Dalai Lama in Frankfurt


28.07.09
KulturKultur, Debatte, Hessen 

 

Der buddhistische Weg der Erleuchtung
in der K(!)ommerzbankarena

Von Natascha Bingenheimer und Henry Schmidt

Man stelle sich vor, Papst Benedikt besucht eine Großstadt in Deutschland und hält einen öffentlichen Gottesdienst. Hunderttausende von Katholiken  pilgern in die Stadt. Begleitet wird das Ereignis von einem professionellen Eventmanagement   über das sich die Gläubigen Eintrittskarten bestellen können. Gestaffelt in Tages-, Dauerkarten und genau definierte Preiskategorien. (Auf der Webseite ist auch das Herunterladen von Zitaten und Heiligenbildern möglich. Zimmer in Hotels werden vermittelt. Die Benutzung des ÖPNV ist inkludiert.) Sagen wir der Einfachheit halber, die Segnung  durch den Papst kostet in der ersten Reihe für einen Tag circa 80 Euro, in den hinteren Reihen der Arena noch satte 30 Euro. Eine persönliche Audienz 2000 Euro und eine Absolution durch seine Bischöfe 1000 Euro.

Sie sagen unmöglich, der Papst verlangt keinen Eintritt für spirituelle Dienste! Die Zeiten des Ablasshandels gehören ins Mittelalter und sind längst obsolet. Sie sind überzeugt, dass Religion und Profit zwei unvereinbare Größen sind!
Sie irren sich.

Daher Szenenwechsel: Dauerkarte Preiskategorie eins 230 Euro. Preiskategorie zwei 160 Euro,  Stufe drei noch satte 125 Euro: Die Bankenmetropole Frankfurt erwartet am Mittwoch das geistige Oberhaupt der Buddhisten, den Dalai Lama. Die Stufen der Erleuchtung sind für seine europäischen Weggefährten nur mit sattem Geldbeutel zu erreichen. Denn wer die magische Aura seiner Heiligkeit unmittelbar und aus nächster Nähe spüren will, muss Bares auf den Tisch legen. Die Sitzplatzunterteilung in Tages-, Abend- und Dauerkarten ist preislich  genau geregelt. Der Friedensnobelpreisträger aus dem Tibet  kennt seinen materiellen Wert. Sein professionelles Eventmanagement bietet dem zahlenden Zuschauer, der Mainmetropole  ein unvergessliches spirituelles Großereignis der Sonderklasse.
Gemeinsam mit tausenden von Anhängern, Neugierigen und sensationslüsternen Fans zelebriert  der Dalai Lama sein eigenes Festival - das Dalai Lama Festival.
Die Sprüche des Meisters aus Fernost  glänzen durch besondere Inhaltsschwere und Vieldeutigkeit, wie wir sie sonst nur aus Tageshoroskopen der Boulevardzeitungen kennen. (Entsprechend hat auch die Bildzeitung einem ihrer Leser ein Exklusiv-Meeting am Flughafen mit dem Dalai Lama verschafft.)
Einige geistige Kostproben: "Denke daran, dass etwas, was Du nicht bekommst, manchmal eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann." Auf Deutsch übersetzt: Wer sich die Eintrittspreise in der Kommerz-Arena nicht leisten kann, darf umso leichter auf die Erleuchtung vor Ort verzichten.
Oder: "Leid adelt den Menschen. Nur wer Leid erträgt, wird Glück erfahren." Dies sagt der Führer eines Volkes, das ganz besondere Erfahrungen mit den chinesischen Machthabern machen durfte. Denn die Tibetaner wissen, sehr genau wie der Stiefel der imperialen Unterdrückung schmeckt. Die Weltöffentlichkeit konnte dies  während der Olympiade in Peking live am Bildschirm verfolgen. Panzer und Gewehrkolben für ein Volk das lauthals seine Unabhängigkeit fordert.  
Ein besonderes Phänomen ist auch die Schlichtheit seiner Sprache und seines Lexikons, mit dessen Hilfe er die Weisheiten seinen Anhänger vermittelt. Die Sätze sind kurz, prägnant und leicht gestrickt - damit umso besser verständlich für das gemeine Volk.
"Die Kunst des Lebens lernen."  Unabhängig von religiösen oder philosophischen Standpunkten. Wir empfehlen die säkulare Variante: Nutzen Sie das sommerliche Wetter in der Mainmetropole für eine Ausflug aufs Land oder einen Besuch im Schwimmbad!







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