DGB-Studie: Arbeitslosigkeit vor allem in Leiharbeitsbranche und im Exportgewerbe.


Bildmontage: HF

28.10.09
WirtschaftWirtschaft, TopNews 

 

(Völkerrechtliche Normen zum Kündigungsschutz werden von Deutschland nicht anerkannt)

Von Reinhold Schramm

Seit Herbst 2008 haben bereits 3,258 Millionen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland ihre Arbeit verloren. Dies waren 492.000 bzw. 18 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (Herbst 2007 - 2008). Eine DGB-Studie zeigt, besonders Leiharbeiter und das verarbeitende Gewerbe sind betroffen. [1]
Im September 2008 wurden noch 27,996 Millionen sozialversichert Beschäftigte gezählt. Seither haben 11,6 Prozent ihre Arbeit verloren. Entgegen der Annahme vom restriktiven Kündigungsschutz in der Bundesrepublik Deutschland sind die Fluktuation und das Entlassungsrisiko äußerst groß, innerhalb eines Jahres hat jede/r neunte Sozialversicherte Beschäftigte die Arbeit verloren.
Im Verarbeitenden Gewerbe wurden rund 460.000 Arbeitskräfte arbeitslos, meist ein exportorientierter Wirtschaftszweig. Mitte 2009 wurden im Verarbeitenden Gewerbe 1,1 Millionen Kurzarbeiter registriert. Hier arbeiten 16,9 Prozent der Beschäftigten kurz; diese Quote ist dreimal so hoch wie in der Wirtschaft insgesamt. Der Anteil der Männer an der Kurzarbeitsquote liegt hier bei 18,0 Prozent und der der Frauen bei 13,9 Prozent. Durch die Kurzarbeit wurde ein Arbeitsausfall in dieser Branche (vorläufig) von 325.000 Arbeitskräften aufgefangen. Innerhalb des 12-Monats-Zeitraums (Herbst 2008 - 2009) haben 430.000 Leiharbeitskräfte ihre Arbeit verloren und sind arbeitslos geworden. Aus der Branche des Handels kamen rund 360.000 KollegInnen in Arbeitslosigkeit.
Im Finanz- und Versicherungsgewerbe hat sich der Zugang in Arbeitslosigkeit nur unterdurchschnittlich erhöht. Kurzarbeit ist hier bedeutungslos.
Anmerkung: Siehe auf der DGB-Internetseite über Download, Studie, Seite 3: "Zugang in Arbeitslosigkeit aus dem ersten Arbeitsmarkt nach Wirtschaftszweigen: Oktober 2008 - September 2009".

Laut Studie tragen die Leiharbeitskräfte das höchste Risiko der Arbeitslosigkeit. In keiner anderen Branche ist das Risiko so hoch, die Arbeit zu verlieren und arbeitslos zu werden.

Die Beschäftigungsverhältnisse in der öffentlichen Verwaltung (einschließlich Arbeitsagenturen) sind sehr stabil, so auch weiterhin im Finanz- und Versicherungsgewerbe. Das Risiko der Arbeitslosigkeit im Verarbeitenden Gewerbe ist dreimal höher als in diesen Sektoren.
Anm.: Siehe in der aktuellen Studie auch zum: "Entlassungsrisiko nach Branchen von Oktober 2008 bis September 2009".

Laut DGB-Kurzstudie: Vier Fünftel der vormalig Beschäftigten werden von der Arbeitslosenversicherung betreut. Doch immerhin 603.000 sozialversichert Beschäftigte, die ihre Arbeit innerhalb eines Jahres verloren haben, wurden direkt ins Hartz-IV-System durchgereicht. Ihre Zahl hat sich im Vergleichszeitraum um 33.000 erhöht.

Instabile Beschäftigung und Niedrigentlohnung, u.a. im Verkehrs- und Lagereigewerbe, Gesundheits- und Sozialwesen, aber auch im Handel, führt zu einem doppelt so hohen Verarmungsrisiko der sozialversichert Beschäftigten - wie bei jenen KollegInnen im Verarbeitenden Gewerbe.    

Aus der DGB-Studie im Wortlaut: >Ein besonders hohes Risiko der Hartz IV-Bedürftigkeit im Falle des Arbeitsplatzverlustes haben jene Sektoren, die schlecht bezahlen und oftmals prekär Beschäftigen [u.a.: Zeit- und Leiharbeit, Personaldienstleistungen]. Dies zeigt das Gastgewerbe ebenso wie die wirtschaftlichen Dienstleistungen. Gut jede/r fünfte sozialversichert Beschäftigte ist hier bei Eintritt der Arbeitslosigkeit bereits auf Hartz IV angewiesen. Auch wenn die Betroffenen zuvor auf dem ersten Arbeitsmarkt sozialversichert gearbeitet haben, kann der Sozialstaat [?] sie bei eintretender Arbeitslosigkeit nicht mehr vor Bedürftigkeit und Armut schützen. Bei eintretender Arbeitslosigkeit ist das Risiko der Hartz IV-Bedürftigkeit für Beschäftigte im Gastgewerbe sowie den wirtschaftlichen Dienstleistungen etwa dreimal höher als im Verarbeitenden Gewerbe.<
Siehe in der Studie auch: Zugang in Arbeitslosigkeit nach Branchen - direkt ins Hartz IV-System (S.7).

Aus der Schlussbemerkung der Studie:
In den letzten 12 Monaten sind mehr als 3,2 Mio. Menschen aus dem ersten Arbeitsmarkt arbeitslos geworden. Im ersten Jahr der Wirtschaftskrise ist ihre Zahl deutlich um rund 500.000 angestiegen. Branchen mit hohem Entlassungsrisiko sind zugleich Branchen mit einem hohen Verarmungsrisiko bei eintretender Arbeitslosigkeit. Sollte die Wirtschaftskrise länger anhalten, droht sich das Verarmungsrisiko von Arbeits- und Erwerbslosen zu erhöhen. - So auch bei einer weiteren Aufweichung des Kündigungsschutzes.

Wichtige Anmerkung aus der DGB-Studie: Die völkerrechtlichen Normen zum Kündigungsschutz, wie die Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) werden von Deutschland bisher nicht anerkannt.  

Quelle: [1] DGB - am 28.10.2009: "Krise: Arbeitslosigkeit vor allem in Leiharbeitsbranche und im Exportgewerbe": http://www.dgb.de/index_html?-C= Hier: DGB-Bundesvorstand, Bereich Arbeitsmarktpolitik, Wilhelm Adamy, Berlin, Oktober 2009. DGB-Kurzstudie: "Job-Verlust und Arbeitslosigkeit in der Wirtschaftskrise" = Download PDF  







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