Zur gegenwärtigen Katastrophe in Syrien und Irak


Bildmontage: HF

01.09.14
InternationalesInternationales, Kultur, Debatte 

 

von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Die Christen im Irak sind seit dem Interven- tionskrieg der USA/EU durch bezahlte Aufstän- dische in Syrien im 2011/2012 von der Vernich- tung bedroht.

Schon 1991 und 2003 hatten ebenso die bru- talen US-Kriegsinterventionen in Irak die christliche Kultur des ganzen Landes zerstört. Die Christen im Irak haben einen tödlichen Schlag erhalten. Die Kirchen sind verwüstet und entweiht.

Bis heute gibt es keine auch nur entfernt konkrete und absehbare Lösung für die Prob- leme, weil sich die USA/EU von ihrer verheerenden Außenpolitik nicht verabschieden. Hochmut geht Hand in Hand mit unermesslicher Dummheit!

Die Christen haben eine lange Geschichte und ein tief verwurzeltes Erbe im Irak und in Syrien. Die christliche Botschaft von Nächstenliebe, Brüderlichkeit, Menschenwürde und harmonischer Koexistenz wurde durch die abscheulichen US-Aggressionen, Gewalt und Terror nichtig gemacht. IS-Milizen und andere Terror-Gruppen konnten in Syrien und im Irak nur so stark werden, weil sie mit Waffen aus den USA, Deutschland und anderen NATO-Ländern aufgerüstet wurden, Waffen, die über die Türkei, Saudi-Arabien und Katar an sie geliefert wurden.

Ziel: Syrien destabilisieren, bis eine Regierung an die Macht kommt, die gemäß der Interessen der USA/EU handelt. Die Einmischung und Aufrüstung der jeweiligen regionalen Bündnispartner durch die verschiedenen westlichen Staaten muss ein Ende haben. Die USA/EU-Staaten haben durch Bewaffnung und Finanzierung der IS-Milizen die Konflikte bewusst herbeigeführt.

Aber das will man der Bevölkerung verheimlichen. Allerdings gelingt das nicht richtig. Angesichts der brutalen Gewalt im Nordirak und Syrien, die wie alle Welt weiß, Folge der US/EU-Interventionspolitik ist, klingt die Äußerung der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" (28.8.) hoch demagogisch und fast zynisch, wenn sie sagt: "Wir haben die Gefahr unterschätzt."

Wie kann eine höchste Verantwortungsträgerin, ja sogar die Verteidigungsministerin selbst, nicht einsehen, dass die Unterstützung mit Waffen und Finanzierung von Aufständischen, IS- und anderen Milizen in Syrien die eigentliche Ursache des jetzigen fatalen Problems in der Region ist? Warum hört sie nicht auf den vernünftigen syrischen Außenminister, der sinngemäß sagte: "Von moderaten Terroristen zu sprechen, ist völlig absurd. Jede Gewalttat gegen staatliche Institutionen und Zivilisten ist terroristisch."

Sieht eine intelligente und besonnene Verteidigungsministerin das nicht ein oder will sie terroristische Handlungen absichtlich verharmlosen, um den schwerwiegenden Fehler der eigenen CDU-Politik beim Mitmachen der Unterstützung aller dieser kriminellen Elementen nicht einstehen zu müssen?

Europa hat längst seine ursprünglichen christlichen Werte verraten. Deutsche Medien müssen aufhören, Konflikte anzuheizen. Sie müssen aufhören, selbstgerecht zu sein und endlich begreifen, dass es keine Verzögerung geben darf, um sich zwischen Terror und einem zivilisierten humanen Weg zu entscheiden. Die Zivilisation hat längst den vernünftigen Weg von Dialog und Zusammenarbeit befürwortet, nämlich das Primat der Politik, um Konflikten entgegenzutreten. Auch wenn die deutschen Machtcliquen das nicht gelernt haben, mindestens die deutsche Öffentlichkeit darf nicht in dem terroristischen Abschaum weiter steckenbleiben, denn Journalisten sind der friedlichen zivilisierten deutschen Bevölkerung verpflichtet und nicht den korrumpierten Machtcliquen. Das wahre Gesicht Deutschlands steht medial auf dem Spiel. Durch Lügen und Vertuschung ist es nicht zu retten.

