Neuerscheinungen Kulinarik und Kunst

30.11.22
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Weyringer Wallersee. Poesie des Kochens, Anton Pustet, Salzburg 2022, ISBN 978-3-7025-1071-8, 48 EURO (D)

In diesem Kunstkochbuch gibt es neben zahlreichen Gerichten farbenprächtige, sinnliche üppig-irdische Malerei, literarische Geschichten, die durch Welten, Zeiten, Mythen führen.

Emanuel Weyringer, welterfahrener Haubenkoch, der in Henndorf am Wallersee bei Salzburg sein eigenes Restaurant betreibt, hat sich seine Koch-Fertigkeiten in den namhaftesten Restaurants in Europa und Asien erworben und zu kulinarischer Höchstform weiterentwickelt. All diese speziellen Erfahrungen und Geschmacks-Entdeckungen bringt er in seine eigenwilligen, fantasievollen und trotzdem nachkochbaren Gerichte ein. Die Kunst in diesem außergewöhnlichen Band steuert Emanuels Vater Johann Weyringer, einer der erfolgreichsten und vielseitigsten Maler, Zeichner und Bildhauer Österreichs bei. Der renommierte Salzburger Schriftsteller Walter Müller rundet Johann Weyringers Kunstwerke und Emanuel Weyringers Rezepte mit seinen Geschichten zu den Gerichten ab, die der sensible Experte für gediegene Kulinarik-Fotos Peter Angerer effektvoll in Szene gesetzt hat. Außerdem sind die Regisseurin Brigitte Trnka und der Gestalter Michael Punz Mitglied des Teams.

Die Philosophie des Weyringer beruht sowohl auf der Regionalität der Internationalität und ein buntes, fröhliches Lebensgefühl. Es besteht aus einer puristischen Einrichtung mit ausgesuchten künstlerischen und kunsthandwerklichen Highlights, unter anderem die Kunstwerke von Johann Weyringer Der Blick auf die Natur und den See sorgt für ein zusätzliches Erlebnis.

Nach einem Vorwort von Emanuel Weyringer und der Vorstellung des Buch-Teams wird zu jedem Rezept Malerei und eine literarische Geschichte vorgestellt. Außerdem gibt es Querverweise auf die später folgenden Rezepte plus Seitenzahl.

Nach einem persönlich gehaltenen Nachwort von Johann Weyringer folgt eine Bilderstrecke mit der Inneneinrichtung und dem Ausblick auf den See.

Anschließend folgen die schon oben erwähnten Rezepte ebenfalls mit entsprechender Seitenzahl zur Malerei und literarischer Geschichte. Dies sind zum Beispiel gebratene Miesmuscheln mit Erdbeeren und jungen Spinat, Mango-Pudding mit Sorbet von Weißer Schokolade und gebackener Milch, gefüllter Kaninchenrücken mit Mango-Chutney und Salsa della Nonna, Tandoori von der Seeforelle mit Avocado-Kiwi-Creme und gepoppten Tintenfischreis oder marinierter Oktopus mit Kräuterwiese und Tom-Kha-Gai-Sauce.

Weiterhin werden noch Grundrezepte wie Dashi, Lammjus oder Worchestersauce präsentiert.

Es folgen ein Register, ein Glossar mit Küchenausdrücken und die gezeigten Bilder und den üblichen Informationen dazu plus Seitenzahl.

Die Vorstellung jedes Mitglied des Teams mit Vita und Bild schließt sich an.

Zum Schluss wird noch auf Küchenutensilien, Bezugsquellen für Gewürze und Saucen, das Würzen und die Mengenangaben bei den Gerichten eingegangen.

Dies ist in der Tat ein außergewöhnliches Kochbuch, das Ästhetik, Feingeist und Rezepte geschickt miteinander vereint. Es entspricht dabei der Philosophie des Weyringers und der verantwortlichen Personen, Kunst und Kulinarik zu verbinden. Bei den Rezepten gibt besondere, interessante und zum Teil auch aromatische Geschmackserlebnisse der höheren Küche zu entdecken, die für Anfänger wahrscheinlich zu schwer sein dürften.

