Geschichte des Rassismus in Amerika


13.04.18
InternationalesInternationales, Antifaschismus, Kultur 

 

Rezension von Michael Lausberg

Ibram X. Kendi: Gebrandmarkt. Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika, C.H. Beck, München 2017, ISBN: 978-3-406-71230-2

Ibram X. Kendi, Professor für Geschichte und Internationale Beziehungen der University Washington und Gründungsdirektor der Antiracist Resaerch and Policy Center, erhielt für dieses Buch 2016 den „National Book Award“ in den USA. Nun ist es in deutscher Sprache erschienen.

Ibram X. Kendi räumt mit dem weit verbreiteten Märchen der Gleichheit aller Menschen in den USA auf und benennt und analysiert in seinem Buch den Rassismus gegen Afroamerikaner in den USA. Er beschreibt den Rassismus gegenüber Schwarzen als Bestandteil der Gesellschaft seit der Gründung der USA bis in die Gegenwart, der je nach politischer Situation mal stärker mal schwächer ausgeprägt war. Die Vorstellung, dass Schwarze minderwertig sind und an ihrer mehrheitlich schlechten Lebenssituation selbst schuld sind, zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Er beschreibt ausführlich die „ethnischen Ungleichheiten bei Polizeimorden, bei den Vermögensverhältnissen und den Gefängnisaufenthalten“ und deren Common Sense in weiten Teilen der Gesellschaft. (S. 9)

Die Gründungsgeschichte der USA ist wesentlich geprägt von der rassistischer Ideologie der White Supremacy  („weiße Vorherrschaft“). So  werden im englischsprachigen Raum rassistische Ideologien bezeichnet, welche auf der Annahme beruhen, dass „Europide“ anderen menschlichen „Rassen“ prinzipiell überlegen seien und dass diese Überlegenheit faktisch verteidigt werden müsse. Darüber hinaus schließt der Begriff „White Supremacy“ auch solche Ideologien ein, die in englischsprachigen Ländern wie den Vereinigten Staaten verbreitet waren bzw. noch heute verbreitet sind, z. B. die Alt-Right.

Es wurden in großer Zahl afrikanische Sklaven aufs nordamerikanische Festland verschleppt, nachdem in den südlichen Kolonien Plantagenökonomien entstanden, die äußerst profitabel waren, deren Bedarf an Arbeitskräften durch einheimische Lohnarbeiter aber nicht gedeckt werden konnte. Die wirtschaftlichen und politischen Gegensätze zwischen den Nordstaaten, die die Sklaverei von 1776 an in vielen Einzelschritten aufgegeben hatten, und den Südstaaten, die daran festhielten, gipfelten 1861 im Sezessionskrieg, der für die die Sklaverei zulassenden Südstaaten mit einer Niederlage endete. Die Befreiung aller noch verbliebenen Sklaven folgte 1865. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre bestand in den USA ein umfassendes System der Segregation, durch das Afroamerikaner gegenüber Weißen in fast allen Lebensbereichen benachteiligt waren. Grundlegende Veränderungen – die Abschaffung der Segregation und eine rechtliche Gleichstellung – konnte die afroamerikanische Minderheit erst in der Mitte der 1950er Jahre entstandenen Bürgerrechtsbewegung erkämpfen. Viele Probleme – besonders die wirtschaftliche und Bildungsbenachteiligung der Afroamerikaner, ihre Diskriminierung im Alltag sind jedoch bestehen geblieben und beschäftigen die amerikanische Gesellschaft bis heute.

Die radikalste Erscheinung der weißen Rassismus war und ist der Ku-Klux-Klan. Ziel des Klans war nach der Gründung am 24.Dezember 1865 vor allem die Unterdrückung der Schwarzen. Seine Gewalttaten richteten sich zunächst gegen Schwarze und deren Beschützer sowie gegen die zahlreichen ehemaligen Nordstaatler, die vom Wiederaufbau des Südens (Reconstruction) nach dem Sezessionskrieg profitieren wollten. Es handelte sich um eine paramilitärische Gruppierung, die versuchte, ihre politischen Ziele mit Terror und Gewalt zu erreichen und um 1870 aufgelöst wurde. 1915 wurde der Klan als eine nativistische Massenorganisation neu gegründet. Mit bis zu vier Millionen Mitgliedern (1924) verfolgte dieser Klan eine Politik weißer Vorherrschaft insbesondere gegenüber Afroamerikanern, aber auch einen militanten Antikatholizismus und Antisemitismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg formierten sich verschiedene, voneinander unabhängige Gruppen als Ku-Klux-Klan, die verschiedene Gewaltakte von verbalen Einschüchterungsmaßnahmen über diverse körperliche Angriffe bis hin zu Morden gegenüber tatsächlichen oder vermeintlichen Vertretern der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung verübten.

Die Geschichte des Rassismus gegenüber Afroamerikanern ist aber auch eine des schwarzen Widerstandes und der Selbstorganisation, was im Buch ein wenig zu kurz kommt. Es kam es in den 1960er Jahren zu den größten Bürgerrechtsbewegungen der schwarzen Bevölkerung. Malcolm X und Martin Luther King zählten zu den bekanntesten Persönlichkeiten dieser Jahre. Die Ermordung von Malcolm X 1965 löste landesweit schwere Unruhen aus, in deren Verlauf über 300 Schwarze von Militär und Polizei getötet wurden. Zwei junge Schwarze in West-Oakland, Kalifornien, Huey Newton und Bobby Seale, gründeten daraufhin Anfang 1966 die Black Panthers Party for Self-Defense, um die Ideen von Malcolm X umzusetzen. Dazu verteilten sie unter der Bevölkerung ein 10-Punkte-Programm unter anderem mit den folgenden Forderungen: Freiheit und Selbstbestimmung, Beschäftigung, ein Ende der Ausbeutung, menschenwürdige Wohnungen, ein reformiertes Bildungssystem ein Ende der willkürlichen Polizeigewalt sowie die Freilassung aller schwarzen Gefangenen wegen Benachteiligung während der Verhandlungen,

Rassismus tötet! Dazu muss man nicht nur die Statistiken bemühen. Der tief sitzende Rassismus in den (weißen) Köpfen wird hier eindrucksvoll geschildert. In diesem zornigen Buch wird offen gelegt, was die angeblich fortschrittliche Gesellschaft in den USA nicht hören will. Ein mutiger Querdenker, der aber mehr den (schwarzen) Widerstand gegen diese Zustände in der Geschichte betonen sollte. Empowerment und Kampf um Bürgerrechte gab es und gibt es immer noch. Black Empowerment ist notwendig, die Umkehr der rassistischen Situation durch Black Supremacy ist entschieden abzulehnen.

Nicht vergessen sollte man, dass auch andere Minderheiten wie Latinos, Muslime oder Juden auch unter rassistischen Vorurteilen litten und leiden. Gerade seit Beginn der Ära Trump haben rechte Ideen wieder Hochkonjunktur und Unterstützung von ganz oben.







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