Kurzer historischer Abriss zu einem verdrängten Kriegskapitel


Bildmontage: HF

06.12.14
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von Karl Wild

Historischer Hintergrund

Aus gegebenem, traurigen Anlass der jüngsten Kämpfe in Grosny, zur Auffrischung des Gedä- chtnis ein kurzer Abriss über zwei blutige Kriege, und diesmal nicht vom "Erzfeind der Völker" USA und dazu noch in Europa, an dessen Rand.
(Quelle: Stichwort "Tschetschenien-Kriege" auf wikipedia.org)

Der Erste Tschetschenienkrieg (1994 bis 1996)

Nach Zerschlagung der Sowjetunion 1991 und der Aufforderung von Boris Jelzin an die Republiken, die Freiheit und Unabhängigkeit zu ergreifen, erklärte der tschetschenische Präsident Dudajew am 1. November 1991 folgerichtig die Unabhängigkeit und die Islami- sierung des Landes bei Flucht der christlichen Minderheiten begann. Am 11. Dezember 1994 erteilte der russische Präsident Jelzin den Befehl zur militärischen Besetzung und Kontrolle der abtrünnigen Republik.

Bei der Belagerung Grosnys im Januar 1995 starben nach Schätzungen etwa 25.000 Menschen. Bis zum April 1995 konnte die russische Armee rund 80 Prozent des tsche- tschenischen Gebietes unter ihre Kontrolle bringen. Die Anhänger Dudajews begannen angesichts der russischen Übermacht eine umfassende Guerillataktik:
So besetzte am 14. Juni 1995 der Guerrillaführer Bassajew ein Krankenhaus im südrus- sischen Budjonnowsk und verschanzte sich dort mit 1.000 Geiseln. Die russische Reg- ierung ging auf die tschetschenischen Forderungen ein und Friedensgespräche began- nen unter der Schirmherrschaft der OSZE. Die wechselseitigen Massaker hielten jedoch erstmal an und der Rebellenpräsident Dudajew wurde am 21. April 1996 durch eine Rakete getötet.

Im August 1996 handelte dann der russische General Lebed angesichts verheerender Verluste der russischen Truppen ein neues Waffenstillstandsabkommen aus, das auch den Abzug der Besatzungstruppen aus Tschetschenien beinhaltete. Der fast zweijährige Krieg kostete nach Schätzungen mindestens 80.000 Menschen das Leben.

Sowohl die russische Seite als auch die tschetschenischen Freischärler werden schwer- ster Menschenrechtsverletzungen beschuldigt. Seit dem 7. August 1999 eskalierte die Lage erneut:
Rund 400 tschetschenische Freischärler unter dem Kommando Schamil Bassajews griffen die Nachbarrepublik Dagestan an, in Russland kamen im September bei Attentaten auf Wohnhäuser u.a. in Moskau mehrere Hundert Menschen ums Leben.

Der Zweite Tschetschenienkrieg (1999 - April 2009)

Am 1. Oktober 1999 marschierte Rusland unter Putin erneut in Tschetschenien ein, um die aus ihrer Sicht kriminelle tschetschenische Regierung zu beseitigen. Schon bald eroberte die Armee unter massiven Waffeneinsatz Grosny und große Teile des Landes. Wieder begann ein barbarischer Guerillakrieg, indem es durch Anti-Terror-Operationen gelang, nach und nach die Anführer der Separatisten zu töten.

Spektakulärste Terroroperationen waren die Besetzung eines Musical-Theaters in Mos- kau mit vielen Toten auch unter den Theaterbesuchern sowie die Geiselnahme an einer Grundschule im nordossetischen Beslan mit etwa 400 Toten, darunter viele Kinder. Am 8. März 2005 wurde der Rebellen-Präsidenten Maschadow und am 11. Juli 2006 Bassajew durch eine Operation des russischen Geheimdienstes 'FSB' in Inguschetien liquidiert.

Am 16. April 2009 wurde auf Anweisung des russischen Präsidenten Medwedew die besonderen Anti-Terror-Operationen in Tschetschenien beendet, russische Truppen abgezogen und die Regierungsgewalt dem 2007 „gewählten“ Präsidenten Tschetsche- niens Kadyrow übertragen. Durch extrem brutale Kriegsführung einschließlich lokaler Hilfstruppen gelang es, den tschetschenischen Widerstand weitgehendst, aber nicht vollständig zu brechen.

Der gesamte Nordkaukasus mit seinem russischen Vorland ist weiter (latentes) Auf- standsgebiet der Dschihadisten, zu deren Bekämpfung der russischen Seite von Seiten des „Westens“ (siehe Schröders Schulterschluss mit Putin) Blanko-Vollmacht eingeräumt wurde und bis heute - trotz der neuen Situation des aufziehenden Zweiten Kalten Krieges - eingeräumt wird.

Wie die Beispiele Ukraine, Kurdistan, Kosovo oder Tschetschenien zeigen, wird je nach Interessenlage durch sich imperial dünkende Mächte entschieden, was Terrorismus und Separatismus ist und was berechtigter Freiheitskampf eines unterdrückten Volkes.

www.d-k-g.de/gallerie/krieg_2.html

www.sibilla-egen-schule.de/konflikt/tschetsc/tschetsc.htm


VON: KARL WILD






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