 

Buch 2

Wolfgang Herles: Felsen in der Brandung. Braunfels-Hildebrand: Die Geschichte einer deutschen Künstlerfamilie, Benevento, Wals bei Salzburg 2022, ISBN: 978-3710901492, 35 EURO (D)

In diesem Buch geht es um die Geschichte der Familie Braunfels-Hildebrand, die aus dem Zusammenschluss der deutsch-jüdischen Familien Hildebrand und Braunfels entstand. Die Familie brachte von 1848 bis in die Gegenwart, seit fünf Generationen, bedeutende Künstler und Wissenschaftler hervor, die auch die Geschichte Deutschlands und die Kulturgeschichte ein Stück weit mitgeprägt haben. Dies sind Bildhauer*innen, Komponist*innen, Musiker*innen, Philosoph*innen, Architekt*innen, Sozialwissenschaftler*innen und Kunsthistoriker*innen, die sich alle den schönen Künsten, dem Klassikideal und der Einmischung in Politik und Zeitgeschehen verpflichtet fühlten. Sie besaßen und besitzen einen starken Familiensinn, was jedoch nicht die Individualität negiert.

In acht Kapiteln werden die wichtigsten Familienmitglieder, ihre Biografien und auch die Familiengeschichte erzählt.

Zuerst werden die beiden Stammväter Bruno Friedrich Hildebrand und Ludwig "Lazarus" Braunfels, die im 19. Jahrhundert lebten. Beide verstanden sich als Demokraten, die sich in den Revolutionsjahren 1848/1949 für deren Ideale einsetzten.

Bruno Friedrich Hildebrand war Professor für Staatswissenschaften, heiratete eine Jüdin, keine Selbstverständlichkeit damals. Ludwig "Lazarus" Braunfels konvertierte und legte seinen jüdischen Namen ab, wohl aus Gründen der Anerkennung höherer gesellschaftlicher Kreise. Er legte eine Karriere als Journalist, Jurist und Unternehmer hin, aber bedeutender war er als Literat. Ludwig Braunfels dichtete unter anderem das Trauerspiel „Agnes“ (1840). Er schuf eine Übersetzung des „Nibelungenliedes“, die er gemeinsam mit dem Urtext herausgab. Sein wichtigstes Werk war wohl die Übersetzung des „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes ins Deutsche.

Der Stammsitz und die heute noch existierende Familienresidenz ist ein Kloster bei Florenz, das von Adolf Hildebrand 1873 in Florenz erworben wurde. Adolf Hildebrand war ein berühmter Bildhauer seiner Zeit: Seine Skulpturen und Büsten von Wittelsbachern und Cosima Wagner gelten als seine bekanntesten Werke . Daneben schuf er auch bedeutende Denkmäler zum Beispiel für den bayerischen Prinzregenten Luitpold, der Vater-Rhein-Brunnen oder den Wittelsbacher-Brunnen.

Adolf Hildebrand baute das Kloster selbst um und ließ es ausbauen, verlieh dem Ort ein künstlerisches Ambiente aller Art, darunter Büsten von Familienmitgliedern, und machte es zu einem Treffpunkt und Anlaufpunkt für Künstler. Im Laufe der Zeit war der Stammsitz auch Ort für kulturellen Austausch, gesellschaftliches Beisammensein hochrangiger Gäste und Festivitäten. Dieser Ort der Kunst und der klassischen Schönheit wirkte als Inspirationsquelle für die folgenden Familiengenerationen.

Die Verbindung der beiden Familien Braunfels und Hildebrand resultierte aus der Heirat des Komponisten Walter Braunfels, der unter anderem die Oper „Die Vögel“ schrieb, und Bertel, der Tochter Adolf Hildebrands.

Das Werk von Walter Braunfels umfasst zahlreiche Opern, Orchesterwerke, Chöre, Lieder und Werke für Klavier. Im Jahre 1925 wurde er gemeinsam mit Hermann Abendroth zum Direktor der neu gegründeten Kölner Hochschule für Musik berufen. Gleich nach dem Machtantritt der Nazis wurde er als „Halbjude“ diffamiert und aller seiner Ämter enthoben. Seine Werke durften nicht mehr aufgeführt werden. 1934 wurde er aus der Berliner Akademie der Künste, 1938 aus der Reichsmusikkammer. Trotz Angst vor Verfolgung blieb er im Deutschen Reich und widmete sich der Komposition. Nach dem Ende der NS-Diktatur wurde er mit der Aufgabe betraut, die Musikhochschule erneut ins Leben zu rufen. Im Jahre 1947 wurde er zum Direktor der Hochschule berufen. Musikalischen Erfolg hatte auch Michael Braunfels als Pianist zu verzeichnen.

