Kreative Buchempfehlungen

19.08.18
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Paula Bosch: Wein genießen, Callwey, München 2018, ISBN: 978-3-7667-2275-1, 29.95€

Dieses Weinbuch ist ganz auf die erste Sommelière in der BRD, Paula Bosch, zugeschnitten. Zwischen 1996 und 2003 verfasste sie wöchentliche Weinkolumnen für das Magazin der Süddeutschen Zeitung. Paula Bosch schreibt neben Fachbüchern Beiträge für Wein- und Gourmet-Fachzeitschriften und ist für den Bayerischen Rundfunk als Wein-Kommentatorin tätig.

Das Buch beginnt mit einer längeren Einleitung über die Entwicklung der Weinszene in den letzten Jahren. Dann stellt sie verschiedene Weinanbaugebiete in der BRD mit ausgesuchten Lieblingsweinen und Weingütern vor. Danach werden in einem internationalen Kontext Anbaugebiete in Österreich, in der Schweiz, in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Südafrika, Australien, Argentinien, Chile, in den USA und Griechenland vorgestellt. Anschließend geht sie aktuellen Trends und Entwicklungen nach, die innerhalb der Welt des Weines kontrovers diskutiert werden. Danach stellt sie das Vorkommen von roten und weißen Rebsorten und ihre Verarbeitung vor. Weiter geht es mit der Vorstellung von den exklusiveren und geschmacksintensiveren Varianten (Champagner, Crémant, Sekt, Prosecco). Anschließend beantwortet sie allgemeine Fragen zum Thema Weineinkauf, Kulinarik, Geschmackssinn und vieles mehr und geht auf die grundlegenden Fehler beim Lagern oder der Trinktemperatur ein.  Zum Abschluss des Buches bietet sie noch einen umfangreichen Service für die Leser an: Sie präsentiert Adressen von ausgesuchten Weinbars, Weinmessen und zum Weinkauf im Internet oder im normalen Geschäft. Weiterhin stellt sie Weinführer, Magazine, Blogs, Weinschulen oder Apps vor und liefert weiterführende Literatur zum eigenständigen Weiterlesen.

Bei diesem umfassenden Werk bleiben informativ wenige Wünsche offen. Neuere Produkte wie veganem Wein, Orange-Wein oder Bio-Wein hätten etwas ausführlicher dargestellt werden können. Eine ausführlichere Darstellung aufstrebender neuer Anbaugebiete wie Ungarn, Slowakei, Südafrika und Neuseeland und mehr Informationen zur Degustierung wären noch wünschenswert gewesen. Sonst hat das Buch, auch aufgrund der tollen Bilder, das Zeug, sich zu einem neuen Standardwerk in der Welt des Weines zu entwickeln.

 

Buch 2

das neue frankfurt. fotografische sammlung von matthias matzak, Wasmuth Verlag, Tübingen 2017, ISBN: 978 3 8030 0779 7, 48 EURO (D)


Das „Neue Frankfurt war ein Stadtplanungsprogramm zwischen 1925 und 1930, das vor allem die akute Wohnungsnot durch die Flucht von Binnenmigranten aus dem Ruhrgebiet lindern, aber auch alle Bereiche der städtischen Gestaltung in der aufstrebenden Stadt Frankfurt am Main umfasste. Die Architektur des „Neuen Frankfurt“ brach mit traditionellen Methoden des Wohnungs- und Städtebaus. Als Projekt des Neuen Bauens setzte es neue Maßstäbe, was internationale Maßstäbe setzte und als experimentelle Lehrstätte galt. Der umfassende Gestaltungsanspruch, der im Alltag der Gestaltung städtischen Lebens auch an vielen Stellen sichtbar wurde, unterscheidet dieses Projekt von anderen Ansätzen städtebaulicher Planung.

Mittels eines engen Netzwerkes von Politikern, Architekten, Technikern, Künstlern und Designern unter der Leitung von Ernst May (Hochbaudezernent) und Fritz Wichert (Direktor der Kunstgewerbeschule) wurde es zu einem vielbeachteten Projekte der „klassischen Moderne“. Unter Mays Ägide entstanden 12.000 Wohnungen als öffentlich-private Partnerschaft, 2000 mehr als geplant. Die Wohnungen erfüllten nicht nur das Grundbedürfnis des Wohnens, sondern setzten auch Standards im Wohnungs- und Siedlungsbau.

Der Frankfurter Fotograf  Matthias Matzak begann 2008, das Wesen dieses historischen Bauerbes mit der Kamera wiederzugeben. In diesem Bildband präsentiert er eine Auswahl seiner Ergebnisse, verbunden mit zahlreichen historischen Texten der beteiligten Architekten Ernst May, Martin Elsaesser, Adolf Meyer, Ferdinand Kramer, Mart Stam, Margarete Schütte-Lihotzky, Joseph Gantner, Karl Schwarz, Theodor Heuss, Eckhard Herrel, Christoph Mohr, und Konrad Elsässer.

Die Siedlungen des Neuen Frankfurt enthalten Elemente aus der englischen Gartenstadt, des Funktionalismus und  weisen eine verblüffende formale Homogenität in der Nachwirkung der „Neuen Sachlichkeit“ auf. Dies wird an den hier dargestellten Siedlungen Bruchfeldstraße, Praunheim, Bornheimer Hang, Römerstadt, Westhausen und der Heimatsiedlung deutlich.

Hier wird hochstehende Architekturfotografie eines bedeutenden Abschnittes der Stadtgeschichte Frankfurts am Main präsentiert. Die historischen Texte dienen als Leitfaden zum Verständnis dieser neuen Bauweise. Die Rezeption dieser zur damaligen Zeit revolutionären Bauweise hätte allerdings etwas ausführlicher sein können (Diskussion über Weltkulturerbe). Ganz gleich, wie man nun heute zum Funktionalismus und zur „Klassischen Moderne“ steht: Das „Neue Frankfurt“ war neben dem Bauhaus Wegweiser einer neuen Kultur des Bauens und des gesellschaftlichen Wohnens, was hier überzeugend wiedergegeben wird.

 

Buch 3

Sonja Hnilica: Der Glaube an das Grosse in der Architektur der Moderne. Grossstrukturen der 1960er und 1970er Jahre, Park Books, Zürich 2018, ISBN: 978-3-03860-093-0, 48 EURO (D)

Großstrukturen in der Architektur gehören zum Erbe der 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Bauten waren multifunktionale Großkomplexe oder monofunktionelle Riesenmaschinen. Das Volumen dieser Großprojekte und deren Ästhetik wird heute leidenschaftlich diskutiert: für die einen ist die Einheitlichkeit, Effizienz und Ausgestaltung ein noch immer lohnenswertes Vorbild für die Gegenwart, für die anderen sind es hässliche Betonwüsten, die das Stadtbild verschandeln. Das Ihme-Zentrum in Hannover, das Klinikum Aachen, der Neubau der FU und das Stadtviertel Gropiusstadt in Berlin oder das Nordwestzentrum in Frankfurt/Main sind solche Großprojekte, die in der alten Bundesrepublik entstanden sind. Auf das Gebiet der alten BRD bezieht sich auch die vorliegende Untersuchung. Dieses Buch basiert auf einer erfolgreichen Habilitationsschrift an der TU Dortmund im November 2017.

Die Erwartungen und Wertvorstellungen, die in der damaligen Zeit, mit den Großbauten verbunden waren, verbunden mit einem Exkurs in die Historie des Planens und Realisierens von Großbauten werden zunächst erörtert. Diesem Theoriediskurs folgt die Erörterung des Konzeptes „Stadt in einem Haus“, das verschiedene Nutzungsmöglichkeiten zentral innerhalb einer kleinen Dichte abbilden wollte. Monofunktionelle Riesenmaschinen, ihre Funktion sowie die Idee der Rationalisierung und des Funktionalismus werden im nächsten Kapitel behandelt. Die Großform im Wohnungsbau und die dahin liegenden Theorien wie Ganzheit, Gestalttheorie und funktionale Ästhetik werden dann präsentiert. Anschließend geht es um Bausysteme: Dabei werden die Industrialisierung des Wohnungsbaus, der Plattenbau, Universitätsbauten, Stadtbau und offene Systeme auch anhand von Beispielen vorgestellt. Der Begriff der Megastruktur im Zusammenhang mit technischen und sozialen Utopien wird dann anhand von Stadtzentren oder Großkrankenhäusern analysiert und bewertet.

Im abschließenden Fazit wird nicht nur eine thesenartige Zusammenfassung der Untersuchung gegeben: In einem Ausblick werden neue Perspektiven für den Umgang mit heute noch existierenden Großbauten und die dazugehörigen Debatten und Maßnahmen. Die Planung von Megacitys in Afrika, Asien und Südamerika haben die Debatten um die Erhaltung und die Bewertung des großen Riesen in der BRD ausgelöst. Einige erfolgreich sanierte Großwohnprojekte des sozialen Wohnungsbaus, Aufwertungen durch Urban Gardening und andere Beispiele sind Vorboten einer Renaissance des Großen in der BRD. Potentiale zum Weiter- oder Umbauen seien nach der Autorin vorhanden, „ein Potential, das bislang selten ausgeschöpft wurde. Die Konzepte, die zur Bewältigung des Großen entwickelt wurden, sollten in zukünftigen Debatten kritisch gewürdigt werden. Denn sie bieten nicht nur zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Erhalt und die Weiterentwicklung des zunächst so sperrig erscheinenden baulichen Erbes, sondern bereichern den Diskurs um das Bauen der Gegenwart.“ (S. 246)

Neben dem Text findet man mehr als 80 Abbildungen der dort angesprochenen Objekte und Pläne, so dass eine Visualisierung des Gesagten erreicht wird.

