»Der Mohr kann gehen« - Hamburger Wochenblatt setzt Leserreporter vor die Tür, obwohl die selbst gar kein Geld kosten ...


So sollte es sein...; Bildmontage: Max Bryan

07.11.17
KulturKultur, Hamburg 

 

Von Max Bryan

Respektloser Umgang mit dem Content der Leserreporter - Vernichtung jahrelanger Arbeit per Mausklick am 9. November

Nun ist es amtlich. Trotz massiven Protests - die Abschaltung des Leserreporter-Portals des Hamburger Wochenblatts kommt. Am 9. November gehen die Beiträge hunderter engagierter Bürgerreporter vom Netz und eine nachhaltige Online-Archivierung der Beiträge mit Zugang wie bisher ist weder geplant noch gewollt. Eine Stellungnahme oder Reaktion seitens des Verlages auf zahlreiche Angebote zur Lösung des Problems gab es nicht.

Massiver Protest

Erst letzte Woche (30.10.) verlängerte der Verlag die Frist zur Schließung des Portals um eine Woche. Zuvor war eine Frist von nur 5 Tagen angesetzt. Unmöglich, in dieser kurzen Zeit alle Autoren zu erreichen und Beiträge zu sichern. Massiver Protest gegen die respektlose Behandlung der Autoren kam auf und der Verlag ruderte zurück - gab ein paar Tage mehr Zeit, bis 9. November. Kommenden Donnerstag (9.11.) soll das Portal wie angekündigt dann verschwinden. Sämtliche Beiträge der Vergangenheit sind im Internet dann nicht mehr erreichbar, auch nicht über Suchmaschinen. Zugang gibt es nur noch über "ftp" zum Herunterladen der Daten uach nach dem 9. November. Ein Trost ist das nicht. Denn für viele - der besonders langjährige Leserreporter - ist dieses Angebot ein  harter Schlag. Nicht Wenige waren über Jahre mit Leib und Seele dabei und lieferten dem Verlag kostenlosen Content in Form von Texten und Bildern. Gehen müssen sie nun trotzdem. Eine Begründung wurde nicht genannt.

Hier lesen: http://www.hamburger-wochenblatt.de/langenhorn/lokales/in-eigener-sache-d44256.html

Gründe der Abschaltung weiterhin unklar

Auch sind die Gründe der Abschaltung zur Stunde unklar. Auf Nachfragen hierzu reagiert der Verlag nicht. Eine Antwort gab es - trotz mehrere Gesprächsversuche nicht. Um so rätselhafter bleibt das Motiv der Abschaltung. Kann es nur am Geld liegen?

Es ist kein Geheimnis, dass der Dienstleister "Gogol-Publishing", einen vierstelligen monatlichen Beitrag zur Betreuung der IT aufruft. Ein paar tausend Euro, die sich der Verlag nicht leisten kann?

Kein Geld für Technik trotz Milliarden-Umsätze?

FUNKE MEDIEN - denen das Hamburger Wochenblatt gehört, ist ein Milliarden-Konzern und in zahlreichen Werbetexten berühmt sich das Hamburger Wochenblatt als - Zitat: "seit mehr als 40 Jahren. Auflagen- und reichweitenstärkste Wochenzeitungskombination mit mehr als 1 Mio. Auflage in 24 Lokalausgaben".

https://de.wikipedia.org/wiki/Funke_Mediengruppe

Auch die Online-Ausgabe - www.hamburger-wochenblatt.de - die im großen Maße durch freiwillige Hobby-Autoren - sogenannte Leserreporter - mit kostenlosem Content seit Jahren versorgt wird, erfreute sich bis zuletzt regem Zulauf. So sind selbst Nachts meist noch gut 1000 Gäste online und lesen das, was unter anderem AUCH die Leserreporter tagsüber dort veröffentlicht haben.

Werbung satt auf dem Portal

Zudem ist das Portal vollgestopft mit Werbung und tagsüber verdreifacht sich die Zahl der Leser. Das lässt sich nach dem Einloggen gut sehen, weshalb die Frage lauten muss, WARUM ein so gut laufendes Online-Portal abgeschaltet wird? Gab es Anweisungen seitens der Politik, das Portal mundtot zu machen? Wegen ein paar kritischer Äußerungen zum G20?

Langjährige Autoren des Leserreporter-Portals kennen den Pressekodex sehr genau und schreiben bewußt nichts, was nicht auch stehen bleiben darf. Manche Beiträge sind streckenweise zwar "unbequem" aber das ist die Wahrheit sehr häufig, zumal der Verlag aber auch dementiert. Zitat aus seiner Ergänzung vom 31.10.: "Es geht bei der Schließung des Leserreporterportals nicht darum, Leserreporter zu zensieren, oder die Arbeit der Leserreporter in Frage zu stellen oder ähnliches." - Zitat Ende.

Quelle hier: http://www.hamburger-wochenblatt.de/langenhorn/lokales/in-eigener-sache-d44256.html

Der Verlag schreibt darin aber auch nicht, WARUM das Portal trotzdem geschlossen werden muss. Ist die wirtschaftliche Lage des Verlags so schlecht? Das Portal läuft gut, warum soll es weg?

