Aspekte zu Chinas Kleptokratie und Klassengesellschaft


Bildmontage: HF

02.09.18
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Von Reinhold Schramm

»Superreiche in Asien. Luxustaschen, mit Juwelen vollgestopft. In den Kleptokratien Asiens kommen viele illegal zu wahnsinnigem Reichtum - und stellen ihn ganz offen zur Schau. – Die Idee westlicher Milliardäre wie Bill Gates oder Warren Buffett, dass Reichtum auch verpflichtet, einen guten Teil des Vermögens für soziale Zwecke herzugeben, ist ihnen fremd. Gates und Buffett ist es bisher kaum gelungen, asiatische Milliardäre für ihre Initiative »The Giving Pledge« (das Versprechen) zu begeistern.« –  Vgl. Neues Deutschland *

Leserbrief an ND am 02.09.2018:

Chinas Kleptokratie und Klassengesellschaft

Nach offiziellen Medienmitteilungen aus Beijing wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten 700. Millionen Menschen aus der Armut befreit. Offiziell gehören 250. Millionen Menschen zur sog. ''Mittelklasse''. Demnach befinden sich noch 660. Millionen Menschen in relativer Armut. Sie müssen aber nicht mehr am Hunger sterben. Vorgeblich befinden sich noch 40. Millionen Chinesen unterhalb der Armutsschwelle, bei täglich weniger als 2. USD pro Kopf (nach Umrechnung). Setzt man die Armutsschwelle höher an, deutlich über das geringe Niveau Afrikas,  so befinden sich in China weiterhin rund 200. Millionen Menschen in Armut. Aber auch der chinesische ''Mittelstand'', ebenso wie die Millionen Wanderarbeiter (z. Z. ca 285. Millionen), verfügen in ihrer Mehrheit immer noch nicht über eine staatliche Sozialversicherung: bei Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unfall und Alterssicherung (Rente).

Zugleich gehört heute China unter den kapitalistischen Staaten zu den Ländern mit der höchsten Anzahl von Milliardären. Die Vermögensbilanz wird allenfalls bei den Milliardären noch von den Vereinigten Staaten nach oben überschritten.

Am deutlichsten ist der gewaltige Sprung der Transformation in den Kapitalismus. Die Privatwirtschaft in der VR China beschäftigt heute rund 360. Millionen Menschen (von etwa 780 Mio., davon rund 180. Mio. in der chinesischen Landwirtschaft). Nach offiziellen Zahlen liegt der Anteil der Privatwirtschaft an der gesamten jährlichen Wertschöpfung Chinas bei 60 Prozent (eher bereits bei mehr als 70 Prozent) und hat bereits das nordamerikanische und westeuropäische Niveau der Privatwirtschaft erreicht. Weiterhin existieren bereits rund 68. Millionen private Kleinstunternehmen und rund 27. Millionen größere Privatunternehmen in China, darunter auch private Unternehmen mit zehntausenden Beschäftigten, die deutlich in ihrer Produktivität und Wertschöpfung den verbliebenen Staatsunternehmen überlegen sind.

Auch wenn die Partei und Staatsführung das heutige chinesische Gesellschaftssystem als ''Sozialismus chinesischer Prägung'' weltweit deklariert, es handelt sich um eine kapitalistische Gesellschaftsformation in China. Eine ernstzunehmende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Bourgeoissozialismus chinesischer Prägung findet in den Staatsmedien nicht statt, das schadet den Opportunisten bei ihrer Karriere, sowohl auf allen Partei- wie Beamtenebenen. Auch die Angehörigen der chinesischen Bourgeoisie, zugleich Mitglieder*innen unter den ''Parteisoldat*innen'', stellen den Fassadenschmuck und verbal 'sozialistischen' Anspruch ihrer Partei und Staatsführung nicht in Frage, gehört doch dieser ideologische Schwindel mit zur Voraussetzung ihrer sozialen und materiellen Existenz als Kapitalisten chinesischer Prägung.

 

* Vgl. Neues Deutschland, 02.09.2018: Superreiche in Asien. Luxustaschen, mit Juwelen vollgestopft. In den Kleptokratien Asiens kommen viele illegal zu wahnsinnigem Reichtum - und stellen ihn ganz offen zur Schau. Von Michael Lenz.

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1098835.superreiche-in-asien-luxustaschen-mit-juwelen-vollgestopft.html

 

02.09.2018, R.S.

 







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