Mit Hightech gegen Glaube, Fanatismus, Tradition und Kampfmoral


Bildmontage: HF

25.02.15
InternationalesInternationales, Kultur, Debatte 

 

von Jürgen Heiducoff

Die Konfrontation verschiedener Kulturen und Welten

So schlimm uns auch das brutale Vorgehen der Terrororganisation Islamischer Staat erscheinen mag, so wenig geeignet ist es, mit militärischer Gewalt dagegen halten zu wollen.

Rohe Steinzeitgewalt kann nicht mit moderner 'HighTech' - Gewalt gestoppt werden. Es gibt keine gerechte Gewalt!

Als sich der französische Präsident zusammen mit der deutschen Kanzlerin der Welt als Friedensengel zu präsentieren versuchte, um den Krieg in der Ukraine zu beenden, hatte er selbst schon den nächsten Krieg begonnen.

Seit dem 19.09.2014 hat Frankreich im Rahmen der Operation 'Chammal' 600 Soldaten, neun Kampfflugzeuge „Rafale“, drei „Mirage 2000D“, ein Tankflugzeug C-135 FR und einen Seeaufklärer "Atlantique 2", sowie eine Fregatte zur Luftunterstützung der irakischen Armee in der Golfregion im Einsatz, die von den Stützpunkten in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Jordanien handeln. 1)

Trotz dieser Luftüberlegenheit konnte Frankreich neben den ohnehin eingesetzten amerikanischen Kampfflugzeugen weder den grenzüberschreitenden Vormarsch der Kämpfer der Organisation Islamischer Staat, noch die Besetzung, Ausplünderung und Zerstörung der Stadt Kobane und anderer alter Kulturstätten verhindern und aufhalten. Und nun fährt die Grosse Nation ihren Flugzeugträger "Charles de Gaulle" in der Golfregion auf.

Er hat 21 Kampfflugzeuge (zwölf "Rafale" und neun "Super-Etendard"), ein Radarflugzeug "Hawkeye" und vier Hubschrauber an Bord. Zu ihrem Verband gehören die Fregatte "Chevalier Paul", ein Jagd-U-Boot und ein Tanker. 1)

Die Anti – IS – Koalition mit 60 Staaten kämpft neben den Streitkräften des Irak und Syriens gegen einen ungleichen, asymmetrischen Feind, der seine Kämpfer international rekrutiert, seine schwere Bewaffnung zumeist von seinen Gegnern erbeutet, der weder über eine Luftwaffe, noch über Marinekräfte verfügt, dem keine staatlich verordnete Ausbildungshilfe zuteil wird und der trotzdem eine ernst zu nehmende Streitmacht ist.

Der IS hat unter Beweis gestellt, dass er seine Gewalt in kürzester Zeit von einem Brennpunkt zu einem weit entfernten verlagern kann, wie seine Aktivitäten in Libyen kürzlich zeigten. Warum? Die Zauberformel heißt: Glaube, Fanatismus, Kampfmoral, Zusammengehörigkeitsgefühl, Willenskraft und Durchsetzungsvermögen.

All diese Eigenschaften kann man weder kaufen, noch verkaufen und handeln. Sie sind anerzogen. Wir tun oftmals so, als kämen die Kämpfer des IS von einem anderen Planeten. Dabei sind sie ein Kind des syrischen Bürgerkrieges, dass sich verselbständigt und weiter radikalisiert hat. Nicht wenige seiner Kämpfer sind in französischen, deutschen und anderen europäischen Vorstädten aufgewachsen.

Die Perspektivlosigkeit inmitten dieser westlichen Gesellschaft trieb sie in die Hände terroristischer Organisationen und schließlich zum IS. Ihr Frust und ihre Ablehnung der westlichen Kultur prägt sie und bestimmt ihren Hass. Unsere Zivilisation hat es nicht vermocht, diese jungen Leute zu integrieren.

Der Luftkrieg des Westens gegen den IS erinnert an die massiven Bombardierungen der Felsenfestung von Tora Bora in Afghanistan im Jahre 2001, in der sich Osama Bin Laden aufgehalten haben soll. Damals flogen strategische Bomber der Typen B- 52 und B-1B Tag und Nacht Angriffe unter einfachen Bedingungen, weil sie keine Luftabwehr zu befürchten hatten.

Ausrichten konnten sie außer der Zerstörung von Umwelt und dörflicher Infrastruktur nichts. Dies wie der anschließende, seit über 13 Jahren andauernde Krieg der USA mit Beteiligung von über 60 Vasallen - Staaten mit dem Einsatz von teilweise bis zu 150.000 ausländischen Soldaten konnte den afghanischen Widerstand nicht brechen.

Die Übertragung der Sicherheitsverantwortung an afghanische nationale Sicherheitskräfte wird daran nichts ändern. Diese sind wie auch die irakischen Streitkräfte unmotiviert, weil von Anfang an fremdbestimmt. Die meisten der Soldaten und Polizisten dienen für einen geringen Sold und nicht aus Überzeugung.

Ähnlich wie den westlichen Truppen in Afghanistan wird es den HighTech – Wüstenkriegern des Westens im Nahen Osten gehen – nicht zum ersten Mal. Die Zahl der Opfer in den unzähligen armen Beduinenfamilien werden zu neuem Hass und Terror führen. Es wird sich ähnlich wie in Afghanistan kein starker Verhandler finden können, der diesem blutigen Feldzug ein gerechtes Ende zu bereiten vermag.

Aber vielleicht geht es gar nicht darum, den Terror fanatischer Kämpfer zu brechen. Vielleicht geht es nur darum, Aktivitäten des Westens in einer der rohstoffreichsten Regionen der Welt zu demonstrieren, Einfluss zu erhalten und den Rüstungsmonopolen Spitzenprofite zu sichern. Finanzieren wird das alles sowieso der Steuerzahler.

Sowohl die USA, als auch Frankreich rechnen gar nicht mit einem schnellen Sieg gegen den ungleichen Gegner. Je länger der Krieg, desto länger sprudeln die Gewinne.

Präsident Hollande gab seinen Soldaten mit auf den Weg:
"Frankreich vertraut Euch. Wir werden unsere Verantwortung übernehmen. Unser Einsatz wird langwierig sein. Aber wenn wir gegen den Terrorismus im Irak kämpfen, sichern wir auch unser Land."1)

1) www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-gegen-is-charles-de-gaulle-unterstuetzt-kampf-im-irak-a-1019965.html


VON: JÜRGEN HEIDUCOFF






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