Rund 4.000 Stellen fehlen an hessischen Hochschulen


Volles Seminar; Foto: GEW Hessen

21.10.17
KulturKultur, Hessen 

 

Von GEW Hessen

Bildungsgewerkschaft beklagt Personmangel zu Vorlesungsbeginn

Die ersten Vorlesungstage im neuen Wintersemester sind vorbei und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen (GEW) schlägt Alarm. „Nach unseren Berechnungen fehlen rund 4.000 Vollzeitstellen an den hessischen Hochschulen, um die Qualität der Betreuung von Studierenden auf hohem Niveau sicherzustellen“, so Maike Wiedwald, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes verschlechterten sich die Betreuungsrelationen an hessischen Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in den letzten Jahren schrittweise und lagen genau vor zehn Jahren letztmalig über dem bundesweiten Durchschnitt. Nun drohen sie sich zu diesem Semester erneut zu verschlechtern.

„Um wie viele Studierende sich eine Wissenschaftlerin im Seminar, in Sprechstunden oder in der Betreuung von Abschlussarbeiten kümmern muss, ist zentral für eine hohe Qualität der Lehre. Durch die mangelnde finanzielle Ausstattung der Hochschulen wird diese Qualität in Hessen auf Kosten der Studierenden aufs Spiel gesetzt“, so Valentin Dietrich, Sprecher der Studierenden in der GEW Hessen und selbst Master-Student an der Goethe-Universität Frankfurt. Die Studierendenzahlen werden auf absehbare Zeit auf dem aktuell hohen Niveau verbleiben oder sogar weiter ansteigen. Darüber hinaus sieht die GEW Hessen zusätzlichen Bedarf aufgrund der Aufnahme von Geflüchteten an den Hochschulen. „Ein wichtiges Thema in den Schulen ist es, eine erfolgreiche Integration von Seiteneinsteigerinnen und - einsteigern aus dem Ausland zu ermöglichen, da ist es ja nur logisch, dass diese Menschen
irgendwann zu einem gewissen Teil auch ein Hochschulstudium aufnehmen werden“, so Maike Wiedwald mit Blick auf die aktuelle schulpolitische Diskussion in Hessen.

Deshalb mahnt die GEW Hessen eindringlich, dauerhaft zusätzliches Personal für die Hochschullehre anzustellen. „Der Mehrbedarf wird zurzeit vorwiegend durch Lehrbeauftragte gedeckt – das heißt kurzfristig, unsicher und bei einem realen Honorar oft unterhalb des Mindestlohns – einfach nur prekär“, ärgert sich Tobias Cepok, Referent für Hochschule und Forschung der GEW Hessen, mit Blick auf den neuen Rekordstand an Lehraufträgen. Mit 20 Prozent der Lehre greift die Universität Kassel unter den hessischen Universitäten am stärksten auf Lehrbeauftragte zurück, an der Frankfurt University of Applied Sciences, der ehemaligen Fachhochschule Frankfurt, sind es sogar 40 Prozent. Cepok fordert weiter, „die Hochschulen müssen mittels einer Qualitätsoffensive für gute Lehre
finanziell so ausgestattet werden, dass deutlich mehr Personal langfristig beschäftigt werden kann, aber die Hochschulleitungen müssen dies dann auch umsetzen. Die Lehre muss endlich wieder als vordringliche Aufgabe der Hochschulen wertgeschätzt werden. “







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