Es wurde Zeit: Regierung im Kosovo erkennt Unrecht an


02.02.18
InternationalesInternationales, Feminismus 

 

Von medica mondiale

Rente für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt

Ab dem 5. Februar 2018 können Frauen und Mädchen, die während des Kosovo-Krieges 1998/99 vergewaltigt wurden, eine Rente in Höhe von 230 Euro beantragen. Das kosovarische Parlament hatte bereits im März 2014 eine Gesetzesänderung verabschiedet, die allen Überlebenden sexualisierter Gewalt eine monatliche Rente zusichert. Seitdem mussten die betroffenen Frauen auf die Entscheidung warten, wie hoch die Rente sein soll und ab wann sie beantragt werden kann. 

"Die Rente setzt ein wichtiges Zeichen - als finanzielle Entschädigung, aber auch, weil das erlittene Unrecht so gesellschaftlich anerkannt wird", so Monika Hauser, Gründerin der Frauenrechtsorganisation medica mondiale. "Dass die Betroffenen nach so langer Zeit endlich eine Rente beantragen können, ist dem unermüdlichen Engagement vieler zivilgesellschaftlicher Kräfte zu verdanken, darunter auch unserer kosovarischen Partnerorganisation Medica Gjakova."

Eine Studie aus dem Jahr 2015 belegt: Kriegsvergewaltigungen beeinträchtigen die physische und psychische Gesundheit der Betroffenen oft jahre- bis jahrzehntelang. "Die Rente für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt ist ein Zeichen der Wiedergutmachung. Außerdem trägt sie dazu bei, die Spaltung der Gesellschaft in Opfer und Täter aufzuheben", erklärt Mirlinda Sada, Direktorin von Medica Gjakova. Dieser gesellschaftliche Wandel soll durch eine landesweite Kampagne zur Rente begleitet werden. "Unser Ziel ist, Frauen in die Mitte der Gesellschaft zurückzuholen und ihnen ihre Würde zurückzugeben." 

Überlebende Frauen im Nachkriegsdeutschland haben eine solche Rente nie erhalten, ergänzt die Gynäkologin Hauser. "Bis heute haben sie keine soziale und politische Anerkennung ihres Leids, von fachlicher Begleitung und juristischer Aufarbeitung ganz zu schweigen. Stattdessen mussten die meisten Frauen ihr Leben lang schweigen und blieben mit ihren Erfahrungen alleine."

Hintergrund
Während des Kosovo-Krieges 1998/1999 sind schätzungsweise 20.000 Frauen und Mädchen vergewaltigt worden. Diese Menschenrechtsverletzungen sind lange Zeit nicht aufgearbeitet worden und bis heute weitgehend tabuisiert. Bereits 2006/2007 forderten kosovarische Frauenrechtsorganisationen, Überlebende sexualisierter Gewalt als zivile Kriegsopfer anzuerkennen. Erst sieben Jahre später, am 20. März 2014, verabschiedete das Parlament eine Gesetzesänderung, die Überlebende sexualisierter Gewalt in die bestehende Regelung "Status of Rights of Martyrs, Invalids, Veterans, Members of KLA, Civilian Victims of War and their families" integriert. 

Ausführliche Informationen zur Situation Überlebender sexualisierter Gewalt im Kosovo:
Report "Wounds that burn our souls": Compensation for wartime rape survivors, but still no justice"







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