Geheimnisse der USA-Geheimdienste (Geschichte)


Bildmontage: HF

23.01.12
InternationalesInternationales, News 

 

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)
   
Der militärische Geheimdienst-Dschungel der USA (1)
 
»Der wachsende Einfluss der militärischen Kreise findet seinen Ausdruck auch in der Erweiterung des militärischen Geheimdienstes, der aufs engste mit der aggressiven Außenpolitik verknüpft ist. -

Nach offiziellen amerikanischen Angaben beschäftigt der militärische Geheimdienstzweig der USA 136.114 Mitarbeiter, [1975] das sind erheblich mehr als in allen anderen Geheimdienstorganisationen des Landes. Nach verschiedenen Schätzungen macht das Budget der militärischen Geheimdienste 80 Prozent aller Ausgaben der USA für den Geheimdienst aus. Der militärische Geheimdienstzweig ist mit seinen Institutionen somit das zahlenmäßig stärkste und teuerste Glied des USA-Geheimdienstsystems.

Die Struktur des militärischen Geheimdienstes der USA ist äußerst kompliziert.

Den größten und ältesten Geheimdienst aller drei Waffengattungen der US-Streitkräfte stellt der Geheimdienst der Armee, d. h. der Landstreitkräfte, (G-2) dar.

Bis zum zweiten Weltkrieg schenkte man dem Geheimdienst der Armee, wie amerikanische Autoren schreiben, keine ernsthafte Beachtung. Während des Krieges erhöhte sich jedoch der Personalbestand des Geheimdienstes der Armee, so dass er am 30. Juni 1944 allein in Washington annähernd 1.500 Mitarbeiter zählte. In dieser Zeit traten in den Geheimdienstabteilungen zahlreiche organisatorische und administrative Probleme zutage. Im militärischen Geheimdienstapparat herrschten Rivalität und Konkurrenz, die sich insbesondere auf die Beziehungen zwischen der Armee, dem Amt für strategische Dienste (Office of Strategic Services - OSS) und dem an Stärke zunehmenden Geheimdienst der Luftwaffe, der US-Air Force, auswirkten. Unter diesen Umständen waren Ineffektivität, Doppelarbeit und ein großes Durcheinander eine alltägliche Erscheinung.

Eine grundlegende Reorganisation des Geheimdienstes der Armee erfolgte 1944 nach einer Inspektion durch eine aus Militärs und Zivilisten zusammengesetzte und unter der Leitung von John J. McCloy stehende Kommission.

Die Umstrukturierung des Geheimdienstes der Armee sollte nach den Plänen ihrer Initiatoren zur „Beseitigung organisatorischer Reibungen sowie des administrativen und funktionellen Durcheinanders“ beitragen. Sie erfolgte insbesondere das Ziel, die geheimdienstlichen und die operativen Funktionen voneinander abzugrenzen, das Sammeln von spezifischen Informationen über das faschistische Deutschland und das militaristische Japan effektiver zu organisieren und eine einheitliche administrative Leitung für den militärischen Geheimdienst herzustellen.

Die wichtigste Neuerung stellte die Trennung des im G-2-Dienst mit der Ausarbeitung der Geheimdienstpolitik und mit der generellen Orientierung des Geheimdienstes befassten Personals vom operativen Personal des militärischen Geheimdienstes dar. Die Geheimdienstleitung der Armee hatte die Geheimdienstpolitik auszuarbeiten. Das operative Organ - der militärische Geheimdienst -, der aus drei Hauptabteilungen bestand, befasste sich mit den Fragen der Spionage, mit der militärischen Aufklärung und mit der administrativen Arbeit.

Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges entwickelte sich der G-2-Dienst schnell und erzielte, wie amerikanische Autoren einschätzen, gewisse Erfolge sowohl auf dem Gebiet der strategischen und taktischen Aufklärung als auch auf dem Gebiet der Spionageabwehr. Als nach dem Kriege das OSS aufgelöst wurde, wechselten viele erfahrene Mitarbeiter von dort zum Geheimdienst der Armee über.

