Erster Weltaktionstag für menschenwürdige Arbeit


Hungerlohntruck: SaarKurier

08.10.08
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Improvisationstalent der Saargewerkschaften Weltspitze - Erste Kneipendemo fand regen Anklang

Von Claude Michael Jung

Man sagt den Saarländern oft nach, sie hätten etwas französisches an sich. Wenn es um das savoir vivre, die Lebensart geht, stimmt dies auch. Wenn es jedoch darum geht soziale Rechte zu erkämpfen, oder diese gar zu verteidigen, unterscheiden sich Saarländer und ihre Nachbarn gewaltig. Am ersten Weltaktionstag für menschenwürdige Arbeit gingen, nach französischen Medienberichten, Zehntausende in ganz Frankreich auf die Straße um für für menschenwürdige Arbeit zu demonstrieren. Sechs große Gewerkschaftsverbände hatten zu Streiks und Demonstrationen am "Journée pour le travail décent" aufgerufen.

Im Saarland, bei den kleinen Franzosen, war dies etwas anders. Hier kreierte erstmals der Deutsche Gewerkschaftsbund an der Saar eine völlig neue Art der Demonstrationskultur. In der Berliner DGB Zentrale hatte man anscheinend den ersten Weltaktionstag für menschenwürdige Arbeit verschnarscht, so das eine Mobilisierung im großen Umfang nicht mehr möglich war.

In der saarländischen Hauptstadt Saarbrücken musste der Saar DGB am vergangenen Dienstag daher sein volles Improvisationstalent unter Beweis stellen. Heraus kam die vermutlich erste Kneipendemo diesseits und jenseits der Milchstraße. Mit einer "After Work Party", gleich in zwei Gaststätten, war bei Happy Hour Preisen, Musik und Kabarett den abwesenden Bossen ordentlich zu Gehör gebracht worden, das es nun endlich auch wieder mal Zeit wird, über die Einführung eines gesetzlich verankerten Minimallohns von mindestens 7.50 EURO zu debattieren.

Ein Hauch von Internationalität lag zwischen Pils und Rotwein, als der Vorsitzende des DGB Saar, Eugen Roth, Gäste aus der benachbarten Region begrüßen konnte. Aus dem Großherzogtum Luxembourg waren zur Unterstützung der Feier, Vertreter des Gewerkschaftsdachverbandes OGBL ans Glas geeilt. Auch ein Vertreter der französischen Gewerkschaft CGT prostete den kämpferischen After Workern zu.

Sogar schweres Gerät hatte der DGB Saar eigens zur After Work Party heran gekarrt. Vor dem Saarländischen Staatstheater, in Sichtweite der feiernden After Worker, stand der rote Mindestlohn-Truck der deutschen Gewerkschaften mit der plakativen Aufschrift: "Kein Lohn unter 7.50 EURO". Hier gab es reichlich rote DGB-Mützen und Kugelschreiber zu ergattern.

Am Mittwoch und Donnerstag gastiert der DGB-Mindestlohn-Truck in den saarländischen Kreisstädten Neunkirchen und Merzig. Hier kann sich das Publikum, nach DGB Angaben, von Politikern der Agenda 2010 Parteien kräftig über den Löffel balbieren lassen. Wie der Saar DGB mitteilt, haben für die Aufführung auf dem Neunkircher Stummplatz, der dortige Bürgermeister Jürgen Fried (SPD) und Gisela Kolb MdL (SPD). sowie Manfred Jost von Bündnis 90/Die Grünen, ihr schönstes Lächeln aufgezogen.

Am Donnerstag ist der Mindestlohn-Truck von 10 bis ca. 16 Uhr im nordsaarländischen Merzig auf dem Kirchplatz zu sehen. Auch hier geben sich Grimasseure (dt. Grimassenschneider) der großen Sozialraubkoalition die Ehre. Zugesagt haben: Jürgen Schreier, MdL (CDU), Vorsitzender der CDU- Landtagsfraktion, Anke Rehlinger, MdL (SPD) und wiederum Manfred Jost von Bündnis 90/Die Grünen.

 







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