Neuerscheinungen Sachbuch

14.08.22
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Serge Haroche: Licht. Eine Geschichte, Klett Cotta, Stuttgart 2022, ISBN: 978-3-608-98495-8, 35 EURO (D)

Der Physiknobelpreisträger Serge Haroche verbindet in diesem Sachbuch die Mythen- und Kulturgeschichte des Lichts mit seiner Erforschung vom Beginn der Menschheit bis heute. Dabei werden neben bekannten Persönlichkeiten auch solche vorgestellt, deren Leistungen heute weitgehend unbekannt sind.

Das Buch ist in zwei Abschnitte geteilt. Das erste und die letzten beiden Kapitel behandeln die letzten 50 Jahre. Sie beschreiben neben den eigenen Forschungen des Autors die seiner Weggefährten.

Der zweite Teil sind die restlichen Kapitel, die die Wissenschaft des Lichts vom 17. bis zum 20. Jahrhundert darstellen. Sie verdeutlichen die engen Verknüpfungen, die sich seit dem Beginn der modernen Wissenschaften zwischen der Grundlagenforschung und menschlichen Aktivitäten wie der Erkundung unseres Planeten oder der Entwicklung von Handel und Industrie ergeben haben.

Galileo Galilei versuchte als einer der ersten, die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichts zu messen, jedoch ohne Erfolg. Dies gelang erst Ole Römer anhand von Beobachtungsdaten der der Jupitermonde 1675. Im 17. Jahrhundert versuchte Isaac Newton mit seiner Korpuskeltheorie, die Ausbreitung des Lichts durch die Bewegung von kleinen Teilchen zu erklären. Damit konnte man zwar die Reflexion verstehen, nicht jedoch manche andere optische Phänomene, wie die Beugung, bei der es sich eindeutig um ein Wellenphänomen handelt. Zur gleichen Zeit begründeten Christiaan Huygens und andere die Wellentheorie des Lichts. die sich aber erst Anfang des 19. Jahrhunderts nach den Experimenten von Thomas Young zunehmend durchsetzte.

Michael Faraday erbrachte 1846 als erster den Nachweis, dass Licht und Magnetismus zwei miteinander verbundene physikalische Phänomene sind. Er veröffentlichte den von ihm gefundenen magnetooptischen Effekt. James Clerk Maxwell formulierte 1864 die Grundgleichungen der Elektrodynamik und erkannte, dass dadurch die Existenz freier elektromagnetischer Wellen vorhergesagt wurde. Da deren vorhergesagte Ausbreitungsgeschwindigkeit mit der bekannten Lichtgeschwindigkeit übereinstimmte, schloss er, dass das Licht wohl eine elektromagnetische Welle sei. Er vermutete, dass diese Welle nicht im leeren Raum existieren könne, sondern ein Ausbreitungsmedium brauche. Dieses Medium, das das gesamte Weltall ausfüllen müsste, wurde als Äther bezeichnet.

Mit der darauf aufbauenden elektromagnetischen Lichttheorie schienen im ausgehenden 19. Jahrhundert beinahe alle Fragen zum Licht geklärt. Allerdings ließ sich einerseits der postulierte Äther nicht nachweisen. So entstand eine radikal neue Sichtweise des Lichts, die durch die Quantenhypothese von Max Planck und Albert Einstein begründet wurde. Kernpunkt dieser Hypothese ist der Welle-Teilchen-Dualismus, der das Licht nun nicht mehr ausschließlich als Welle oder ausschließlich als Teilchen beschreibt, sondern als Quantenobjekt. Als solches vereint es Eigenschaften von Welle und von Teilchen, ohne das eine oder das andere zu sein und entzieht sich somit unserer konkreten Anschauung.

Daraus entstand Anfang des 20. Jahrhunderts die Quantenphysik und später die Quantenelektrodynamik, die bis heute das Verständnis von der Natur des Lichts darstellt.

Im Anhang gibt es ein kurzes Nachwort, eine Bibliografie und ein Personenregister.

Hier wird die Erforschung des Lichts zusammen mit anderen großen Entdeckungen in einen Zusammenhang gebracht. Also sowohl eine Geschichte der Forschung, der Entwicklung des Wissens und der Falsifikation und der benutzten wissenschaftlichen Methoden als auch Episoden seiner eigenen beruflichen Biografie.

