Neuerscheinungen Romane und Sachbücher

24.04.22
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Charlotte Mc Conaghy: Wo die Wölfe sind. Roman, S. Fischer, Frankfurt/Main 2022, ISBN: 978-3-10-397100-2, 22 EURO (D)

Als junge Biologin ist Inti für ein Projekt in die schottischen Highlands gekommen, um den Wolf wieder in das Ökosystem einzuführen. Sie ist Leiterin eines Teams von Fachleuten, das in der einheimischen Bevölkerung auf Skepsis stößt. Der Wolf ist ein natürlicher Räuber, der das Ökosystem im Gleichgewicht hält, und er starb im 18. Jahrhundert in Schottland aus. Es gibt große Angst unter den Bauern, die Angst haben, dass die Wölfe ihr Vieh angreifen werden.

Inti kommt mit vierzehn grauen Wölfen und ihrer traumatisierten Zwillingsschwester Aggie an, von der sie hofft, dass sie in ihrer neuen Umgebung davon erholen wird.

Der Roman bewegt sich zwischen der Gegenwart, der Kindheit und Jugend der beiden Zwillingsschwestern und Alaska, dem letzten Ort, an dem Inti arbeitete.

Ihr Vater lebt ein einfaches Leben in den Wäldern Kanadas. Er arbeitete einst für eine Holzfirma und lebt heute fast alleine im Wald, jagt, fischt und baut seine Nahrung an. Er hat den Mädchen alles beigebracht, in der Natur zu leben, sie zu respektieren und zu schätzen. Ihre Mutter ist Detektivin in Australien. Sie sieht die schrecklichen Verbrechen, die Menschen begehen, und warnt die Mädchen immer, niemandem zu vertrauen. Menschen seien die wahren Raubtiere sind, die sie fürchten sollten. Sie lehrt sie, gegenüber Menschen misstrauisch zu sein und bringt ihnen Selbstverteidigung bei.

Die beiden selbst haben auch mit Männern sehr schlechte und traumatische Erfahrungen gemacht, was im Verlaufe des Romans deutlich wird. Dies zeigt sich vor allem bei der seltenen Erkrankung Spiegelberührungssynästhesie, unter die Inti leidet. Dabei spürt sie förmlich den Schmerz anderer. Was dies bedeutet, wird dem Leser in grausigen Details verraten.


Der Fokus liegt auch auf Ökosystemen und den Wölfen. Die Leser werden durch Monate sorgfältiger Beobachtung und einigen Intervention mit ihrer Gruppe von Wölfen geführt. Man lernt ihre Eigenschaften, Verhaltensweisen und Neigungen kennen. Es ist aufregend, wenn die Wölfe anfangen, sich zu paaren und Rudel zu bilden. Sie werden mit Halsbändern versehen und in die Wildnis entlassen.

Es wird illustriert, wie es ist, Monate damit zu verbringen, sie durch Geburten und Todesfälle zu verfolgen, und das Misstrauen und die Angst der Anwohner vor den Wölfen. Intis Arbeit, die Unterstützung der Dorfbewohner für ihr Projekt zu gewinnen, ist ein harter Kampf. Er wird noch erschwert durch einen Todesfall, der einem Wolfsangriff zugeschrieben wird. Inti ist jedoch davon nicht überzeugt und befasst sich näher mit diesem grausamen Fall, was die Spannung erhöht.


Diese Geschichte ist eine Kombination aus Roman und Krimi, der sehr viele Themen behandelt, auch die in der BRD heftig geführte Diskussion um den Wolf und seine Beziehung zum Menschen. Die Beschreibungen der Wälder und Highlands sind detailliert und ausdrucksstark, man lernt viel über Wölfe und ihrem Verhalten. Die Autorin legt also ein anspruchsvolles Werk vor.

Allerdings sollten sich Leser darauf einstellen, dass es drastische Szenen von Gewalt gibt, sowohl gegen Tiere als auch gegen Menschen.


Buch 2

Katerina Poladjan: Zukunftsmusik. Roman, S. Fischer, Frankfurt/Main 2022, ISBN: 978-3-10-397102-6, 22 EURO (D)

Die Geschichte eines Aufbruchs: In der sibirischen Weite, weit weg östlich von Moskau, leben in einer Kommunalka auf engstem Raum Großmutter, Mutter, Tochter und Enkelin unter dem bröckelnden Putz einer vergangenen Zeit. In der UdSSR deutete sich eine Zeitenwende an:

Als Michail Gorbatschow am 11. März 1985 zum mächtigsten Mann der Sowjetunion aufstieg, war das Aufsehen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs groß: Das greise Politbüro der Kommunistischen Partei der Sowjetunion hatte sein mit 54 Jahren jüngstes Mitglied zum Generalsekretär gewählt.

Gorbatschow rief sich umgehend zum Erneuerer eines seit langem zum Stillstand gekommenen Systems aus, versprach eine in einer verknöcherten Bürokratie verloren gegangene Offenheit und die grundlegende Umgestaltung morscher Strukturen. Die russischen Begriffe dafür, "Glasnost" und "Perestroika", wurden zu Markenzeichen von Gorbatschows Regierungszeit.

In einer der Mietparteien der vom Staat organisierten Kommunalka (Kommunalwohnung) leben vier Generationen auf kleinem Raum zusammen.

Dies sind die Großmutter Warwara, die nach dem Tod ihres Mannes in der Kommunalka einzog. Sie ist noch berufstätig als Hebamme. Maria hat sich von ihrem Mann getrennt und arbeitet als Museumswärterin, ihre Tochter Jalka ist schon früh Mutter der kleinen Kroschka geworden. Notgedrungen arbeitet sie in einer Fabrik, sie hat jedoch ganz andere Träume. Sie träumt davon, musikalisch groß raus zu kommen. Eine Etappe soll dabei ein bevorstehendes Konzert in der beengten Küche, die dem gesamten Haushalt als Treffpunkt dient, sein. Mutter Maria, Tochter Janka und der kleinen Enkelin Kroschka.

Die Enge der Wohnung steht wohl metaphorisch für die gesellschaftliche Enge. Privatsphäre gibt es so gut wie keine in der Kommunalka, was immer wieder zu Streit führt. Auch die Tatsache, dass sie sich mit anderen Parteien die Toilette teilen müssen, sorgt manchmal für Spannungen und lässt wenig Freiraum zu.
Im Laufe des Romans lernt man auch die anderen Mietern der Gemeinschaftswohnung kennen: dem Ingenieur Matweij, der nach einem Vorfall im Institut seine Arbeit abbricht, der Gefühle für Maria hegt und dies auch nicht verbergen kann. Etwas Surreales wird auch in den durchorganisiertem Alltag hineingebracht, das sich wohltuend von utilitaristischen Begebenheiten abhebt. Träume und tiefe Emotionen verbergen sich hinter der Fassade eines fad erscheinenden Lebens. Der Zugschaffner Ippolit ist heimlich mit Großmutter Warwara liiert: angesichts der Enge des Hauses fast ein Wunder.

Das Spannungsfeld zwischen Individuum und Gemeinschaft ist immer wieder ein übergeordnetes Thema. Dadurch, dass das Kollektiv in der Sowjetunion groß geschrieben wurde, gab es wenig Raum und Möglichkeiten für individuelle Lebensentwürfe und Ausdrucksformen.

Hier wird jedoch deutlich, dass jede der Personen sich ein eigenes Refugium geschaffen hat und sei es in den Sphären der Phantasie. Dort kann niemand Gedanken kontrollieren und seine eigenen Sehnsüchte ausleben. Intellektueller Liberalismus durch den Bezug auf bekannte russische Dichter und Literaten wie Gogol oder Turgenjew werden immer mal wieder präsentiert.

Poladjan lässt immer die Erzählperspektive wechseln: Erinnerung, Gegenwart und die den Leser*innen bekannte Zukunft und Seismografen der Freiheiten unter Gorbatschow sind das eine. Weiterhin wird aus der Sicht der Protagonist*innen berichtet, die aus ihrer eigenen Biografie erzählen, ihrem Alltag, ihren Wünschen und Sorgen und ihren Gefühlen.

Das Buch schildert das einfache Leben ganz normaler Bewohner*innen in der Spätphase der Sowjetunion, wo schon immer wieder geschickt eingestreute Analogien von den folgenden Veränderungen künden, die sowohl weltpolitisch sind als auch das Leben der Protagonist*innen verändern werden. Erzählerisch hat das Buch ein gehobenes Niveau, ist aber spannungsarm und etwas gleichförmig, bis auf einige surreale Szenen.

