Nach zwei Einsätzen und Notevakuierung wartet SOS MEDITERRANEE auf Zuweisung eines sicheren Ortes für 82 Gerettete

12.09.19
InternationalesInternationales, Bewegungen, News 

 

Von SOS MEDITERRANEE

Nach zwei Rettungen in zwei Tagen und einem medizinischen Notfall, bei dem eine Hochschwangere mit einem Hubschrauber evakuiert werden musste, hat SOS MEDITERRANEE für ihr Rettungsschiff Ocean Viking einen sicheren Hafen in Europa angefragt. Die verbleibenden 82 Überlebenden sollen so schnell wie möglich an Land gehen können.   Gestern Nacht, am Mittwoch, den 11. September, mussten eine schwangere Frau und ihr Mann von den maltesischen Behörden mit einem Hubschrauber von der Ocean Viking evakuiert werden. Ärzte ohne Grenzen, die medizinische Nothilfeorganisation an Bord, die zusammen mit SOS MEDITERRANEE die Ocean Viking betreibt, hatte medizinische Komplikationen gemeldet. „Obwohl es zunächst gut lief, ergab die jüngste Untersuchung, die heute von der Hebamme und dem medizinischen Team an Bord durchgeführt wurde, dass die Mutter eine schwere medizinische Komplikation hatte, die sie und das Baby gefährden könnte", gab ein Arzt aus dem medizinischen Team von Ärzte ohne Grenzen an.   Am Sonntag, den 8. September, wurden 50 Menschen – darunter eine schwangere Frau und zwölf Minderjährige – von SOS MEDITERRANEE aus einem Schlauchboot in Seenot in internationalen Gewässern gerettet. Nach einer 16-stündigen Suche unter Beteiligung von Flugzeugen (EUNAVFOR MED und Moonbird) wurde das Boot schließlich 14 Seemeilen von der libyschen Küste entfernt entdeckt. Bis alle Menschen sicher an Bord der Ocean Viking gebracht werden konnten, vergingen fast drei Stunden.   Während der beiden Einsätze wurden alle relevanten maritimen Behörden (das libysche Rettungskoordinationszentrum sowie die Seenotrettungsleitstellen Maltas und Italiens sowie EUNAVFOR MED in Kopie) über alle Schritte informiert. Eine Begleitung durch die Behörden blieb aus. SOS MEDITERRANEE forderte außerdem die Zuweisung eines sicheren Ortes zur Ausschiffung der 84 Geretteten an. Das libysche Rettungskoordinationszentrum wies der Ocean Viking den Hafen von Zawiyah in Libyen zu. Diesen musste die Crew ablehnen, da Libyen nicht als sicherer Ort zur Ausschiffung Geretteter angesehen werden kann.    „Wie im internationalen Seerecht vorgesehen, und weil die libyschen Behörden nicht in der Position sind, einen sicheren Ort zuzuweisen, haben wir unsere Anfrage zur Unterstützung an diejenigen maritimen Behörden weitergeleitet, die am ehesten in der Lage sind, dieser Anfrage nachzukommen: die Seenotrettungsleitstellen Maltas und Italiens. Die Unterzeichnerstaaten der Seerechtskonventionen sind verpflichtet zusammenzuarbeiten, um schnellstmöglich einen Ort zur Anlandung Geretteter zu bestimmen, der als sicherer Ort angesehen werden kann“, erklärte Nicola Stalla, Einsatzleiter von SOS MEDITERRANEE.   Um die medizinische Notevakuierung zu erleichtern, nahm die Ocean Viking gestern Kurs nach Norden. Bisher steht die Zuweisung eines sicheren Ortes für die an Bord verbleibenden 82 Geretteten aus.   „Wir haben äußerst schutzbedürftige Menschen an Bord, die sich gerade aus libyschen Internierungslagern und damit vor Folter, Hunger, Vergewaltigung und Sklaverei retten konnten. Beinahe wären sie dabei ertrunken. Die Geretteten müssen umgehend an Land gehen dürfen“, fordert David Starke, Geschäftsführer von SOS MEDITERRANEE Deutschland.   SOS MEDITERRANEE ist zurzeit die einzige zivile Seenotrettungsorganisation vor Ort. Das Schiff darf nicht unnötig aufgehalten und blockiert werden. Jede Verzögerung kann Menschenleben kosten, denn nach wie vor fliehen Kinder, Frauen und Männer vor massiven Menschenrechtsverletzungen in Libyen über das Mittelmeer.

 

 

 

 

 

 







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