An Großwohnsiedlungen, Einkaufszentren, Massenhochschulen, Konferenzzentren oder Krankenhäuser, die in den 1960er und 1970er Jahren in Westdeutschland entstanden sind, scheiden die Geister. Viele davon sind heute Fremdkörper in der Stadt oder gelten als heruntergekommene Bauten mit wenig Charme. Die Autorin stellt den theoretischen Ansatz der Großprojekte und ihre Realisierung dar und weist nach, dass die Debatten im Umgang mit diesen Großprojekten noch längst nicht abgeschlossen sind. Dass viele Großbauten auch Machtrepräsentationen, steinerne Zeugnisse von Effektivität und Fortschritt und damit auch ein politisches und soziales Abbild sind, wird allerdings nicht ausreichend behandelt.

 

Buch 4

Graig Meathead Goldwyn: Die Wissenschaft des Grillens. Mit über 100 Rezepten, Riva Verlag, München 2017, ISBN: 978-3-7423-0088-1, 29,99 EURO (D)

Der Autor und Fotografen Graig Meathead ist das Grillen eine exakte Wissenschaft mit dem Ziel, das perfekte, auf den Punkt gebrachte Ergebnis zu erzielen. In diesem Fachbuch liefert er fundiertes Grundlagen- und Expertenwissen, wie der Grill und das Grillzubehör, das Grillgut mit Rauch und Hitze optimal zusammenspielen. Das Ergebnis sind 118 vom Autor entwickelte traditionelle und neue Rezepte, die in diesem Buch vorgestellt werden.

Zunächst präsentiert er seine Erkenntnisse über die Hitze und wie sich die Wärme im Fleisch entfaltet. Er stellt die Auswirkungen von Siedetemperaturen aufs Garen und die Benutzung des Deckels vor. Danach geht es darum, wie der Rauch das Fleisch aromatisiert und die Benutzung des richtigen Holzes. Danach folgen Tipps beim Einkauf des Fleisches, die Benutzung von Salz, Pökeln, Rubs und Gewürzmischungen. Wie man die richtige Temperatur zum Garen verwendet und wann der Garprozess beendet werden sollte, wird danach erklärt. Dann geht es um den Grillkauf (Gasgrill, Holzkohlegrill, Holzfeuergrill, Smoker), die besten Grillroste und die richtige Benutzung der verschiedenen Grillarten. Anschließend folgt ein Kapitel über Laken, Rubs und Saucen, Kräuter- und Gewürzmischungen und zahlreiche Rezepte dazu. Danach werden Rezepte zu gegrilltem Schwein, Rind, Burger, Hotdogs, Würste, Lamm, Hähnchen und Pute sowie Fisch und Meeresfrüchte. Zum Abschluss des Buches gibt es noch Rezepte für Beilagen wie Spargel, Maiskolben, Kartoffeln, Polenta oder Salat. Im Anhang findet man noch ein Register und Informationen zum Autor. In den einzelnen Kapiteln räumt der Autor mit Irrtümern und Mythen rund um das Grillen auf, diese sind rot markiert.

Das Buch ist gleichermaßen für Laien und für Grillexperten geeignet. Es werden viele neu, vom Autor entwickelte und getestete Rezepte hier vorgestellt, die verständlich und mit vielen Bildern dargestellt sind. Hier sind wirklich alle Grundlagen des Grillens zusammengefasst, wer sich intensiver mit der (komplexen) Materie auseinandersetzen will, ist hier richtig.

 

Buch 5

Kate O’Donnell: Das Ayurveda-Kochbuch für jeden Tag, Narayana Verlag, Kandern 2017, 978-3-946566-66-3, 29,80 Euro

Kate O’Donnell ist Ashtanga-Yoga-Lehrerin, zertifizierte Ayurveda- Expertin und Dozentin an der Kripalu School of Ayurveda. Ayurveda-Ernährung ist für die Autorin eine Verbindung von raffinierten Techniken des indischen Subkontinents mit regionalen Nahrungsmitteln sowie das ayurvedische Modell der Anpassung auf die individuelle Gesundheitsstruktur. Sie propagieren Regionalität als wichtigen Faktor für gesunde und schmackhafte Nahrung. Indische Ernährungs- und Gesundheitslehre werden mit westlichen Lebensgewohnheiten in Einklang gebracht.

In über 100 Rezepten, die sich für jeden Tag eignen und ohne großen Aufwand nach zu kochen sind, liefert sie eine grundlegende Basis für eine ayurvedische Ernährung: „Ich möchte, dass diese alten, ursprünglichen Grundlagen, die Ihnen eine bessere Gesundheit und Glück schenken können, nahtlos in ihr Leben übergehen.“ (S. IX) Um ein Verständnis für die ayurvedische Vorstellung von Gesundheit zu entwickeln, erklärt die Autorin in einem theoretischen Teil zunächst die Grundlagen. Sie zeigt, wie sich das Wetter auf Körper und Essverhalten auswirkt und liefert Tipps, worauf man in jeder Jahreszeit bei der Ernährung achten sollte.

Im zweiten Teil geht es um Grundgerichte wie frisch gekeimte Mungobohnen, einen wärmenden Tomaten-Dal oder Sonnebutter-Trüffel für alle ganze Jahr mit Rezeptplan für jeweils zwei bis vier Personen. Dazu gibt es auch noch begleitende Getränke wie Frühlingstee oder reinigender grüner Saft. Dann gibt es noch saisonale Rezepte, unterteilt in Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Pro Rezept wird auch noch das jeweilige Gericht als Bild gezeigt.

Der letzte Teil des Buches enthält eine nützliche Übersicht darüber, welches Gericht bei welchem Krankheitssymptom individuell  helfen kann. Im Anhang gibt es noch praktische Tipps für Küchenutensilien, Garzeiten, und Reinigungsrituale.

Das Buch liefert eine klare Vorstellung, wie man es schafft, den Körper durch die richtige Ernährung ins Gleichgewicht zu bringen, abgestimmt nach den individuellen Bedürfnissen. Die von vegetarischen und regionalen Produkten dominierte Ayurveda-Küche bereichern die Kulinarik in Europa. Angepasst an westliche Standards fördert sie die Gesundheit und bewusste Ernährung und ist dabei noch kulinarisch angenehm. Wie das in der kulinarischen Praxis funktioniert, erklärt dieses Buch auf verständliche Weise.

Dieses Buch lässt sich wunderbar mit dem folgenden kombinieren, wo die Heilkraft von Gewürzen gegen alle mögliche Art von Krankheiten beschrieben wird.

Buch 6

 

Bharat B. Aggewal: Heilende Gewürze. Wie 50 heimische und exotische Gewürze Gesundheit erhalten und Krankheiten heilen können, 3.Auflage,  Narayana Verlag, Kandern 2015, ISBN: 978-3-95582-026-8

Der in Indien geborene Arzt Dr. Bharat B. Aggarwal erforscht seit Jahren am renommierten M.D. Anderson-Krebszentrum der Universität Texas die Heilwirkung von Gewürzen. In diesem Buch beschreibt der Forscher ausführlich die wichtigsten 50 Gewürze, deren Anwendungsgebiete sowie wissenschaftliche Belege für deren Wirkung  und liefert gleichzeitig Rezepte, die sowohl schmecken als auch zur Heilung oder Vorbeugung von Krankheiten beitragen können. Er erklärt hierin, warum bestimmte Pflanzenstoffe dem Körper gut tun und auch noch eine Bereicherung für die eigenen kulinarischen Erfahrungen darstellen.

Das Buch „nimmt Sie mit auf eine Reise in die wunderbare Welt der Gewürze, wo Sie zum Wohle Ihrer Gesundheit den wertvollsten und nützlichen Wissensschatz entdecken können, den die Menschheit in ihrer langen Bekanntschaft mit Gewürzen angesammelt hat – auf dieser Entdeckungsreise erleben Sie auch jede Menge unvergesslicher kulinarischer und sinnlicher Abenteuer!“ (S. 18) Dabei werden für den westlichen Geschmack exotische Gewürze mit allseits bekannten kombiniert und die wichtigsten 50 davon detailliert vorgestellt.

Gewürze enthalten einzigartige Phytonährstoffe. Euginol ist zum Beispiel in der Gewürznelke zu finden und dient als starkes natürliches Schlafmittel. Das Gewürz Kurkuma besitzt stark krebsbekämpfende Mittel und ist auch gegen andere Krankheiten zu gebrauchen. Piperin ist als Pflanzenstoff im schwarzen Pfeffer enthalten und ist gut für die Gehirnzellen. Zur Vorbeugung von Herzerkrankungen, Diabetes und anderer häufig vorkommenden Symptomen gibt er weitere ausführliche Hinweise. Nach diesen Hinweisen gibt er den Lesern noch Anregungen für spezielle Gewürzmischungen und einen alphabetischen Leitfaden für Gewürze der Naturmedizin mit auf den Weg. Wie und wo man am besten diese Gewürze einkauft und dann lagert, wird im letzten Kapitel beschrieben. Im Anhang findet sich noch ein Stichwort-, Krankheiten- und Rezeptindex für ein schnelles Nachschlagen sowie weitere Literaturhinweise.

Dieses Buch bietet einen profunden Einblick in die gesundheitsfördernde Wirkung von Gewürzen, das die Leser in die Lage versetzt, um dies neben dem wichtigen Konsum von Obst und Gemüse in der täglichen Ernährung umzusetzen. Aggarwal kombiniert in verständlicher Weise traditionelles Wissen mit neueren belegten wissenschaftlichen Erkenntnissen, so dass man mit der richtigen Gewürzmischung in der Lage ist Krankheiten vorzubeugen und zu heilen.

