Gewinne und Profite auf hohem Niveau

04.12.12
WirtschaftWirtschaft, Soziales, TopNews 

 

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Die Verteilung der Wertschöpfung aus abhängiger Erwerbs- und Lohnarbeit - oder: Warten auf den Weihnachtsmann der “Sozialpartner“?

Die einseitige Verteilungsentwicklung der Gewinne und Profite aus abhängiger Erwerbs- und Lohnarbeit in Deutschland ist nicht gestoppt.

Die Nettolohnquote stieg geringfügig auf 44,5 Prozent. Der Wert von knapp 43 Prozent in der ersten Hälfte 2012 lasse allerdings erwarten, dass bis Jahresende kein weiterer Zuwachs eintritt, schätzt Claus Schäfer im neuen WSI-Verteilungsbericht.*

Der Leiter des WSI sieht keine Wende im langjährigen Trend, nach dem Gewinne und andere Kapitaleinkommen gegenüber den Löhnen beständig an Boden gewinnen. Verglichen mit den 1960er- bis 1980er-Jahren, als die Nettolohnquote über 50 Prozent lag, sei das Kaufkraftpotenzial der Arbeitseinkommen nach wie vor „auf einem historisch niedrigen Niveau“. Die „jüngsten kleinen Verbesserungen, die in nächster Zeit möglicherweise schon wieder von konjunktureller Abkühlung revidiert werden“, könnten die gewachsene Ungleichheit nur marginal korrigieren.

Die private Konsumnachfrage, die der deutschen Konjunktur bislang neben dem Export einigermaßen über die Eurokrise geholfen hat, steht damit nach Schäfers Analyse auf unsicherem Fundament. Zumal verschiedene Untersuchungen zeigten, dass die Löhne der besser Verdienenden und vor allem die Top-Einkommen deutlich stärker gestiegen sind als die der niedriger Bezahlten. So gehe die wachsende Beschäftigung in Deutschland mit „Spreizungsprozessen und Prekaritäten“ einher.

Als Folge trage die zu schwache Binnennachfrage dazu bei, dass Unternehmen trotz reichlicher Finanzmittel nicht genug im Inland investierten. Da auch der Staat zu wenig investiere, drohten Kapitalstock und Infrastruktur zu veralten.

Um der öffentlichen Hand wieder Spielräume zu eröffnen und einen nachhaltigen Wandel in der Verteilungsentwicklung zu unterstützen, hält der Forscher unter anderem Steuererhöhungen auf große Einkommen und Vermögen für sinnvoll. Bislang wirke die Steuerpolitik in die Gegenrichtung: So lagen die direkten Steuern auf Gewinn- und Vermögenseinkommen 2011 bei durchschnittlich 7,7 Prozent. Die durchschnittliche Lohnsteuerbelastung auf Arbeitseinkommen betrug hingegen 15,5 Prozent.

Zudem sei es kontraproduktiv, wenn Europa gegen die Eurokrise auf rigide Sparpolitik und die Senkung von Sozialstandards setze. Nur eine auf nachhaltiges Wachstum und weniger [- ? -] soziale Ungleichheit ausgerichtete Politik könne die „gegenwärtige Gefahr einer selbstverstärkenden Abwärtsspirale eindämmen“. (Vgl.)
[Eine modifizierte Übernahme.]

* Quelle: Claus Schäfer: Wege aus der Knechtschaft der Märkte – WSI-Verteilungsbericht 2012, in: WSI-Mitteilungen 8/2012 Download und Quellendetails: www.boecklerimpuls.de
Böcklerimpuls 19/2012 - Verteilung: Warten auf die Trendwende
www.boeckler.de/impuls_2012_19_1.pdf

 

 

 

 


VON: REINHOLD SCHRAMM (BEREITSTELLUNG)






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