Moskau: Frauenpunkgruppe auf dem Roten Platz vorübergehend festgenommen


pussy-riot Russland

21.01.12
InternationalesInternationales, Kultur, Feminismus 

 

von Bernhard Clasen

Die Musikgruppe „Pussy Riot“ provoziert – in U-Bahnen, Luxusgeschäften und vor dem Kreml

Fünf von acht Musikerinnen der Punkgruppe „Pussy Riot“ wurden am Freitag in Moskau vorübergehend festgenommen.

Am 24. Januar werden sie sich vor einem Gericht wegen Verletzung des Versammlungsgesetzes verantworten müssen.

Den Künstlerinnen könnten mehrtägige Arreststrafen drohen.

Nur wenige Minuten hatte die Punkgruppe „Pussy Riot“ direkt vor dem Haupteingang des Kreml ihr Lied „Aufstand in Russland“ gesungen, dann kamen Polizisten herbeigeeilt und führten die Frauen zur Polizeistation „Kitaj Gorod“.

Der Versuch der Polizei, eine Kamera zu beschlagnahmen, die das Kurzkonzert vor dem Kreml filmte, indes schlug fehl. Das Konzert ist inzwischen auf „Youtube“ gelandet.

Überfall in der Luxusboutique

Drei Frauen erschienen an einem Vormittag im Dezember in einer der teuersten Luxusboutiquen Moskaus. Sie waren vermummt, zogen sich die zum Verkauf angebotenen Pelzmäntel an und öffneten wortlos ihre Koffer: erst als die erblassten Verkäufer in diese blickten, löste sich ihre anfängliche Erstarrung: nicht Waffen kamen zum Vorschein, sondern zwei Elektrogitarren, ein Mikrofon und ein Lautsprecher. Und mit ohrenbetäubender Lautstärke sangen die Frauen für Verkäufer und Käufer das Lied vom „Kropotkin-Wodka“, der den Armen Erleichterung verschaffte, den Herrschenden jedoch eine „Begegnung mit Präsident Kennedy“ bringe. Zwei Lieder später verließen die Einbrecherinnen von der Gruppe „Pussy Riot“ die Boutique, die Pelzmäntel hatten sie zuvor wieder abgelegt.

„Wir suchen uns immer die besten Plätze für unsere illegalen Konzerte auf“
erklärte jüngst eine der Sängerinnen der Gruppe in einem russischen Interview. Gerne steige man den anderen aufs Dach. Und für ihre Konzerte bestiegen sie Busse, U-Bahn-Gerüste, das Dach eines Gebäudes gegenüber einem Gefängnis.

Ihren ersten Clip nahm „Pussy Riot“ am 7. November 2011 auf. Der Revolutionstag ist so gleichzeitig ihr Geburtstag. Da waren sie noch zu dritt. Inzwischen sind es acht Frauen, die sich an den wilden Spontankonzerten beteiligen und im Frühjahr, so hoffen sie, werden sie 45 Frauen sein.

Ihre Gesichter zeigen sie nie, sie sind immer vermummt. Auch auf Fragen nach ihrer Biographie schweigen sie, geben nur an, dass sie aus der Antifa- und Lesbenszene kämen.

Aufrütteln wolle man die apathische Bevölkerung und den Sexismus bekämpfen, geben sie als Grund an, wenn sie gefragt werden, warum sie mit ihren Konzerten die Behörden provozierten.

Man führe einen Kampf für die Freiheit, die Freiheit von Zwängen, Vorschriften und dem autoritären und sexistischen Putin-Regime. Erst kürzlich noch habe Putin verlauten lassen, mit Männern zusammenzuarbeiten, sei nun mal einfacher.

Es sei an der Zeit, dass auch die Bevölkerung Russlands ihr Schicksal so in die Hand nehme, wie es die ÄgypterInnen auf dem Tahrir – Platz vorgelebt hätten.

Doch in der linken, feministischen Szene gibt es auch Kritik an der Gruppe. Gewisse provokative Forderungen, wie die nach einer textilfreien Uniform für Polizisten, machten es schwer, die Gruppe ernst zu nehmen, meinen einige. Eine Rhetorik von einer feministischen Peitsche, die nun in Russland angesagt sei, diskreditiere vielmehr den Feminismus, der Satz „Töte einen Sexisten“ sei ein Aufruf zur Gewalt, kritisiert die Bloggerin Nadja Plungjan.

Doch in einem sind sich alle einig: das plötzliche Auftreten von „Pussy Riot“ an Orten, wo man sie am wenigsten erwartet, ist für das apathische und schnelllebige Moskau eine Bereicherung.

„Aufstand in Russland“ von Pussy Riot

Zum Kreml zieht die aufständische Kolonne klirrend springen die Fenster der FSB-Büros auf und hinter den roten Mauern pissen Männer.
Der Riot erklärt den Abort des Systems!

Die Attacke im Morgengrauen? Ich hab nichts dagegen. Für unsere und eure Freiheit mit der Peitsche kämpfen. Madonna in ihrer Glorie lernt zu kämpfen und Magdalena, die Feministin, ist auf zur Demonstration.

Aufstand in Russland – Charme des Protests Aufstand in Russland – Putin sucks Aufstand in Russland – wir leben Aufstand in Russland – riot, riot.

Komm raus auf die Straße - Leb' auf dem Roten Platz - Zeig' deine Freiheit Bürger, deine Wut.

Die männliche kulturelle Hysterie, sie passt uns nicht. Das wilde Führertum frisst die Gehirne. Orthodox ist die Religion des brutalen Penis und für Patienten hat man als Heilmittel die Konformität.

Die nächtlichen Träume will es zensieren, das Regime höchste Zeit für die subversive Auseinandersetzung – Und für die Herde des sexistischen Regimes Verzeihung zu erbeten beim feministischen Keil.

Aufstand in Russland – Charme des Protests Aufstand in Russland – Putin sucks Aufstand in Russland – wir leben Aufstand in Russland – riot, riot.

Komm raus auf die Straße Leb auf dem Roten Platz Zeig deine Freiheit Bürger, deine Wut!

Weiterführende Links:

„Pussy Riot“ Auf dem Roten Platz:
http://www.youtube.com/watch?v=7kVMADLm3js

in der U-Bahn
http://www.youtube.com/watch?v=qEiB1RYuYXw

Vor der Arrestanstalt Nr. 1. Hier waren die Aktivisten inhaftiert, die Arreststrafen von 10 bis 30 Tagen absaßen.
http://www.youtube.com/watch?v=mmyZbJpYV0I

Photos:
http://pussy-riot.livejournal.com/8459.html







VON: BERNHARD CLASEN






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