Siegreicher Antikommunismus. Kubas verbaler Sozialismus war gestern


Bildmontage: HF

24.03.16
InternationalesInternationales, Sozialismusdebatte, Debatte 

 

Von Reinhold Schramm

»Als Kehrseite von Privatisierung und Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung werden bereits neue soziale Ungleichheiten sichtbar. Die veränderten Beziehungen zu den USA und der EU werden sich auf den Reformprozess und das soziale Gefüge des Landes auswirken.« Vgl.*

»Meine Erfahrungen als DDR-Bürgerin hindern mich, die Kubaner besserwisserisch symbolisch zu warnen. Aber über den Tisch ziehen lassen, wie es so oft bei der “Übernahme westlicher Werte“ ging, werden sie sich hoffentlich nicht.« Vgl. Freitag-Meinungsmedium**

Kommentar

Das Primat der Ökonomie bestimmt auch die kubanische Zukunft.

Noch viel stärker als der ökonomische und ideologische Westen den Osten Deutschlands prägte, werden die Vereinigten Staaten den wirtschaftlichen und unsozialen Alltag und das Bewusstsein der kubanischen Bevölkerung prägen. Die ökonomische Differenz ist unvergleichlich größer, trotz der vielen Millionen Bürger der Vereinigten Staaten in wirtschaftlicher und sozialer Ausgrenzung. Ein großer Teil der kubanischen Bevölkerung an deren sozialen Existenz kein ökonomisches Verwertungsinteresse besteht, wird dieser (mittel- und nordamerikanischen) sozialen Ausgrenzung folgen. Die ökonomisch und kulturell verwertbaren Kubaner werden ihre soziale Position, dank der vormaligen (historischen) Sozialstrukturen Kubas, deutlich verbessern können. Die Mehrzahl wird sich den neuen darwinistischen Gepflogenheiten anpassen. Allerfalls, analog der nordamerikanischen Caritas und dem wohltätigen Stiftungsunwesen, für ihre zurückgelassenen Landsleute spenden.

Die kapitalistische Ökonomie (auch) nordamerikanischer Prägung ist unvereinbar mit moralisierender Menschenliebe und bürgerlicher Gefühlsduselei. [Vgl.**]

Erwiderung von MAGDA:

„Tja, Herr Schramm - dann lassen wir mal alle Hoffnung fahren. Ich glaube auch ein bisschen an das subversive Wesen des kubanischen Volkes. Vielleicht schaffen die ja auch einen ‘Kapitalismus in den Farben Kubas’. Nicht?

Sie sollten Ihre eigene Verbitterung nicht an den armen Kubanern verbal abarbeiten. Die lachen darüber.

, werden die Vereinigten Staaten den wirtschaftlichen und unsozialen Alltag und das Bewusstsein der kubanischen Bevölkerung prägen.

Eine so profunde Anbetung der Macht der USA habe ich selten gelesen. Glauben Sie manchmal auch an was menschliches, gutes. Ansonsten ist Ihre Art der Aufklärung eigentlich eher eine Bankrotterklärung und eine Absage an den einzelnen Menschen.“ Vgl.**

Antwort (R.S.)

Wollen Sie aus einer bequemen Konsumentenposition heraus Blöken, oder wollen Sie die Probleme ernsthaft behandeln?

Mit “Verbitterung“ oder “lachen darüber“, damit kann man vorhandene externe Kapitalinteressen an Kuba nicht beeinflussen.

Die nordamerikanische Administration aus Wirtschaftsverbänden, Mafia-Unterhaltungs-, Porno- und Tourismusindustrie, diversen Finanz- und Monopolunternehmen, Rüstungsindustrie, militärischer [und juristischer] und politischer Führung, (staatlichen) Ministerien und [diversen] Diensten, sie haben klare Vorstellungen über die ökonomische, ideologische und gesellschaftspolitische Gestaltung für ihr künftiges Kuba (- so wie auch für andere Weltregionen).

