Zum Beitrag von Holger Müller zu "Solidarität mit dem syrischen Volk"


Bildmontage: HF

14.09.13
InternationalesInternationales, Sozialismusdebatte, Debatte 

 

von A. Holberg   

Ich möchte Holger Müllers Artikel voll und ganz unterstützen.
Ich frage mich, wie die "selbsternannten Sozialisten" zu so einer katastrophalen Position kommen. Ich muss gestehen, dass ich keinen von ihnen persönlich kenne bzw. treffe und deshalb nur ihre offiziellen Erklärungen vorliegen habe.

Gerade die hier Gemeinten (im Wesentlichen zumindet ein Teil der "Mandelisten", die britische SWP und ihre internationalen Ableger) haben die (im Übrigen völlig unleninistische!) Haltung, auf Kritiken, die nicht offensichtlich einseitig sind (wie z.B. die mit vorliebe von "Stalinisten" und anderen bürgerlichen "Antiimperialisten" bemühte Argumentation, das syrische Regime sei "antiimperialistisch" und die ganze Rebellion sei von Anfang an nichts

Anderes als eine ausländische Verschwörung) und deshalb leicht zu widerlegen, nicht zu antworten (das gilt sogar, wenn man ihnen unzweifelhafte Falschaussagen nachweist und sie zur öffentlichen Korrektur auffordert).
Ich denke, dass es zwei wichtige Faktoren gibt, die selbsternannte Marxisten zu solchen Abwegigkeiten verleiten können:

1. die Begeisterung über jede Form von Massenbewegung angesichts der eigenen Schwäche und
2. die völlig unmarxistische Begeisterung für "die Armen", "die Unterdrückten", "die Arbeiterklasse" an sich.

Marx war aber keineswegs der Meinung, dass die Arbeiterklasse das potentiell revolutionäre Subjekt sei, weil ihre Mitglieder alle so tolle Menschen sind. Vielmehr ging es ihm um ihre objektiven Interessen und die Tatsache, dass sie, wenn sie diese durchsetzen wollen, sie die Klassengesellschaft, die alle Menschen deformiert, abschaffen müssen.

L.Trotzki hat die marxistische Position in dieser Frage auf den Punkt gebracht (Hervorhebungen von mir): "Wenn die Reaktion fordert, man möge die Interessen der ‘Nation' über die Klasseninteresen stellen, sagen wir Marxisten, dass unter dem Schein der Interessen des ‘Ganzen' die Reaktion die Interessen der Ausbeuterklasse verteidigt. Die Interessen der Nation lassen sich nicht anders formulieren als unter dem Gesichtspunkt der herrschenden Klasse oder der Klasse, die die Herrschaft anstrebt.

Die Interessen der Klasse lassen sich nicht anders formiulieren als in Gestalt eines Programms; das Programm lässt sich nicht anders verteidigen als durch die Schaffung einer Partei. DIE KLASSE AN SICH IST NUR AUSBEUTUNGSMATERIAL. Die selbstständige Rolle des Proletariats beginnt dort, wo es aus einer Klasse an sich zu einer politischen Klasse für sich wird....Zu sagen: ‘Die Klasse steht höher als die Partei‘ heißt behaupten: Die urwüchsige Klasse steht höher als die zu Bewusstsein gekommene Klasse. Das ist nicht nur falsch, sondern auch reaktionär." (L.Trotzki "Was nun?", Prinkipo 1932).

In Syrien gibt es einige sekulare, antiimperialistische und "demokratische" Kräfte. Diese sind aber aus verschiedenen Gründen (langjährige Unterdrückung durch das Regime, vorallem aber der Bürgerkrieg, der die bestbewaffneten und militärisch erfahrendsten Kräfte - hier die Jihadisten - über ihren prozentualen Anteil an der Gesamtbewegung hinaus in den Vordergrund schiebt) eher marginal.

Eine revolutionäre proletarische Partei gibt es nicht. Die "Massen" (bei den o.a. Marxisten "das Volk") - überwiegend konservativ ländlich bzw. Marginalisierte am Rand der Städte - , die die Rebellion tragen, können so nur als Rammbock für reaktionäre Interessen (geopolitische der Imperialisten bzw. der sunnitischen Golfmonarchien in ihrer Konkurrenz mit dem schiitischen Iran sowie traditionalistischer Teile der syrischen Bourgeoisie) dienen.


VON: A. HOLBERG


Leserbrief von Holger Müller zu "Solidarität mit dem syrischen Volk" - 06-09-13 14:23




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