Opel – alles in den Strohsack, oder was?


Bildmontage: HF

30.05.09
WirtschaftWirtschaft, Debatte, TopNews 

 

von Dieter Braeg

In jungen Jahren hieß Frank Stronach, noch Strohsack.
Nun ist Opel drin, Strohsack zu!
Im Jahre 1957 fing der Erfolg für Stronach, ein ausgebildeter Werkzeugmacher, an. Er gründete Multimatic in Kanada, wohin er ausgewandert war. Im Jahre 1969 gab es eine Fusion mit Magna Electronics und es entstand Magna International, heute weltweit der drittgrößte Zulieferer der Automobilindustrie, weltweit mit einem Umsatz von 24 Milliarden Dollar im Jahre 2008. Erwirtschafteter „Gewinn“ – 71 Millionen $. 
74 350 Frauen und Männer werden in 240 Produktionsbetrieben beschäftigt, dazu unterhält Magna auch noch 86 Entwicklungszentren. Nur Denso und Bosch sind noch größere Zulieferer der Automobilindustrie.

Es wurde gemeldet:
Opel gehört künftig 'Magna'.
Ein nächtlicher Verhandlungsmarathon im deutschen Kanzleramt hat den Durchbruch gebracht. Magna stellt einen Soforthilfekredit von 300 Mio. Euro bereit und wird mit seinem russischen Partner Sberbank die Automarke übernehmen. Die deutsche Regierung stellt 1,5 Mrd. Euro als Kredite zur Zwischenfinanzierung bereit. Magna will alle vier deutschen Opel-Standorte und so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten. Unterdessen rückt eine Insolvenz für den Opel-Mutter-
konzern General Motors näher.
Allerdings ist bisher nur eine „Absichtserklärung“ unterschrieben, wie dann das „Closing“ aussieht, damit kann man noch viele  unterhaltsame Verunsicherungsinformationen beim Volk abladen, das das alles zahlen muss, aber nichts bestimmen darf.
Stronach  kehrte zurück nach Österreich und gründete hier eine Pferderennbahn, die nicht besonders gut funktioniert. Viele Jahre finanzierte er als Hauptsponsor den österreichischen Nationalligaverein Austria Wien, gründete eine Akademie zur Ausbildung des Balltreternachwuchses, die inzwischen wieder geschlossen wurde.  Erfolge  stellten sich auch da kaum ein. Der Trainerverschleiß erreichte bei der Austria Wien jedenfalls, so lange Stronach da als Zahler auch der Sager war,  Weltrekordniveau.

Die Mitarbeiter von Magna in Österreich werden zurzeit „freiwillig überredet“ auf bis zu 20% ihrer Bezüge zu verzichten.

Das den Gesamtbetriebsratsvorsitzen von Opel, Klaus Franz so was „erleichtert“  und er den Magna Einstieg begrüßt, dürfte damit zusammenhängen, dass sein Umgang mit dem Kapital wohl sehr groß war und die Begegnungen mit der Belegschaft entsprechend klein. Der Umgang prägt das Bewusstsein! Franz der noch nie widersprochen hat, wenn man ihn „Betriebsratschef“ nannte schwurbelte im Deutschlandfunk etwas und meinte Magna sei „hochmodern“ und verfüge über eine interessante Unternehmenskultur, das sei nicht leicht und wörtlich:„Aber es ist auch eine spannende Herausforderung, diese gemeinsamen Kulturen zusammenzubringen“.

Na denn, dann wird wohl FranzIGM&Co der Aktion „freiwillig 20% weniger Lohn“ samt Personalreduzierungen zustimmen, denn das dürfte jene „interessante Unter-
nehmenskultur“ sein, die wirken dürfte. Das ständig die, die die Werte bei Opel mit schwerer Arbeit schufen nichts zu vermelden haben werden, ist ausgemachte Sache.

Klaus Franz und viele andere Nichtinteressensvertreter der Opel Belegschaft verrichten Handlungen, deren Gründe, Bedingungen und Wirkungen sie schon lange nicht mehr kennen. Sie glauben, Herren der Handlung zu sein, deren Herren andere sind, umso mehr werden andere Herren und Bestimmer bei Opel sein.