Wolfgang Braunsfeld legte eine Karriere als Kunsthistoriker hin. In der Nachfolge Hans Sedlmayrs an der Münchener LMU wirkte er dann dort als Ordinarius für Kunstgeschichte. 1978 wurde er emeritiert. Braunfels' Forschungsschwerpunkte lagen in der Kunst der Karolingerzeit und in der italienischen Architekturgeschichte (abendländische Stadtbaukunst und abendländische Klosterbaukunst) Seine letzte große Forschungsarbeit war das sechsbändige Standardwerk „Die Kunst im Heiligen Römischen Reich“, das unter Beteiligung von Mitarbeitern zwischen 1979 und 1989 erschien.

Stephan Braunfels, der auch jede Menge zur Quellenbasis des Buches beitrug, ist einer der letzten noch lebenden Künstler. Er war zwar ein bedeutender Architekt, baute dort jedoch seine musikalische Vorliebe ein. Stephan Braunfels wurde bekannt durch seinen Entwurf der Münchener Pinakothek der Moderne, der gleichermaßen umstritten wie geschätzt war. Nach der Wende durfte er am neuen Regierungszentrum mitwirken. Sein Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus bilden durch ihre Architektur eine Einheit, so durch die beiden Brücken, die die beidseits der Spree stehenden Gebäude verbindet. Die Verbindung der Gebäude von Ost nach West symbolisiert die Zusammengehörigkeit von Ost- und Westdeutschland und die Überwindung der Berliner Mauer.

Doch nicht nur die Kultur- und Lebensleistungen der Familienmitglieder stehen im Vordergrund. Auch gescheiterte Biografien wegen des eigenen Anspruches oder dem der unausgesprochenen in der Familie werden thematisiert.

Die einzelnen Familienglieder waren und sind als liberal, konservativ, tolerant und doch offen gegenüber Neuerungen zu beschreiben. Mut, ihr eigenes Ding zu machen, und sich deshalb zur Not auch mit Autoritäten anzulegen. Dies galt allerdings auch für den streitbare Umgang untereinander, Zerwürfnisse waren zwar selten, aber kamen vor. Obwohl der Stellenwert der Familiengemeinschaft ein hohes Gut für alle Generationen dargestellte.

Jede der Generationen steht auch symbolhaft für die wechselvolle Epoche der deutschen Geschichte von Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute. Die bleibenden Verdienste für Kultur und Wissenschaft werden vor dem jeweiligen zeitgeschichtlichen Hintergrund gut dokumentiert, ohne allzu sehr in die Hagiografie abzugleiten. Dabei liegt der Schwerpunkt eindeutig auf die textliche Darstellung. Der visuelle Aspekt hätte aber gerade bei Künstlern und ihren Werken weitaus mehr Beachtung verdient.

Es ist schwer, Biografien von so vielen bedeutenden Künstlern zu einer Familienbiografie zusammenzubringen. Dieser Spagat gelingt dem Autor vortrefflich.


Buch 3

Marvel Enzyklopädie. Mit einem Vorwort von Stan Lee, DK, München 2021, ISBN: 978-3-8310-4272-2, 59,95 EURO (D)

Diese Enzyklopädie ist eine überwältigende Reise durch die komplette MARVEL Welt, der opulenteste Bildband zu allen Superhelden und Figuren. Es werden mehr als 1200 Marvel-Charaktere im Text und mit ca. 2000 Illustrationen behandelt.

Der Mastermind Stan Lee steuert dazu ein Vorwort bei, die sonstigen Mitwirkenden werden zu Beginn kurz vorgestellt.

Alphabetisch sortiert werden Informationen über jeden Marvel-Helden, Bösewicht, Teams mit seinen Besonderheiten und seiner Darstellung. Jeder bekommt seinen eigenen Eintrag und es deckt alles ab, von großen Charakteren wie Captain America, Iron-Man und Thor, bis hin zu aufstrebenden Charakteren wie Captain Marvel, zu den weniger bekannten oder sogar den völlig obskuren. Größere Charaktere erhalten mehrere Seiten, die ihrer langen Geschichte gewidmet sind, wo weniger bekannte Zeichen eine halbe Seite oder nur ein Abschnitt bekommen.