Rätselraten um Motive

Den Leserreportern steht sicherlich nicht zu, die Sparpolitik eines Milliardenkonzerns zu diktieren, aber ihnen steht allemal zu, ihren Content retten zu wollen und nur das wurde dieser Tage gefordert.

FÜR DEN ERHALT DER LESERBEITRÄGE DES HAMBURGER WOCHENBLATTS hieß es in einer Verlautbarung und es ging dabei um das zugänglich lassen der Online-Beiträge übers Internet, ohne dass die meist über Jahre gewachsenen Verlinkungen zerstört werden. Dies nämlich wäre der Fall, sollte das Portal vom Netz gehen. Selbst Google würde dann nicht einen einzigen Beitrag des Hamburger-Wochenblatts mehr finden, als hätte es diese Beiträge nie gegeben. Und da hilft auch kein Bereitstellen via "ftp" - wie angeboten.

Welche Möglichkeiten zur Lösung des Problems gibt es noch?

Online-Archivierung gefordert

Zwei Vorschläge zur Lösung des Problems wurden dem Verlag gemacht und die Kosten sind gering für die Einrichtung eines Online-Archivs beispielsweise. Nichts Neues kommt mehr hinzu - aber das Alte bleibt über Suchmaschinen erreichbar - und kann so für Recherche-Zwecke im Internet weiter genutzt werden.

Selbst eine Kostenbeteiligung seitens der Leserreporter wurde dem Verlag angeboten, falls FUNKE MEDIEN die 50 Euro im Jahr nicht ausgeben mag, um die jahrelange Arbeit vieler beherzter Leserreporter zu schützen - respektive online zu halten. Viel mehr nämlich kostet ein einfaches Webhosting heutzutage nicht. Es muss - in dem Fall - ja kein eigener Server sein - wenn es lediglich um das "Einfrieren" der Inhalte geht.

Rückmeldung steht noch aus

Eine finale Rückmeldung, ob diese Vorschläge für den Verlag annehmbar sind, gibt es zur Stunde noch nicht. Es wurde aber signalisiert, dass es keine Chance gibt die Daten über Suchmaschinen zugänglich zu halten. Der Appell und die Hoffnung bleibt:

"Tun Sie es aus Respekt vor der Arbeit all der Menschen, die Ihnen über Jahre treue (kostenlose) Dienste erwiesen haben" - wurde dem Verlag mitgeteilt. Gebracht hat das bislang nichts.

Welle der Empörung

Zahlreiche Freunde der Hobby-Autoren hatten sich dem Protest gegen die Schließung angeschlossen und ihren Unmut über den kurzfristigen Rauswurf per Mail und Anruf Luft gemacht. Auch weil die Leserreporter ja nicht mal Geld kosten. Entsprechend groß war die Welle der Empörung, ohne die das Portal schon am 31.10. verschwunden wäre. Zwischen Vorankündigung und gewollter Schließung lagen ursprünglich nur 5 Tage. Auch diese Frist ist fragwürdig.

Klassische Medien gefordert

Die klassischen Medien sind aufgerufen sich an der Recherche der Hintergründe der Abschaltung des Portals zu beteiligen. Ob vielleicht doch ein Politiker wieder mal "Gott" spielen wollte und das Presserecht aushebelt? Oder sind es profane wirtschaftliche Interessen, die zur Schließung führten? So oder so, peinlich wäre Beides.

Max Bryan

6.11.2017

www.maxbryan.de

 

AUFRUF

Bitte helft mit die Daten der Bürgerreporter zu retten. Ruft an beim Wochenblatt und bei Gogol und bittet um eine NACHHALTIGE ONLINE-Archivierung sämtlicher Beiträge. Texte und Bilder mit zeitgeschichtlichen Wert gehen sonst verloren und sind über Suchmaschinen im Internet ab 9. November nicht mehr zu finden. Handeln Sie JETZT und berichten auch Sie über diese unbillige Abschaltung. Vielen Dank!

Kontakt zur Redaktion des Hamburger Wochenblatts:

https://www.hamburgerwochenblatt.de/kontakt/unsere-redaktion/

Mathias Sichting 040 5544 727-39

mathias.sichting@hamburger-wochenblatt.de

Alice Friedrich 040 5544 727-37

alice.friedrich@hamburger-wochenblatt.de

Frank Denker Kotowski

frank.denker-kotowski@funke-medien.de

Der Grund der Löschung des Portals ist zur Stunde nicht bekannt!!! Zu den Gründen wurde sich trotz mehrfacher Nachfragen nicht geäußert!!!

wbv.redaktion@hamburger-wochenblatt.de

Geschäftsführer: Ove Saffe

ove.saffe@abendblatt.de

Direkt Mobil: 0175-2609928

Technischer Dienstleister: Gogol Publishing

boris.braun@gogol-publishing.de

0821 - 9078 4444 (Frau Schäfer) Sekr.

0821 - 9078 4432 (Herr Boris Braun) Ltg.

 







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