Chinas Perlflussdelta: Arbeitskräftemangel in Dongguan und Zhongshan.


23.02.10
InternationalesInternationales, TopNews 

 

Von Reinhold Schramm

"Die Löhne von Arbeitern werden dieses Jahr um 30 Prozent steigen."
(Gaowei Electrics Group)

Wegen der niedrigen Löhne wollen viele Wanderarbeiter lieber in anderen Regionen eine Arbeit suchen. Unternehmen in der Perlflussdelta-Region haben Probleme, nach dem chinesischen Frühlingsfest genügend Wanderarbeiter einzustellen. Xu Qin, Manager beim Personalverwaltungszentrum in Shenzhen, erklärt: "Viele Unternehmen haben den Lohn erhöht, um mehr Arbeiter nach den Ferien anzuziehen".
In Dongguan würden zusätzlich um die 150.000 Arbeiter nach dem Frühlingsfest gebraucht, erklärte Huang Huiping vom Arbeitsamt Dongguan. Im Dezember seien zwei Arbeitsplätze auf einen Arbeiter in der Stadt gekommen. Die weiterverarbeitenden Industrien der Region hätten bis zu 80 Prozent freie Stellen. "Der Grund ist, dass viele Fabriken mehr Produktionslinien eröffnet haben, um der steigenden nachfrage aus dem Ausland gerecht zu werden", erklärt Huang Huiping vom Arbeitsamt in Dongguan.
Zhongshan, eine Stadt im Perlflussdelta, hat ebenfalls einen Mangel von 130.000 Arbeitskräften nach dem Frühlingsfest, so Zheng Yousheng von der Gaowei Electrics Group. "Die Löhne von Arbeitern werden dieses Jahr um 30 Prozent steigen. Aber für uns ist es immer noch schwierig, genügend qualifizierte Arbeiter zu finden", erzählt Zhang Yousheng. "Wir brauchen mehr Arbeiter in den weiterverarbeitenden Produktionslinien, denn die Bestellungen sind gestiegen", so Zhang Yousheng.
Li Jing, Experte bei der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, schreibt den Arbeitskräftemangel den geringen Löhnen zu. "Wanderarbeiter haben mehr Jobmöglichkeiten in den zentral- und westchinesischen Regionen, und zwar aufgrund des vier Millionen [Milliarden?] Yuan schweren Konjunkturpakets vom vergangenen Jahr zur Verbesserung der Infrastruktur dort. Der massive Bau von Straßen, Flughäfen und Bahnstrecken zieht jede menge Arbeiter an", meint Li Jing.
Laut einer Umfrage der Zeitung Southern Metropolis Daily werden über 20 Prozent der Wanderarbeiter in Dongguan nach dem Frühlingsfest wegen der niedrigen Löhne nicht zur Arbeit zurückkehren. Bei der Umfrage wurden 95 Wanderarbeiter im Alter von 18 bis 40 Jahren befragt. Gründe sind auch, die unsicheren Arbeitsbedingungen und die Praxis von verspäteter Entlohnung in Dongguan.

Der "Mindestlohn" für ArbeiterInnen in Dongguan liegt bei 1.000 Yuan (ca. 100 Euro) im Monat. Bis zu 70 Prozent der befragten Wanderarbeiter sind der Meinung, der "Mindestlohn" sollte zwischen 1.500 und 2.000 Yuan (ca. 150-200 Euro) betragen.

Liang Guiquan, Wissenschaftler an einem Forschungszentrum in der Provinz Guangdong, meint, der Arbeitskräftemangel könnte dazu beitragen, den industriellen Fortschritt in der Deltaregion zu beschleunigen. [1]  

Nachtrag: Einkommensverteilung und -entwicklung in China 2008.
Stadt: 17.175 RMB (ca. 1.717 Euro) durchschnittliches verfügbares Pro-Kopf-Jahreseinkommen. Land: 5.153 RMB (ca. 515 Euro) durchschnittliches verfügbares Pro-Kopf-Jahreseinkommen auf dem Land.
Quelle: National Bureau of Statistics (NBS)


Quelle: China Daily / China.org.cn - am 23.02.2010. Arbeitskräftemangel im Perlflussdelta: "Wanderarbeiter kehren nach den Ferien nicht zur Arbeit zurück" (zu geringe Arbeitslöhne)
http://german.china.org.cn/fokus/2010-02/23/content_19460932.htm







<< Zurück