 

Buch 7

Inken Henze: Mein dänisches Lebensgefühl: Hyggelige Inspirationen rund ums Jahr. Amalie loves Denmark. Frechverlag, Stuttgart 2018, ISBN: 978-3-7724-7462-0, 24, 95 EURO (D)

Dänemark gilt als eines der glücklichsten Länder der Welt. Eines der Markenzeichen ist „Hygge“, ein Kernbestandteil der dänischen Tradition. Im Wesentlichen ist „Hygge“ eine gemütliche, herzliche Atmosphäre, in der man das Gute des Lebens mit netten Leuten zusammen genießt. Dazu gehört auch das gemeinsame Essen und Trinken, am liebsten mehrere Stunden am Tisch zu sitzen und sich gemeinsam mit den größeren und kleineren Dingen des Lebens auseinanderzusetzen.

Inken Henze reist beruflich regelmäßig nach Kopenhagen und berichtet sie auf ihrem Blog „Amalie loves Denmark“ von ihrer Begeisterung für den dänischen Lifestyle. Die Autorin stellt in diesem Buch dar, wie sie zu jeder Jahreszeit und persönlichen Lebenssituation das dänische Lebensgefühl zu Hause lebt. Das Buch will Anregungen geben, sich etwas von Hygge ins eigene Leben zu holen.

Die Kapitel sind nach Jahreszeiten unterteilt. Es beginnt mit dem Frühling und Tipps für hyggelige Momente. Im Folgenden werden Information zur Schaffung einer eigenen Wohlfühloase, gemeinsame Aktivitäten mit Freunden und Familie sowie einigen Rezepten vorgestellt. Weiter geht es mit dem Sommer, der wiederum durch Tipps für hyggelige Moment eingeleitet wird. Das gemeinsame Grillen oder Ausflüge mit Freunden und der Familie wie auch weitere Rezepte werden präsentiert. Wie man sich den Herbst verschönern kann, wird in den Tipps erklärt, Dazu findet man Hinweise zu einer Wohlfühlatmosphäre im eigenen Haus, dem Basteln und Spielen mit Kindern sowie Rezeptvorschlägen. Zum Abschluss werden hyggelige Momente des Winters aufgeführt. Außerdem gibt es Tipps für Gemütlichkeit, zu Silvester und Weihnachten sowie Gemütlichkeit beim Lesen. In den einzelnen Kapiteln gibt es immer wieder Interviews, in denen ausgewählte dänische Persönlichkeiten erklären, was Hygge für sie bedeutet und wie sie Hygge leben. Im Anhang gibt es noch Informationen für ein schönes Wochenende in Kopenhagen und eine Auflistung der Wohlfühlorte der Autorin in Dänemark mitsamt Shopping-Adressen.

Die Autorin schildert eine Lebensphilosophie, die viel mit Wohlfühlen, Entspannung und Achtsamkeit zu tun hat. Aktivitäten mit Freunden und Familie für die eigene Seele und auch kulinarische Genüsse runden dies ab. Durch die Interviews bekommt man ein Gefühl dadurch, was Hygge ausmacht und wie es auf das eigene Leben angewendet werden kann.

 

Buch 8

Niall Ferguson: Türme und Plätze. Netzwerke, Hierarchien und der Kampf um die globale Macht, Propyläen Verlag, Berlin 2018, ISBN: 978-3-549-07485-5, 32 EURO (D)

In diesem Buch beschäftigt sich der renommierte britische Historiker Niall Ferguson mit der Geschichte des Zusammenspiels von Netzwerken und Hierarchien von der Antike bis in die Gegenwart. Bei der Untersuchung verknüpft er verschiedene Erkenntnisse aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen wie Soziologie, Organisationspsychologie, Ökonomie, politische Geschichte oder Gesellschaftswissenschaften. Die Welten von Hierarchien und Netzwerk sind dabei nicht nur als Gegensatz zu verstehen, sondern interagieren untereinander.

Ferguson kritisiert, dass Historiker bislang sozialen Netzwerken in der Vergangenheit zu wenig Raum bei der Deutung weltgeschichtlicher Vorgänge beigemessen haben. Dies erklärt er sich dadurch, dass sie sich bei ihrem Quellenmaterial vorwiegend auf Dokumente stützen, die von hierarchischen Organisationen wie Staaten oder Kirchen stammten. Stattdessen vertritt er die These, dass „soziale Netzwerke in der Geschichte stets viel bedeutender waren, als die meisten Historiker ihnen zugebilligt haben.“ (S. 18). Dabei macht er vor allem zwei „Netzwerkären“ aus: Die erste nach der Einführung der Druckerpresse am Ende des 15. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, die andere ab den 1970er Jahren bis in die Gegenwart verkörpert durch die technologische Revolution und die zunehmende Digitalisierung und Globalisierung. In der Zeit zwischen diesen Zeitaltern gewannen laut Ferguson die hierarchischen Institutionen die Macht zurück und vereinnahmten die Netzwerke.

Im Laufe der weiteren Untersuchung unternimmt er den Versuch, seine zentrale These anhand von Ereignissen in der Weltgeschichte zu belegen und geht dabei insbesondere auf die Freimaurerlogen, Illuminatoren, Wissenschaftler, Kapitalisten und Entdecker ein und ihre Konfrontation mit hierarchischen Organisationen ein.

Ferguson schreibt ein anregendes Buch über die Bedeutung von sozialen Netzwerken in der Weltgeschichte und ihrem Zusammenprall oder Zusammenhang zu hierarchischen, festen Strukturen. Die beiden hier beschriebenen „Netzwerkären“ sind jedoch nicht die einzigen prägenden in der Weltgeschichte. Schon lange vorher existierten andere soziale Zusammenschlüsse waren auch in Fergusons Sinne: Die Dorfmarken, der russische Mir, die Gilden des Mittelalters und soziale, weitgehend hierarchielose Netzwerke.

Die Bemerkung im Klappentext, dass „soziale Netzwerke (…) der lange Zeit übersehene Schlüssel zum Verständnis der Geschichte sind“, ist allerdings völlig übertrieben. Die Rolle von sozialen Netzwerken sollte – neben anderen vielfältigen Faktoren- in der Interpretation von Geschichte einen größeren Stellenwert bekommen, nicht mehr und nicht weniger.

 

Buch 9

Werner Marzi: Die Judenpolitik der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten – Von Adolf II. von Nassau bis Anselm Franz von Ingelheim 1461-1695, Nünnerich-Asmus Verlag, Mainz 2018, ISBN: 978-3-945751-41-1, 34, 90 EURO (D)

Dies ist der zweite Band der Reihe „Beiträge zur Geschichte der Juden in Rheinland-Pfalz“, der die Rahmenbedingungen jüdischen Lebens und das Verhältnis zwischen Juden und Christen in den vergangenen Jahrhunderten in der Region untersuchen will.

Ulrich Hausmann leitet das Buch einer territorialen und administrativen Übersicht von Kurmainz in der Frühen Neuzeit sowie einer Siedlungsgeschichte der Juden in Kurmainz ein. Dabei geht er auch auf die rechtliche, ökonomische und politische Situation ein.

Werner Marzi, Mitarbeiter des Institutes für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, liefert ein umfassendes Bild der Judenpolitik der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten von der Mitte des 15. bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts.

Die Aufkündigung des allgemeinen „Judenschutzes“ durch Erzbischof Adolf II. von Nassau und die damit einhergehende Aufforderung, ihre Wohnort zu verlassen, dient dabei als Einschnitt und Ausgangspunkt der folgenden Untersuchungen.

In Porträts der neunzehn Reichsfürsten in diesem Zeitraum analysiert Marzi, wie die jeweiligen Autoritäten ihr landesweites Hoheitsrecht des „Judenschutzes“ und ihre Befugnisse gegenüber den jüdischen Gemeinden ausübten. Der Alltag der jüdischen Minderheit und ihr Zusammenleben mit der christlichen Mehrheitsgesellschaft werden dabei ebenfalls thematisiert.

Das gut strukturierte und geschriebene Buch beschreibt das immer währende Spannungsfeld zwischen Toleranz und Repression. Es ist die Geschichte einer ambivalenten Beziehung zwischen der jüdischen Bevölkerung in Mainz und Kurmainz und der Autoritäten von Staat und Kirche. Die Abhängigkeit der Juden vom der Gunst und Willkür des Kurfürsten oder Erzbischofs verhinderte Ansätze zur Selbstbestimmung. Die landesherrliche und bischöflich-pastoralen Politik gewährte ihnen immerhin über längere Zeiträume ein gewisses Maß an Rechtssicherheit, das jedoch jederzeit widerrufen werden konnte. Nützlichkeitserwägungen trieben die Herrschenden zu mehr Aufgeschlossenheit und zu einem Aufweichen von Repressionen. Der christliche Antijudaismus und die damit einhergehenden Ressentiments als Faktor in der Judenpolitik der Herrschenden kommen in dem sonst hervorragend aufgearbeiteten historischen Aufriss etwas zu kurz.

 

Buch 10

Wanderlust; von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir, Hirmer Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-7774-3018-8, 39,90 EURO (D)

Diese Publikation erscheint zur gleichnamigen Ausstellung „Wanderlust. Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir“ vom 10.5 bis zum 16.9.2018 in der Alten Nationalgalerie Berlin.

In einer mehr als 120 Exponate umfassenden Ausstellung zeigen die Bilder von Caspar David Friedrich, Carl Blechen, Karl Friedrich Schinkel, Johan Christian Dahl, Richard Wilson, Christen Købke, Gustave Courbet, Iwan Kramskoi, Ferdinand Hodler, Auguste Renoir, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix und Ernst Barlach verdeutlichen, wie fruchtbar das Motiv des Wanderns nicht nur in Deutschland, sondern von Frankreich, Großbritannien über Dänemark und Norwegen bis nach Russland war.

