Das Kreuz hat Haken


Gunter Lorenz: [Weg mit dem Hakenkreuz] 1995

21.12.17
KulturKultur, NRW 

 

Kurzer Hinweis auf den Kritischen Realisten Gunter Lorenz zum Jahresende 2017

Von Richard Albrecht

Ausführlich gewürdigt wurde der Künstler Gunter Lorenz (*1942) bereits Mitte der 1990er Jahre als „Landschaftsmaler in der Eifel.“[1] Und später als ´kritischer Realist´ so vorgestellt[2]:

„In den 1970er und 1980er Jahren [waren] im Zusammenhang mit neuen sozialen Bewegungen wie Friedens- und Ökologiebewegung(en) neue zeitkritische Künstler nachgewachsen. Sie hinterfragten den „schönen Schein“ idyllischer Eifellandschaft auch mithilfe von Verfremdungseffekten; zu verweisen ist in diesem Zusammenhang etwa auf Arbeiten des 1966/70 an der Düsseldorfer Kunstakademie von Ruprecht Geiger ausgebildeten, seit 1976 in Blankenheim(erdorf) lebenden, politisch engagierten Malers Günter Lorenz (*1942)[3]. Lorenz´ Bilder wie etwa sein Holzschnitt „Die Bleikuh“ (1982) oder sein damals höchstaktueller Kaltnadel-Stich „Die Tschernobyl-Kuh“ (1986) präsentieren die zahlreich idyllisch vernutzte leitmotivische Eifel-Kuh als bürgerliche Sehnsucht nach „heiler Welt“ und „einfachem Leben“ (Ernst Wiechert) mehrfach verfremdet und konfrontiert mit zeitgenössischer Landschaftszerstörung durch Elektrizität, Kraftwerke und Atommeiler.“

Im September 2017 wurde der Künstler 75 Jahre alt.

Gunter Lorenz´ 70. Geburtstag vor fünf Jahren (2012) war Anlaß einer vierwöchigen Lorenz-Werkschau (als Auswahl) im Nettersheimer Kulturbahnhof (KuBa)[4]. Die Ausstellung gab unter dem doppelbödigen Motto EinVerführung zum Werk einen Querschnitt durch das 1965/66 begonnene, inzwischen so umfangreiche wie vielfältige, Schaffen Gunter Lorenz´. Die Werkschau wurde in Anwesenheit des Künstlers mit einer gutbesuchten sonntagsnachmittäglichen Vernissage am 23. 9. 2012 von Agnes Harff-Hilger, die auch für einen zeitgleich erschienen Kleinstkatalog verantwortlich zeichnet[4], eröffnet.

 

Ausstellung im Kulturbahnhof Nettersheim vom 23. September bis 21. Oktober 2012   Gunter Lorenz zum 70. Geburtstag

 

Ergänzend zum kleinen Ausstellungskatalog mit seinem gelungenen, weil auch behutsam-knapp kommentierten, Werk-Kaleidoskop hier stellvertretend für den auch ästhetisch unterfütterten Kritischen Realismus und das politische Engagement des Künstlers zwei schwarz-weiß-Reproduktionen stehen: zuerst Gunter Lorenz´ Holzschnitt Mechernicher Bleikuh (1981), in dem Eifel sowohl als Landschaft wie auch als gesellschaftliches Verhältnis begriffen und dargestellt wird

 

 

Gunter Lorenz: Mechernicher Bleikuh (Holzschnitt 1981)[5]

 

Das zweite Beispiel veranschaulicht Lorenz´ zahlreich publizistsch ge- und vernutzte politästhetische Montage - das nur im Papierkorb angemessen zu entsorgendeHakenkreuz als Hauptsymbol des faschistischen deutschen Nationalsozialismus. Es ist zugleich die weitverbreitetste offen handlungsleitende Graphik des Künstlers. Sie steht in der historischen Tradition antifaschistischer Bildersprache[6]

 

 

Gunter Lorenz: [Weg mit dem Hakenkreuz] 1995

 

Das dritte Werkbeispiel ist eine neuere Lorenz-Graphik (2013): Masken-Spiel erinnert formal an ein Triptichon; es läßt sich inhaltlich auch als verfremdetes Selbstporträt des alternden Künstlers, der sich seiner Außenwelt präsentiert, lesen.

Gunter Lorenz: Masken 2013

 

Im Ausstellungskatalog vor fünf Jahren (2012) veröffentlicht auch ein Ausschnitt aus der Euskirchener Kreisausgabe der Kölnischen Rundschau vom 13.12.1988. Hier plädierte der engagierte (Berufs-) Künstler Gunter Lorenz sowohl für Veröffentlichung von Gegenwartskunst als auch nach dem bekannten Motto Fördert Eure lebenden Künstler solange sie leben. Denn sie werden nächst lange tot sein für Künstlerförderung durch den Kreis Euskirchen und seine Institutionen. Zugleich konterkariert Gunter Lorenz damals weitsichtiges Plädoyer für Kulturtourismus in der Eifel und Kulturtouristen in die Eifel ein bekanntes geflügeltes Wort: Auch wer zu früh kommt, den bestraft das Leben…

 

1 Conrad-Peter Joist, Landschaftsmaler in der Eifel: Gunter Lorenz – ein kritischer Realist; in: Eifeljahrbuch 1996: 37-52.

2 Wilma Ruth Albrecht, Eifel-Landschafts-Malerei – Otto Pankok und seine Kollegen; in: Kreis Euskirchen. Jahrbuch 2013: 183-187, Zitat 187.

3 http://www.gunterlorenz.de/

4 Agnes Harff-Hilger, Gunter Lorenz. Dann hole ich ein Stück von dem Grün draussen zu mir herein. EinVerführung zum Werk. O.O. [Nettersheim/Eifel] 2012 [Ausstellungskatalog, unpaginiert, 12 p.; in Farbe, Format 14.5 X 14.5 cm; mit 27 stark verkleinerten Arbeiten des Künstlers].

5 ©Gunter Lorenz; diese wie auch die anderen Werkreproduktionen hier mit dessen freundlicher Genehmigung veröffentlicht.

6 Richard Albrecht, Schwarz-Weiss & Gegen den Strom: Gerd Arntz (1900-1988); in: liberal, 38 (1996) 4: 75-86; um aktuelle Links ergänzte kostenfreie Netzversionen (2012): https://filmundbuch.wordpress.com/2013/02/01/schwarz-weis-gegen-den-strom-gerd-arntz-1900-1988-ein-portrat-von-richard-albrecht/ und

https://soziologieheutenews.files.wordpress.com/2012/09/richard-albrecht-gerd-arntz-portrc3a4t.pdf

 

 

Richard Albrecht, Kultur- und Sozialwissenschaftler (Diplom 1970/71;  PhD. 1975/76; Dr.rer.pol.habil. 1988/89), Freier Autor in Bad Münstereifel, Fördermitglied der Humanistischen Freidenker. Mitarbeit am Linzer Fachmagazin soziologie heute, bei den Vierteljahreszeitschriften FORUM WISSSENSCHAFT und HINTERGRUND. Letzte Buchveröffentlichung 2011: HELDENTOD. Kurze Texte aus Langen Jahren. BioBibliographie 2015: https://ricalb.files.wordpress.com/2015/12/cv.pdf

 

 







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