Middelhoff sitzt bequem


Bildmontage: HF

16.12.14
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von Herbert Schedlbauer

Kolumne

Mal ehrlich. Das kam ja völlig überraschend. Thomas Middelhoff im Knast. Womöglich geht es den Lesern dieser Zeilen ähnlich wie dem Ver- fasser. Täglich urteilt die Justiz in diesem Staat nach dem Recht des Stärkeren „die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen“.

Was hat die Staatsanwaltschaft trotzdem geritten, eine solche Kehrtwende zu vollziehen? Hat Middelhoff, der Karstadt unter dem Namen Arcandor AG in die Pleite führte, wirklich überzogen, wie die bürgerlichen Medien publizieren. Oder stand er womöglich vor lauter Habgier der eigenen Klasse auf dem Fuß?

Wegen Untreue in 27 und Steuerhinterziehung in drei Fällen wurde er am 14. November zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Vom Gerichtssaal direkt in den Knast beför- dert. Der kaltschnäuzige Manager hat sich aus der Aktiengesellschaft mehr als 500.000 Euro in die Tasche gesteckt. Das konnte man ihm nachweisen.

Der Insolvenzverwalter des Handelskonzerns sprach zwar von ganz anderen Summen und forderte 3,4 Millionen Euro zurück. Doch die sind Pillepalle und längst vom Tisch. Während die Beschäftigten um 200 Millionen Euro betrogen wurden und trotzdem ihre Arbeitsplätze verloren, rechnete Middelhoff Privatflüge in zahlreichen Charterjets ab.

Traf sich mit der Konzernspitze und wer weiß wem noch, mal eben an der 'Côte d’Azur'. Um die Entlassungen bei der Karstadt-Tochter Neckermann festzuklopfen. Der dabei vertilgte Rotwein zum Preis von mehreren Tausend Euro bezahlte auch das Personal.

Na und? Was ist daran so ungewöhnlich. Die Klasse, zu der Middelhoff gehört, handelt so seit Jahrhunderten. Doch, warum darf er das plötzlich nicht mehr? „Big T.“ wie er sich in Freundeskreisen nennen ließ, hatte den Drang nach unendlicher persönlicher Bereicherung. Wollte nicht nur aus den Beschäftigten Millionen Euro herauspressen und sich große Teile davon privat aneignen. Er hat sich aber auch mit seinesgleichen ange- legt.

Madeleine Schickedanz von Quelle, Josef Esch vom Bankhaus Sal Oppenheim und der Unternehmensberater Roland Berger sind deshalb mehr als verärgert. Die haben nun ihrerseits die Staatsanwälte in Bewegung gesetzt um verlorenes Geld, was sie auch nicht selbst erarbeiteten, zurück zu holen. Dies könnte der Grund sein, warum das Essener Landgericht und die Richter aus der Reihe tanzten.

Man wird gespannt sein dürfen, wie lang der Spruch der Essener Justiz, statt Betongold an der 'Côte d’Azur', nun Zellenwände mit Gitterstäben am Fenster auf acht Quadrat- metern, gültig ist.

Es wäre nicht das erste Verfahren, welches gegen hohe Geldauflagen eingestellt würde. Womit die Rechtsprechung im Sinne der Absicherung der Ausbeutungsverhältnisse im Kapitalismus auch wieder im Lot wäre.


VON: HERBERT SCHEDLBAUER






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