Rousseaus einflussreiche Wanderpädagogik prägte folgende Generationen von Landschaftsmalern, die sich zu Fuß auf den Weg machten, um empirische Erkundigungsgänge in der Natur zu unternehmen: „In einem Zeitalter der Akzeleration von gesellschaftlichen Entwicklungen und einer sich rasant entwickelnden, allgemeinen Mobilität ist im bewusst gewählten Fußmarsch der Versuch einer Entschleunigung zu sehen. Mit dem Wandern verbanden sich aber nicht nur Eskapismus und die Sehnsucht nach Überschaubarkeit in einer komplexer werdenden Welt, sondern insbesondere der Aspekt der Welt- und Selbsterkenntnis.“ (S.9) Die Künstler tauschten sich untereinander in Briefen über die Methode aus, die das Darstellen von Landschaften authentischer machte.

Der Band wird eingeleitet von acht wissenschaftlichen Aufsätzen über die geistigen, philosophischen, gesellschaftlichen, zeitgeschichtlichen und literarischen Hintergründe der neuen Lust an der langsamen Fortbewegung innerhalb der Natur. Dann folgt der Katalog der ausgestellten Werke: Die Exponate sind thematisch in verschiedene Kapitel gegliedert: Entdeckung der Natur, Lebensreise, Künstlerwanderung, Sehnsuchtsland Italien, Wanderlandschaften nördlich der Alpen, Spaziergänge und Aufbruch. Im Anhang findet man noch Hinweise zu den Exponaten, Literatur zum Wandern aus der Zeit von 1762 bis 1874 und ein Personenregister.

Das neue Lebensgefühl des Wanderns in der Natur inspirierte neben Literaten auch viele bildende Künstler ausgehend von der Romantik bis in die Klassische Moderne. Die ideengeschichtlichen Hintergründe und die neue Selbsterkenntnis werden in den einleitenden Aufsätzen detailliert beschrieben. Dies bietet die Steilvorlage für die Betrachtung der Werke mit dem Primus unter Pares Caspar David Friedrich mit seinem Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ und anderen internationalen Künstlern. Die Ideen von damals erfreuen sich auch heute einer ungebrochenen Aktualität, die beim Wandern erlebte Freiheit und Unabhängigkeit spiegeln sich in diesen Werken wider.

 

Buch 11

Die Foodtruckerin: Ein kulinarischer Roadtrip durch ganz Deutschland. Die besten Geschichten und Rezepte, BusseSeewald, Stuttgart 2018, ISBN: 9783772474712, 24,95 EURO (D)

Bei ihrer Reise quer durch die BRD besucht Felicitas Then führende Protagonisten der Herstellung von hochwertigen Lebensmitteln. Dort werden Herstellung und die Produktionswege teilweise offenlegt, so dass der Leser nachvollziehen kann, wo die Lebensmittel her kommen und wie Sie produziert werden. Dies ist verbunden mit dem Anspruch für mehr Nachhaltigkeit innerhalb der Kulinarik.

Die Food-Bloggerin und Journalistin Felicitas Then betreibt auf YouTube betreibt sie den Kochkanal „Pimp your Food“. Sie besitzt einen eigenen Foodtruck und reist damit durch die Republik auf der Suche nach den besten Zutaten und Rezepten. In diesem kulinarischer Roadtrip berichtet sie von ihren Reisezielen, den Menschen, denen sie begegnet, und natürlich über Lebensmittel und Rezepten. Sie besucht Bauernhöfe, Käsebetriebe, Bierbrauer, Wurstmacher, Fischer und andere Hersteller von qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Produkten. In ihren Geschichten und Interviews erfahren die Leser alles über die Marke, die Verarbeitung, den Anbau und den Produktionsweg. Die Betriebe und Hersteller haben ein paar Dinge gemeinsam: Qualitativ hochwertige Ware, Regionalität, biologischer Anbau oder Haltung, annehmbare Tierhaltung und Nachhaltigkeit. Jeder der besuchten Betriebe oder Höfe stellt seine persönlichen Lieblingsrezepte verbunden mit den eigenen Produkten vor. Dies reicht von deftigen Fleischgerichten wie Blutwurst oder Steaks über Fischgerichten oder Suppen bis hin zu biologischen Rezepten wie Kräuterkäsespätzle. Die Rezepte werden wie in jedem Kochbuch Schritt für Schritt erklärt, die Zutaten aufgeführt und mit einem Bild des fertigen Gerichtes versehen. Aus den jeweiligen hochwertigen Produkten produziert Felicitas Then auch neue eigene Gerichte, die hier auch vorgestellt werden.

Dieses Buch richtet sich an Freunde der Nachhaltigkeit, Regionalität und der kreativen qualitativen Kochens, die bereit sind, für gute Zutaten etwas mehr Geld auszugeben. Der Leser bekommt bei jeder einzelnen Station der kulinarischen Reise eine persönliche Beziehung zu dem hergestellten Produkt, da die Herstellung und die Produktionswege teilweise offenlegt werden. Die Rezepte werden anschaulich erklärt und sind daher auch für Hobbyköche gut nachkochbar.

 

Buch 12

Marcus Täuber/Pamela Obermaier: Alles reine Kopfsache. 5 Phänomene aus der Hirnforschung, mit denen Sie alles schaffen, was sie wollen, Goldegg Verlag, Berlin/Wien 2018, ISBN: 978-3-990-60066-5, 22 EURO (D)

Der Leiter des Instituts für mentale Erfolgsstrategien, Marcus Täuber, und die Trainerin für persönliche Wirkung, Pamela Obermaier, stellen in diesem Buch Erkenntnisse aus der Hirnforschung zum Nutzen für das persönliche Wohlbefinden vor: „Wir werden Sie in fünf gewinnbringende Geheimnisse für ein erfüllteres Leben einweihen, indem wir Ihnen Phänomene rund um das menschliche Gehirn vorstellen, die den Schlüssel zu nachhaltiger Veränderung beinhalten. Dadurch werden Sie wiederum erfahren, wie Sie den Krankmachern des Alltags entkommen und Ihrem Leben mehr Genuss geben können, warum Ihre Persönlichkeit nicht in Stein gemeißelt, sondern sehr wohl veränderbar ist, (…) Die Welt, wie wir sie in unserem Kopf erleben, ist zu neunundneunzig Prozent eine Konstruktion des Gehirns.“ (S. 9f) Durch die Hilfe von mentalen Tricks lässt sich das Gehirn so ausrichten, unsere Physiologie, unser Verhalten und unsere Wahrnehmung grundlegend neu zu gestalten.

Das Buch beginnt mit den fünf Geheimnissen über unser Gehirn. Dann werden von Veränderungsprozessen und ihre Wirkung auf die Persönlichkeit beschrieben. Danach geht es um die Neuroplastizität in der Hirnforschung: Die Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, sich selbst zu regenerieren und erneut zu strukturieren. Dieses adaptative Potential des Nervensystems erlaubt es dem Gehirn sich nach einer Störung oder Verletzung wieder zu erholen und die Effekte der aufgrund von Pathologien veränderten Strukturen zu reduzieren. Anschließend werden die drei Säulen für eine tiefgehende Veränderung, die drei Regeln für eine nachhaltige Veränderung sowie die drei Erfolgsformeln für die Bekämpfung des inneren Schweinehundes präsentiert. E folgen die fünf mentalen Erfolgskomponenten und mentale Tipps für den Alltag. In einem Praxistest lernt man dann, das bisher Gelesene für sich anzuwenden. Im Anhang findet man noch ein Quellenverzeichnis, ein Register fehlt allerdings.

Die hier gegebenen Versprechungen wie „So werden Ihre sehnlichsten Wünsche wahr“ sind teilweise übertrieben. Es lassen sich nur Gewohnheiten oder Fakten ändern, die der einzelne Mensch selbst beeinflussen kann. Erfolg im Beruf kann niemand versprechen, da es von vielen anderen Faktoren außer der eigenen Persönlichkeitsstruktur abhängt. Sonst ist das Buch wissenschaftlich fundiert aufgebaut und bietet vielerlei Möglichkeiten, sich selbst zu verändern durch anderes und gesünderes Denken.

 

Buch 13

Karl Bodmer. Ein Schweizer Künstler in Amerika 1809-1893, Scheidegger&Spiess, Zürich 2018, ISBN: 978-3-85881-600-9, 48 EURO (D)

Der Schweizer Künstler Karl Bodmer wurde in Deutschland bekannt durch seine Aquarelle, Zeichnungen und Aquatinten der Städte und Landschaften des Rheins, der Mosel und der Lahn. In Frankreich werden seine Ölbilder mit Wald- und Tiermotiven und seine Kupferstiche, Zeichnungen und Buchillustrationen geschätzt, die er als Mitglied der Schule von Barbizon anfertigte.

Maßgebend für die Ethnologie waren seine von 1832 bis 1834 in Nordamerika gezeichneten und aquarellierten Indianer- und Landschaftsbilder, die sein Auftraggeber Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied ab 1839 in dem Werk Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834 als kolorierte Aquatinten veröffentlichte. Karl Bodmer brachte von der Reise mehr als 400 Skizzen und Aquarelle von Indianern, Pflanzen, Tieren und Landschaften nach Deutschland zurück. Diese zählen zu den wichtigsten Dokumenten über die Indianerkulturen am oberen Missouri. Es bedarf noch der Klärung, welche Aquarelle in Amerika und welche in den folgenden drei Jahren in Paris fertiggestellt wurden. Vermutlich sind jene Aquarelle, die stark von den späteren Tableaus abweichen, bereits in Amerika entstanden.

Zum 200ten Geburtstag des Künstlers zeigt das Züricher Nordamerika Native Museum die Illustrationen Bodmers und ordnet sie kulturgeschichtlich ein. Dies ist Begleitband der gleichnamigen Ausstellung vom 8.2. bis zum 9.8.2018 in Zürich. Der Begleitband erscheint gleichzeitig in deutscher und englischer Sprache.

