Heinrich Böll: Die Kriegstagebücher


23.12.17
KulturKultur 

 

Rezension von Michael Lausberg

Heinrich Bölls Kriegserfahrungen sind dokumentiert in der 2001 veröffentlichten zweibändigen Ausgabe seiner Briefe aus dem Krieg 1939–1945.[1]

Nun kommen seine Tagebücher aus den Jahren 1943-1945 auf den Markt, die von seinem Leiden, den Qualen, der Verzweiflung und der eigenen Ohnmacht erzählen. Die Grundlage dieser Edition bildet die digitale Reproduktion der von ihm über den Zeitraum vom 30.10.1943 bis 15.9.1945 geführten Tagebücher. Die ersten drei Tagebücher sind während des Krieges leider verloren gegangen.

Im Spätsommer 1939 wurde er in die Wehrmacht einberufen. Böll kam als Soldat über Osnabrück im Mai 1940 nach Polen, dann nach Frankreich, und wieder zurück nach Köln. Von dort aus ging ab Mai 1942 wieder nach Frankreich und im November 1943 nach Russland, wo er seinen ersten Fronteinsatz erlebte und viermal verwundet wurde. Im April 1945 kam er in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet, aus der er im September entlassen wurde.

Die Tagebücher wurden erstmals nach sorgfältigem Abwägen der Nachfahren Bölls veröffentlicht: „Die Tagebücher haben eine noch größere Unmittelbarkeit als die Briefe aus dem Krieg, die er von 1939-1945 schrieb. Gerade in ihren stichwortartigen Notizen machen sie den Schrecken des Geschehens deutlich. Dadurch gewinnen sie einen Wert über die Familie hinaus (…) Wir wollen diese Tagebücher der Nachwelt als Dokument erhalten und zur Verfügung stellen in eine Welt hinein, in der immer noch Kriege herrschen und immer wieder einzelne die Not, Angst, Qual, die Erfahrung von Verzweiflung und Hoffnung erleben, die auch Heinrich Böll erlebt hat (…) (S. 7ff)

Sein Hass auf Uniformen, Autoritäten und tumber Gehorsam wird hier eindringlich dokumentiert, was ihn zeitlebens auch als Literat prägte. Als junger Student zwangsweise in die Wehrmacht überstellt beschreibt er seinen eigenen freudlosen Alltag sowie die Gräuel des Krieges. Somit sind die Tagebücher ein pazifistisches Werk, das eindringlich nie wieder Krieg propagiert. Weiterhin sind die Tagebücher ein zeitgeschichtliches Werk und für die Böllforschung natürlich sehr spannend. Ein emotionales Buch, das jeder Glorifizierung des Krieges entgegenwirkt.

René Böll (Hrsg.): Heinrich Böll: Man möchte manchmal wimmern wie ein Kind. Die Kriegstagebücher 1943 bis 1945, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2017, ISBN: 978-3-462-05020-2


[1] Briefe aus dem Krieg 1939–1945. 2 Bände, hrsg. und kommentiert von Jochen Schubert. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001.







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