Jeder Fünfte rutscht bei Arbeitslosigkeit sofort in den Hartz-IV-Strafvollzug


Bildmontage: HF

24.08.15
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Von Reinhold Schramm

Mehr als jeder fünfte Beschäftigte, der im ersten Halbjahr 2015 seine Erwerbsarbeit verlor, ist sofort in “Hartz IV“ gerutscht.

“Die soziale Sicherheitsfunktion der Arbeitslosenversicherung hat Lücken, die geschlossen werden müssen“, sagte Annelie Buntenbach (DGB-Vorstand). “Die Ausweitung der Rahmenfrist auf drei Jahre ist dringend notwendig. Mehr als ein Fünftel der Arbeitslosen landet heute direkt im Hartz-IV-System“, so Buntenbach. “Dabei haben viele von ihnen zuvor Beiträge in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt.“ Insbesondere prekär Beschäftigte und Leiharbeitskräfte kämen oftmals gar nicht in den Schutz der Arbeitslosenversicherung.

Der Weg vom Beschäftigten zum Hartz-IV-Empfänger kann sehr kurz sein

Nach einer DGB-Auswertung der aktuellen Arbeitsmarktzahlen haben im ersten Halbjahr 2015 immer noch 1,238 Millionen Menschen ihre sozialversicherte Erwerbsarbeit verloren und sind arbeitslos geworden. Die Arbeitslosenversicherung schützt sie nur unzureichend. Sofern überhaupt ein Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG I.) besteht, erfolgt bereits nach einem Jahr der Abstieg in den Hartz-IV-Strafvollzug.

Viele scheitern aber auch bei Eintritt der Arbeitslosigkeit an den hohen Zugangshürden zum ALG-Versicherungssystem. Sie erhalten entweder gar kein Arbeitslosengeld oder so niedrige ALG-Leistungen, dass sie ergänzend auf Hartz IV angewiesen sind.

21 Prozent rutschen sofort in den Hartz-IV-Strafvollzug

Mehr als ein Fünftel, die im ersten Halbjahr 2015 die Erwerbsarbeit verloren, sind schon zu Beginn der Arbeitslosigkeit im Hartz-IV-Vollzug. Absolut waren dies 264.000 bzw. 21,3 Prozent der (vormals) sozialversichert Beschäftigten mit Arbeitsplatzverlust.

Diese Fakten zeigen, auch bei vorheriger Beitragszahlung ist das Verarmungsrisiko schon zu Beginn der Arbeitslosigkeit sehr hoch. Das erhöht zudem das individuelle Armutsrisiko im Alter.

Mehrheit der Erwerbslosen hat Berufsausbildung

Mehr als zwei Drittel der Erwerbstätigen, die sich neu arbeitslos melden müssen, haben eine berufliche Ausbildung. Das Hartz IV-Risiko nimmt zwar mit dem Qualifikationsniveau ab, liegt aber immer noch bei ehemaligen Fachkräften bei knapp einem Fünftel. Bei arbeitslosen Helfern (u. a. ohne Berufsausbildung) sind nach einer Erwerbstätigkeit am sog. Ersten Arbeitsmarkt sogar 42 Prozent auf staatliche Fürsorgeleistungen angewiesen.

Viele mit und ohne Berufsabschluss haben zwar während ihrer Erwerbsarbeit ein ganzes Jahr Beiträge zur ALG-Versicherung gezahlt. Sie haben es aber nicht innerhalb der letzten zwei Jahre, – wegen der gesetzlichen Rahmenfrist, schaffen können, weil sie befristet oder unstetig beschäftigt waren. Infolge der zu kurzen ALG-Beitragszahlungen oder einer länger zurück liegenden Erwerbsarbeit führt dies zum sofortigen Sturz in den Hartz-IV-Strafvollzug.

Insbesondere prekär Erwerbstätige, kurzfristig Beschäftigte und Leiharbeitspräfte kommen oftmals gar nicht in den Schutz der Arbeitslosenversicherung (ALG).

[Auszug, vgl.]

 

Quelle: DGB-Auswertung der Arbeitsmarktzahlen 1. Halbjahr 2015.

DGB am 24.08.2015. Jeder Fünfte rutscht bei Arbeitslosigkeit sofort in Hartz IV

DOWNLOAD: Auswertung aktueller Arbeitsmarktzahlen: 12 Monate mehr – wie die Arbeitslosenversicherung besser vor Verarmung schützen kann (PDF). Siehe unter:

www.dgb.de/themen/++co++e79b1856-4a4b-11e5-b846-52540023ef1a

 

24.08.2015, Reinhold Schramm (Zusammenfassung)







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