Das Buch ist eine Art populärwissenschaftliches Sachbuch, das einigermaßen verständlich geschrieben ist, Vorkenntnisse in Naturwissenschaften sind von Vorteil. Zum besseren Verständnis für Laien hätte ein Glossar eingefügt werden können.

Gut ist, dass das Buch nicht in einem trockenen Wissenschaftsjargon geschrieben wurde, sondern das Thema spannend erklärt und Experimente quasi zu Abenteuern macht.


Buch 2

Hermann Scherer: Mache deine Marke zu Gold. Wie du es schaffst, sichtbar und begehrt zu werden, Campus, Frankfurt/Main 2022, ISBN: ISBN 978-3-593-51546-5 , 38 EURO (D)

Der Markt der Coaches, Speakerinnen und Speaker ist riesig und wächst ständig weiter. Doch nur die wenigsten schaffen es, wahrgenommen zu werden und das Coachen oder das öffentliche Reden zum Hauptberuf zu machen. Hermann Scherer bildet begabte Menschen, die etwas zu sagen haben, aus. Viele seiner Kunden haben es auf die Liste der Top-Speaker geschafft.

In diesem Buch zeigt Hermann Scherer, wie es gelingen kann, sichtbar werden und aus der Masse hervorstechen und als inspirierende Speakerinnen und Speaker wahrgenommen zu werden: „Dieses Buch zeigt dir den Weg, wie du dich und deine Marke vergoldest, wie du von Medien und neuen Kunden entdeckt und gebucht wirst. Ziel ist, hohe Sichtbarkeit zu erreichen und dich richtig auf dem Markt zu positionieren.“ (S. 20)

Diese Erfolgsgeheimnisse werden in 10 Schritten und Bausteinen erläutert, die auch die einzelnen Kapitel bilden.

Zuerst geht es um die Marktanalyse: Es wird gezeigt, wie ein Markt funktioniert, welche Protagonisten es gibt, wie Marktmechanismen erkannt und analysiert werden und welche Zielgruppen angesprochen werden. Danach wird die Notwendigkeit einer klaren Positionierung als Orientierung für sich selbst aber auch für mögliche Kunden vorgestellt. Anschließend wird eine Orientierung zu Honoraren gegeben, um sicherer und selbstbewusster zu verhandeln. Wie ein professionelles Profil aussieht, mit dem man bei potentiellen Arbeitgebern punkten kann, wird im folgenden Kapitel gezeigt.

Danach wird präsentiert, wie man ein Buch als Erfolgsinstrument einsetzen kann und die eigene Positionierung am Markt unterstützen kann. Ferner wird auf die Performance bei einer Rede eingegangen, wobei die Dramaturgie einen wesentlichen Faktor einnimmt. Die Kommunikation im Internet steht dann im Vordergrund. Die Positionierung auf den sozialen Medien, die Planung der eigenen Außenwirkung und die Kommunikation mit der Zielgruppe sind dort Schwerpunkte.

Verschiedene Tools zur Kundenakquise unter anderem die Arbeit mit Multiplikatoren und Experten, die Zugang zu Kommunikationskanälen bieten, sind dann das Thema. PR, seine Grundlagen, die wichtigsten Punkte der Kommunikation, Presseverteiler und Interviews werden danach vorgestellt. Zum Schluss geht es um das richtige Mindset zum Erfolg.

Dies ist ein guter Leitfaden, an dem sich sowohl Neulinge und als auch erfahrene Praktiker viel abschauen können. Es gibt jede Menge Es gibt jede Best Practices-Beispiele aus der Praxis, Checklisten und hilfreiche Tools, vor allem zur Positionierung und zur Akquise. Das Marketing für mehr Sichtbarkeit in sozialen Netzwerken und Plattformen ebenso. Bei der Motivationspsychologie wird manchmal etwas übertrieben, es ist auch gut seine eigenen Schwächen zu kennen.