Jeder Charakter hat eine Biografie und ein Bild (s), sowie Informationen über ihre Kräfte, Größe, Gewicht oder ersten Auftritt. Übergroße Abbildungen, die dennoch viele Details zeigen, wurden von Original-Künstler, die auch die Comics mitgestaltet haben, übernommen.

Von daher ist die künstlerische Gestaltung und die Grafikqualität sehr hoch. Detailliertere Informationen zu Handlungssträngen und Charakteren sorgen für die notwendigen Zusammenhänge.

Die Fülle der Eindrücke und Informationen im Text sorgen dafür, dass das Buch nicht zusammenhängend gelesen werden sollte. Dazu sind die Abschnitte kurz genug gehalten, um Zeit für Reflexion und notwendige Pausen zu haben.

Anhand eines Registers ist ein schnelles Nachschlagen möglich, wobei gefettete Einträge den ausführlichen Eintrag zeigen.

Ein aktuelles Standardwerk, das nicht nur als Weihnachtsgeschenk für jugendliche Leser, sondern auch für erwachsene Fans geeignet ist.


Buch 4

Giovanna Torrico: Clean Cakes. Natürlicher Backgenuss ohne Ei, Zucker, Milch oder Mehl, DK, München 2022, ISBN: 978-3-8310-4334-7, 16, 95 EURO (D)

Dieses Buch zelebriert ein allergieverträgliches und pflanzliches Backen und zeigt wie Genuss ganz ohne Zucker, Milch, Mehl und Ei gehen kann. Es werden die unterschiedlichen Alternativen für eine Ernährung mit natürlicher Süße und ohne raffinierten Zucker oder Laktose vorgestellt und ihre Backeigenschaften genau erklärt: Dazu werden mehr als 90 genussreiche Kuchenrezepte für jeden Anlass vorgestellt.

Zu Beginn werden saisonale Produkte aus der Region empfohlen, Tipps für den Einkauf und der Lagerung gegeben und was zu vermeiden ist. Die Verfeinerung des Geschmacks der Backwaren durch saisonales Obst, Gemüse, Gewürze und Nüsse, natürlich Lebensmittelfarben, das notwendige Zubehör und das Auslegen einer runden und eckigen Backform werden noch behandelt.

Danach werden Zuckeralternativen vorgestellt und die Zubereitung von Dattelpaste und das Ausschaben von Vanillemark Schritt für Schritt gezeigt. Weiterhin gibt es Rezepte wie Red-Velvet-Kuchen oder Bananenkuchen mit Datteln und Rum.

Weiter geht es mit Milchalternativen, dem Herstellen von Cashewdrink und Nussmus sowie Alternativen zu Butter, Sahne und Joghurt. Dazu gibt es Rezepte wie Orangenküchlein mit Mandeln und Schokolade oder Polentakuchen mit Orange und Mohn.

Danach werden verschiedene Mehlalternativen genannt, eine Liste von glutenfreien Mehlen, besondere Mehlmischungen, glutenfreie Mehlmischungen und Boden für Käsekuchen vorgestellt. Es folgen Rezepte wie Heidelbeergugelhupf oder Himbeer-Bananenkuchen.

Ei-Alternativen, das Ersetzen von Eiern in Backrezepten und das Herstellen von Apfelmus und Cashew-Yoghurt sowie Rezepte wie Apfelkuchen mit Zimt oder Karottenkuchen mit Walnüssen gibt es dann zu entdecken.

Verschiedene Möglichkeiten des Dekorierens von Kuchen und Rezepte wie Chantilly-Creme oder Schoko-Mousse mit Avocado schließen den Rezeptteil ab.

Im Anhang gibt es noch ein Register und die Vorstellung der Autorin.

Dies ist ein Grundlagenbuch mit leichten Rezepten, die eine Einführung in das alternative Backen ermöglicht. Die Grundidee des Buches, verschiedene Arten von Gebäck mit gesunden und unraffinierten Zutaten zubereiten zu können, wird eingelöst. Bei den Zubereitungsschritten ist allerdings die Schrift zu klein gewählt, dass das Lesen anstrengend ist.







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