isw-report 110 erschienen: "Postwachstum - Unser Leben nach dem Wachstumswahn"


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17.09.17
KulturKultur, Debatte, Sozialismusdebatte 

 

Anfang September legte das isw, Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung den isw-report 110, geschrieben von Jan C. Zoellick, vor.

Gegen den Wachstumswahn der kapitalistischen Wirtschaft stellen die Theoretiker des Postwachstums diese Grundtatsache: Unendliches Wachstum auf einem begrenzten Planeten ist nicht möglich. Es existieren fundamentale Grenzen des Wachstums: ökologische, ökonomische und soziale. Ökologisch sind die "planetarischen Grenzen" bereits überschritten. Ökonomisch befindet sich die Wirtschaft der bisherigen kapitalistischen Kernländer in einer Phase der "säkularen Stagnation". Sozial führt das auf Konkurrenz und Wachstum basierende System zu wachsender sozialer Ungleichheit.
Die Anhänger von Postwachstum oder Degrowth stellen dem ihre Konzepte entgegen, die außerordentlich vielfältig sind. Es finden sich konservative, sozial-reformerische, suffizienzorientierte, kapitalismuskritische und feministische Spielarten der Wachstumskritik. Den meisten sind diese Forderungen gemeinsam: eine gerechte Verringerung von Produktion und Konsum, die menschliches Wohlbefinden steigert und ökologische Bedingungen verbessert, lokal wie global, kurzfristig wie langfristig; das Ziel ist das Streben nach Wohlergehen, ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit. Ausführlich erörtert wird Niko Paechs Formel von der "Befreiung vom Überfluss". Verzicht wird, im Sinne Ivan Illichs, nicht als freiheitszerstörend, sondern als befreiend verstanden, als Rückgewinnung von Autonomie und Selbstwirksamkeit.

Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage: Was wird aus der Arbeit in einer Postwachstumsgesellschaft? Die Postwachstums-Konzepte behandeln dieses Problem bisher unzureichend. Der Autor präsentiert Forderungen, die er auch als "Visionen für Gewerkschaften" verstanden haben will:

- Reduzierung der wöchentlichen Erwerbsarbeitszeit auf 20 Wochenstunden bei weitgehendem Lohnausgleich;

- Förderung nachhaltiger Konsummuster verbunden mit nachhaltigen Produktionsweisen - Entprivatisierung und Vergesellschaftung wichtiger Güter und Wirtschaftszweige;

- Rückdrängung der Märkte allgemein und Förderung nichtmarktlichen Austausches wie Allgemeingüter (Commons);

- Gleichstellung der Nicht-Erwerbsarbeit mit der Erwerbsarbeit.

Diese Forderungen laufen auf eine Postwachstum-Gesellschaft hinaus, die den Kapitalismus hinter sich lässt. Die Positionen der deutschen Gewerkschaften stehen dem entgegen. Der Autor vertritt die These, dass "Degrowth" eine Perspektive bietet, wie sich Gewerkschaften repolitisieren und zu Vorreiterinnen einer sozial-ökologischen Transformation werden können.


isw-report 110
4. September 2017
28 Seiten
2,50 Euro zzgl. Versand

Bestellung und Fragen unter: isw_muenchen@t-online.de







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