Die Top 10 Mythen über Israels Angriff auf Gaza

24.11.12
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von Juan Cole via marx21

Die israelische Regierung behauptet, sie verteidige ihre Bürger gegen die Hamas. Aber das ist Propaganda. Juan Cole entlarvt die wichtigsten Mythen über den Krieg gegen die Palästinenser

1. Die israelischen Kriegstreiber präsentieren sich als engagierte Partner der Palästinenser im »Friedensprozess«, den bedauerlicherweise nur die Hamas boykottiere. In Wirklichkeit setzt Israel Kolonisierung und Diebstahl an palästinensischem Boden ohne Unterlass fort und lässt gar keinen Raum für fruchtbare Verhandlungen. Israel kündigt routinemäßig den einseitigen Bau neuer Siedlungen im palästinensischen Westjordanland an. Es gibt gar keinen Friedensprozess, nur eine israelisch-amerikanische Posse. Das ganze Gerede von einem Friedensprozess dient lediglich als Tarnung für die Gelüste der israelischen Nationalisten nach allem, was den Palästinensern noch übrig bleibt, und für ihr Ziel, sie zum wiederholten Mal zu bitterarmen Flüchtlingen zu reduzieren.

2. Der Angriff auf Gaza und andere derartige Aktionen dienen keinem langfristigen strategischen Ziel.
Sie werden unternommen, um den Zugriff von jüdischen Israelis auf wichtige Ressourcen zu sichern. Das Säbelrasseln gegen die Palästinenser ist der Vorwand für weitere Landenteignungen und Kolonisierungen palästinensischen Bodens. Mit anderen Worten, der Militärschlag gegen die Bevölkerung Gazas ist ein Ablenkungsmanöver. Das eigentliche Ziel ist Großisrael, die israelische Souveränität über das gesamte einst unter britischem Mandat stehende Territorium.

3. Israelische Kriegstreiber geben ihren Aggressionskrieg als »Selbstverteidigung« aus.
Aber der Oberrabbiner der britischen Gemeinde meinte vor laufender Kamera, dass der Angriff auf Gaza »etwas mit dem Iran zu tun hat«.

4. Israelische Kriegstreiber verteufeln die Palästinenser von Gaza als »schlechte Nachbarn«, die Israel nicht akzeptieren wollen.
Aber die Bevölkerung Gazas besteht zu 40 Prozent aus Flüchtlingen, von denen die meisten in Flüchtlingslagern leben und deren Familien bereits Jahrtausende vor 1948 Palästina bevölkerten. Sie wurden 1948 im Zuge der ethnischen Säuberung zur Staatsgründung aus den Gebieten des heutigen Israels vertrieben. Israelis wohnen heute in ihren Häusern und bebauen ihr Land. Für das ihnen angetane Unrecht haben die Palästinenser nie eine Wiedergutmachung erhalten. »Israels Weigerung seit sechs Jahrzehnten, eine Wiedergutmachung an die palästinensischen Flüchtlinge zu zahlen, verletzt das internationale Recht«, stellt Lena El-Malak fest. Israel erkennt Palästinas Existenzrecht nicht an, verlangt aber gleichzeitig von allen anderen, auch von den vertriebenen und besetzten Palästinensern, Israels Existenzrecht anzuerkennen.

5. Israelische Kriegstreiber und ihre amerikanischen Klone bezeichnen Gaza als feindselige Fremdmacht, mit der sich Israel im Krieg befinde. In Wirklichkeit ist Gaza ein winziges Territorium, auf dem 1,7 Millionen Menschen unter israelischer Militärbesatzung leben. So sehen es auch die UNO und andere internationale Behörden. Die Israelis gestatten Gaza keinen See- oder Flughafen und fast keine Exportindustrie. Ein Drittel der Fläche kann nicht landwirtschaftlich genutzt werden, weil es für die Israelis als Sicherheitszone reserviert ist. Als besetztes Gebiet fällt es unter die Bestimmungen der Haager Konvention von 1907 und der vierten Genfer Konvention von 1949, die die Behandlung besetzter Völker durch den Militärbesatzer regeln. Wahllose Bombardierungen besetzter Gebiete sind ein klarer Verstoß gegen internationales Recht.