 

Buch 3

Ian Morris: Geographie ist Schicksal. Machtkampf zwischen Großbritannien, Europa und der Welt – eine 10.000-jährige Geschichte, Campus, Frankfurt/Main 2022, ISBN: 978-3-593-50819-1, 32 EURO (D)

Ian Morris, Professor für Geschichte und Klassische Philologie, stellt in diesem Buch die Frage, wie weit man in der Geschichte zurückgehen, um den Brexit und seine Hintergründe zu deuten. Darin vertritt er die Thesen, dass das Schicksal des Vereinten Königreiches von der geographischen Lage bestimmt sei. Er erzählt die Geschichte seiner sich wandelnden Beziehungen zu Europa und der Welt, von der physischen Trennung am Ende der Eiszeit bis zu den ersten Anfängen des Vereinigten Königreichs, den Kämpfen um den Atlantik und dem Aufstieg der Pazifikregion.

Anhand von Landkarten, Bildern und neuesten archäologischen Funden untersucht Morris, wie Geographie, Migration, Politik und neue Technologien zusammenwirkten und Ungleichheiten hervorbrachten, die bis in die Gegenwart prägend sind.

Morris ist der Überzeugung,, dass wir, wenn wir die Gegenwart verstehen wollen, insbesondere die Gründe und Folgen des Brexit-Referendums, in die tiefe Vergangenheit eintauchen müssen. Um die Wurzeln des Brexits zu verstehen, geht er bis in die Urzeit zurück. Die folgende 10.000-jährige Geschichte wird durch geografische Fakten erzählt.

Morris beginnt die Geschichte mit der Trennung vom Kontinent am Ende der Eiszeit, als steigendes Meerwasser die Landbrücke zwischen Dover und Calais überflutet und Großbritannien endgültig zur Insel wird. Dann folgt die Geschichte von Invasionen in verschiedenen Zeitaltern von Römern, Wikingern und Normannen. Die sich zunehmend entwickelnde britische Identität entwickelte laut Morris sich auch durch ein tiefsitzendes Misstrauen gegenüber den Europäern auf dem Festland. Morris versucht auch durch Analogien, historische Präzedenzfälle für das Brexit-Votum zu schaffen. Im Falle der Ablehnung der katholischen Kirche ist es aber weit hergeholt.

Morris sieht auch nicht das Überraschende im Brexit-Votum, sondern in der Tatsache, dass Großbritannien der Europäische Union überhaupt beigetreten ist. Unterrepräsentiert sind bei seiner Argumentation aber die Gründe, warum Großbritannien so eine lange Zeit ein verlässlicher Partner der EU war.

Er behandelt zuerst die Geschichte des Vereinigten Königreiches und dessen Beziehung zu Europa, dann zu Amerika und dann zum Rest der Welt. Dies geschah immer aus der Perspektive seiner Geografie, des Ärmelkanals und des Atlantiks und anderer Ozeane. Er vergleicht auch häufig längst vergangene Ereignisse mit neueren Ereignissen, um Konstanten zu analysieren. Morris sieht gewisse Parallelen bei der Invasion von Wilhelms des Eroberers und den Eroberungsplänen der Nazis in der Frühphase des Zweiten Weltkriegs.

Dies ist eine monumentale Geschichte der Beziehungen zwischen Großbritannien, Europa und der Welt. Mit dem Blickwinkel auf die Geografie ist dies eine neu beschriebene und auch interpretierte Geschichte. Geografie prägt Politik und bestimmt Geschicke von ganzen Staaten. Obwohl Morris’ Beispiele sicher zutreffen, kann Geschichte und Politik niemals nur durch einen Faktor erklärt werden, sondern muss interdisziplinär behandelt werden. Dies gilt nicht nur für das Vereinigte Königreich, sondern für jedes Land.


Buch 4

Walter Laqueur: Putinismus. Wohin treibt Russland?, Propyläen, Berlin 2022, ISBN: 978-3-549-10057-8, 22,99 EURO (D)

Dies ist aus aktuellem Anlass die Neuauflage des Werkes von Walter Laqueur über die autoritäre Herrschaft Putins in Russland, seiner Ziele und Politik. In einem Vorwort geht Karl Schlögerl auf die aktuellen Entwicklungen ein.

