Neuerscheinungen Unrast Verlag

06.08.22
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Meg- John Barker/Julia Scheele: Queer. Eine illustrierte Geschichte, Unrast, 2. Auflage, Münster 2020, ISBN: 978-3-89771-311-6, 16,80 EURO (D)

Dieses Buch beleuchtet die Geschichte und Entstehung von Queer-Theorie und LGBTQ-Aktivisten und will denn komplexe Hintergrund mit Hilfe von Bildern leichter zugänglich machen.

Es führt durch die historischen Entwicklungen, erklärt Begrifflichkeiten und stellt einzelne Theoretiker*innen vor. Schwerpunkte sind Identitätspolitik, Geschlechterrollen, Privilegien und Ausschlüsse.

Dabei hat es nicht den Anspruch, die ganze komplexe, vielfältige und dynamische Welt der Queer-Theorie abdecken zu wollen, sondern nur einen Ausschnitt. Das Buch will so verständlich wie möglich, einige der wesentlichen Gedanken und Figuren, Theorien und unterschiedliche Richtungen vorstellen.

Es werden die verschiedenen Bedeutungen von Queer präsentiert. Die Vorstellung von Geschlecht und Sexualität in westlichen Kulturen und die Kritik daran wird herausgearbeitet. Ebenso Theoretiker*innen, Vorläufer*innen und aktivistische Bewegungen der Theorie. Dies sind unter anderem Elisabeth Freeman, Judith Butler, Michel Foucault oder Alfred Kinsey als Vorläufer.

Weiterhin werden einige anfängliche Konzepte der Queer-Theorie und ihr Entstehungskontext dargestellt. Es wird beschrieben, wie die Queer-Theorie sich mit Popkultur, Biologie und Sexualforschung beschäftigt hat.

Diskussionen und Kritikpunkte innerhalb der Queer-Community kommen ebenfalls exemplarisch zu Wort. Ferner werden Hauptausrichtungen in den letzten Jahren skizziert und Möglichkeiten aufgezeigt, Queer im Alltag zu leben.

Im Anhang gibt es noch ein Quellenverzeichnis mit deutscher und englischer Literatur und die Vorstellung der Autor*innen.

Dies ist ein Einstiegsbuch mit einer guten Mischung von Text und Illustrationen.

Dieses Buch hebt sich von vielen anderen akademischen Diskussionen ab, indem es komplizierte Themen, Argumente und Theorien auf ansprechende Weise erzählt. Der Zweck, über Geschlecht und Sexualität auf eine andere Art und Weise nachzudenken, wird erfüllt.


Buch 2

Meg-John Barker/Jules Scheele: Gender. Eine illustrierte Geschichte, Unrast, Münster 2021, ISBN: 978-3-89771-334-5, 16,80 EURO (D)

Diese illustrierte Einführung zum Thema Gender entfaltet die verschiedenen Aspekte von Geschlecht und wie sich in unserm Leben äußern. Es erklärt dabei theoretische und historische Entwicklungen rund um Gender und den Veränderungen im Laufe der letzten Zeit. Eine grobe Einführung in aktuelle Debatten und Herausforderungen wird auch gegeben und darauf verwiesen, dass diese nur eine Momentaufnahme darstellen.

Im Vorwort der Lektorin wird versucht, grundlegende Begriffe als Basis zu erläutern. Danach werden mehrere Bedeutungen und Überschneidungen von Gender thematisiert.

Die folgenden Kapitel vermitteln in Wort und Bild verschiedene Schwerpunktthemen: Gender durch Raum und Zeit; Wie Geschlecht funktioniert: biologisch und sozial; Der Mann als Norm; Weiblichkeiten und Feminismen; Nicht-binäre Geschlechtsidentitäten; Trans* und cis; Die Zukunft von Gender mit Utopien und Grenzen.

Am Ende wird Bezug genommen auf die Konferenz „Gender in the Contemporary World“ im Jahr 2018, wo die Frage gestellt wurde, was alle Leute über Geschlecht wissen sollten. Dazu werden verschiedene Anregungen gegeben, die auch die vorangegangenen Kapitel anschneiden.

