der Unauflöslichkeit müssen differenziert untersucht und besprochen und in absehbarer Zeit befriedigend beantwortet werden. Deshalb ruft Wir sind Kirche alle engagierten Christen und Christinnen dazu auf, sich kraft ihrer geistlichen Erfahrung, kraft ihres weltlichen Auftrags und kraft Ihrer eigenen christlichen Lebenspraxis an dieser Diskussion zu beteiligen. Auf dieser Basis muss das Kirchenvolk in ein konstruktives Gespräch mit den kirchenleitenden Bischöfen eintreten, in dem diese die Lernenden sind.

Die Zuordnung von menschlichem Tun und sakramentaler Bedeutung ist, wie eigentlich schon immer geschehen, zu überprüfen. Zum Beispiel ist uns heute die Gleichberechtigung von Mann und Frau in einer Partnerschaft selbstverständlich, nicht die Unterordnung der Frau unter den Mann als „Haupt der Familie“, wie es der Epheserbrief mit Blick auf „Christus das Haupt der Kirche“ nahelegt (vgl. Eph. 5.23). Schauen wir auf die Wirklichkeit, wie wir sie heute erkennen, und geben ihr im Licht des Evangeliums den ihr zukommenden Stellenwert! Hören wir genauer auf die frohe Botschaft vom Reich Gottes, bemühen wir uns, sie zu verstehen, und versuchen wir, sie im Heute umzusetzen! Der Blick auf die Antworten anderer christlicher Kirchen kann hier sicher hilfreich sein.

David klagt nach dem Tod von Jonatan: „Weh ist mir um dich, mein Bruder Jonatan. Du warst mir sehr lieb. Wunderbarer war deine Liebe für mich als die Liebe der Frauen“ (2 Sam 1,26).

Wir sind Kirche-Bundesteam







<< Zurck
Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz