„Die katholische Kirche in Deutschland braucht eine neue Synode“

25.09.17
KulturKultur, Bewegungen, News 

 

Wir sind Kirche zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (25.-28. September 2017)

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche hält die Vollversammlungen der Deutschen Bischofskonferenz, die Ende September ihre 150. Herbstkonferenz in Fulda abhält, in ihrer jetzigen Form für nicht mehr ausreichend, um den dramatischen innerkirchlichen und auch gesellschaftlichen Problemen gerecht zu werden. Diese Versammlungen hinter geschlossenen Türen sind nicht mehr zeitgemäß und widersprechen dem Dialoggebot des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965).

Die katholische Kirche in Deutschland braucht wieder eine Synode wie die Würzburger Synode (1971-1975), bei der Frauen und Männer aus dem Kirchenvolk mitberaten und auch mitentscheiden können
. Gleiches gilt für Synoden in den jeweiligen Bistümern. Nur dann würden die Bischöfe den Ansprüchen ihres gemeinsamen Wortes „Gemeinsam Kirche sein“ vom 1. August 2015 auch wirklich gerecht.

Papst Franziskus will ganz auf der Linie des Zweiten Vatikanischen Konzils eine synodale Kirche auf allen Ebenen, die vom Zuhören geprägt ist. Neugeweihten Bischöfen hat Papst Franziskus am 14. September 2017 ins Stammbuch geschrieben: Die Aufgabe eines Bischofs sei es, den Dialog aufzusuchen und nicht einfach Befehle zu erteilen. Im Dialog mit den ihm anvertrauten Priestern und Laien müsse der Bischof auch seinen eigenen Standpunkt immer wieder hinterfragen und gegebenenfalls ändern. Was Papst Franziskus den neuen Bischöfen sagt, muss auch für alle anderen Bischöfe gelten.

Umsteuern in der Pastoralplanung!

Dringend notwendig ist es, die bisherigen Pastoralkonzepte und Leitungsmodelle, die alle auf zölibatäre Priester ausgerichtet sind, grundsätzlich in Frage zu stellen
. Die pastorale Situation – immer weniger Priester sowie Pastorale Mitarbeiter*innen und in der Folge immer mehr Gemeindeschließungen und -zusammenlegungen – ist desaströs. Damit die Entkirchlichung nicht weiter fortschreitet, ist Mut zu neuen Wegen gefragt. Anstelle der geschichtlich gewachsenen Kleruszentriertheit braucht es neue an den Fähigkeiten („Charismen“) orientierte Modelle, in denen Frauen und Männern in gleichberechtigter Weise mit Aufgaben und Diensten betraut werden.

Die Bischöfe sollten nicht länger nur über die pastorale Situation lamentieren, sondern endlich „mutige und kühne Vorschläge“ nach Rom zu schicken, so wie es Papst Franziskus von ihnen erwartet. Im ersten Interview mit einer deutschen Zeitung hatte der Papst zum Beispiel angeregt, auch über die Möglichkeit der Priesterweihe von „Viri probati“, also verheirateten „bewährten Männern“, nachzudenken sowie darüber, welche Aufgaben sie übernehmen können. Haben die deutschen Bischöfe dies schon ausreichend genug getan?

Nach Ansicht von Wir sind Kirche sollten sich die Bischöfe aber auch endlich wieder positiv zum Diakonat der Frauen bekennen, so wie ihre Vorgänger dies bereits bei der Würzburger Synode taten. Statt kirchliche Prozesse von oben nach unten zu denken, müssen diese von der Gemeinde vor Ort her gedacht werden. Zugleich müssten aber auch die Gläubigen in den Gemeinden vor Ort sich noch stärker ihrer Verantwortung bewusst werden. Kirche ist nicht da, wo der Priester ist, Kirche ist da, wo Gemeinde ist.

„Führen die deutschen Bischöfe die Kirche in eine ‚priesterlose Wüste‘?“, fragte vor Kurzem der Ruhestandspriester Siegfried Fleiner in einem offenen Brief an die deutschen Bischöfe. In ähnlicher Weise hatten elf Priester des Kölner Weihejahrgangs 1967 in einem offenen Brief zum Zustand der Kirche und des Priesterberufs ein Umdenken in der Pastoralplanung gefordert.

Umsteuern in allen kirchlichen Entscheidungsprozessen!

Papst Franziskus hat die Synodalität zu Recht als ein Strukturprinzip kirchlichen Handelns beschrieben, das auf allen Ebenen umzusetzen sei. Genau so hat es das Zweite Vatikanische Konzil gewollt. Auch Stellungnahmen im aktuellen Diskurs zu den Themen Umweltgestaltung, soziale Gerechtigkeit und wachsender Populismus müssen im engen Austausch zwischen Kirchenleitung und Kirchenvolk erarbeitet werden, wenn sie etwas bewirken wollen. Bischofsworte alleine, auch wenn sie ökumenisch sind, reichen nicht mehr aus.

Auch bei der Kirchenfinanzierung, ob auf diözesaner Ebene oder im überdiözesanen Verband der Diözesen Deutschlands (VDD), bedarf es dringend einer grundlegenden Debatte über Transparenz und Partizipation. Bei den Kirchensteuern handelt es sich ja um die Beiträge aller Kirchenmitglieder. Deshalb haben diese auch das Recht, über die Verwendung mitzuentscheiden. Darüber hinaus hat die gesamte Öffentlichkeit ein grundsätzliches Recht auf transparente Informationen über die Kirchenfinanzen und deren Verteilung, denn schließlich werden viele kirchliche Einrichtungen vom Staat zum Teil mit bis zu 100 Prozent finanziert.








<< Zurck
Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz