Neuerscheinungen Sachbuch

24.12.22
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Berlinische Galerie Museum für Moderne Kunst: Magyar Modern. Ungarische Kunst in Berlin 1910-1933, Hirmer, München 2022, ISBN: 978-3–7774-3903-7, 49,90 EURO (D)

In der Geschichte der Kunst und Kultur Ungarns spielt Berlin eine besondere Rolle: Bereits vor dem Ersten Weltkrieg nutzten ungarische Künstler*innen die wachsende Metropole als Ausstellungsbühne, um sich einem internationalen Publikum zu präsentieren. Nach einer gescheiterten Revolution 1919 und von reaktionären Kräften aus ihrer Heimat vertrieben, kamen sie an die Spree, wo sie einen Ort kreativer Freiheit fanden.

Die Berlinische Galerie würdigt mit der Ausstellung „Magyar Modern“ („Ungarische Moderne“) erstmals umfassend den ungarischen Beitrag zur Klassischen Moderne in der deutschen Hauptstadt. Sie erweitert den immer noch westlich ausgerichteten Kanon um die künstlerischen Leistungen Ostmitteleuropas.

Dies ist die offizielle Publikation zur Ausstellung, die vom 4.11.2022 bis 6.2.2023 zu sehen ist.

In der Einführung wird Berlin in den Zwanzigern wie „kein anderer Ort einer Freiheit – und mithilfe von unbezwingbarer Anziehungskraft für jede, die sich und andere bewegen wollten“, gewürdigt. Die wichtigsten Gründe für die Emigration ungarischer Künstler*innen nach Berlin lag in der Enge der politischen autoritären Umwälzungen in Ungarn nach dem 1. Weltkrieg und die schon seit 1910 bestehenden Verbindungen, wo eine vom Kunsthändler Paul Cassirer organisierte Präsentation ungarischer Künstler*innen in der Berliner Secession stattfand. Außerdem wird die Struktur der Ausstellung vorgestellt, denen auch die folgenden Kapitel im Buch entsprechen.

Diese werden durch Hintergrundessays und Werken gleichermaßen gestaltet. Die insgesamt 48 Künstler*innen werden im Porträt zunächst vorgestellt. Danach werden Künstler*innen aus Ungarn und das kulturelle Leben in Berlin als Wechselwirkung veranschaulicht und gezeigt, wie sich Ungarn mehrere Jahrhunderte lang am Rande des deutschen Kulturkreises bewegte.

Danach wird das Debüt der jungen ungarischen Künstlergeneration in Berlin 1910 mit Werken präsentiert. Ferner wird das künstlerisch gestaltete Plakat während des kurzen Sommers der Räteregierung in Ungarn und die politische Verfolgung von linken und/oder jüdischen Intellektuellen und Künstlern danach behandelt. Anschließend werden die Lajos Kassak, die prägende Figur der ungarischen Avantgarde, seine Zeit in Berlin und die von ihm herausgegebene Zeitschrift Ma (Heute) sowie deren Netzwerke vorgestellt.

Die von Herwarth Walden begründete einflussreiche Galerie Sturm, der gleichnamige Verlag und die gleichnamige Zeitschrift und die Beziehungen zu ungarischen Künstler*innen und die Beziehung zwischen Laszlo Moholy-Nagy und Berlin kommen dann an die Reihe. Ein weiterer Galerist, Ferdinand Möller, der ebenfalls für ungarische Künstler*innen in Berlin wichtig war, wird ebenfalls behandelt, genauso wie Leben und Wirken des Intellektuellen Ernst Kallai.

Das individuelle Erleben Berlins, das sich in den Werken ungarischer Künstler*innen manifestierte, steht dann im Vordergrund. Weiterhin stehen die Protagonist*innen des ungarischen Konstruktivismus in der bildenden Kunst und Architektur im Mittelpunkt. Die Leistungen der Architekten Oskar Kaufmann, Marcel Breuer und Fred Forbat für das moderne Berlin werden dabei gewürdigt.

Ungarische Fotograf*innen im Exil wie Eva Besnyö oder György Kepes sowie der ungarische Beitrag zur Filmavantgarde der Weimarer Republik mit Schwerpunkt Laszlo Moholy-Nagy werden dann skizziert. Alfred Kemeny, der 1921 am Künstlertreffen in der Sowjetunion teilnahm, und die ungarische Linke in der Berliner Kunstszene der 1920er Jahre und die erzwungene Emigration ungarischer Künstler*innen aus Berlin 1933 durch die Machtübernahme der Nazis bilden den Schlusspunkt der Kapitel.

Im Anhang gibt es noch eine Liste der ausgestellten Werke mit einem Vermerk, wie und wann das jeweilige Werk im historischen Kontext in Berlin zu sehen war. Außerdem eine Bibliografie, die Vita der Autor*innen und den Bildnachweis.

Die Ausstellung und die Publikation zeigen die gesamte Bandbreite ungarischer Künstler*innen in Berlin, nicht nur das Leben und Wirken von Moholy-Nagy. Gut ist vor allem, dass der wechselseitige Austausch und das Lernen voneinander, das zu einer künstlerisch wertvollen Melange geführt hat, dabei ein Schwerpunkt ist.

Eine Zeitleiste mit den wichtigsten politischen Ereignissen zwischen 1910 und 1930 hätte noch hinzugefügt werden können, um den historischen Überblick schnell nachzuschlagen.

 

Buch 2

Neil Price: Die wahre Geschichte der Wikinger, S. Fischer, Frankfurt/Main 2022, ISBN: 978-3-10-397255-9, 39 EURO (D)

Mit zahlreichen Karten, Illustrationen und farbigen Abbildungen gibt der weltweit renommierte Experte Neil Price, Professor für Frühgeschichte und Archäologie an der Universität Uppsala in Schweden, einen verblüffenden Einblick in die Welt der Wikinger.

Er stellt die gängigen Vorurteile auf den Prüfstand und zeigt die echten Menschen hinter dem Mythos. Basierend auf neuesten archäologischen Funden, die zu neuen Interpretationen führten, zahllosen Textquellen und nicht zuletzt der nordischen Mythologie selbst zeigt Neil Price uns die Wikinger erstmals so, wie sie selbst sich sahen.

Das Buch beginnt mit einem Kartenverzeichnis und einer Begründung, warum die Sprache des Buches vereinfacht wurde.

Danach geht es um die Vorgeschichte der Wikinger. Dies waren verstreute kleinere Gruppen, die in verschiedenen Gegenden Skandinaviens lebten oft ohne zentrale Autorität. Sie waren Mitglied eines ausgedehnten Handelsnetzwerk, das vom heutigen Großbritannien und Irland bis hin nach Russland reichte.

Die Geburtsstunde der Wikinger lässt Price mit dem Überfall auf das reiche Kloster Lindisfarne im Jahre 793 beginnen. Die Eindringlinge plünderten und zerstörten die Kirche und erschlugen die Bewohner. Die Beute war so immens, dass es zu weiteren raubzügen als wirtschaftliches Unterfangen lockte. Junge skandinavische Männer sahen darin einen Weg mit einem einzigen Überfall für lange Zeit ausgesorgt zu haben und einen Eigentumsstatus zu beanspruchen, der es ihnen ermöglichte, zu heiraten. Es war zwar gefährlicher, aber einträglicher um seinen Lebensunterhalt als Handel oder Landwirtschaft.

Als die Wikinger sich in größeren Gruppen organisierten und zu Invasionsarmeen wurden, die nach zugänglicheren Wohnorten als Skandinavien suchten, breiteten sie sich in weite Gebiete aus und eroberten große Teile des späteren Großbritanniens, Frankreichs, Siziliens und drangen bis in die Ukraine vor. Sie nahmen auch im Westen Island und Grönland in Besitz und erreichten Nordamerika, wo sie ein Jahrhundert lebten.

Dies wird immer von der Weltanschauung der Wikinger, ihrer Überzeugungen, kulturellen und spirituellen Hintergründen begleitet. Er stellt die kosmologischen Weltanschauung der Wikinger und ihren magischen Glauben vor. Letzteres waren vermutlich die Gründe, warum die Wikinger plötzlich zu Massenüberfällen an eben diesen übergingen und warum sie wahrscheinlich zum Beispiel hierher kamen und sich an speziellen Orten niederließen. Für ihr alltägliches Leben und als Grundpfeiler ihrer Gesellschaften war Sklaverei eminent wichtig. Die Wikinger lebten auch davon, Sklaven aus vielen verschiedenen Regionen gefangen zu nehmen, zur Zwangsarbeit zu zwingen oder zu verkaufen. Viele der Sklaven und ihre Nachkommen wurden schließlich in ihren jeweiligen Teil der Wikingergesellschaft aufgenommen.

Neben Riten, Traditionen, die Stellung von Frauen werden auch ausführlich speziellere Themen wie Bootsbau und Ausrüstung, Waffenkunde, landwirtschaftliche Güter oder Feste besprochen.

Die altnordischen Sagen und Legenden und deren Inhalt wird immer wieder herangezogen, deren Wahrheitsgehalt Price jedoch meist kritisch sieht. Auch mit der Forschungsgeschichte zu den Wikingern setzt er sich kritisch auseinander.

Die Wikinger waren etwa drei bis vierhundert Jahre aktiv und in weiten Teilen Europas zu finden, sie besiedelten Nordamerika. Ihre Gesellschaften und ihre Überzeugungen waren von Region zu Region und im Laufe der Zeit unterschiedlich sein, die Berührung mit anderen Kulturen brachte Weiterentwicklung und Innovation. In den meisten Gebieten wurden ihre heidnischen Bräuche durch das Christentum ersetzt werden, manchmal gewaltsam durch skandinavische Könige. Es gab kein Endpunkt ihrer Macht und Ausbreitung, sondern sehr viele verschiedene Enden, wie Price betont.

Im Anhang finden sich noch ein längeres Literaturverzeichnis und ein Register. Eine Zeittafel fehlt leider.

Das Buch ist ein Vorbild an interdisziplinärem Arbeiten, um ein Bild von den Wikingern zu zeichnen, wer sie waren, was sie waren und wie sie gelebt haben. „Die Wikinger“ als homogenes Konstrukt gibt es nicht, sie sind immer als Plural zu verstehen. So entsteht ein detailliertes Porträt ihrer Geschichte mit einer Fülle von Informationen, vielen Abbildungen Fotos, Rekonstruktionen und Karten zur besseren Visualisierung.

Es ist aber auch gleichzeitig eine Entzauberung der Welt der Wikinger, ein Abschied von romantischen Vorstellungen, von Sagen und Legenden. Wer die Welt der Wikinger auf die bloßen Fakten der Wissenschaft zu beschränken bereit ist, der wird hier ein aktuelles Standardwerk mit vielen Informationen finden.


Buch 3

Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen (Hrsg.): Franci Rabinek Epstein. Die Elektrikerin. Mein Überlebensweg als tschechische Jüdin 1939 bis 1945, Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2022, ISBN: 978-3-86218-162-0, 28 EURO (D)

Die Erinnerungen der tschechischen Jüdin Franci Rabinek (1920 – 1989) an ihre traumatische Deportation sind ein in mehrerer Hinsicht ungewöhnliches Zeugnis von der Kraft der Resilienz. Francis Überlebensweg beginnt in Prag, wo sie eine erfolgreiche Modedesignerin war. 1942 wurde sie zusammen mit ihren Eltern nach Theresienstadt deportiert; die Eltern und ihr Mann überlebten nicht. Die Stationen ihres Überlebensweges nach dem Ghetto waren Auschwitz, die Außenlager des KZ Neuengamme – Dessauer Ufer, Neugraben und Tiefstack – und schließlich Bergen-Belsen, wo sie 1945 befreit wurde. Mit großer Offenheit, dem Mut zur (Selbst-)Kritik und einem unerwarteten Humor schildert sie aus der Sicht einer einst wohlsituierten jungen Frau Anfang zwanzig, wie sie überleben konnte: durch Solidarität, Freundschaft, Einfallsreichtum und das beherzte Ergreifen von Chancen wie bei ihrer Begegnung mit dem Lagerarzt Josef Mengele, vor dem sie sich als Elektrikerin ausgibt.
Der Bericht der jungen Franci über ihre »Reise in die Hölle« erscheint erstmals in deutscher Übersetzung. Am Ende des Buches gibt es ein Nachwort von Francis Tochter Helen Epstein, einer renommierten Autorin und Angehörigen der Holocaust-Nachfolgegeneration.

Es wird gezeigt, wie Franci an den verschiedenen Stationen ihres Leidensweges durch Raffinesse und ungebrochenem Lebenswillen es geschafft hat, die Entbehrungen durchzustehen. Auch mit Hilfe der Solidarität, die unter den Mitgefangenen bestand.

Ihre Erfahrungen in den Konzentrationslagern und Zwangsarbeitslagern beschreibt sie in direkter und offener Sprache, manchmal gibt es sogar (Galgen-)Humor.

Manches an den Schilderungen ist schwierig zu ertragen: Ihr wird eine Nummer zugeteilt und eingebrannt, genauso werden die Häftlinge auch behandelt: nicht als Menschen, sondern als Objekte ohne Seele.

Ihre Charakterdarstellungen der Mithäftlinge und der Nazis und das Gefühl von Macht und Ohnmacht auch im Punkt der Sexualität sind ergreifend und traurig zugleich.

Während Holocaust-Berichte meist von Männern verfasst worden sind, bietet dieses Buch eine detaillierte Perspektive, wie es für eine junge Frau war, die Gräueltaten zu überleben.


Buch 4

Anette Baumgarten: Alltagsmagie, Freya, Linz 2022, ISBN: 978-3-99025-452-3, 24,90 EURO (D)

In diesem Buch geht es um praktischen Zauber und Alltagsmagie. Basierend auf Märchen, Mythen und alten Zaubern wird eine Vielzahl an magischen Methoden sowie kleine und größere Rituale mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen vorgestellt.

Zuerst werden das magische Denken, dessen Prinzipien und Wirken dargestellt. Danach werden die Grundlagen der magischen Reinigung, Schutz und Segen skizziert. Das Zaubern mit kosmischen Kräften wird anhand von verschiedenen Traditionen und Anwendungsbereichen wie Sonne, Mond, Zahlen oder Wochentagen dann behandelt. Bestimmten Worten und Klängen wohnt eine besondere Kraft inne. Dazu werden Zauber-Gesänge und Lieder vorgestellt. Anschließend werden Räucherungen, magische Öle, Kerzenzauber und Blütenwässer kurz skizziert.

Danach geht es um traditionelle magische Verknüpfungen. Dazu gibt es eine Tabelle mit einer Auswahl, wobei es in erster Linie um magische und energetische Verwendungen der Stoffe geht.

Den größten Teil nimmt die folgende Zaubersammlung ein, wo alltagsmagische Rezepte, Rituale und Anleitungen zusammengestellt wird. Dabei handelt es sich zum Teil um überlieferte Zauber, zum Teil um Zauber aus dem persönlichen Gebrauch der Autorin. Es geht unter anderem um Reinigung für sich und das Haus, Schutz für sich selbst, das Haus und seine Bewohner, Glück und Segen, Gesundheit, Liebe, Beruf, Finanzen, bei Problemen, Haus- und Naturgeister, Schlafen und Träumen sowie Wunschzauber.

Zuerst wird der Zauber beschrieben, danach folgt immer eine Information, was man dafür braucht und die Anleitung.

Den Abschluss bilden verschiedene Segenssprüche aus unterschiedlichen Traditionen.

Im Anhang gibt es noch ein Literaturverzeichnis, Links und die Endnoten.

Hier werden viele Anregungen und Beispiele für natürliche magische Rituale aus früheren Zeiten vorgestellt. Das Buch hat den Vorteil, dass es mit Alltagsgegenständen und mit Singen oder Sprechen arbeitet, so dass wenig Vorbereitungszeit und notwendige Materialien gebraucht werden.

Die meisten Sachen sind also recht einfach umzusetzen, so dass das Buch vor allem für Neueinsteiger geeignet ist.


Buch 5

Reinhold Messner/Diane Messner: Sinnbilder. Verzicht als Inspiration für ein gelingendes Leben, S. Fischer, Frankfurt/Main 2022, ISBN: 978-3-10-397169-9 22 EURO (D)

Das neue Buch von Reinhold Messner und seiner Frau Diana ist sicher eines der intimsten und nachdenklichsten.

In kurzen Kapiteln geht es um das Nachdenken über Bedürfnisreduktion, Abstinenz, Enthaltsamkeit, Warenkonsum, Nachhaltigkeit, das soziale Zusammenleben und sein Umgang mit dem Alter. Wichtige Fragen wie Glück, Liebe und Lebensstile werden aus Messners Erfahrungsschatz genauso behandelt wie Tiefpunkte, Krisen, Enttäuschungen oder der Umgang mit Misserfolg. Dies bezieht er auf den gesellschaftlichen Bereich und den des Bergsteigers, aber auch den privaten mit seiner Familie und seiner neuen Frau Diane, die auch ihren Blickwinkel und ihre Biografie beisteuert.

Private Aufnahmen von den beiden, aber auch aus Messners Kindheit, Jugend und anderen Situationen werden gezeigt.

Gerade in reicheren Industrienationen gibt es mehr Sinnleere und Unzufriedenheit als in ärmeren Ländern. Dabei kritisiert er das Glücksversprechen von Materialismus und Kapitalismus und die Steigerungslogik nach immer mehr Wohlstand verbunden mit Konsumismus. Er verbindet also persönliche Sinnbilder oder Sinnsuche mit gesellschaftlichen Werten und Handlungen.

Dabei geht er nicht immer strukturiert vor, bestimmte Themen überschneiden sich und dazu kommt es zu unnötigen Wiederholungen.

Verzicht ist ein negativ besetzter Begriff und wird nicht jedem zusagen. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Denn Messner meint in Wirklichkeit, dass zielloser Konsum und das Streben nach immer mehr Materiellem Menschen nie zufriedenstellen wird.

Gewollter Verzicht führt zu intensiveren Genuss und intensiveres Glück. Weniger ist mehr, die Frage danach, was wirklich wichtig ist im Leben, steht im Mittelpunkt.

Neben einer Reflexion über sein bisheriges Leben ist das Buch eine Mischung zwischen Konsumkritik, Absage an radikalen Materialismus und Umweltschutz sowie wirklich notwendige Bedürfnisse. Anthropologische Fragen nach dem Wesen des Menschen schwingen dabei immer mit.

Für die Verwirklichung eines nachhaltigeren, einfacheren Lebensstil, der aber mehr Zufriedenheit für sich selbst beinhaltet. bietet das Buch das notwendige geistige Rüstzeug und weist auf die Notwendigkeit für einen tiefgreifenden Wandel des gesellschaftlichen Bewusstseins hin.

 

Buch 6

Josef M. Gaßner/Jörn Müller: Kosmologie. Die größte Geschichte aller Zeiten, S. Fischer, Frankfurt/Main 2022, ISBN: 978-3-10-397181-1, 33 EURO (D)

In diesem Buch vermitteln der theoretische Astrophysiker und Kosmologe Josef M. Gaßner und der Experimentalphysiker Jörn Müller die größte Geschichte aller Zeiten: die moderne Kosmologie. Es ist aber auch gleichzeitig eine Interaktion, zu jedem der folgenden Punkte und Unterkapitel gibt es verlinkte Videos.

Es wird versucht zu zeigen, wie alles mit allem zusammenhängt: „Ja, wir Menschen sind tatsächlich Kinder der Sterne, die wiederum Produkte der besagten vier Grundkräfte sind.“ (S. 11)

Das Buch beginnt mit dem Urknall als Ausgangspunkt. Danach geht es weiter mit dem holographische Prinzip, Bekanntes und Fragen zur dunklen Materie, das für uns Sichtbare und Unsichtbare durch Teleskopbeobachtungen und Antimaterie und Baryogenese. Danach folgt das System und die Zusammenhänge der
primordialen Nukleosynthese. Fragen und Hypothesen zur kosmischen Hintergrundstrahlung werden dann so vereinfachend wie es möglich ist geschildert. Grundlegendes zu Sternen und Galaxien runden dann die Kapitel ab.

Interessant sind zum Beispiel die Ausführungen zu Superhaufen. Eine großräumige Betrachtung des Universums zeigt, dass Galaxie nicht gleichmäßig verteilt sind, sondern dass das Universum eine schaum- oder wabenartige Struktur aufweist. Das Innere der Waben entspricht dabei riesigen Leerräumen, die Voids genannt werden. Die Galaxien gruppieren sich wegen ihrer gegenseitigen gravitativen Anziehung zu Galaxienhaufen um diese Leerräume herum und bilden die Wände der Waben.

Zwischendurch gibt es noch einen zeitlicher Überblick über die Chronologie des Universums.

Bei dem Inhalt des Buches handelt sich um die moderne Kosmologie, also nicht um die Zeit vor 1870 mit den griechischen Naturphilosophen, Kopernikus und anderen historischen Meilensteinen. Die Geschichte der Kosmologie müsste in einem anderen Werk nachgeschlagen werden.

Hier werden wichtige Erkenntnisse der Wissenschaft der Kosmologie anwendungsorientiert vermittelt. Die Leser*innen sollten wissenschaftlich vorgebildet sein oder die bisherigen physikalischen Erkenntnisse über Zeit und Raum kennen, um die Zusammenhänge und Formeln zu verstehen.

Es werden existentielle Fragen gestellt und Grundzüge der neuesten Forschung zur Kosmologie populärwissenschaftlich dargestellt. Sehr hilfreich sind die mit dem Text verlinkten Videos, die dies alles visualisieren und staunen lassen.








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