Die versteinerte Utopie


25.02.17
KulturKultur, Sozialismusdebatte 

 

Denkmäler des Roten Oktobers in einem aktuellen Fotoband

Buchbesprechung von Karl Wild

Der österreichische Fotograf Chris Demattee´hat einen Fotoband im Vorfeld des 100. Jahrestages der Otoberevolutiom vorgelegt, den anhand von 65 schwarz-weiß Abbldungen von Denkmälern und Symbolen des neuen Staates der Frage nachgeht, was von der Utopie des "Neuen Menschen" sich in der Bildhauerei wiederfindet. Die Revolutiionäre konnten im Kampf auf Leben und Tod mit der Reaktion die Froderungen der Massen nach Land, Brot und Frieden nur erkämpfen, da sie zutiefst beseelt waren von einer zukünftigen egalitären Gesellschaft der befreiten Menschen, die keinen Staat mehr bräuchten, um sich zu ernähren und zu verwalten. In den Fotos widerspiegelt sich sich das Scheitern dieses Traums und der Sieg des Heroismus der Massen im Dienste eines Über-Staates, dem der Einzelne schoningslos ausgeliefert ist.

Ganz ohne Kommentar und Erläuterung werden uns in diesem Band Seite um Seite schwarz-weiß Ablichtungen von Statuen und Symbolen aus dem Blickwinkel des Betrachters - schräg von Unten - vorgestellt. Schwerpunkt sind Monumente eines Sowjetkultus, der viel mit Stalin und dessen Inbesitznahme der Kultur zu tun hat. Zusammenfassend schreibt der Kulturjournalist Derek Weber in seiner Erläuterung (daneben gibt es noch kurze Texte von John Reed, W. Majakowski, Vertreter des "Proletkult") dessen, was da von Ch. Demateé uns gezeigt wird:

"Die Installierung einer Art von terroristischer Geschmacksdiktatur ... stand nichts mehr im Wege. Auf dem Kunstsektor regierte ein heiliger sozialistischer Ernst, der keinen Spaß mehr verstand. ... die Höhenflüge der revolutionären Kunst der 1920er Jahre wiederhoöten sich bis zum Ende der Sowjetunion nicht mehr.".

Dieser Fotoband ist ein Beitrag zur heftigen politischen Auseinandersetzung unter der kommunistischen Linken Österreichs um das Bild, was uns unser Erbe aufgibt. Zum runden Jahrestag der Oktoberrevolution werden viele Interpretationen dieses Jahrhundertereignisses auf dem Buchmarkt erscheinen. Den in der scheinbar glorreichen heroischen Zeit "versteinert" Befangenen stellt sich dieser Fotoband als Weckruf entgegen.

 

Chris Demateé, Utopien des Oktobers, Denkmäler der Sowjetunion

Promedia 2017, 88 Seiten, EUR 24,90

ISBN 978-3-85371-420-1

www.mediashop.at

promedia@mediashop.at







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