Die Dringlichkeit, politische Verhandlungen in den Vordergrund zu rücken, um die Gewalt in Syrien bei Ausschluss der bewaffneten Extremisten zu beenden, betonte schon vor einem Jahr der Patriarch von Antiochien und dem ganzen Orient, von Alexandrien und Jerusalem, Gregorius III. Laham, der höchste katholische Würdenträger im Nahen und Mittleren Osten mit Amtssitz in Damaskus. Seine autorisierte Ansicht im Interview von Karin Leukefeld in Damaskus, Junge Welt, 18.9.2013, kann Politiker und Redaktionen dabei helfen, sich von ihren verblendeten Vorurteilen zu befreien, damit sie die Realität Syriens nicht weiter befangen in den westlichen Verfehlungen beurteilen:

<Der Aufruf des Papstes für Syrien und das große Friedensgebet in Rom machen mir Hoffnungen. In der ganzen Welt haben Millionen für Frieden in Syrien, für Frieden im Nahen Osten, für Frieden in Palästina gebetet, das ist einmalig. ... Die Einigung von Russland und Syrien über den Umgang mit den chemischen Waffen ist natürlich ein ganz wichtiger politischer Auslöser für die Wende.... Es ist gut für Syrien, sich denen anzuschließen, die weltweit gegen diese Massenvernichtungswaffen sind. Aber wir müssen auch fragen, woher diese Waffen kommen und warum es sie gibt. Wer hat sie produziert und warum? ... ich will auf das tragische hinweisen, dass solche Waffen überhaupt entstanden sind. Dass Menschen an solche Waffen überhaupt denken! Woher kommt das? ... Man müsse fragen, warum sie entwickelt und produziert werden, man müsse das Waffengeschäft als solches kritisieren. Die Waffenhändler sind die größte Mafia. Diejenigen, die Waffen entwickeln und produzieren, die damit ein gewaltiges Geschäft machen, sie tragen die Verantwortung für den Krieg. Natürlich sind auch diejenigen verantwortlich, die die Waffen verkaufen, kaufen und schließlich die, die sie einsetzen. Es gibt eine ganze Kette von Verantwortlichen. Ich hoffe, dass es jetzt mit der Wende zu Syrien weltweit einen Aufschrei gegen diese Rüstungshändler gibt.

Die Menschen, die Kinder, alle hier lebten unter einer schweren Last und mit der Angst, dass Amerika Syrien angreift. ... Nachdem wir diese Drohungen gehört hatten, sind an einem Tag 13.000 Menschen in den Libanon gefahren. Die Menschen sind nach Jordanien, in den Irak, in die Türkei geflohen. Hauptsache weg. Die USA sind ein großer Staat, sie können nicht einfach so daher reden. Wenn Amerika spricht, muss es das ehrlich und verantwortungsvoll tun. Aber die Leute einfach zu bedrohen, das ist unverantwortlich. Wenn ein Mann wie Obama spricht, ist das etwas anderes, als wenn ein Arbeiter hier auf der Straße etwas sagt. Ich sage ihm, er muss denken und er muss beten, bevor er so etwas macht. Diese Bedrohung ist eine Sünde, und sie ist kriminell.

