Neuerscheinungen Natur

23.07.22
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Cornelia Stern/Helga Ell-Beiser: Phytotherapie in Theorie und Praxis. Wirkstoffe verstehen – Heilpflanzen sinnvoll nutzen, AT Verlag, Aarau/München 2022, ISBN: 978-3-03800-870-5, 89 EURO (D)

Dieses umfangreiche Lehr- und Nachschlagewerk stellt die Grundlagen der Phytotherapie übersichtlich und wissenschaftlich fundiert dar. Die Autorinnen zeigen, wie Pflanzenwirkstoffe gewonnen und angewendet werden. Praxiserprobte Rezepte und Arzneimittelempfehlungen ergänzen die Kapitel zu den einzelnen Indikationen. Mindmaps vermitteln einen raschen Überblick und führen bei jeder Erkrankung schnell und sicher zur geeigneten Heilpflanze.

Im ersten Teil geht es um eine theoretische Einführung. Schwerpunkte sind eine kurze Geschichte der Pflanzenheilkunde, die traditionelle Heilpflanzenkunde, die Weiterentwicklung zur Phytotherapie, Heilpflanzenmonografien, die verschiedenen Inhaltsstoffe von Heilpflanzen, arzneilich verwendete Pflanzenteile, Arten der pflanzlichen Zubereitungen, pflanzliche Präparate und die Herstellung von Teemischungen.

Im zweiten Teil werden Indikationen geordnet nach Organsystemen behandelt. Dies sind im Einzelnen Darm, Magen, Leber, Gallenblase und Gallenwege, Atemwege, Harnwege und Prostata, Bewegungsapparat, Haut, Herz, Kreislauf und Blutgefäße, Nervensystem und Psyche sowie Entgiftung und Ausleitung. Sie sind folgendermaßen systematisch geordnet: Zunächst wird die jeweilige Anatomie und Physiologie vorgestellt, dann typische Krankheiten, Beschwerden und andere Störungen.

Der dritte Teil mit den 120 Pflanzenmonografien, der alphabetisch angeordnet ist, ist der ausführlichste. Dieser wird nach folgender Systematik geordnet: Zuerst wird der Name der Heilpflanze auf Deutsch und die botanische Bezeichnung dargelegt. Danach werden Informationen zur Zuordnung der Pflanzenfamilie, die verwendeten Pflanzenteile, populäre Name, botanische Merkmale und Standort und der beste Erntezeitpunkt gegeben. Ferner werden die wirksamkeitsbestimmenden und relavanten Inhaltsstoffgruppen und Inhaltsstoffe, die mengenmäßig vorherrschend vorkommen, aufgelistet. Die Wirkungen, die Indikationen sowie Zubereitung und Anwendung folgen danach. Bei letzterem gibt es eine Unterteilung anhand der Zubereitungskriterien: wässriger Auszug (Tee), ethanolisch-wässriger Auszug (Tinktur) und Auszug mit fettem Öl.

Weiter geht es mit der Löslichkeit wirkaktiver Inhaltsstoffe, den Fertigarzneimitteln nach HMPC, wo die anerkannten Zubereitungsformen mit der jeweils zugehörigen Dosierung verknüpft sind, Präparaten aus der Apotheke, mögliche Nebenwirkungen und Kontrainduktionen. Mögliche Wechselwirkungen und Besonderheiten in allgemeiner Form runden die Monografien ab.

Daneben gibt es immer am Anfang zwei Bilder der Pflanze, von weiteren zum Erkennen und detailliertem Blick.

Im umfangreichen Anhang gibt es eine Umrechnungstabelle der Drogenmenge von Teelöffel in Gramm, verschiedene Bezugsquellen mit Internetseiten, Literatur und Internetadressen, den Bildnachweis, Informationen zu den Autorinnen, ein Stichwortverzeichnis und ein Rezeptverzeichnis.

Dieses Grundlagenwerk führt Therapeuten und Patienten zu einem vertieften Verständnis von Heilpflanzen und damit zur Wahl des richtigen Heilmittels mit einem ganzheitlichen Ansatz.

Das Buch ist sehr umfangreich und enthält sehr viele Informationen und Tipps. Das Buch enthält neben wertvolle Anregungen Tipps zur Vorbeugung und Linderung von Beschwerden. Rezepte spielen eine Nebenrolle, was nicht schlimm ist, dafür gibt es auch andere Klassiker. Die verschiedenen Anwendungen von Heilpflanzen bietet eine gute Grundlage für eine selbständige Anwendung, wobei wohl bei schwerwiegenden Problemen immer Ärzte zu Rate gezogen werden sollten.

 

Buch 2

Doris Kern: Freche Früchtchen. Selbstgemachtes zum Riechen, Schmecken, Dekorieren, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2022, ISBN: 978-3702510534, 22 EURO (D)

In zahlreichen Rezepten zeigt Doris Kern, wie Früchte und Beeren auf vielfältige Art und Weise kreativ verarbeitet und haltbar gemacht werden können – sei es als kulinarische Leckerbissen, für Produkte der Körperpflege oder als dekorative Hingucker für das eigene Zuhause.

