Chinas „Ameisenklasse“ - Stockfisch oder Sardine?


Bildmontage: HF

09.01.12
InternationalesInternationales, Wirtschaft 

 

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

“Ich fühle mich ziemlich müde. Nichts kann mich mehr so recht begeistern. Die Hindernisse drohen mich zu zerstören“, meint Liu Yin, ein Vertreter der Generation der in den 1980er Jahren geborenen Chinesen.

»Nach Daten, die im Rahmen der 6. Volkszählung erhoben wurden, ist Liu Yin Teil eines Millionenheeres von Binnenwanderern. Einer unter 7,045 Millionen. Tendenz steigend. Die meisten Zuwanderer in die großen Städte haben die gleichen Sorgen wie Liu, und diese Sorgen können kurzfristig nicht gelöst werden. Der Glücksindex dieser Neubürger weist nach unten.« -
 
»Noch ärmer dran ist die „Ameisenklasse“, ein neues Wort, das zur Bezeichnung für die wachsende Gruppe junger Menschen benutzt wird, die über einen hohen Bildungsabschluss, aber nur ein geringes Einkommen verfügt. Diese Gruppe weist ähnliche Eigenschaften wie Ameisen auf: Sie sind intelligent, aber schwach und vor allem sind sie zahlreich. Viele von ihnen müssen sich trotz ihrer Hochschulzeugnisse mit befristeten Jobs durchschlagen, als Versicherungsagenten oder Immobilienmakler.

Die meisten sind arbeitslos oder nur teilzeitbeschäftigt. Ihr Durchschnittseinkommen beträgt selten mehr als 2.000 Yuan [ca. 243 Euro] pro Monat. Sie sind normalerweise zwischen 22 und 29 Jahre alt und wohnen in den Randgebieten der Städte, dort haben sich inzwischen improvisierte Siedlungen der „Ameisenklasse“ gebildet. Nach einer Untersuchung des Soziologen Lian Si gibt es in Beijing mindestens 150.000 Angehörige der „Ameisenklasse“.«  

»Nach etwas über einem Jahr entschloss sich Tang Guo, Beijing aufzugeben. Jeden Monat hielt sie nur 1.500 Yuan [ca. 182 Euro] in den Händen. Zu Mittag aß sie in der Firmenkantine und abends gab es neben ihrem Schlafplatz Instantnudeln. Plastikbecher aufreißen, heißes Wasser drüber, fertig! Nur so konnte sie in Beijing überleben. Wenn sie sich hätte anders ernähren wollen, hätte sie ihre Eltern um einen Zuschuss bitten müssen. Ihr Laptop kostete 3799 Yuan, ihre Mutter sprang ein, verschwieg aber dem Vater, dass sie Geld überwiesen hatte. Der Familie fehlt es nicht an Geld. Tangs Vater baut Wassermelonen an und kann daraus einen Jahresgewinn von 50.000 bis 60.000 Yuan [zwischen 6.066 und 7.280 Euro] ziehen. {...} Ihr Wunsch, in Beijing zu bleiben, scheiterte an der Realität. Im Mai 2011 ging Tang schließlich zurück in die Heimat.«
[Ein Auszug.]

Quelle: Beijing Rundschau am 25.11.2011. »Stockfisch oder Sardine? Eine schöne Jugend!« Von Zhau Hualei und Liu Shengan.  
http://german.beijingreview.com.cn/german2010/Focus/2011-11/25/content_408152.htm


VON: REINHOLD SCHRAMM






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