„„Wer das Gold hat, macht die Regel“ ist ein Spruch von Frank Stronach, der hebelt nicht nur das Betriebsverfassungsgesetz aus und das er zeitweise auch den Rechtspopulisten  Peter Westenthaler (FPÖ/BZÖ) beschäftigte, sollte nicht vergessen werden. Wes Geistes Kind Herr W. ist, illustriert folgende Geschichte:  Westenthaler hatte einen - wie sich später herausstellte, fingierten - Antwortbrief des Österreichischen Alpenvereins an Al-Rawi zitiert, in dem es darum ging, Halbmonde statt Gipfelkreuzen auf den österreichischen Berggipfeln aufzustellen. Später bekannte sich eine Künstlergruppe zu dem Brief, der neben Westenthaler auch an FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und an Hans Dichand (Kronen Zeitung) geschickt worden war.
Das bisher bei den vielen Zusammenkünften der Opel-Rettungsriege kein Wort über ein kurz-mittel- und langfristiges Produktkonzept gesprochen wurde,  wie man endlich wirklich sparsame und umweltfreundliche  Individualverkehrsprodukte herstellt, zeigt wohin die Reise geht. Die Rettung wird durch Lohnkostensenkung per Belegschaftsabbau betrieben. Opels Franz, nicht der Schillers,  meint  zur Zukunft: „Die große Zukunft sehe ich im Potential, dass wir führend werden müssen in der Frage Elektroantriebe“.
Ein führendes Potential?
Eine Elektroantriebsfrage?
Da hat auch die IGMetall was zu verkünden: Die „Hängepartie“ sei für die Opel- Beschäftigten in ganz Europa eine Zumutung gewesen, so Bezirksleiter Oliver Burkhard. (der vom Vorstand der IG Metall eingesetzt und nicht von IG Metall Mitgliedern gewählt wurde!) „Jetzt können wir nach vorne schauen.“  Es gäbe, das wäre entscheidend an der Lösung – keine betriebsbedingten Kündigungen.  Mal angenommen man würde einen Blick zurück riskieren, wie viele Arbeitsplätze sind denn bei Opel Deutschland seit 1970 bereits vernichtet worden, trotz immenser Produktions- und Umsatzsteigerungen?
Aha, also wird es ein „freiwilliges“ Ausscheiden geben. Das schon tausende Leiharbeitskräfte  bei Opel gefeuert wurden, das scheint egal zu sein. Schönen Gruss an jene, die in Zeitlohn und Leiharbeit die Gewerkschaftsschulen und Büroräume der Gewerkschaften sauber halten, waren sie Vorbild für’s Kapital die Zeit/Leiharbeit auszudehnen um Tarifverträge zu umgehen?
„Wer das Gold hat, macht die Regel“

Wie wenig man sich damit beschäftigt hat, wie viele Arbeitsplätze außerhalb von Opel gefährdet sind, zeigt die Jubelstimmung aller Beteiligten. Der Automobilindustriezulieferer muss auch weiterhin Rücksicht auf seine Kunden nehmen, die sicherlich nicht begeistert sein dürften, dass Magna nun selbst Mitkonkurrent auf dem schrumpfenden Weltweitautomobilmarkt wird.  Das dabei wohl kaum Rücksicht auf die Umwelt genommen werden dürfte, ist kein Geheimnis. Interessant dürfte wohl vor allem jene Produktionsstätte sein, die sogar Bodo Ramelow  in höchsten Tönen lobt, weil mit wenig Personal  hohe Ergebnisse erzielt werden – die in Eisenach.  Das in den Jahren 2010 bis 2015 kaum große Umsätze im Bereich PKW Verkauf zu erwarten sind, dank des genialen Verschrottungsprämienwahnsinns,  dürfte auch bei den Opel-Rettungsgesprächen keine Rolle gespielt haben. Aber auch da wird die Belegschaft zahlen müssen.

Die Verhandlungsgruppe in ihrer Zusammensetzung samt vieler Betriebsräte und der G
Gewerkschaftsbürokratie die verkündet den Opelanern:

Wir wollen Euer Bestes.“

Da gäbe es nur eine Antwort:

„DAS WOLLEN WIR EUCH NICHT GEBEN !“

Dieter Braeg


VON: DIETER BRAEG






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