Kompetenzermittlung als Methode zur Integration von Flüchtlingen

17.12.17
KulturKultur, Soziales, TopNews 

 

Rezension von Michael Lausberg

Die Integration von Flüchtlingen in die westeuropäischen Aufnahmegesellschaften ist vielfältig und erfordert eine durchdachte langfristige Konzeption. Dies war in den letzten Jahren in der Bundesrepublik nicht immer zu beobachten. Anstatt notwendige Schritte zu einer interkulturellen Strategie zu erarbeiten waren abschreckende, neue Hürden wie der Ausbau der Festung Europa und bürokratische Hemmnisse Alltag.

Die bislang ungenutzten und unerkannten Fähigkeiten der Flüchtlinge und Migranten, die den Integrationsprozess fördern können, werden hier in diesem Band herausgestellt. Pädagogen, Kompetenzmanager aus der Praxis und andere Wissenschaftler berichten hier über ihre Erfahrungen bei der Integration von Flüchtlingen und Migranten und wollen ihre Ansätze weitergeben und zur Diskussion stellen. Es handelt sich um ein Vorhaben, „basierend auf der Erkenntnis und Anerkennung von mitgebrachten Ressourcen als Leitlinie eines Integrationsverständnisses, das sich an der Diversität der Lebenslage in einer pluralen Gesellschaft wie Deutschland mit dem Ziel orientiert, die Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe von Geflüchteten und Migrantinnen und Migranten effektiv und effizient zu ermöglichen.“ (S. 11)

Dabei stehen nicht die utilitaristischen Ansätze wie Qualifikation oder Ausbildung im Mittelpunkt, sondern die individuellen Ressourcen des Menschen selbst. Die Aufnahmegesellschaft und ihre noch nicht ausreichenden interkulturellen Kompetenzen werden auch in den Blick genommen. Dabei steht der Ansatz des Kompetenzermittlungsverfahrens KODE, das gezielt bei Menschen mit Migrationshintergrund eingesetzt wird, im Mittelpunkt der Betrachtung. Das Erkennen und das Nutzen von Schlüsselqualifikationen bei Flüchtlingen oder Migranten wird anhand von praktischen in einer Erstaufnahmeeinrichtung und verschiedenen Integrationsprojekten deutlich gemacht.

Der Ansatz des Buches ist sehr gut: Die oftmals defizitäre Zuschreibungen von Migranten werden durch die Praxis der Ressourcenansatz ersetzt. Die Integration als Leistung der Aufnahmegesellschaft und der Flüchtlinge zu jeweils gleichen Teilen und der dabei benötigten interkulturelle Bereitschaft in der Aufnahmegesellschaft machen das Buch zu einem wichtigen Baustein der aktuellen Diskussion. Die Praxiserfahrungen der Beiträge sind auch von enormer Wichtigkeit für Akteure in der interkulturellen, sozialen und kulturellen Arbeit mit Migranten und Flüchtlingen.

 

Volker Heyse/John Erpenbeck/Stefan Ortmann (Hrsg.): Intelligente Integration von Flüchtlingen und Migranten. Aktuelle Erfahrungen, Konzepte und Anregungen, Waxmann, Münster/New York 2016, ISBN: 978-3-8309-3547-6

 







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