Alltagssequenzen und Flucht aus der Enge und der Wunsch nach ein wenig Individualität prägen diesen Roman, der auch als ein Mikrokosmos der Sowjetunion verstanden werden kann.


Buch 3

Stephen Walker: Ins All, Hoffmann und Campe, Hamburg 2022, ISBN: 978-3-455-01088-4, 25 EURO (D)

1961 vollzog Juri Alexejewitsch Gagarin als erster Mensch im All die erste Erdumrundung in der Geschichte der Raumfahrt. Er galt vor allem in den staatssozialistischen Staaten als Held, Vorbild und Legende. In diesem Buch 60 Jahre danach präsentiert Stephan Walker die Geschichte hinter Gagarins spektakulärem Flug.

Walker stützt sich dabei auf eine Fülle neuer Interviews, Archivmaterialien und sogar die Tagebücher einiger sowjetischer Teilnehmer, wie des Kosmonauten-Ausbildungschefs Nikolai Kamanin.

Es gibt technische Einzelheiten von Wostok 1 und viele Fachinformationen über die Raumfahrt im Kalten Krieg. Weiterhin stellt das Buch die verschiedenen Figuren vor, deren Leben und Schicksal mit dem Start von Wostok 1 verflochten sind. Dazu gehören Gagarin und der Nestor des sowjetischen Raumfahrtprogramms Sergej Koroljow, die die sowjetische Seite im Wettlauf der Supermächte repräsentieren. Zwischen den beiden entstand so etwas wie eine Vater-Sohn-Beziehung. Weiterhin werden der Filmemacher Vladimir Suvorov und Gagarins amerikanischer Rivalen Shephard, sowie die Backups zu den Männern, die darum wetteifern, der Erste im Weltraum zu sein, Gherman Titov und John Glenn, vorgestellt.

In einem größeren Bogen geht es auch um die Politik in Washington und Moskau und die unterschiedlichen Ansichten über das Weltraumrennen in dieser Zeit. Es werden auch die Auswirkungen des Flugs von Wostok 1 für die Akteure im Kalten Krieg. Die erste Erdumkreisung war ein wichtiger Prestigeerfolg der sowjetischen Raumfahrt. Das US-amerikanische Programm Man in Space Soonest verlor dieses Duell. Die Sowjetunion konnte abermals nach dem Sputnik-Schock ihre technologische Überlegenheit demonstrieren.

Dennoch steht der Flug im Mittelpunkt des Buches.
Walkers Präsentation des Countdowns und dann Gagarins 108-minütiger Raumflug fängt die Spannung dieser Momente und die mitunter skurrilen Details ein. Dies alles wird spannend wie ein Krimi oder Abenteuerroman beschrieben.

Dies ist die spannende Geschichte der ersten Reise des Menschen in den Weltraum vor sechzig Jahren, die der Kosmonaut Juri Gagarin am 12. April 1961 in Wostok 1 unternahm. Walker stellt nicht nur neue Informationen aus den persönlichen Interviews vor, die er mit vielen der Teilnehmer geführt hat, sondern er fixiert auch die Reise von Wostok 1 in der Zeit auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Sein mitreißender Schreibstil machen das Buch zu einem Besonderen.


Buch 4

Wolfgang Beutel u.a.: Handbuch Demokratie-Pädagogik, Wochenschau Verlag, Frankfurt/Main 2022, ISBN: 978-3-95414-185-2, 59,90 EURO (D)1

Dieses Handbuch deckt alle wesentlichen Felder der Demokratiepädagogik in 63 Beiträgen von verschiedenen Expert*innen ab. Darin sollen die grundlegenden theoretischen und historischen Anschlüsse sowie die Schnittmengen, die Orte und Formen unter den Konzepten, Programmen und Entwürfen sowie die damit verbundenen Lern- und Bildungserfahrungen zur Sprache kommen. Auch internationale Projekte und Erfahrungen finden Beachtung.

Das Handbuch enthält acht Bereiche, in dem die Beiträge strukturiert sind. Das erste Feld wendet sich dem Versuch der Eingrenzung des Begriffs Demokratiepädagogik und verwandter Konzepte zu. Das zweite Feld beschäftigt sich mit Geschichte und Diskursen zum Verhältnis von Demokratie und Pädagogik. Danach wird der aktuelle Forschungsstand aus verschiedenen Richtungen und Positionen dargestellt. Anschließend wird auf internationale Entwicklungen eingegangen und der Stand zwischen global citizenship education, Bürgerbildung und Demokratiepädagogik in den Blick genommen.

Die fachlichen und konzeptbezogenen Schnittmengen zwischen Demokratiepädagogik und den damit verbundenen pädagogischen Praxen sind dann das Thema. Institutionelle Handlungsfelder als Orte der Demokratiepädagogik stehen dann im Vordergrund. Weiterhin werden etablierte und innovative Handlungs- und Lerntraditionen wie zum Beispiel Projekte, Service Learning, Schüler*innenvertretung oder Klassenrat behandelt.

In einem Ausblick setzt sich Peter Fauser mit Zukunftsthemen und den damit anzusprechenden noch offenen Aufgaben und Fragen auseinander. Er konstatiert eine „angegriffene Demokratie“, mahnt eine „kooperative Verständigungskultur“ an und diskutiert das Verhältnis der Schule zur Gesellschaft, wo er für eine „Radikalisierung der Schulreform“ plädiert. (S. 792)

Hinter den einzelnen Beiträgen gibt es immer ein Literaturverzeichnis.

Im Anhang findet sich noch ein Verzeichnis der Autor*innen.

Trotz der Fülle der angesprochenen Themen gibt es einige Leerstellen: Eigene Artikel zur Postdemokratie, zu den Elementen der Basisdemokratie und zum Themenfeld Macht und Herrschaft in demokratisch-kapitalistischen Gesellschaften fehlen leider.

Gut ist, dass gegenwärtige und zukünftige Probleme und Desiderata werden konkret benannt und mögliche Entwürfe vorgestellt.

Das Handbuch bietet keine abschließenden Lösungen, sondern stellt auch divergierende Sichtweisen nebeneinander. Diese Pluralität ist sicherlich ein Vorteil des Buches.

Das Buch macht vor allem deutlich: Partizipation, Kritikfähigkeit, Dialogfähigkeit, Empathie und Verantwortung müssen früh und in möglichst allen Lebenszusammenhängen erlernt und erfahren werden.


Buch 5

Markus Thiele. Die sieben Schalen des Zorns. Roman, Benevento, Wals bei Salzburg 2022, ISBN: 978-3-7109-0131-7, 22 EURO (D)

Markus Thiele behandelt in seinem neuem Roman die Frage, ob der Mensch das Recht hat, selbstbestimmt zu sterben und welche Hilfe er dafür in Anspruch nehmen darf.
Das Thema Sterbehilfe ist in der BRD eine rechtliche Grauzone. Nur wenn Sterbewillige die tödlichen Substanzen eigenständig einnehmen, bleibt der Vorgang straffrei. Doch nicht nur der rechtliche Aspekt wird betont, sondern auch die ethisch-moralische Frage, wo das Recht auf einen selbstbestimmten Tod endet und welche Grenzen gezogen werden können und müssen. Wie bei seinen früheren Büchern ist dieses inspiriert von einem wahren Justizfall.

Als seine an Alzheimer erkrankte Tante Maria ihn um Sterbehilfe bittet, gerät der engagierte Arzt Max Keller in ein moralisches Dilemma. Soll er ihren letzten Wunsch erfüllen und ihr ein selbstbestimmtes Sterben ermöglichen? Sie hat zwar ihren Sterbewunsch schriftlich festgehalten, ist jetzt aber nicht mehr in der Lage, ihn selbst auszuführen. Obwohl er als Arzt dem Leben verpflichtet ist, hilft Keller der alten Frau, das ihre zu beenden.

Dass sein Handeln strafrechtliche Konsequenzen hat, war Max schon vorher bewusst. Wie nicht anders zu erwarten, eröffnet die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen ihn und wirft ihm strafbare Tötung auf Verlangen vor. Max droht bei seiner Verurteilung die Vernichtung seiner beruflichen Existenz durch den Verlust seiner Zulassung als Arzt und auch eine Freiheitsstrafe.

Der ohnehin schon brisante Fall wird durch den persönlichen Bezug noch verstärkt. Der Staatsanwalt in dem Verfahren ist ausgerechnet sein alter Freund Jonas.