Das Buch beginnt mit einer Einführung des Kurators Hartwig Isernhagen. Danach stellt derselbe Autor Hintergründe und Verlauf der Entdeckungsreise Bodmers und Wieds in Nordamerika dar. Danach wird die Nordamerikasammlung des Prinzen im Linden-Museum in Stuttgart von Sonja Schierle vorgestellt. Peter Bolz beschäftigt sich mit der Rezeption von Bodmers Werken und denjenigen von Heinrich Rudolf Schinz und der damit eingehenden Wandlung des Indianerbildes in Europa. Derselbe Autor beschäftigt sich anschließend mit der Berliner Nordamerika-Sammlung des Prinzen. Hartwig Isernhagen beschäftigt sich noch mit dem Einfluss Alexander von Humboldt auf die Expeditionsreise Wieds und Bodmers.

Nach den einleitenden Essays folgen die Bilder. Im Anhang findet man noch eine Bibliografie, das Begleitmaterial, eine Liste der Objekte und biografische Angaben über die Autoren.

Dieser Reader nimmt nicht nur die Werke des Künstlers in den Blick, sondern auch sein Verdienst für die europäische Wahrnehmung der Native Americans. Durch die Essays gewinnt man einen tieferen Einblick in die Bedeutung von Bodmers Kunst für die Nachwelt. Das Buch ist also eine gelungene kulturgeschichtliche Aufarbeitung der Kunst Bodmers und eine Würdigung seines Lebenswerkes.

 

Buch 14

Bernd Roeck: Das Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance, Historische Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung, C.H: Beck, München 2017, ISBN: 978-3-406-69876-7, 44 EURO (D)

Bernd Roeck, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Zürich, stellt in dieser sehr umfangreichen Untersuchung die Welt der Renaissance vor. Der Titel des Buches spielt auf die Zurücksetzung des Sakralen, dem Himmel an, dafür wird die Ausbreitung des Weltlichen hervorgehoben.

Die Anfänge der Renaissanceepoche werden im späten 14.Jahrhundert in Italien gesehen; als Kernzeitraum gilt das 15. und 16.Jahrhundert. Gegenüber dem älteren wissenschaftlichen Modell einer Initialbewegung in Italien und der unaufhaltsamen nachfolgenden Ausbreitung über Europa geht man heute in den Kulturwissenschaften immer mehr von einer vernetzten Situation wechselseitiger Einflüsse aus.

Die Renaissance fußt laut Roeck auf „sieben Säulen der Moderne“ (S. 22): Dies sind geographischen und klimatischen Bedingungen, die staatliche Vielfalt, politische und kulturelle Konkurrenz in Europa, die städtischen Mittelschichten und der Einfluss der Horizontale auf den verschiedensten Gebieten, die Eindämmung der Religion, das kritische Gespräch mit der antiken und arabischen Philosophie, die durch Gutenberg ausgelöste „Medienrevolution“ und das Denken in sehr langen Zeiträumen.

Die Grundsteinlegung für die Renaissance sah Roeck schon im Mittelalter, nicht nur in der Wiederbelebung antiker Traditionen. Der Niedergang des Byzantinischen Reichs nach dem Vierten Kreuzzug 1204 bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Türken führte dazu, dass zahlreiche griechische Gelehrte nach Italien kamen, die das Wissen über die Kultur der griechischen Antike mitbrachten, welches im Byzantinischen Reich nach dem Ende Westroms nahezu 1000 Jahre lang bewahrt und geehrt worden war.

Er schildert in seinen Ausführungen globalgeschichtlich die politischen, religiösen, künstlerischen, wirtschaftlichen, sozialen und geistesgeschichtlichen Ereignisse und Hintergründe und nicht zuletzt die Welt der Entdeckungen und des aufkommenden Kolonialismus. Er stellt jedoch nicht nur die Geschichte der Macht dar, sondern geht auf alltagsgeschichtlich auf das Leben und Leiden der breiten Bevölkerungsmehrheit ein. Aus dieser enormen Stofffülle entsteht ein monumentales Werk, das den Anspruch hat, alle wesentlichen Facetten der Renaissance abzubilden, was es auch schafft.

Roeck analysiert auch die Bedeutung der Renaissance als Grundstock für unsere moderne Welt, so dass es auch Gegenwartsbezüge en masse gibt. Lebendigkeit erhält das Werk auch durch die mehr als 100 Abbildungen und Karten, aber auch der lockere Erzählstil des Autors trägt dazu bei.

Die Begeisterung des Autors in seiner Beschreibung des Stoffes ist beim Lesen greifbar, dabei kommt allerdings die kritische Einordnung der Schattenseiten der Epoche etwas zu kurz. Die Renaissance hat aus der Rückschau nicht nur künstlerische Highlights wie Botticelli, Tizian oder Genies wie Dante, Gutenberg oder all die namhaften Philosophen der Epoche  mit hervorgebracht, sondern auch Kriege, Naturkatastrophen, religiöse Verfolgung und auch den Beginn des Kolonialismus mit der Zerstörung indigener traditioneller Hochkulturen wie der Ausplünderung ganzer Kontinente.

Eine wichtige Erfindung, die die Welt veränderte, preist Roeck jedoch zu Recht an: Der moderne Buchdruck mit den auswechselbaren Lettern einer Satzschrift in einer Druckerpresse (Typendruck), der die flexible, relativ kostengünstige und schnelle Erstellung größerer Auflagen ermöglichte, wurde von Johannes Gutenberg erfunden, was eine Demokratisierung der Schaffung und Verbreitung von Informationen einleitete.

Das Besondere der Epoche liegt darin, dass der Mensch sich die Welt gegenüber der Religion zurückerobert hat, in diesem Punkt hat Roeck auch Recht und dies ist nicht hoch genug als Brücke zur Moderne zu bewerten.

 

Buch 15

Diana Ladner/Georgina Brandenberger: Tiergestützte Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen. Hund und Pferd therapeutisch einbeziehen, Ernst Reinhardt Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-497-02736-1, 24,90 EURO (D)

Wie Tiere, vor allem Hunde und Pferde, in der Therapie von psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen sinnvoll eingesetzt werden können, stellt dieses Fachbuch vor. Die beiden Autorinnen sind Kinder- und Jugendpsychiaterinnen, arbeiten seit Jahren mit Hunden und Pferden und stellen in diesem Fachbuch ihre Erfahrungen mit vielen Fallbeispielen vor.

Im ersten Teil des Buches werden der Stand der Forschung und die Wirkfaktoren in der tiergestützten Psychotherapie dargestellt. Danach geht es um die Vorstellung der häufigsten Störungsbilder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (internalisierende Störungen, externalisierende Störungen, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen, ASS, Bildungsstörungen, Traumafolgen, Ausscheidungsstörungen). Nach diesem einleitenden Theorieteil folgt der Praxisteil: Dort werden zunächst die Ausbildung und Anforderungen, die ethischen Grundsätze und die Rahmenbedingungen der tiergestützten Psychotherapie vorgestellt. Dann folgen die Grundlagen der Therapieplanung, Therapieziele und Interventionen nach Setting, Behandlungsphasen, Alter sowie Störungsbildern behandelt. Danach werden die Interventionen der tiergestützte Therapie in den verschiedenen Therapierichtungen präsentiert. Fallvignetten zu den wichtigsten Störungsbildern schaffen den Bezug zur Praxis. Die Fälle des Alterns und des Todes eines Tieres und der Umgang damit folgen zum Schluss. Ein Serviceteil mit Ansprechpartnern, Verbänden und Ausbildungsinstitutionen, Literaturempfehlungen und ein Sachregister findet man noch im Anhang.

Die Zielgruppen des Buches sind Psychotherapeuten, Sozialpädagogen, Sonderpädagogen, Fachkräfte für tiergestützte Therapie und Pädagogik sowie Fachleute, die mit psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen arbeiten. Das Buch ist gut in einen aufeinander ausbauenden Theorie- und einen Praxisteil gegliedert. Der Praxisteil enthält viele informative Beispiele Innerhalb des Textes findet man unter den einzelnen Kapiteln noch Literaturempfehlungen zum Weiterlesen. Der umfangreiche Serviceteil ermöglicht ein selbständiges Weiterarbeiten je nach persönlicher Motivation oder Interesse. Aufgrund dieser Punkte ist das Buch zu empfehlen.

 

Buch 16

Hamburgische Architektenkammer (Hrsg.): Architektur in Hamburg. Jahrbuch 2017/18, Junius Verlag, Hamburg 2018, ISBN: 978-3-88506-778-8, 39,90 EURO (D)

Zu Beginn des Buches werden Moscheen in Hamburg, die eine plurale, offene Stadtgesellschaft widerspiegeln, aus architekturtheoretischer Perspektive vorgestellt. Danach folgen die wichtigsten Neubauten 2017/18, die in einem Text und dazugehörigen Bildern und Grundrissen sowie dem Architekturbüro behandelt. Dies sind das Hochhaus und Verwaltungsgebäude Hamburg-Süd, das Stadthaus an der Palmaille, der Zeisehof und das Atelierhaus in Ottensen, das erneuerte Finnlandhaus und das neue Esplanade-Hochhaus, Greencity Hohenfelde, das Wohnquartier „The Quality Street“ in Eppendorf, der Bunkerumbau in Eilbeck, das Klimamodellquartier „Op’n Hainholt“, das SonninKontor in Hammerbrook, der Handwerkerhof Wedel und andere Objekte. Darüber hinaus wird eine Würdigung des Elbphilharmonie nach 100 Tagen der Fertigstellung vorgenommen.

Im Hamburger Feuilleton wird der scheidende Oberbaudirektor Jörn Walter, der das moderne Hamburg mit geprägt hat, interviewt und eine Bilanz seiner Amtszeit gezogen. Weiterhin gibt es ein Porträt des Rathausbaumeisters Martin Haller (1835-1925), eine Bilanz von 50 Jahren Osdorfer Born, Gedanken zum denkmalpflegerischen Umgang mit den Bauten von Gustav Oelsner in Altona sowie ein Interview mit Michael Krämer und PSP-Architekten. Weiterhin werden aktuelle Tendenzen im Schulbau und das Autosilo des Hotels Reichshof präsentiert. Die vor allem in den Metropolen fehlenden preiswerten Wohnungen bilden auch einen Schwerpunkt. Es wird die Frage gestellt, ob serielles und standardisiertes Bauen dieses Problem lösen kann und andere Wege zum kostengünstigen Wohnungsbau diskutiert. Im Anhang findet man noch eine Übersicht der Autoren, hier genannten Architekten und Fotografen.

Dieses Jahrbuch beschäftigt sich mit aktuellen Trends rund um das Themengebiet Architektur und versucht Antworten zu geben auf die Frage nach preisgünstigem Wohnungsbau. Experteninterviews sind ebenso vorhanden wie die Vorstellung neu realisierter Bauten. Eine Bilanz rund um die Elbphilharmonie ist besonders interessant. Insgesamt gesehen ist das Jahrbuch ein gutes Abbild der architektonischen Entwicklungen der Metropole Hamburg und darüber hinaus.

 

Buch 17

Mathias Bertram (Hrsg.): Norbert Bunge. Fotografien, Lehmstedt, Leipzig 2017, ISBN: 978-3-95797-059-6, 30 EURO (D)

Norbert Bunge ist ein bekannter Filmemacher, Kameramann und Fotograf und  betreibt eine Fotogalerie in Berlin. Bunge drehte als Regisseur und Produzent seit 1974 zahlreiche Dokumentarfilme, die auch im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Die Themen seiner Filme sind neben den Porträts bekannter Künstler wie George Grosz, Peter Weiss und Käthe Kollwitz insbesondere der Nationalsozialismus und der Rassismus. 1996 eröffnete er die Galerie argus fotokunst in Berlin-Mitte, die der Fotografie des 20. Jahrhunderts gewidmet ist. Dort wollte er vor allem die ostdeutsche schwarz-weiße Fotografie einem größeren Publikum näherzubringen.

Bunges Bilder sind meist in Schwarz-Weiß gehalten und spiegeln eine beobachtende Fotografie wider: „Bunges Fotografien richten ihren Blick vor allem auf Menschen in ihrem natürlichen Umfeld, erkunden ihre alltäglichen Lebensverhältnisse und Beziehungen. Was sie festhalten, sind Beobachtungen, die bemerkens-, bedenkens- oder einfach nur bestaunenswert sind. Dies können geglückte Aufnahmen ‚besonderer Augenblicke‘ ebenso sein wie Stillleben oder Porträts. Dabei zeigen Bunges meist aus der Perspektive des Flaneurs aufgenommenen Bilder die Menschen immer voller Empathie, manchmal mit Ironie, aber so gut wie nie decouvrierend oder gar denunzierend.“ (S. 8)

Das Buch beginnt mit einem einleitenden Vorwort des Herausgebers Mathias Bertram zur Biographie und Werk Norbert Bunges. Dann folgt eine Auswahl der Bildwerke Bunges versehen mit Ort und Jahreszahl. Vorangestellt sind Impressionen aus der geteilten Stadt Berlin und nach der Wende 1989. Bilder von Impressionen seiner Reisen nach New York, Rom, Paris und andere Städte sowie die Dokumentation weißer Farmersfamilien und ihrer indigenen Arbeiter in Namibia werden hier gezeigt. Aufnahmen von Reisen durch Europa, Vorderasien, Mittel-und Südamerika, Australien und Nordafrika werden auch präsentiert. Im Anhang findet man noch eine Kurzbiografie Bunges sowie eine Auflistung seiner Dokumentarfilme, seiner Publikationen, die Ausstellungen in argus fotokunst und weitere Ausstellungen.

Bunges Bilder haben den Anspruch, die Wirklichkeit so abzubilden wie sie ist, manchmal mit viel Witz und Ironie, wie schon das Coverfoto zeigt. Ihn interessieren Porträts von Menschen, die im Alltag aufgenommen sind, beobachtende und spontane Fotografie mit einem ganz eigenen Stil. Die Bilder sind auf seinen Reisen rund um die Welt über mehrere Jahrzehnte entstanden und sind auch bisweilen kritisch, wie die Aufnahmen des alltäglichen Rassismus in Namibia zeigen. Leider kommt Bunge in diesem sonst sehr spannenden Buch nicht selbst zu Wort und erzählt mehr über seine Fotokunst und seine Ziele.

 

Buch 18

Jens Müller: Geschichte des Graphikdesigns. The History of Graphic Design 1890-1959, Taschen Verlag, Köln 2017, ISBN: 978-3-8365-6307-9, 50 EURO (D)

Dieses Buch erzählt die Geschichte des Grafikdesigns von den Anfängen 1890 bis 1959. Es ist der erste Band einer Reihe, die bis in die Gegenwart reichen soll. Das Buch ist in deutscher, englischer und französischer Sprache gleichzeitig abgefasst.

Diese Enzyklopädie stellt über 2.500 grafische Arbeiten aus aller Welt vor. Die innovativsten 71 von ihnen werden im Detail vorgestellt, ebenso die 61 wichtigsten Persönlichkeiten des Grafikdesigns, die stilbildend wirkten: „Dieses Buch verknüpft weltweit bekannte Arbeiten mit in Vergessenheit geratenen oder nur in Fachkreisen bekannten Beispielen. Dass dabei prämierte und in Museen ausgestellte Plakatkunst neben millionenfach verbreiteter Alltagsgrafik gezeigt wird, gehört zu den Eigentümlichkeiten der Profession, die sich seit ihren Anfängen im Grenzbereich von Kunst, Kommerz, Handwerk und Dienstleistung bewegt.“ (S. 14)

Das Buch beginnt mit einem einleitenden Rückblick von David Jury, der die Vorgeschichte des Grafikdesigns wie dem Kupferstich und dem Buchdruck bis hin zu den ersten Werbeagenturen in den 1880er Jahren. Die rasante Entwicklung des Grafikdesign fiel in das Zeitalter der Industriellen Revolution. Dann folgen die einzelnen Jahrzehnte chronologisch angeordnet. Zu Beginn einer jeden Dekade werden kurz die Entwicklungen in Grafik und Gesellschaft zusammengefasst. Dann werden Grafikdesignstücke in klassischen Printmedien wie Zeitschriften, Büchern, Plakaten, Karten und Broschüren angefangen von Toulouse-Lautrec, über Lucien Bernard, verschiedene Weltausstellungen und Magazine wie Vogue, Bauhaus-Grafiken aus China bis hin zum Illustrator René Gruau vorgestellt. Die einzelnen Werke werden mit Jahreszahl und Designer versehen.

Dieses Werk leitet hervorragend in die Historie des modernen Grafikdesigns ein und präsentiert unzählige grafische Arbeiten aus allen Teilen der Welt. Natürlich können die Arbeiten nur im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen, sozialen und wissenschaftlichen Entwicklungen gesehen werden. Somit vermittelt das Buch auch einen Einblick in die Werte und Vorlieben bestimmter Epochen.

 

Buch 19

Daan Schonhoven (Hrsg.): Praxisbuch außergewöhnliche Naturfotografie. 73 Foto-Workshops für kreative Bilder, Übeserzung aus dem Niederländischen von Stephanie Wloch, dpunkt Verlag, Heidelberg 2018, ISBN: 978-3-86490-534-6, 29,90 EURO

In diesem Buch wird erklärt, wie und mit welchen Mitteln man stimmungsvolle und außergewöhnliche Bilder in der Fotografie innerhalb der Natur macht. 15 niederländische Fotografen des Autorenkollektivs von Nederpix zeigen in 73 Workshops Aspekte ihrer fotografischen Vision, kreative Aufnahmetechniken und ungewöhnliche Perspektiven: „Dieses Buch geht einen Schritt weiter als die Vermittlung von Kompositionsregeln, Techniken und dem genügsamen Kopieren einer Idee. Es dreht sich um einen fotografischen Prozess, der manchmal eine Viertelstunde dauert, aber auch Jahre oder sogar ein ganzes Leben beanspruchen kann! Das ist die unbequeme Wahrheit des ‚Praxisbuch außergewöhnliche Naturfotografie“, das sie als Naturfotograf auf die nächste Entwicklungsstufe heben soll.“ (S. 9)

Die 73 Workshops bilden je ein eigenes Kapitel von 2 Seiten mit einem Text und den passenden Bildern, die von unterschiedlichen Autoren und Autorinnen vorgestellt werden. Es sind sowohl Landschaftsaufnahmen bei Tag und bei Nacht wie Nebelschwaden, Dünen auf Ameland oder der Blick vom Tafelberg als auch Stillleben von Blumen oder ein Klatschmohnfeld zu sehen. Auch die Tierfotografie und ihre speziellen Anforderungen werden in einigen Kapiteln behandelt. Manchmal ist es auch eine Mixtur von allem.

Bis auf die Ausnahme der Vorstellung der Schwarz-Weiß Fotografie innerhalb der Natur von Marijn Heuts (S. 116ff) wird die Farbfotografie vorgezogen. Einige Workshops vermitteln auch Grundzüge der Motivfindung, der Ausrüstung, Aufnahmetechnik, des „richtigen Momentes“ sowie der Bildgestaltung.

Die hier vorgestellten Bilder sind auch auf der Webseite www.natuurfotografie.nl zu finden, wo die Autoren Fototipps veröffentlichen und Fotoworkshops anbieten.

Die hier präsentierten Aufnahmen vermitteln anschaulich die Schönheit der Naturfotografie. Die Grundlagen werden hier ausführlich und verständlich erklärt, ohne den Bezug zur Praxis zu vernachlässigen. Das Buch eignet vor allem für Fortgeschrittene, die stimmungsvolle Bilder mit Naturmotiven machen wollen.

