Zur ISL-Erklärung zu Syrien

10.09.13
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von A. Holberg

Die Erklärung der 'ISL' zu Syrien scheint mir die ausgewogenste zu sein, die ich bislang aus dem 'mandelistischen' Spektrum gelesen habe.

Dennoch bleiben ein paar Fragen:
Die 'ISL' schreibt: "Der Kampf des syrischen Volks ist Teil des revolutionären Prozesses im Nahen Osten". Ich gehe davon aus, dass auch die 'ISL' weiß, dass das syrische - wie jedes andere - "Volk" aus verschiedenen Klassen, Schichten und - hier besonders wichtig - religiösen und ethnischen Gemeinschaften besteht.

Von daher wäre es interessant, nicht nur zu erfahren, was die 'ISL' überhaupt unter "Revolution" versteht, sondern auch welche Teile des "syrischen Volkes" welche Art von Revolution anstreben.

Was ist z.B. mit den verschiedenen Strömungen der Islamisten von der Muslimbruderschaft bis hin zu 'Al-Qaida' nahen Gruppen? Welche Rolle für eine "revolutionäre" Entwicklung spielt die Tatsache, dass ein Großteil des bewaffneten Widerstandes seine personelle Basis in sehr konservativ sunnitischer Landbevölkerung und ländlichen marginalisierten Schichten hat, die mit nicht unwesentlichen Teilen des städtischen Bevölkerung - sagen wir mal - in einem "komplizierten" Verhältnis leben?

Sie sind zweifellos Teil des "revolutionären Prozesses im Nahen Osten", aber was sagt das über den Charakter der dort angestrebten "Revolution" aus? Das gilt umso mehr, wenn man ja auch in Ägypten und Tunesien feststellen muss, dass nicht einmal dort - insbesondere in Ägypten, dem wichtigsten Land der Region - die "demokratischen Kräfte" einen Prozess in Gang setzen konnten, der bislang zu unzweifelhaft demokratischen Fortschritten, wenn auch nur im bürgerlichen Sinn "demokratischen", geführt hat.

Die ISL schreibt weiter und abschließend: "Die Linke hat die Pflicht, die demokratische Opposition in Syrien politisch und materiell zu unterstützen, auch ihr Recht, sich zu bewaffnen. " Das ist schon weitaus besser als die Positionen solcher Gruppen wie der französischen 'NPA', die im Grunde die westlichen imperialistischen Staaten dazu aufrufen, die "kollektiven Kampfstrukturen, die sich dieses Volk geschaffen hat" besser zu bewaffnen - offenbar, weil ihnen die demokratischen Rechte des syrischen (weniger beispielsweise des saudischen, oder qatarischen, oder bahrainischen, vom palästinensischen ganz zu schweigen) Volkes so sehr am Herzen liegen.

Der Aufruf der 'ISL' und "die Linke" scheint mir abstrakt völlig richtig zu sein. Alleine: wo ist die "demokratische Opposition", für welche Art von "Demokratie" tritt sie ein, welche organisatorische und personelle Kraft hat sie und was würde sie mit Waffen tun (können)?

Wenn nicht einmal die (weit überwiegend islamistische oder zumindest gegenüber authentisch islamistischen Kräften offene) 'FSA' in der Lage ist, den Regierungskräften und den 'Al-Qaida'-Ablegern à la 'Jabhat an-Nusra' und 'ISIS', militärisch Paroli zu bieten, was könnten dann die "demokratischen Kräfte" mit Waffen tun?


VON: A. HOLBERG


Nein zur Militärintervention in Syrien! - 08-09-13 20:41




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