Nahostkonflikt- Oder der Mut beiseite zu treten

22.07.14
InternationalesInternationales, Soziales, Antifaschismus 

 

von Max Brym

Momentan finden in Deutschland viele so genannte Solidaritätsdemonstrationen mit den Palästinensern, speziell mit den leidenden Menschen im Gazastreifen statt.

Gegen diese Demonstrationen wäre nichts einzuwenden wenn sie sich von jeglicher Einseitigkeit distanzieren würden.

Dies ist aber leider nicht der Fall. Im Aufruf der Jugendorganisation der Linken 'Solid' zu einer Demonstration in Essen, sucht man vergebens nach einer Distanzierung von der faschistischen Hamas.

In Deutschland nur Israel zu kritisieren ist nicht nur inhaltlich falsch, sondern extrem gefährlich. Auf allen Demonstrationen finden sich unter dem Deckmantel des Antizionis- mus, jede Menge Antisemiten ein. Im Anschluss an die Kundgebung der Linken, die keinesfalls antisemitische war wurden Menschen am Essener Hauptbahnhof, welche Israel Fahnen hatten massiv attackiert und angegriffen.

Auf der Kundgebung von 'Solid' waren die Rufe Allahu Akbar stärker zu vernehmen als der Ruf: “Hoch die internationale Solidarität“. Letzteres war von den Veranstaltern nicht beabsichtigt, dennoch sind die Veranstalter zu kritisieren, da sie keinerlei Empfindlichkeit gegenüber dem Antisemitismus und dem islamischen Fundamentalismus in Deutschland haben. Dieser Antisemitismus hat elementar nichts mit dem Nahostkonflikt zu tun.

Es ist für Juden wieder gefährlich geworden in Deutschland. In Berlin am Kurfürsten- damm rief ein aufgebrachter Mob: „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf' allein." Es sind bei den Demonstrationen Plakate zu sehen auf denen zu lesen ist: “Früher angeblich Opfer heute Täter“.

In Berlin wurden Menschen welche die Kipa trugen von einem aufgebrachten antise- mitischen Haufen attackiert. Der Schutz für Synagogen muss in Deutschland wieder verstärkt werden. Gestern stürmten in Nürnberg palästinensische Demonstranten Filialen von 'Burger King' und 'McDonald's' in der Annahme, dass es sich bei den Firmen um „jüdische Einrichtungen“ handelt.

Der Antisemitismus beherrscht die Straßen. Das Bombardement des Gazastreifens ist nur ein Vorwand für diese traurige Realität. Jeder Jude in Deutschland wird auf der Straße und an diversen Stammtischen in Kollektivhaftung genommen, für die Taten des reaktio- nären israelischen Staates. Persönlich habe ich es mir mittlerweile abgewöhnt mit so genannten Anti - Zionisten in Deutschland zu diskutieren. Egal was ein Jude sagt es ist immer verkehrt, er wird mit Netanyahu in Verbindung gebracht.

Eine differenzierte internationalistischen Solidaritätsbewegung mit den normalen Men- schen im Gazastreifen und in Israel ist in Deutschland derzeit unmöglich. Immer wieder wird Israel mit dem deutschen Hitler Faschismus in Verbindung gebracht. Es hat nichts mit einer konkreten Analyse der Lage im Nahen Osten zu tun, sondern es hat nur den Zweck, die deutsche Geschichte zu entsorgen. Gegenüber dieser Mehrheit von deutschen Antisemiten und Anhängern der faschistoiden Hamas ist kein vernünftiger Diskurs auf den Straßen möglich.

Die deutsche Linke sollte daher den Mut haben beiseite zu treten. Solidarität mit den Menschen im Nahen Osten ist in Deutschland momentan auf Straßen und öffentlichen Plätzen nicht möglich. Jeder Versuch einer differenzierten Analyse und einer korrekten Kritik an der israelischen Regierungspolitik wird antisemitisch umgedreht und führt zu einer Pogromstimmung.
Die Linke in Deutschland hat keinen „Roten Frontkämpfer Bund“ ( RFB) welcher im Stande wäre Antisemiten aus den „Palästina - Solidaritätsdemonstration“ zu drängen.

Das Massenbewusstsein in Deutschland ist zutiefst reaktionär. Deshalb schlage ich vor inhaltliche Veranstaltungen in geschlossenen Räumen zum Nahen Osten durchzufüh- ren.Bei diesen Veranstaltungen muss es um die Solidarität mit den Palästinensern und den Juden in der Region gehen.

Im Diskurs hat die Differenz bzw. die differenzierte Betrachtung der Ereignisse im Nahen Osten im Mittelpunkt zu stehen. Es darf keinerlei Solidarität mit der israelischen Regie- rung und der faschistoiden Hamas geben.

Der unabhängige revolutionäre Standpunkt hat gegenwärtig auf den Straßen keine Chance , sich durchzusetzen. Jede Haltung die diese Realität ausgeblendet befördert nur antisemitische Übergriffe und die Förderung antisemitischer Gewalt. Die Verantwor- tung von Linken besteht darin, den Antisemitismus auf den Straßen und Plätzen wahr- zunehmen.

Demzufolge gilt es die Waffen der Kritik schriftlich und mündlich auszudrücken. Abzulehnen ist jeder Standpunkt der sich in irgendeiner Form mit der Hamas solidarisiert oder andersherum die israelische Regierung schönredet. 


VON: MAX BRYM


Zu Max Brym’s Artikel* - 23-07-14 20:48




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