Notiz ohne Fußnoten zur Ukraine

01.07.14
InternationalesInternationales, Debatte, TopNews 

 

von TaP

Ja, ich finde auch: Der RIR-Text ist einer der besseren Texte zu Ukraine.

Allerdings finde ich, daß er – trotz grundsätzlich richtiger Kritik insb. an dem Text von Angela – die Kritik an dem Text von Angela (isl / Teil 1 der dt. Sektion IV. Internationale) und dem Text des RSB (Teil 2 der dt. Sektion der IV. Internationale) zu stark betont bzw. zu wenig betont, wo sie gegen die ARAB/NAO-Position Recht haben – nämlich:

  • In der Ukraine gilt – wie immer für die materialistische Dialektik – das Primat der inneren Widersprüche, während die äußeren Widersprüche nur vermittels der inneren wirken: Das gilt auch für das Wirken der westlich-kapitalistischen Einmischung in die – vor wie nach dem Umsturz – kapitalistische Ukraine gegen den dortigen russisch-kapitalistischen Einfuß. Diese Ein- mischung wirkt nur vermittels der dortigen inneren Widersprüche, insbesondere innerhalb der dortigen herrschenden Klasse – und während der Widerspruch zwischen der (dortigen) herrschenden Klasse und der (dortigen) ArbeiterInnenbewegung (leider) auch in der Ukraine kaum entwickelt ist.
  • Der Text verlängert den faschistischen Einfluss zum Zeitpunkt des Umsturzes, den er – gegenüber der vorhergehenden Phase – zurecht betont, bis heute. Dagegen hat Angela – auch wenn es in der Tat nicht entscheidend auf Wahlergebnisse ankommt (insoweit liegt die RIR richtig) – im Grundsatz Recht.
  • Der Text der RIR spricht zwar zurecht die prekäre Lage von Linken auch in der Ostukraine an; er vesäumt aber – anders als Angela – auf den Punkt zu bringen, daß es auch dort und in Russland faschistischen Einfluß – und nicht-faschisti- schen, nationalistischen Einfluß ohnehin – gibt. Statt dessen ergibt sich (fast) der Eindruck, die RIR halte den russischen Kapitalismus für eine irgendwie vorzuzieh- ende Alternative gegenüber dem neoliberalen, westlichen Kapitalismus.

Sehr gut finde ich, daß die RIR erkennt, daß Lenins Position zur sog. “nationalen Frage” nicht bedeutet(e) jeden nationalistischen Separatis- mus zu unterstützen. Vielmehr erkennt die RIR – mit Lenin – den Unterschied zwischen der Unterstützung des Rechts auf Lostrennung und der Frage, wie sich KommunistInnen – dafür oder dagegen – im jeweiligen Einzelfall zur Ausübung dieses Rechts verhalten:

Das soll kei­nes­wegs hei­ßen, daß die Ar­bei­te­rIn­nen­be­we­gung in der Ukrai­ne die For­de­rung nach Los­tren­nung z.B. der Krim­ta­ta­rIn­nen und der Rus­sIn­nen be­für­wor­ten muss. Im kon­kre­ten Fall könn­te sie auch für eine Au­to­no­mie oder eine Fö­de­ra­ti­on ein­tre­ten, zumal die große Mehr­heit der dort le­ben­den Rus­sIn­nen keine Un­ab­hän­gig­keit will, son­dern Gleich­be­rech­ti­gung und Au­to­no­mie.

Der ARAB/NAO-Text tendiert dagegen dazu, sich – im Namen des Antifaschismus – in der Frage der Ausübung auf die Seite ostukrainischer SeparatistInnen und des russi- schen Nationalismus zu stellen.

Überhaupt nicht teile ich dagegen die Hauptaussage dieses Satzes des RIR-Textes:

“Lei­der ist fest­stel­len, daß in den meis­ten der ge­nann­ten Texte die Ge­fahr eines Krie­ges zwi­schen den im­pe­ria­lis­ti­schen Groß­mäch­ten USA, EU und Russ­land, die sich in die bür­ger­kriegs­ähn­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der Ukrai­ne längst ein­ge­mischt haben und wei­ter hin­ein­ge­zo­gen wer­den kön­nen, igno­riert wird.”

Zurecht wird betont, daß sich die “im­pe­ria­lis­ti­schen Groß­mäch­ten USA, EU und Russ­land [...] in die bür­ger­kriegs­ähn­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der Ukrai­ne längst ein­ge­mischt haben” (meine Hv.).

Generell ist auch zutreffend, daß sie “wei­ter hin­ein­ge­zo­gen wer­den kön­nen” (wiederum meine Hv.). Das heißt aber nicht, daß es auch tatsächlich passieren wird. Mir erscheint dagegen sehr unwahrscheinlich, daß diese Einmischung das bisherige low intensitiy warfare-Niveau überschreiten wird.

Zu kritisieren ist an der ARAB/NAO-Linie – von der DKP, Teilen der Linkspartei und den Resten der 1980er Jahre Friedensbewegung gar nicht erst zu reden – nicht, daß sie jene Möglichkeit unterschätzen, sondern daß sie überschätzen und daß sie in der politischen Konsequenz Antifaschismus und ‘Verteidigung des Friedens’ über den Klassenkampf stellen und deshalb – freilich im unterschiedlichen Ausmaß – mit dem russischen Kapita- lismus kuscheln.

von systemcrash

von der Revolutionären Initiative Ruhrgebiet (RIR) gibt es einen interessanten Text zur Kritik an isl, RSB und NAO an ihren Positionen zur Ukraine.
Wegen seiner Länge hier nur der Link: 
http://rir.blogsport.de/2014/06/25/welche-haltung-zu-den-ereignissen-in-der-ukraine/

gespiegelt
http://nao-prozess.de/welche-haltung-zu-den-ereignissen-in-der-ukraine-3/

Gedanken zu “Lesehinweis zur Ukraine”

  1. systemcrash
  2. Juni 27, 2014 um 9:46 nachmittags
  3. gespiegelt auch bei scharf links:
    www.scharf-links.de/44.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=45546&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=6d7a20ccc1
  4. Antwort

rir.blogsport.de/2014/06/25/welche-haltung-zu-den-ereignissen-in-der-ukraine

nao-prozess.de/welche-haltung-zu-den-ereignissen-in-der-ukraine-3

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http://systemcrash.wordpress.com/2014/06/26/lesehinweis-zur-ukraine/#comment-5180

[1] rense.com/1.mpicons/deesA1.htm


VON: TAP






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