Im Anhang gibt es noch Quellen, Literaturhinweise auf deutsch, englisch und Comicsachbücher zu ähnlichen Themen sowie die Kurzbiografien der Autor*innen.

Innerhalb der Illustrationen werden immer wieder Zitate von bekannten Gender-Theoretiker*innen und Aktivist*innen eingefügt, die Standpunkte veranschaulichen sollen und gleichzeitig zur eigenen Reflexion anregen sollen.

Es hilft dabei, den augenblicklichen Diskurs zu verstehen.

Natürlich werden umkämpfte Positionen und Sprache nicht in allen Einzelheiten abgebildet, wie es eine akademische Diskussion beinhalten würde. Dafür ist es auch nicht ausgelegt, es will nur eine Einführung in die Thematik und dazugehörigen Zeichnungen sein.

Das Buch verwendet eine zugängliche Sprache, um komplexe Themen zu diskutieren und Ideen ziemlich effektiv aufzuschlüsseln.

Gut ist, dass von Bevormundungen oder Dogmen Abstand genommen wird, und eine Pluralität von Zugängen veranschaulicht wird.


Buch 3

David F. Walker/Marcus Kwame Anderson: Die Black Panther Party. Eine Graphic Novel, Unrast, Münster 2022, ISBN: 978-3-89771-099-3, 18 EURO (D)

Die Black Panther Party (BPP) der 1960er und 1970er Jahre setzte sich für die Befreiung schwarzer Menschen und eine sozialistische Gesellschaft ein. Dabei strebte sie eine Koalition aller Unterdrückten an.

In Form einer Graphic Novel wird hier ihre Geschichte erzählt und Parallelen zur Gegenwart gezogen. David F. Walker ist für den Text verantwortlich, Marcus Kwame Anderson für die Illustrationen.

Am Anfang gibt es ein ausdrucksstarkes Zitat zum Wesen der Panthers und einiges zu ihrem Mythos.

Danach wird die Vorgeschichte ihrer Gründung behandelt. Die Initiativen von Martin Luther King und vor allem von Malcolm X und dessen Ermordung 1965 bilden den Ausgangspunkt. Die schwere Unruhen, in deren Verlauf über 300 Afro-Amerikaner*innen von Militär und Polizei getötet wurden, taten ein Übriges. Die beiden jungen Afro-Amerikaner Huey Newton und Bobby Seale gründeten daraufhin Anfang 1966 die Black Panthers Party for Self-Defense, um die Ideen von Malcolm X umzusetzen. Dazu erarbeiteten sie ein 10-Punkte-Programm und initiierten soziale Aktionen.

In den folgenden Kapiteln wird jedes Jahr von 1966 bis 1970 einzeln behandelt. Nur das letzte bildet den Zeitraum zwischen 1971 und 1988 und das Ende der Panthers ab.

Im Nachwort zu diesem Buch geht David F. Walker auf die Ermordung George Floyds ein, beschreibt das Erbe der Panthers und stellt fest, dass die Gründe, die zu ihrer Gründung und Aktion führten, bis heute fortbestehen.

Im Anhang gibt es eine Bibliografie und Infos über den Autor und den Zeichner.

Es ist eine menschlich-emotionale Geschichte der BPP. Das Buch betont die Kluft zwischen weißen und Afro-Amerikaner*innen undDie unhinterfragten Privilegien und die Annahme der white supremacy („weiße Vorherrschaft“). Rassismus wird dabei als Norm betrachtet, die tief in gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen verankert sei und die Afro-Amerikaner*innen (wie auch andere Gruppen) regelmäßig erfahren.

Die Illustrationen sind zuweilen ironisch aufgebaut, was aber nicht den ernsten Hintergrund ihres militanten Kampfes ad absurdum führt.

An manchen Stellen werden diskutable Aktionen zu sehr glorifiziert, aber das mag für Leser*innen Ansichtssache sein.

Wichtig ist, dass keine Historisierung vorgenommen wird, und Bezüge zur Gegenwart zielgenau dargestellt werden.







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