Wo deren Einwirkung über ihre mediale Internet-, Konsum- und Bewusstseinsindustrie auf die Mitwirkung der Bevölkerungen misslingt, wie in Teilen Asiens, Nahost und Nordafrika, da hinterlassen sie gesellschaftliche Schutthaufen, zertrümmerte Gesellschaftsordnungen und zerschundene Menschenmassen. Auf dieser offenen Skala bewegt sich auch die Zukunft Kubas (so analog wie in Mittel- und Südamerika). Für Kuba gibt es hier keinen Freiraum für eigenständige Gestaltung. Das Kapitalinteresse bestimmt auch hier die Bewegungsräume für die Gesellschaft und nicht irgendeine “Verbitterung“ oder ein wie auch immer geartetes “lachen darüber“.

Das diese Wirkmächtigkeit der -global herrschenden- Kapitalinteressen nicht begriffen wurde, erklärt zum Teil auch die historische Niederlage des europäischen und asiatischen Realsozialismus, seine Selbstaufgabe und widerstandslose Implosion. Gleiches gilt auch für den aktuellen gesellschaftspolitischen Selbstauflösungsprozess Kubas. Zumal mit dem vergangenen weltweiten Ende des Realsozialismus auch die [alimentierende] materielle Basis – für die weitere sozioökonomische Existenz Kubas – beseitigt wurde. Hieraus erklärt sich auch das Ende des sozialistischen Weges und die Annäherung Kubas an die imperialistischen Vereinigten Staaten und Europäische Union, so auch an das kapitalistische und wirtschaftsimperialistische China.

Nochmals. Es geht hier nicht um meine subjektiven Befindlichkeiten, noch um Ihre schönen Gefühlswelten. Mit Zuweisungen lösen Sie kein politisches Problem, allenfalls beschönigen und verschleiern Sie damit -persönlich wohl unbeabsichtigt, den bereits bestehenden und kommenden Zustand Kubas. Aber auch solche ideologischen DienstleisterInnen werden nicht nur in der nordamerikanischen-europäischen [Mafia-] Tourismus- und Porno- Sex-Industrie für Kuba benötigt. [Vgl.**]

Erwiderung von MAGDA:

„Alles, was Sie anmerken ist bedenkenswert, wenn man mal von dem absolut miesen und persönlich herabwürdigenden Ton absieht, vor allem was den letzten Absatz betrifft.

Würden Sie diese Nähe zur Prostitution - auch wenn Sie es nur “ideologisch“ meinen - auch einem Mann unterstellen, wenn der eine abweichende Meinung hat?

Davon abgesehen: Sie tun das, was uns in der DDR so fürchterlich genervt hat, Sie sehen Gesetzmäßigkeiten des Raubtierkapitalismus, sie sehen “Menschenmassen“ aber den einzelnen Menschen nicht. Und darum ist alles richtig und am Ende so verhängnisvoll falsch.“ Vgl.**

Meine knappe Antwort an Magda:

Natürlich. Schauen Sie im Text. Diese (vor allem männlichen) europäischen Porno-Herrschaften und diversen [auch perversen] Sex-Touristen habe ich bereits vor Jahrzehnten in Kuba kennen lernen dürfen. [**] 

* Vgl. Friedrich Ebert Stiftung, Perspektive, FES Kuba. Talking about a Revolution. Entspannungspolitik und ihre Folgen für Kuba. Von Sarah Ganter. Mai 2015.

www.fes.de/de/entspannungspolitik-und-ihre-folgen-fuer-kuba/

** Vgl. Freitag-Meinungsmedium, 22.03.2016. El Silencio. Leben in der kubanischen Provinz. Kuba-DDR. Nicht nur die Empfehlung eines authentischen Buchs über alltägliche Erfahrungen in einem Land, das bald nicht mehr so sein wird, wie es darin geschildert ist.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Magda

www.freitag.de/autoren/magda/es-silencio-leben-in-der-kubanischen-provinz

 

24.03.2016, Reinhold Schramm







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