Neuerscheinungen Diverses

29.06.22
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2022, ISBN:978-3-86218-155-1, 48 EURO (D)

Auf Initiative von Max Brauer wurde das kommunale Wohnungsunternehmen im Dezember 1922 in Zeiten der Not im damals preußischen Altona gegründet. Brauer und sein Stadtplaner Gustav Oelsner machten die SAGA bis zum Ende der Weimarer Republik zu einem wichtigen Akteur der lokalen Wohnungswirtschaft.

1933 wurde die SAGA vom NS-Regime »gleichgeschaltet« und war ein „Zahnrad im neuen System“, die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg trafen ihren Bestand massiv.

Dem Wiederaufbau folgte 1972 die Fusion mit drei städtischen Schwesterunternehmen, die aus der SAGA ein großes Wohnungsunternehmen mit 86 000 Wohnungen machte. Die Abschaffung der Wohngemeinnützigkeit ging mit einer existenziellen wirtschaftlichen Schieflage einher, die nach Gründung des Gleichordnungskonzerns SAGA GWG behoben werden konnte.

Ein großer Teil der Wohnungen der heutigen SAGA gehörte ursprünglich zur „Neuen Heimat“, deren regionale Wohnungsbestände bis 1990 zum großen Teil an die Bundesländer verkauft wurde. Die Geschichte der „Neuen Heimat“ wird daher in diesem Kapitel erzählt.

Danach geht es um die Kunst, die im Auftrag der SAGA geschaffen wurde, die die einen wichtigen Teil der öffentlich-sichtbaren Kunst in Hamburg ausmacht. Dies geht von den 1920er Jahren mit der Steenkamp-Siedlung in Bahrenfeld mit Bauschmuck und Skulpturen über die Kunst am Bau unter der Doktrin der Nazis, der Kombination von Kunst und Architektur der 1950er Jahre und die abstrakte Arbeit „Flügelsäule“ von Karl Hartung oder der „Große Oceanide“ von Fritz Fleer in den 1960er und 1970er Jahren bis hin zur Kunst als soziales Anliegen in den 1980er Jahren wie die Arbeiten von Knud Knabe. Die 1990er Jahre sollten Verbindungen konstruieren wie der Mosaikboden von Wolf von Waldner.

Nach der Jahrtausendwende kam es zu einer Auffächerung der SAGA-Kunst: ProQuartier und die SAGA GWG Stiftung Nachbarschaft wurden gegründet und daneben weitere Kunstwerke für die Umgebung von Neubauten in Auftrag gegeben. Heute soll Kunst die Diversität der Menschen und die gegenseitige Toleranz sich in der Kunst widerspiegeln, wie im Hochhausgemälde „Dreiklang“ des Künstlerduos innerfields.

Vom Ende der Gemeinnützigkeit, gesellschaftlichen Wandel und Problemen bis zum Ende des Jahrtausend geht es im folgenden Kapitel.

Die Entwicklungen im 21. Jahrhundert kommen dann zur Sprache. Heute ist die SAGA Unternehmensgruppe mit mehr als 137 000 Wohnungen Deutschlands größtes kommunales Wohnungsunternehmen.

Eine gegenwärtige Bestandsaufnahme wird so formuliert: „Die SAGA steht als Aktiengesellschaft im Spannungsfeld zwischen einer kommunalen Wohnraumversorgung und renditeorientierten, börsennotierten Unternehmen für einen erfolgreichen ‚dritten Weg‘. Dieser setzt auf sozialen Ausgleich, angemessene Mieten, ökologische Verantwortung, effiziente Prozesse und Organisation sowie nicht zuletzt auf wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.“ (S. 285)

Im Anhang finden sich die Anmerkungen, Literatur, eine kurze Chronik mit Wohnungsbestand und leitenden Vorständen, die Anmerkungen, ein Namensregister und eines mit Stadtteilen, Straßen und Quartieren.

Dies ist ein opulentes Werk, das großzügig bebildert ist und die Geschichte der SAGA mit dem Wohnen vorrangig in Hamburg verknüpft.

Seit Jahrzehnten unterstützt die SAGA Kunst im öffentlichen Raum, unter anderem durch Kunst am Bau. Dies wird zu Recht ausführlich dokumentiert.