6. Israelische Kriegstreiber betrachten sich als schuldlose Opfer einer nicht nachvollziehbaren Wut aus Gaza. Aber Israel begnügt sich nicht damit, die Palästinenser von Gaza im größten Freiluftgefängnis der Welt festzusetzen, es hat gegen sie eine illegale Blockade errichtet, die sich einige Jahre lang das Ziel setzte, sogar die Nahrungszufuhr der Bevölkerung einzuschränken, ohne sie ganz dem Hungertod auszuliefern. Ich habe früher einmal dazu geschrieben: »Die Lebensmittelblockade hinterließ reale Spuren. Etwa zehn Prozent aller palästinensischen Kinder unter fünf Jahren wurden wegen Mangelernährung in ihrem Wachstum beeinträchtigt. Ein gemeinsamer Bericht von Save the Children und Medical Aid for Palestinians stellte jüngst fest, dass zwei Drittel aller Säuglinge, 58,6 Prozent aller Schulkinder und über ein Drittel aller werdenden Mütter unter Blutarmut leiden.« Man stelle sich vor, was die Israelis tun würden, würde eine Fremdmacht Israel umzingeln, den Seehafen von Haifa und den Flughafen von Tel Aviv zerstören und israelische Exporte unterbinden. Stimmt, ich hab's vergessen, man darf Palästinenser und Israelis nicht als gleichwertige Menschen sehen.

7. Israelische Kriegstreiber dämonisieren die palästinensischen Bewohner Gazas als Anhänger von Hamas, einer Parteimiliz der muslimischen religiösen Rechten.
Aber die Bevölkerung Gazas besteht zur Hälfte aus Minderjährigen, die noch nie gewählt haben und für diese Partei keine Kollektivschuld tragen.

8. Israelische Kriegstreiber nennen Selbstverteidigung als Grund für ihre Aggression gegen die Palästinenser. Aber Israel mit seinen 7,5 Millionen Einwohnern besitzt Panzer, Militärtransporter, Artillerie, Kampfhubschrauber, F-16 und F-18 Bomber und 400 Atomsprengköpfe. Gaza mit seinen 1,7 Millionen Einwohnern besitzt keine schweren Waffen, lediglich einige veraltete Kanonen und größtenteils ineffektive Raketen.

Israel spricht von hunderten von Raketenangriffe auf Israel von Gaza aus im Jahr 2012, aber bis zum jüngsten Angriff auf Gaza hatten sie keinen einzigen Israeli getötet, wenngleich im März vor dem Hintergrund eskalierender Kämpfe zwischen Palästinensern und Israelis einige verletzt. Gaza stellt eine Bedrohung Israels dar in der gleichen Größenordnung wie das Bantustan Transkei für das Apartheid-Regime Südafrikas darstellte. Und was die Restbedrohung Gazas für Israel anbelangt: Mit ihr könnte Israel leicht zu Rande kommen, wenn es den Palästinensern einen eigenen Staat gewährte und die gegen sie gerichtete Blockade aufhöbe, oder, wenn nichts anderes übrig bleibt, seine Anti-Terror-Maßnahmen gegen tatsächliche Terroristen richtete, anstatt wahllos ganze Gegenden zu bombardieren.

9. Israelische Kriegstreiber behaupten, sie seien zu dem Angriff provoziert worden. In Wirklichkeit führte Ahmad Jabari, der von den Israelis letzte Woche ermordete Hamas-Führer, gerade Waffenstillstandsgespräche mit den Israelis. Ermordungen, die durch die List vorgetäuschter Bereitschaft zu Friedensgesprächen erreicht werden, sind die sicherste Garantie gegen weitere Friedensverhandlungen.

10. Die meisten US-amerikanischen Medien sind nicht mehr als Jubelperser der Likud-Partei, aber der Rest der Welt hat Israels Aggressivität zunehmend satt.
Mit der Zeit werden Sanktionen und Boykotts gegen Israel wahrscheinlich zunehmen. Das wird den Kriegstreibern zu schaffen machen.

(Aus dem Englischen von David Paenson)

Zur Person:
Juan Cole ist Professor für Geschichte an der Universität von Michigan (USA) und bloggt seit langem über das Verhältnis des Westens zur muslimischen Welt:
http://www.juancole.com/

marx21.de/content/view/1789/32

 

 

 


VON: VON JUAN COLE VIA MARX21






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