Chinas Klassengesellschaft. Mauerbau gegen die Armut und zum Schutz der Reichen.

28.08.10
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von Reinhold Schramm

Auch Beijings Stadtrand ist ein sozialer Brennpunkt.


Das Dorf Zhongtan liegt im Schatten des Hochhaus- Projekts Tiantongyuan. Dort kosten die Wohnungen 1.507 Euro pro Quadratmeter (rund 13.000 Yuan/m²). Im Dorf Zhongtan im Norden Beijings betragen die Mieten für Wohnungen (noch) rund 35 Euro im Monat (rund 300 Yuan).

Der sozialökonomische und gesellschaftspolitische Klassenunterschied von Einkommen und Lebensstil hat Stadtbeamte dazu veranlasst, neue soziale Kontrollmaßnahmen ins Leben zu rufen. Bald werden die beiden Welten von Tiantongyuan und das alte Dorf Zhongtan durch eine Mauer mit Sicherheitskameras, Eisentoren und Wächtern getrennt sein. Um zwischen 23.00 Uhr und 6.00 Uhr ein und auszugehen, müssen die Bewohner von Zhongtan einen Berechtigungsschein vorzeigen.

Im Stadtbezirk Daxing, im Süden Beijings, wurden bereits einige alte Dörfer unter einer so genannten "Politik für das Gemeinschaftsmanagement" von Mauern umzäunt.
Nachdem der städtische Parteisekretär [der antikommunistischen und sozialdemokratischen Konvergenzpartei] von Beijing, Liu Qi die Maßnahme gebilligt hatte, wurde entschieden, dass diese Mauern um alle Dörfer am Stadtrand Beijings gebaut werden sollen.

Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete, sollen die Mauern das Dorfmanagement verbessern, die Kriminalität senken, den Lebensraum verbessern und den Dorfbewohnern "ein Gefühl der Sicherheit" geben. (CIIC) - Die Dorfbewohner, die von der geplanten Mauer wussten, schienen vom (sozialen) Mauerbau nicht begeistert zu sein.

"Es wird wie im Gefängnis sein", sagte ein Taxifahrer. Er und seine Frau mussten jeder 10 Yuan (1,16 Euro) bezahlen, um die neuen Berechtigungsscheine für den Ein- und Ausgang in der Nacht zu erhalten. "Alle, die älter als ein (Lebens-)Jahr sind müssen zahlen. Und was passiert, wenn Freunde zu Besuch kommen? Möglicherweise wird dadurch dieser Ort etwas sicherer, doch diese Dienstleistungen sollten sie auf keinen Fall in Rechnung stellen." 

Die meisten Dorfbewohner [in und um Beijing] gehören zur so genannten "fließenden Bevölkerung" der Wanderarbeiter. Orte, an denen die Zahl der Wanderarbeiter überwiegt, werden als "auf den Kopf stehende" Dörfer bezeichnet. Im Dorf Zhongtan sind die Wanderarbeiter, die 30.000 "Außenseiter", mit 30:1 in der Überzahl. Es ist das am stärksten "auf dem Kopf stehende" Dorf im Umkreis Beijings.

Dem Parteisekretär Zhongtans, Zhang Liang, zufolge, hat die Gegend eine hohe Kriminalitätsrate. Nach dem Mauerbau in Daxing sei die Kriminalitätsrate 'um 73 Prozent' zurückgegangen.
- "Mit der neuen Regelung bleiben illegale Motorräder draußen und die Wanderarbeiter werden effektiver betreut", sagte der Parteisekretär der antikommunistischen Konvergenzpartei Chinas.

Merke: Mauern gegen die Wanderarbeiter und "die Wanderarbeiter werden [damit] effektiver betreut".

Einige Menschen glauben, dass die neuen Mauern ein Bestandteil von Regelungen und Einrichtungen zur Diskriminierung der Wanderarbeiter sind.  Tan Jun, Wissenschaftler an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, sagte: "Das ist nichts anderes als unbegründete Schuldzuweisung. Das 'auf dem Kopf stehende' Dorf ist eine unausweichliche Folge von Chinas Verstädterung. Schlechte öffentliche Sicherheit ist die Folge einer schlechten Regierung, nicht der großen Menge (der) Außenseiter".

Laut der Tageszeitung Beijing Daily sollen die Bewohner der ummauerten Dörfer zum Jahresende umgesiedelt werden. Alle Mauern und Tore, die bis dahin [zum Schutz vor den Wanderarbeitern] gebaut wurden, sollen wieder abgerissen werden.

"Es stimmt, dass die beiden Projekte sich widersprechen", sagte Qu Guangshan, vom Presseamt Dong Xiaokou. [= 'Pressesprecher' ?] Und: "Wir werden jedoch einen Weg finden, beides umzusetzen. Es ist ohnehin eine Anordnung von oben.", sagte Qu vom Presseamt.

Quelle:
german.china.org.cn - am 27.08.2010: "Beijing Stadtrand wird zum sozialen Brennpunkt". Ein Bericht von John Sexton und Ren Zhongxi, Beijing. [Bitte, den gesamten Bericht bei CIIC lesen:]
CIIC: german.china.org.cn/fokus/2010-08/27/content_20808449.htm






VON: REINHOLD SCHRAMM






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