Der Autor beschreibt eine Gesellschaft, die geprägt ist vom Wiedererstarken der orthodoxen Kirche, von einer eurasischen Mission und der Angst, von feindlichen Mächten umzingelt zu sein. Es herrsche ein antiwestlicher und antiliberale Konsens, der von der überwältigen Mehrheit geteilt werde.

Den Putinismus beschreibt Laqueur als einen Staatskapitalismus mit liberaler Wirtschaftspolitik, mit erheblichen staatlichen Eingriffen, die bei wichtigen Dingen nahezu total seien. Es gebe zwar keine ausgearbeitete putinistische Ideologie, aber als Hauptmerkmal macht der Autor eine eurasische Idee, die die Grundlage für die Staatlichkeit und der Solidarität bilden müsse, aus. „Russland wurde nicht faschistisch, auch wenn es sich in diese Richtung bewegte.“ (S. 90)

Patriotismus, die These, dass Russland auf der internationalen Bühne eine Vorreiterrolle spielen müsse, Autokratie und eine antiwestliche Einstellung seien weitere Punkte des Putinismus. Es gebe „eine freie Presse, solange sie der Regierung als Sprachrohr dient und nicht ernsthaft Missstände anspricht.“ (S. 90)

Der Westen habe die Vorgänge in Russland sträflich unterschätzt, dies habe zur Destabilisierung der Ukraine und ganz Osteuropas maßgeblich beigetragen.

Der Autor ist für die Zukunft pessimistisch, was die innenpolitischen Verhältnisse angeht: „Aber eine Abkehr von der autoritären Herrschaft zugunsten eines demokratischeren Systems ist in naher Zukunft (...) unwahrscheinlich.“ (S. 312)

Das Buch liefert eine erste Analyse der Machtsituation unter Putin und vor allem seinem installierten Herrschaftssystem. Es widerlegt auch diejenigen, die glauben, wenn die Person Putin verschwinden würde, dass dies Demokratie, Frieden und Entspannung bedeuten würde.

Dennoch hat das Buch auch Schwächen. Die größte liegt darin, dass die Analyse aus dem Jahr 2015 stammt und nicht immer aktuell ist. Neben Thesen, deren Akzeptanz von der politischen Einstellungen der Leser*innen abhängen, ist das Buch genuin aus westlicher Sicht geschrieben.

Ärgerlich sind die verallgemeinernden Aussagen in einem vermeintlichen Sachbuch über ein Land von über 140 Einwohner*innen wie ein „tief verinnerlichter Verfolgungswahn“ und „die traditionelle russische Furcht vor der Freiheit“, die versucht wird, als historische Konstante zu implementieren. (S. 313)


Buch 5

Stefan Selke: Wunschland. Von irdischen Utopien zu Weltraumkolonien – eine Reise in die Zukunft unserer Gesellschaft, Ullstein, Berlin 2022, ISBN: 978-3-550-05067-1, 26,99 EURO (D)

Pionier*innen erproben immer wieder das Leben in „idealen Welten“. Kommunen, Planstädte, Smart Cities, Unterwasserhabitate oder Mond-Kolonien stehen für die Sehnsucht nach Utopien und einem grundlegendem Zivilisationswandel.

Der Soziologe Stefan Selke liefert Inneneinsichten und zeichnet die Traditionslinie real-utopischer und künftig technik-utopischer Menschheitslabore nach. Er zeigt, was wir von gescheiterten utopischen Projekten lernen können.

Die Magie des Wunschlandes besteht darin, dabei immer wieder an den eigenen Ansprüchen zu scheitern und dennoch weiterzumachen. (...) Genau diesen Kreislauf spüren die im Buch versammelten Fallgeschichten nach – von der Sehnsucht nach Besserem über die Planung und Ankunft im Wunschland, die vielfältigen Experimente im Labor des Alltags bis hin zu Zweifeln oder gar Konflikten, dem finalen Scheitern sowie neu aufkeimender Hoffnung auf Neubeginn.“ (S.20f)

Genauso ist die Anordnung der Kapitel, die verschiedene Experimente von Monte Verita bis hin von New Space als Beispiele beinhalten. Zuerst wird die Neugier auf Utopie, dann die Planung der Utopie, der Neubeginn einer Utopie, der Alltag trotz Utopie, Zweifel an der Utopie und das Lernen aus früheren Experimenten.