 

Buch 20

Ilvars Ijabs u.a. (Hrsg.): Lettland 1918-2018. Ein Jahrhundert Staatlichkeit, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn. 2018, ISBN: 978-3-506-78905-1, EUR 39.90

Zum 100jährigen Jubiläum der Staatlichkeit Lettlands stellen lettische Experten zusammen mit Beiträgen aus der BRD und Dänemark einen Überblick über die wichtigsten Zäsuren der Geschichte, Kultur, Wirtschaft und Politik des kleinen baltischen Staates vor.

Lettland hat im letzten Jahrhundert eine wechselvolle politische Geschichte durchgemacht. Nach der Russischen Revolution und dem 1. Weltkrieg erklärte Lettland am 18. November 1918 die Unabhängigkeit und konnte diese im lettischen Unabhängigkeitskrieg durchsetzen. In den 1920er Jahren erlebte Lettland eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Allein im Jahre 1922 wurden 300 kommunale Bibliotheken eröffnet. Beginnend mit 1920 eröffnete der lettische Staat diplomatische Vertretungen in vielen europäischen Ländern, wie auch in China und den USA. Am 7. November 1922 trat die noch heute gültige Verfassung in Kraft. Lettland trat auch dem Völkerbund bei. Die Minderheitengesetzgebung war für die damalige Zeit sehr tolerant, der Staat unterhielt Schulen in sieben Minderheitensprachen. Nach einem Staatsstreich 1934 durch Karlin Ulmanis wurde die Verfassung teilweise außer Kraft gesetzt, und der Staat wurde von ihm autoritär regiert.

Während des 2. Weltkrieges erfolgte die Okkupation Lettlands 1940 durch die Sowjetunion, ein Jahr später durch das Deutsche Reich. Während der sowjetischen Besetzung wurden bei Massendeportationen am 14. Juni 1941 mehr als 15 000 Personen oder 0,78 % der Bevölkerung in Gulags und in die sogenannten Sonderansiedlungen deportiert. Nach der ethnischen Zugehörigkeit waren 81,3 % der Deportierten Letten, 11,7 % Juden. 40 % der Deportierten überlebten die Tortur nicht und starben bereits auf dem Weg oder von Folgen unmenschlicher Arbeit. An 700 Personen wurde die Todesstrafe durch Erschießung vollzogen. Während der nationalsozialistischen Besetzung wurde fast die gesamte restliche jüdische Bevölkerung Lettlands ermordet; auch mit Beteiligung lokaler Kollaborateure.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Lettland wieder von der Sowjetunion besetzt und als Lettische SSR der Sowjetunion völkerrechtswidrig angegliedert. Unter der Sowjetherrschaft wurden massenweise Letten nach Zentralasien deportiert. Aus den Baltischen Staaten wurden im Märzdeportationen mehr als 90 000 Menschen in entlegene Regionen der Sowjetunion verschleppt, fast die Hälfte oder mehr als 42 000 von ihnen aus Lettland. Die Lettische SSR war einer Russifizierungspolitik ausgesetzt.

Am 4. Mai 1990 beschloss der Oberste Rat der LSSR die „Wiederherstellung der Unabhängigkeit“; der Parlamentsbeschluss konnte jedoch erst mit dem Zerfall der Sowjetunion am 21. August 1991 de facto wirksam werden. 2004 wurde die Republik Lettland Mitglied der EU und trat der NATO bei. Am 1. Januar 2014 führte Lettland den Euro ein.

Das Buch beginnt mit der Zeit von 1918-1940, wo die nationale Bewegung zur Staatsgründung führte. Die Rolle der Deutschbalten vor und nach der Staatsgründung wird ebenfalls untersucht. Im zweiten Kapitel geht es um Lettland zwischen den Großmächten im 2. Weltkrieg und die Phase der Sowjetzeit. Die Besetzung des Landes unter Nazi-Deutschland und der Sowjetunion mitsamt der folgenden Russifizierungspolitik wird dabei ebenso angesprochen wie das Leben im Nachkriegsexil vieler Letten. Anschließend wird die Zeit der Unabhängigkeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bis zum Jahre 2018 geschildert. Der Zustand von Lettlands Demokratie, die Minderheitenpolitik und die lettische Außen- und Verteidigungspolitik werden dabei diskutiert. Weiterhin werden die wirtschaftlichen Entwicklungen und die wechselnden Wirtschaftssysteme des kleinen Landes im letzten Jahrhundert in zwei Essays diskutiert. In einem eigenen Kapitel werden kulturelle Fragen angesprochen. Der Zusammenhang zwischen Religion und Kultur sowie eigenständige kulturelle Eigenheiten werden neben Fragen der Bildung und Wissenschaft präsentiert. Im Anhang findet man noch weiterführende Literatur, eine Zeittafel, eine Karte von Lettland, biografische Angaben zu den Autoren und ein Personenregister.

Die Aufarbeitung der wechselvollen Geschichte des kleinen baltischen Staates gelingt hervorragend. Die jeweiligen Essays sind aus verschiedenen Perspektiven geschrieben und haben einen hohen wissenschaftlichen Anspruch.

Probleme Lettlands der Gegenwart sind vielschichtig: Die russischsprachige Minderheit wird systematisch diskriminiert, aufgrund der Sowjetvergangenheit dürfen sie keine Beamten, Polizisten und Armeeoffiziere werden und auch viele andere Berufe im öffentlichen Dienst nicht ausüben, dem ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Seit 2004 sind fast ein Fünftel der Einwohner in reichere Nachbarstaaten wie die BRD oder Großbritannien ausgewandert. Die soziale Spaltung seit der Liberalisierungspolitik spätestens seit der EU-Mitgliedschaft belastet die junge Republik. Dies alles wird ausreichend diskutiert.

Ein spannender Punkt der Gegenwart bleibt jedoch offen: die Angst der Letten vor einer (erneuten) russischen Besatzung vor allem nach der Annektierung der Krim durch das autoritäre System von Putin. Ein historisch wunder Punkt ist die Kollaboration von Letten während mit den deutschen Besatzern und ihrer rassistischen, mörderischen Politik, der nicht ausreichend gewürdigt wird. Auch ein umfassender Ausblick, welche Wünsche, Erwartungen und Ziele Lettland mit der Zukunft verbindet, fehlt leider.

 

Buch 21

Bücherei des Deutschen Gartenbaus e.V. (Hrsg.): Geschichte der Gartenkultur. Von Blumisten, Kunstgärtnern, Mistbeeten und Pomologien, L&H Verlag, Berlin 2015, ISBN: 978-3-939629-35-1, 39,80 EURO (D)

In diesem Buch geht es um eine illustrierte Darstellung der 500-jährigen Welt europäischer Gartenkultur. Die Quellen dafür wurden aus der Bücherei des Deutschen Gartenbaus entnommen, dies ist die größte Spezialbibliothek für Gartenliteratur in der BRD. Hier werden die diversen Teilgebiete der Gärtnerei, wie der Obst- und Gemüseanbau, die Hauswirtschaft, die Blumenzüchtung, der Gärtnerberuf in Geschichte und Gegenwart, das Vereinswesen und die verschiedenen Formen des Gärtnerns in unterschiedlichen Ländern präsentiert.

Das Buch beginnt mit einer längeren Einführung in das Thema. Dann werden die historischen Stationen des Gärtnerberufs in einzelnen Schritten erzählt. Die Leidenschaft für Pflanzen quer durch die Jahrhunderte wird dann auch anhand von Beispielen an Höfen oder Herrscherhäusern illustriert. Außerdem werden auch Blumistenvereine, Gartenbaugesellschaften sowie Blumen- und Pflanzenausstellungen behandelt. Es folgt eine Darstellung berühmter Gärtnereien wie die Firma Vilmorin oder Bouché in Berlin und ihre Kataloge. Gartenwerkzeuge, Orangerien Glashäuser und andere technische Entwicklungen werden danach vorgestellt. Dann geht es um Gartenkunst quer durch die Jahrhunderte wie Barockgärten, Blütengärten aus England oder die Gestaltung von Hausgärten. Obstbau und Pomologie werden von den Anfängen bis hin zu Vereinen und wissenschaftlichen Weiterentwicklungen beschrieben. Die Züchtung der Gartenpflanzen wie Rosen, Zitrus oder Koniferen quer durch die Jahrhunderte folgen anschließend. Abschließend werden die einzelnen Stationen des Aufbaus der Bücherei des deutschen Gartenbaues gezeigt. Im Anhang findet man noch Quellen- und Bildnachweise, Namen- und Ortsregister sowie ein Pflanzenregister.

Dieses Buch bietet einen ersten Einblick in die historische Gartenkultur: Die jeweiligen Schwerpunkte werden in kurz gehaltenen Abschnitten präsentiert mit vielen Illustrationen. Alles in allem eine gute Mischung zwischen Text, Bild und abgedruckten Quellen mit sorgfältig zusammengestellten historischen Exkursen in die Welt der europäischen Gartenkultur.

 

Buch 22

Rudolf Berliner: Ornamentale Vorlageblätter des 15. bis 20 Jahrhunderts, 3. Auflage, Klinkhardt & Biermann, München 2013, ISBN: 978-3-943616-13-2, 29,90 EURO (D)

Vorlageblätter waren in den europäischen Ländern als unentbehrliche Grundlage für die Werkstätten in der Vergangenheit für die Architektur, das Kunsthandwerk und die Innendekoration von essenzieller Bedeutung. Für die rasche Verbreitung ornamentaler Neuerungen waren sie von enormer Bedeutung. Dieses Werk des Kunsthistorikers Rudolf Berliner, das erstmals 1926 im Klinkhardt & Biermann Verlag erschienen ist, stellt mit Bildern und Texten die Entwicklung des Ornamentstiches und die vielfältigen Spielarten besonderer Motivgattungen vom 15. bis zum 20. Jahrhundert vor. Rudolf Berliner (1886-1967) studierte Kunstgeschichte in Wien, Berlin und Heidelberg. Als Chefkurator war er am Bayerischen Nationalmuseum tätig, bis er 1935 aufgrund seiner jüdischen Herkunft entlassen wurde. 1938 emigrierte er in die USA und kehrte erst 1967 wieder nach Deutschland zurück.

In den drei Einleitungen wird besonders in der zur zweiten Auflage wird in das Fachgebiet der Ornamentik eingeleitet und die Veränderungen der kulturellen, wissenschaftlichen und künstlerischen Praxis durch die Erfindung der drucktechnischen Vervielfältigungsverfahren ab dem 15. Jahrhundert (Holzschnitte, Kupferstich, Radierung, Druck) in groben Zügen behandelt. Dann werden die insgesamt 117 ausgewählten ornamentalen Vorlageblätter in chronologischer Reihenfolge von den Meistern des 15. Jahrhunderts aus Deutschland, den Niederlanden und Frankreich bis hin zu Leopold Drexler abgedruckt. Darunter sind weniger bekannte Künstler, aber auch Leonardo da Vinci oder Francois de Curvilliés, d. Ä. Manche Künstler sind auch nicht namentlich bekannt.  Anschließend werden die abgebildeten Werke und ihre Künstler mitsamt biografischen Daten vorgestellt, was zur besseren Erläuterung mit Seitenzahlen versehen ist. Im Anhang gibt es noch ein Index der abgebildeten und zitierten Künstler.

Anhand der hier gezeigten Stücke lässt sich gut die Entwicklung der Ornamentik im Laufe der Jahrhunderte, die jeweiligen Vorlieben einer Epoche und die Veränderungen nachvollziehen. Die Auswahl ist natürlich subjektiv und auf die Entwicklungen in Mitteleuropa beschränkt. Sie bietet aber einen ersten wissenschaftlichen Einblick in das spannende Sujet der Ornamentik, das in der Gegenwart wieder modern wird.

 

Buch 23

Stiftung Bauhaus Dessau von Wolfgang Thöner und Claudia Perren (Hrsg.)/Text von Uta Karin Schmitt: Carl Fieger. Vom Bauhaus zur Bauakademie, Kerber Verlag, Bielefeld/Berlin 2018, ISBN: 978-3-7356-0439-2, 45 EURO (D)

Vom 22. März bis 31. Oktober 2018, täglich 10–17 Uhr veranstaltet die Stiftung Bauhaus Dessau die  Ausstellung „Carl Fieger. Vom Bauhaus zur Bauakademie“  Zur Ausstellung erscheint eine gleichnamige Publikation im Kerber Verlag, herausgegeben fu?r die Stiftung Bauhaus Dessau von Wolfgang Thöner und Claudia Perren.

Neben seinem Bauhauswirken ist er bekannt durch den „Fiegen-Stuhl“: Zwei kreisförmige Stahlrohrringe und vier Stahlrohrstangen bilden das Gestell, während Sitz und Rückenlehne aus minimal geformten Buche-Holzteilen bestehen.

In dieser Publikation wird „Paul Fiegers komplexes, im Zeitraum von 1911 bis 1953 auf den Gebieten der Architektur, Möbelgestaltung, Grafik und auch Theorie entstandenes Werk (…) erstmalig in seiner Gesamtheit in den Fokus genommen und im Kontext des Bauhauses und des zeitgenössischen Diskurses verortet.“ (S. 7)

Zwischen 1911 und 1921, unterbrochen durch den 1. Weltkrieg, arbeitete er im Atelier von Peter Behrens in Berlin, Aus dieser Zeit werden frühe Entwürfe Fiegens und private Notizen gezeigt (Kapitel 2)

Während seiner Frühzeit in Berlin lernte er dort Walter Gropius kennen und wurde dessen langjähriger Mitarbeiter in den Jahren 1921 bis 1934. Er war Entwurfszeichner im privaten Baubüro von Gropius und einer seiner engsten Mitarbeiter, wo  er mit dem Bauhaus in Berührung kam. (Kapitel 3) Er ging 1925 mit Gropius und dem Bauhaus nach Dessau. Dort entstanden seine bekanntesten Werke, die Gaststätte „Kornhaus“ gemeinsam mit Hermann Baethe und sein eigenes Wohnhaus sowie das frühere Arbeitsamt Dessau. Ab 1927 nahm er seine Tätigkeit als Architekturzeichner am Bauhaus auf. (Kapitel 4)

1930 folgte er Gropius nach Berlin, wo ihm jedoch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten die Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer verwehrt wurde, was einem Berufsverbot gleichkam. So konnte er lediglich für befreundete Architekten entwerfen. Die Jahre 1934 bis 1945 verbrachte er in Berlin. (Kapitel 5)

Nach dem Krieg arbeitete Fieger bis zum Jahr 1952 als Stadtbaurat in Dessau. Bei der Wiederbelebung des Bauhauses durch Hubert Hoffmann wirkte er mit. Anschließend war er Mitarbeiter an der Bauakademie der DDR in Berlin (Ost), bis eine Erkrankung ihn aus dem Berufsleben riss. (Kapitel 6 und 7).

Dieses umfangreiche Werk zum Leben und Wirken Carl Fieger enthüllt erstmalig anhand der systematischen Auswertung seines Nachlasses alle Facetten der Theorie und Praxis des meist nur als Mitarbeiter von Walter Gropius bekannten Architekten und Künstlers. Mit der Erforschung von Fliegens Lehrtätigkeit und seines Wirkens in der Bauakademie der DDR tritt er als eigenständige Person auf und aus dem Schatten der allseits bekannten Bauhäuler heraus.

 

Buch 24

Ernst Hofacker: Rolling Stones, Reclam Verlag, Ditzingen 2018, ISBN: 978-3-15-020523-5, 10 EURO

Der Autor Ernst Hofacker, freier Journalist und Autor und Redakteur bei mehreren Musikmagazinen, veröffentlichte schon das Buch Rolling Stones – Confessin' The Blues, das in mehreren verbesserten Auflagen erschien. Im Vorfeld ihrer beginnenden Europatournee im Mai 2018, darunter zwei Konzerte in der BRD, bringt er nun eine kürzere Hommage an die Rolling Stones und ihrer Art von Musik im Reclam Verlag heraus.

Zu Beginn stellt er seine erste Begegnung mit den Rolling Stones im Jugendalter dar, das Lebensgefühl der damaligen Zeit und der Angriff auf das Establishment mit dieser Musik. Im Gegensatz zu heute, wo die Altstars zum Establishment gehören, war damals die Musik der Rolling Stones eine Art der Rebellion gegen bürgerliche und traditionelle Normen. Das Buch geht in autobiografischen Stil weiter und beleuchtet die Entwicklung der Band, Konzerte und die Persönlichkeit ihrer Mitglieder. Im Zusammenhang mit einem Konzertbesuch 2017 schildert er die ungebrochene Faszination der Rolling Stones: „Die Offenbarung aber bleibt. Am Ende ist es doch nicht nur Rock‘ n‘ Roll, doch nicht nur hohles Ritual – es ist die gute alte Zunge und ihr subversives Werk.“ (S. 100) Am Ende des Buches gibt er dann noch weitere Literaturempfehlungen zum Weiterlesen.

Hofacker berichtet in autographischer Sichtweise, wie ihn die Rolling Stones im Laufe der Zeit geprägt haben und die Faszination, die von ihrer Musik ausgeht. Die Alben und Konzerte sind Teil seines Lebens, das spürt man in jedem Abschnitt der Lektüre. Die Beschreibung ihrer sagenhaften Karriere bietet einen guten Einstieg für jüngere Semester, langjährige Fans werden hier kaum Neues entdecken.

 

Buch 25

Thomas Koebner/Norbert Grob/Anette Kaufmann: Standardsituationen im Film-Ein Handbuch, Schüren Verlag, Marburg 2017, ISBN: 978-3-89472-809-0, 29,90 EURO (D)

Dieses Handbuch stellt wichtige Standardsituationen im Filmgeschäft vor, die auf ähnliche Weise dargestellt werden und damit zum Teil erlernbar sind. Diese müssen dann den Sujets und Darstellungsformen des jeweiligen Genres und der Situation angepasst werden. Sie spiegeln Routinen des Alltags in spezifischen Erfahrungsbereichen und Lebenswelten wider und geben Aufschluss über die Epoche oder das Zeitalter, aus der sie stammen: „Es kommt bei Standardsituationen sowohl auf die Situation an, in der Personen und Dinge sich zu einem Schema ordnen, als auch auf bestimmte Handlungs-Optionen oder Interessen, die nach Aktion verlangen.“ (S. 10)

Hier in diesem Handbuch werden die wichtigsten Standardsituationen im Film angefangen von Abschied bis Wiedersehen präsentiert. Nach einer kurzen allgemeinen Einleitung der Herausgeber werden dazu anhand von Beispielen aus bekannten Filmsequenzen aus der Vergangenheit am Beispiel von verschiedenen Darstellern diejenigen Motive des filmischen Erzählens näher vorgestellt. Dies geschieht in einzelnen, chronologisch geordneten Kapiteln, die von Lehrenden und Studierenden der Mainzer Filmwissenschaft stammen. Pro Standardsituation werden einige Seiten Text beansprucht, der mit einigen Filmbildern unterfüttert wird. Am Ende wird immer noch ein Literaturhinweis zum selbständigen Weiterlesen geliefert. Am Ende des Handbuches werden die einzelnen Autoren noch mit ihren Beiträgen aufgelistet.

Hier werden bekannte Standardsituationen behandelt, wobei aus Platzgründen nicht alle berücksichtigt werden können. Der Vorteil des Buches liegt darin, dass es nicht zu wissenschaftlich geschrieben ist und das Gesagte immer wieder an Beispielen von Szenen beschrieben wird. Anhand dieser anschaulichen Beispiele glückt der Transfer von der Theorie in die Praxis.

 

 







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