Das Buch ist aus der Perspektive der SAGA Unternehmensgruppe geschrieben und zeigt größtenteils eine Erfolgsgeschichte, wobei Kritik zu kurz kommt. Gerade in den letzten Jahren gab es kritische Stimmen, weil die SAGA trotz steigender Mieten immer noch Wohnungen verkauft und der Gemeinnützigkeit damit keinen Gefallen tut. Die Perspektive von Mieter*innen und Angestellten fehlt hier leider, um ein umfassendes Bild zu zeichnen.

 

Buch 2

Thorsten Altheide: Baltikum. Litauen, Lettland, Estland,4., neu bearbeitete Auflage, Know how Verlag, Bielefeld 2019, ISBN: 978-3-8317-3276-0, 24 EURO (D)

Für dieses Buch wurden Teile der ursprünglich als Einzelbände erschienene Reiseführer Estland, Lettland und Litauen zusammengefügt und aktualisiert. Er enthält 55 Stadtpläne und Karten von Städten und Destinationen im Baltikum.

Am Anfang gibt es mehrere Verzeichnisse, Hinweise zur Benutzung und die Länder im Überblick. Bei den dann vorgeschlagenen Reiserouten und Touren gibt es für Litauen eine komplette Tour, eine mittlere und eine kleinere, für Lettland eine komplette und selektive und als Zwischenstation nach Vilnius und Kaunas. Für Estland eine Küstenroute, eine nach Osten und Talinn und Umgebung. Danach folgt noch ein längere Rundreise durch das Baltikum mit und ohne Auto.

Das Baltikum zu jeder Jahreszeit mit Festen und anderen Höhepunkten und die jeweils fünf schönsten Strände, geheimnisvollsten Burgen, interessantesten Nationalparks und unwirklichsten Orte werden dann vorgestellt.

Danach beginnt der Reiseteil mit Litauen. Dort wird das Land in verschiedene Regionen eingeteilt. Nach derselben Systematik folgen danach Lettland und Estland mit seinen Inseln.

Praktische Reisetipps von A bis Z, ein Kapitel über Land und Leute mit Geografie, Naturschutz, Flora und Fauna, Klima, Geschichte des Baltikums, Staat und Politik, Wirtschaft, Bevölkerung, Traditionen und Bräuche und Architektur kommen dann an die Reihe.

Zwischen letzterem Punkt und der Länderporträts gibt es Exkurse zu bestimmten Themen.

Im Anhang findet man noch Literaturtipps, ein Register und die Vorstellung der Autoren. Außerdem eine Sprachhilfe zur jeweiligen Aussprache und Basisvokabular mit den drei Sprachen nebeneinander in einer Tabelle.

Dieser Reiseführer mit fast 1000 Seiten ist sehr ausführlich gehalten und stellt das Baltikum mit all seinen Facetten vor, viel mehr als nur die eigentlichen Sehenswürdigkeiten. Wie Saaremaa, die größte estnische Insel, oder wie das Wintersportzentrum im lettischen Sigulda. Neben Natur in den Nationalparks und Kultur gibt noch Tipps für Reisen mit Kindern, Kanutouren und Strandurlaub.


Buch 3

Anke Elisabeth Ballmann: Das Faultier-Prinzip. Wie Kinder in ihrem Lebenstempo gelassen und frei ihre Fähigkeiten entwickeln und die Welt für sich entdecken, Goldegg, Berlin/Wien 2022, ISBN: 978-3-99060-281-2, 20 EURO (D)

Anke Elisabeth Ballmann ist Expertin für kindgerechte Pädagogik. In ihrem Buch gibt sie Tipps, wie Eltern nicht in die Leistungsdruck-Falle tappen und zeigt die Vorteile einer Lebensgestaltung, die den eigenen und den kindlichen Bedürfnissen entspricht.

Dies geschieht jedoch anders als in üblichen Erziehungsratgebern. Die Autorin führt einen imaginären Dialog mit dem Faultier Frieda. Es geht bei dem Gespräch zunächst um die Lebensgestaltung von Faultieren. Das Faultier lebt auf Bäumen lebt und eine sehr erfolgreiche Überlebensstrategie entwickelt hat. Ihre Nahrung besteht nur aus Blättern des Regenwaldes. Um mit dieser kargen Nahrung auskommen zu können, leben die Faultiere in einem dauernden Energiesparmodus und bewegen sich daher sehr wenig und wenn, dann besonders langsam.

Als Ausgangsbasis dieser Überlegungen, sich der Umwelt anzupassen, werden Fragen nach menschlichen Bedürfnissen und Vorstellungen gestellt. Es geht um den Blick auf das Leben und die Welt bis das Thema Kinder und Erziehung an die Reihe kommt.