Im letzten Kapitel gibt es eine Zustandsbeschreibungen der augenblicklichen Lage zwischen Utopiemüdigkeit und neuer Lust darauf. Selke nennt aus seiner Sicht wünschenswerte Inhalte, Werte und Ziele neuer Utopien.

„Was wir in Zukunft brauchen, ist das Paradigma eines utopischen Realismus, der sich aus den Lehren der Vergangenheit speist und gleichzeitig eine wünschenswerte Zukunft fest im Blick hat.“ (S. 465f)

Selke hebt hervor, dass jedes solcher Vorhaben nur multinational und kosmopolitisch umsetzbar ist.

Am Ende gibt es noch die Anmerkungen.

Der Autor hat recht, indem er feststellt, dass je mehr Krisen, Kriege, Klimakatastrophen und Stagnation auf der Welt herrschen, desto größer ist die Sehnsucht nach einer Utopie, die dies alles überwinden kann.

Utopien sind nicht zwangsläufig mit Weltabgewandtheit und Phantastik gleichzusetzen, sie haben durchaus eine positive und emotionale Kraft zur Veränderung und zur Erschaffung von Neuem.

Die hier genannten Beispiele und Ansätze sind jedoch nicht konkret genug, die Art der Durchführung schwammig oder widersprüchlich und das Ziel scheint zu hoch gegriffen.

Dennoch: Das Plädoyer des Autors, realistisch erscheinende, also fundierte Utopien im Denken einer nahen Zukunft mit zu berücksichtigen, macht definitiv Sinn.

Mit seinem Buch gibt er Gedankenanstöße und Anregungen für das eigene Denken.


Buch 6

Yasmine M’Barek: Radikale Kompromisse. Warum wir uns für eine bessere Politik in der Mitte treffen müssen, Hoffmann und Campe, Hamburg 2022, ISBN: 978-3-455-01334-4, 18 EURO (D)

Die Autorin, Journalist des Magazins DIE ZEIT, will in diesem Buch für mehr Kompromissbereitschaft und Realpolitik werben. Mehr und mehr kennzeichne radikale Kompromisslosigkeit die Diskurse in Politik und Gesellschaft. Über drängende Themen wie Klimawandel, Impfpflicht, Rassismus bei der Polizei oder Gleichberechtigung zwischen Klassen oder Geschlechtern werde heftig polemisiert, ohne dass es zu Ergebnissen komme.

Sie bemängelt, dass sich das politische Handeln nicht an Fakten ausrichtet und keine zielgerichtete Abwägung, was möglich ist und was nicht, als Leitfaden dient. Konfrontationen in der Gesellschaft und abstrakte Diskussionen würden Fortschritt verhindern.

Das Buch ist eine Absage an übergreifenden holistischen Vorstellungen, die eine kurzfristig ausgerichtete vernunftmäßige Politik befürwortet. Das Nutzenkalkül steht dabei im Mittelpunkt, das möglichst von einer breiten Masse der Gesellschaft getragen werden soll, um es durchsetzen zu können.

Dass die politische Ideengeschichte ein anderes Bild zeichnet, wird geflissentlich unterschlagen. Nur ein Beispiel: Die Französische Revolution und die heute herrschenden Ideen der Demokratie wäre nur mit Realpolitik unmöglich gewesen. Werte, die für eine Gesellschaft maßgeblich und prägend sind, kommen auch nur in Ansätzen zur Sprache.

Dass es im politischen Betrieb nicht ohne Kompromisse, einen Interessenausgleich oder den kleinsten gemeinsamen Nenner geht, dürfte gerade bei der Ausdifferenzierung verschiedener Gruppen oder Parteien logisch sein.

Die politische Mitte ist aber ein Begriff, der immer mit (scheinbarer) Harmonie und Ausgleich verbunden wird, oder besser gesagt suggeriert wird. Kompromisse können auch nicht Halbes und nichts Ganzes entpuppen, mit denen zwar Gräben zugeschüttet werden können, aber nicht die Wurzel des Problems lösen.

In aktuellen Krisen wie der Klimakrise wurde schon zu lange nach Kompromissen gesucht und das Problem verschleppt, dort ist vielmehr entschiedenes Handeln gefragt.















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