Die Korea-Aggression der USA (1950-1953) trug dazu bei, dass man den Geheimdienst der Armee freigebig zu finanzieren begann (128 Millionen Dollar im Finanzjahr 1958). Mit dem Einzug Robert McNamaras ins Verteidigungsministerium erreichte der militärische Geheimdienst ein hohes professionelles Niveau. Ein umfangreiches Militärhilfe-Programm für andere Staaten ermöglichte es den militärischen Kreisen der USA, eine weitere Vergrößerung und Stärkung des Geheimdienstes der Armee zu fordern, da seine Informationen immer größere Bedeutung für die Ausarbeitung der strategischen Pläne der USA-Regierung gewannen. Die Geheimdienstzentrale der Armee gehört zum Verteidigungsministerium und umfasst eine Vielzahl von Organisationen, deren Aufgaben in erster Linie auf dem Gebiet der Spionage und Spionageabwehr liegen. Sie wird vom Beauftragten des Stabschefs für Aufklärung geleitet.

Der Gehilfe des Stabschefs für Aufklärung ist verantwortlich für die gesamte geheimdienstliche und Spionageabwehrtätigkeit der Landstreitkräfte der USA. Zu seinen Obliegenheiten gehören Planung, Koordinierung und Lösung der offensiven geheimdienstlichen und Abwehraufgaben für die Armee, ferner die Kontrolle für das Sammeln von Informationen sowie über die Ausarbeitung und die Verteilung von Spionage- und Aufklärungsdokumenten. Der Gehilfe für Fragen der taktischen Aufklärung, Rekognoszierung und Kartographie befasst sich mit Fragen des Beobachtungssystems und des Anschnitts von Zielen, mit taktischen Operationen sowie mit strategischer und taktischer Aufklärung. Der Beauftragte für Fragen der Auslandsspionage und der Sicherheit ist für das Sammeln von geheimdienstlichen Informationen, einschließlich der Informationen wissenschaftlichen und technischen Charakters, ferner für die Geheimhaltung militärischer Informationen, für die Zuverlässigkeit des Personals und für die Spionageabwehr verantwortlich.

Der G-2-Dienst sammelt vorwiegend Informationen über das militärische Potential, die Stationierung und Bewaffnung ausländischer Armeen, vor allem der Sowjetarmee, [-1975-] sowie über die Produktion von Kern- und Raketenwaffen, analysiert diese Informationen und leitet sie an die übergeordneten Instanzen weiter. Angaben zufolge gibt der Geheimdienst der US-Armee jährlich 75 Millionen Dollar für die Herstellung und Vervielfältigung von Landkarten von Staaten der ganzen Welt aus. [1975] -

In diesem Zusammenhang werden die Topographie und die geodätischen Angaben sorgfältig studiert. Es ist z. B. bekannt, dass die Nachrichtenabteilungen des Transportkorps der Landstreitkräfte periodisch Berichte und Übersichten über das Straßennetz in der UdSSR anfertigt und der Geheimdienst des Nachrichtenkorps analoge Dokumente über das sowjetische Telefonnetz herstellt. Und obgleich das unvermeidlich zu Doppelarbeit führt, weil sich damit auch die CIA beschäftigt, zieht es das Verteidigungsministerium der USA vor, lieber Informationen doppelt zu bekommen, als eine Lücke auf einem Gebiet zu riskieren. Diese Doppelarbeit wird als ein von der Notwendigkeit diktierter Luxus angesehen.

Der G-2-Dienst liefert regelmäßig auch eine Einschätzung der Verteidigungsbereitschaft der Vereinigten Staaten selbst.« [Auszug]

Quelle: Geheimnisse der USA-Geheimdienste. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften. Berlin 1975.


VON: REINHOLD SCHRAMM






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