Erwachsene und Eltern neigen dazu, ihre eigene Lebensführung auf Kinder zu übertragen und sie so zu kleinen Erwachsenen zu machen, wobei das Kindsein zu kurz kommt. Kinder lernen schon sehr früh Druck und Leistungsgedanken kennen und können sich von daher nicht altersgerecht entwickeln. Sie werden in einen Zeitkorsett gezwungen, wo wenig Zeit für Freizeit, Spiel und eigene Interessen bleiben. Dies betrifft nicht nur die Familie sondern auch Bildungseinrichtungen.

Die Themen reichen von Schwangerschaft, der ersten Zeit mit Baby, Krippe, Kindergarten und Schule.

Es geht darum, Kinder wieder mit ihren Bedürfnissen ernst zu nehmen und die Entfaltung und Verwirklichung der kindlichen Individualität in den Mittelpunkt zu stellen. Druck und Erwartungshaltungen sollen reduziert werden, um Kindern und Jugendlichen wieder Freude am Lernen in jedem Alter zu vermitteln.

Dies ist zwar kein neuer, aber ein erstrebenswerter Ansatz, verpackt in einer kreativen Geschichte.


Buch 4

Valéry Tsimba: Mein Permakultur Balkon, Ulmer, Stuttgart 2022, ISBN: 978-3-8186-1520-8, 14,95 EURO (D)

Valéry Tsimba hat eine Wohnung mit einem kleinen Balkon inmitten der Großstadt Paris. Während des dortigen Shutdowns durch Covid-19 begann sie mit der Anlegung eines kleinen Gartens auf ihrem 4qm großen Balkon. Dieser sollten den Bedingungen und Voraussetzungen der Permakultur entsprechen.

Das Ergebnis ihres Gartenabenteuers auf kleinstem Raum präsentiert sie in diesem Buch.

Sie will dort anderen Stadtbewohner*innen an ihren Erfahrungen teilhaben lassen und dazu anregen, dass ein eigener Garten auf einem kleinen Balkon kein Widerspruch sein muss. Wie sie auf begrenztem Raum eigenes Obst und Gemüse das ganze Jahr hindurch anbaut, gibt sie in verschiedenen Anleitungen weiter.

Angefangen von der richtigen Planung, die Auswahl passender Sorten werden die Grundlagen des Gärtnerns, Samen, der richtige Zeitpunkt für die Aussaat, auch auf Düngung, der Umgang mit Schädlingen, die passenden Pflanzgefäße und deren Erde, Arbeitsmaterialien und Tipps und Hinweise zur Ernte angesprochen.

Dazu werden in eigenen Steckbriefen einzelne Gemüse vorgestellt, darunter bekannte aber auch einige ungewöhnliche.

Ausführlich teilt sie ihr Wissen, ihre gemachten Erfahrungen, Probleme und Fehler. Und auch, dass es beim Gärtnern auf kleinstem Raum auch darauf ankommt, kreativ zu sein und den vorhandenen Platz möglichst vollständig zu nutzen.

Hier stehen praktische Tipps und Erfahrungen für ein harmonisches Gärtnern im Einklang mit der Natur im Vordergrund. Es wird deutlich, wie Pflanzen durch Nutzung biologischer Ressourcen und Mischkultur gesund heranwachsen. Es gibt aber wenig Empfehlungen der Sortierung der Pflanzen zum passenden Standort bzw. welche Sonne brauchen oder eher Schatten bevorzugen. Das Buch eignet sich vor allem für Menschen, die einen eigenen kleinen Garten mit ein wenig Selbstversorgung haben wollen, aber in Städten mit begrenztem Platz leben. Also eher an Anfänger*innen als erfahrene Balkongärtner*innen.

 

Buch 5

Klaus Hagmann/Birgit Essich: Schnaps brennen, 3. Auflage, Ulmer, Stuttgart 2019, ISBN: 978-3-8186-0833-0, 19,95 EURO (D)

In diesem Buch geht es um alles Wissenswerte rund um die eigene Schnapsherstellung: von der Vorbereitung der Früchte über die benötigten Geräte und den Brennvorgang bis hin zur Weiterverarbeitung des Destillats.

Das Buch besteht aus vier Teilen. Im ersten Teil geht es um die Grundlagen. Dort gibt es eine kleine Geschichte der Obstbrennerei zu Anfang. Anschließend geht es um die rechtlichen Grundlagen vor allem um das neue Spirituosenrecht. Danach werden die Inhaltsstoffe von Früchten und Bränden und deren chemische Eigenschaften dargelegt. Zum Abschluss gibt es Informationen über Hefen, Bakterien und Schimmelpilze.