Nach einem Vorwort werden in einem Saisonkalender einheimische Früchte von Äpfel bis Zwetschgen vorgestellt.

Danach werden die Rezepte entlang von Früchten geordnet. So findet man für Äpfel Rezepte zu Apfelbutter oder Gewürz-Apfelsirup. Bei Birnen werden Bärwurz-Birnhonig oder Birnenlikör behandelt, bei Brombeeren Weihnachtsgin oder Brombeermarmelade. Bei den Erdbeeren kann spezielles Shampoo, Duschgel oder eine Peelingmaske hergestellt werden.

Bei den Hagebutten gibt es Rezepte für Hagebutten-Intensivöl oder für Teelichter. Weiter geht es mit Heidelbeeren, aus denen Anti-Aging-Oxymel oder Senf hergestellt werden kann. Aus Himbeeren können Himbeer-Vanille-Salz oder Himbeer-Lippenbalsam hergestellt werden, aus Kirschen ein Kirschkernkissen oder Likör. Marillen/Aprikosen lassen sich zu Marillen-Fruchtleder oder Marillensenf verarbeiten. Für Ribiseln/Johannisbeeren werden eine Johannisbeer-Tinktur oder dunkler Anti-Aging-Saft empfohlen, für Weintrauben Trauben-Honig-Eis oder Traubengelee.

Aus Zwetschgen und Pflaumen können Zwetschgen-Ketchup oder Zwetschgen-Sirup hergestellt werden. Zitrusfrüchte lassen sich zu Orangen-Teelichter oder zu Zitronen-Minze-Mundwasser verarbeiten. Zum Abschluss gibt es noch Rezepte für Exoten wie Papaya-Rosen-Lassi oder eine Vase aus Ananasschalen.

Es wird am Anfang immer die jeweilige Frucht mit Biologie, Kulturgeschichte, Erntezeitpunkt und Inhaltsstoffen vorgestellt. Danach werden die einzelnen Rezepte präsentiert. Es werden allgemeine Tipps zur Herstellung und zum Produkt gegeben und ein Bild dazu gezeigt. Außerdem wird in einer Liste gezeigt, was benötigt wird. Außerdem wird der Zubereitungsvorgang Schritt für Schritt erklärt.

Der umfangreiche Anhang bietet ein Glossar, einen Index, Literatur, den Bildnachweis, Informationen, Bezugsquellen und Informationen zur Autorin.

Hier werden kreative Rezepte, wie Früchte und Beeren zu verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten verarbeiten kann. Dabei wurden solche Exemplare ausgewählt, die man fast überall finden oder mühelos im eigenen Garten pflanzen kann. Die Rezepte werden begleitet von toller Foodfotografie.

Es fehlt jedoch ein eigenes Kapitel zur Lagerung von Früchten.

Insgesamt ist dies für Leute, die Spaß daran haben, Naturprodukte selbst herzustellen, zu empfehlen.


Buch 3

Rotraut Schöberl: Radieschen von unten. Kriminell gute Gartenmorde, Residenz Verlag, Salzburg 2022, ISBN: 978-3-7017-1754-5, 20 EURO (D)

Rotraut Schöberl, Inhaberin einer Buchhandlung und begeisterte Gärtnerin, verbindet ihre Leidenschaften gerne miteinander. Nachdem sie vor zwei Jahren das Buch „Kriminell gute Katzengeschichten“ herausbrachte, geht es dieses Mal um Gartengeschichten mit kriminellem Hintergrund.

Dies sind Kurzkrimis, die gemäß dem Nachnamen der Verfasser*innen angeordnet sind. Begleitet werden die Krimis von Zeichnungen von Hanna Zeckau.

In Ralf Kramps titelgebendem Kurzbeitrag macht die knapp siebzigjährige Käthe Rommerskirchen im Gartenhäuschen ihres Schrebergartens eine grausige Entdeckung. Ein stark blutender junger Mann, der keinen Doktor will und angeblich Angst vor der Russenmafia hat.

Die bekannte Geschichte von Agatha Christie „Greenshaws Folly “wird auch erzählt, ein merkwürdiges Haus mit einer wunderlichen alten Dame, die letzte ihrer Familiendynastie. Kurz nachdem sie ihr Testament gemacht hat, wird sie umgebracht. Miss Marple ermittelt auf Hochtouren, um aus dem Kreis der Verdächtigen den Täter zu finden.

Außerdem geht es unter anderem um mörderische Kakteen, tödliche Pflanzengifte oder um eine Frau, die an einem anaphylaktischen Schock, der durch ein Allergen ausgelöst wurde und wo eine Katze eine besonderer Rolle spielt.

Dies ist eine Sammlung von bekannteren Autor*innen, an der Spitze Agatha Christie, aber auch von unbekannteren Leuten. Die meisten bietet trotz ihrer Kürze Spannung und sind unterhaltsam. Das Pflanzenwissen wird oft in den jeweiligen Krimis eingesetzt.

Wer also das spezielle Genre des Gartenkrimis mag, wird hier sicherlich eine kurzweilige Lektüre finden.








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