Etwa die Hälfte der ausgereisten Menschen kam zurück. Doch sie haben sich von dieser Bedrohung noch nicht erholt. Selbst Angehörige von mir wollen Syrien verlassen. Europa will die Christen in Syrien schützen. ... Sie können uns am besten schützen, indem sie uns solche Bedrohungen und solche Krisen ersparen. Von 1948 bis heute haben wir 20 verschiedene Krisen erlebt. Und jedes Mal gab es eine Auswanderungswelle von Christen. Wenn Europa uns solche Krisen erspart, werden wir natürlich hier bleiben. Frankreich und England bedrohen uns jeden Tag. Das verunsichert und schwächt die Menschen hier. Jedes Kind, jede Familie hat Angst. Im Land ist Chaos, Menschen werden entführt, Menschen werden getötet, ihre Häuser und Wohnungen werden zerstört, wir leben in einer Atmosphäre von Angst. Die Großmächte müssen die Folgen ihrer Drohungen bedenken.> (Aus dem Interview mit dem Patriarch Gregorius III. Lahm von Antiochien und dem ganzen Orient, Alexandrien und von Jerusalem: "Waffenhändler sind die große Mafia" von Karin Leukefeld, Damaskus, Junge Welt, 18.9.2013)

Stopp der Waffenlieferung und Konversion der Rüstungsindustrie sind angesagt und eine grundsätzliche Revidierung der deutschen Außenpolitik auf der Grundlage von zivilisierten Grundsätzen für die internationalen Beziehungen. Ägypten, Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emiraten haben am Sonntag 24.8. den gemeinsamen Kampf gegen den Extremismus in Syrien beschworen. An dem Treffen in Dschida nahm auch der Botschafter Jordaniens teil. Die fünf Staaten riefen dazu auf, den Konflikt in Syrien durch Verhandlungen zu beenden. Katars Außenminister Khalid Al-Attiya hatte sich deutlich bei seinem Besuch in London am Tag zuvor, Samstag 23.8., von der Terrormiliz IS distanziert. Der kleine Golfstaat überdenkt seine Syrien-Politik. Das Emirat gilt als der Hauptfinancier radikal-islamischer Kräfte in der arabischen Welt. (Aus dem Artikel <Auf Distanz zum "islamischen Staat"> von Gerrit Hoekman, Junge Welt, 27.8.).

Es ist tatsächlich an der Zeit, dass die arabische Welt ihre Haltung gegenüber Syrien korrigiert und wiedergutmacht. Syrien muss seinen Platz in der Arabischen Liga wieder einnehmen, immerhin ist das Land Gründungsstaat der Arabischen Liga. Es war eine große Ungerechtigkeit und ein enormer Fehler zugleich, Syrien unter US-Druck aus der Arabischen Liga auszuschließen. Damit wurde der extrem zionistischen US-Einmischung in der Region freie Bahn gelassen. Die arabischen Länder dürfen sich nicht länger als Marionetten der USA und Israel ausnutzen lassen. Ägypten sollte so bald wie möglich seine diplomatischen Beziehungen mit Damaskus wiederherstellen. Ägyptens Armee ist für eine mögliche Konfrontation mit den Islamisten bestens gerüstet. Zusammen mit der syrischen Armee wären beide Länder in der Lage, die IS-Gefahr aus der Region zu beseitigen.

Während die arabische Welt sich in die richtige Richtung zu bewegen scheint, darf Europa keineswegs stehen bleiben. Berlin muss seine diplomatischen Beziehungen mit Damaskus wieder in Ordnung bringen. Die USA/EU-Gewaltpolitik während der vergangenen über zwanzig Jahre bis zu Terror und Zerstörung wie jetzt im Fall Syrien und Irak muss als Ausgangspunkt der gegenwärtigen Katastrophe identifiziert werden. Die USA haben damit die Pandora-Büchse geöffnet und wissen nicht, wie sie sie jetzt schließen sollen. Weitere Gewalt, Tod und Angriffe aus dem Westen sind bestimmt nicht die Lösung, sondern der sichere Abgrund in weiteres Verhängnis.

Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait
Juristin und Diplomatin a.D.

Süddeutsche Zeitung vom 27.8.14: Rubrik Außenansicht: "Vergesst uns nicht!" von Patriarch Louis Raphael Sako und ZDF-Sendung "Maybrit Illner" vom 28.8.


VON: LUZ MARÍA DE STÉFANO ZULOAGA DE LENKAIT






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