Das Brennen selbst steht dann im Mittelpunkt. Die notwendige Vorbereitung der Früchte, die verschiedenen Stufen des Destillation, traditionelle und moderne Brenngeräte, Produktkühler und Vorlage sowie temperaturfühler werden dort vogestellt. Die Abtrennung von Vor- und Nachlauf, die Destillation mit und ohne Verstärker, die Herstellung von Obstgeisten und Variationen am Brenngerät kommen dann zur Sprache. Die Weiterverarbeitung des Destillats und speziell die Alkoholbestimmung schließt den zweiten Teil an.

Danach geht es um die Verarbeitung der Früchte und die sensorische Kontrolle und Beurteilung der Endprodukte. Dort werden zwischen Kernobst, Steinobst, Beeren und Waldfrüchten unterschieden. Verschiedene Sorten von diesen werden gesondert behandelt.

In einer Tabelle gibt es eine Übersicht gängiger Spirituosenfehler und deren Ursachen mit Behebungsvorschlägen.

Kräuterschnäpse und andere Ansätze werden danach kurz behandelt.

Im Serviceteil gibt es noch Literatur, mögliche Bezugsquellen, Adressen, ein Glossar und ein Register.

Hier werden verständliche und fundierte Ansätze und Hintergrundwissen zum Thema Schnapsbrennen geliefert. Das Buch umschreibt alle wichtigen Aspekte um sich einen guten Überblick zu verschaffen: Herstellung, Lagerung, Bestandteile, Brennvorgang Temperatur, Lagerung, Fertigprodukt und notwendiges Equipment. Eine gute Anleitung für Einsteiger und Hobbybrenner.


Buch 6

Gabriele Lehari: 400 Hunderassen von A bis Z. Alles über Aussehen, Charakter und Verhalten, 5., aktualisierte und erweiterte Auflage, Ulmer, Stuttgart 2022, ISBN: 978-3-8186-1569-7, 26,95 EURO (D)

In diesem Standardwerk erfahren Züchter und Trainer alles Wissenswerte über Aussehen, Charakter, Verwendung, Zuchtgeschichte und Haltungsansprüche von über 400 Hunderassen. Außerdem ist es für alle Hundefreunde gedacht, die sich umfassend über die intensive Rassenvielfalt informieren möchten und herausfinden wollen, welche Rasse zu ihm passen könnte. Nicht nur alle FCI-anerkannten Rassen werden hier behandelt, sondern auch einige recht junge, noch nicht anerkannte Hunderassen.

Zu Beginn werden jeder der zehn Rassegruppen einer bestimmten Farbe zugeordnet und ihre Sektionen und Untersektionen aufgeführt.

Die Rassen werden alphabetisch angeordnet, wobei in den meisten Fällen auf den offiziellen Namen und bei einigen ausländischen Rassen der eingedeutschte Rassennamen Bezug genommen wird. Gängige Synonyme und die PC-Nummer sowie Angaben zu Herkunft, Größe, Gewicht und Farben sind auf einen Blick zusammengefasst. Danach folgt eine ausführlichere Beschreibung mit Informationen zu Geschichte, Charakter, Verwendung oder gegebenenfalls Besonderheiten wie spezielle Fellpflege, außergewöhnliche Eigenschaften oder bestimmte gesetzliche Bestimmungen über die Haltung der Hunde. Die Rassegruppe wird in der entsprechenden Farbe als Erstes unter dem Rassenamen aufgeführt.

Zu jeder vorgestellten Rasse gibt es ein aktuelles Farbbild.

Im Anhang gibt es ein Register mit der entsprechenden Seitenzahl zum schnellen Nachschlagen.

Das Buch ist vor allem für Neueinsteiger, die einen weitreichenden, aber schnellen und kurzen Überblick über Hunderassen erfahren möchten, ein hilfreiches Nachschlagewerk. Es fehlen wohl Hinweise für weiterführende Literatur zu den einzelnen Rassen. Dass der Charakter eines Hundes auch von der Art und Weise der Haltung mitbestimmt wird, dürfte klar sein.

Der Vorteil des Buches liegt darin, dass Hunde, die in Mitteleuropa eher unbekannt sein dürften, mit aufgenommen und vorgestellt werden.







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