Im Laufe des Romans gibt es immer wieder Rückblicke auf die Biografien von Max, Maria und Jonas. Diese erklären ihren unterschiedlichen Blickwinkel auf dieses schwierige Thema und auch die Tatsache, warum sie sich ausgerechnet als Gegner vor Gericht wiedersehen.

Manchmal ist Thiele zu detailverliebt, es hätte ruhig mehr Platz für die Ausbreitung der ethisch-moralischen Komponente der Sterbehilfe von bekannten Protagonisten des Pro und Contra verwendet werden können.

Der Prozess steht im Mittelpunkt des Buches und ist sozusagen eine Blaupause für die heftig geführte Diskussion um das Verbot von aktiver Sterbehilfe.

Der Leser kann sich aus den Argumenten eine eigene Meinung bilden, obwohl dabei berücksichtigt werden muss, dass man persönlich schnell involviert werden kann und diese abstrakte Situation plötzlich real werden und mit viel Emotionen verbunden sein kann.

Das Buch zeigt die komplexe Frage nach Sterbehilfe aus einer rechtlichen und einer ethisch-moralischen Perspektive. Die für einige Menschen bedeutsame Perspektive der spirituellen oder religiösen Perspektive fehlt hier, dies müsste unter Umständen bei der Frage nach der eigenen Einschätzung mitbedacht werden. Ein Buch, das ein brisantes aktuelles Thema aufwirft, und zum Nachdenken anregt.

 

Buch 6

Esther Paniagua: Error 404. Der Ausfall des Internets und seine Folgen für die Welt, Hoffmann und Campe, Hamburg 2022, ISBN: 978-3-455-01437-2, 26 EURO (D)

Die spanische Journalistin Esther Paniagua bildet in diesem Buch auf ebenso beklemmende wie realistische Weise ab, was ein anhaltender Ausfall des Internets für die Menschheit bedeuten würde.

Das Buch diskutiert viele Möglichkeiten, auf welche das Internet ausfallen könnte, die Angriffe, die es erleiden könnte, und ihre schrecklichen Folgen. Dabei werden die Schattenseiten und Abhängigkeiten sichtbar gemacht. Dabei wird sehr kritisch die augenblickliche Situation beleuchtet. Die Vision des Schöpfers Tim Berners-Lee von einem schnellen Austausch, der besseren Kommunikation, der dezentrale Freiheit und einer Enzyklopädie des Wissens wird heute von der faktischen Monopolmacht weniger Technologieanbieter beherrscht. Möglichkeiten der Kontrolle, Abhängigkeit, Überwachung, Desinformation, Manipulation und Zensur hätten diesen Traum ins Gegenteil verkehrt.

Dies liege aber nicht am Internet selbst oder anderen Technologiefortschritten, sondern an den Regelungen der Infrastruktur, der Monopolisierung, die Art und Weise des Betriebes und der Ziele.

Ein anhaltender Ausfall des Internets hätte verheerende Folgen: Es könnten Versorgungsprobleme im öffentlichen Gesundheitssektor wie Krankenhäuser und damit verbunden mehr Todeszahlen geben, Unternehmen könnten lebensnotwendige Produkte nicht mehr herstellen oder Medikamente nicht bestellt werden. Für Bereiche, für die es eine analoge Alternative gibt, wäre es besser, diese verstärkt zu nutzen. Dies gilt vor allem für den Dienstleistung und Finanzsektor, vor allem Krypto-Währungen.

Der letzte Teil des Buches beinhalten Lösungsmöglichkeiten: Neben der Abwehr von Cyberangriffen gelte es Regeln dafür aufzustellen, um ein dezentrales, für alle zugängliches Internet jenseits von Monopolen und Marktmacht aufzubauen, das allen nütze. Datentechnologie müsse nicht länger in die falschen Hände fallen, um Missbrauch vorzubeugen. Faktisch die Demokratisierung des Internets.

Die Abhängigkeit vom Internet ist mit dem der Elektrizität zu vergleichen.

Dieses Buch will keine Befürchtungen schüren, oder sich an einer Dystopie weiden. Es hat den Anspruch aufzuklären und für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein und Fehlentwicklungen schon jetzt anzupacken. Es ist aber auch ein Plädoyer für mehr analoge, fassbare Welt und weniger Digitalität, ohne in einen technikfeindliche oder antifortschrittlichen Duktus zu verfallen.


1Der Subkriptionspreis liegt deutlich darunter.







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